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Traumhaftes DDR5-Debüt?


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PC Games Hardware Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 02.11.2022

RAM-Tuning für Ryzen 7000

Artikelbild für den Artikel "Traumhaftes DDR5-Debüt?" aus der Ausgabe 12/2022 von PC Games Hardware Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Games Hardware Magazin, Ausgabe 12/2022

Intel war 2021 zwar der Vorreiter bei der Unterstützung von DDR5-RAM, bietet Anwendern nach Alder Lake aber nun auch bei Raptor Lake weiterhin die Option, DDR4-Speicher einzusetzen. AMD entschied sich für einen späteren, dafür kompromisslosen Wechsel: Die seit Kurzem erhältlichen Ryzen-7000-Prozessoren lassen sich nur mit DDR5-RAM kombinieren.

DDR5 ein Jahr später

In den ersten Wochen nach dem Alder-Lake-Launch waren DDR5-Kits kaum verfügbar und sehr teuer. Frühe Umsteiger mussten außerdem üblicherweise mehr als doppelt so viel Euro pro GiByte für ein DDR5-Kit berappen. 2022 verbesserte sich die Situation stetig: Die Verfügbarkeit ist seit dem Frühjahr kaum noch ein Thema und auch die Preise entwickeln sich in die gewünschte Richtung. Beispiel: Während DDR4-3200-Kits mit 2× 16 GiByte ab 90 Euro erhältlich sind, erfolgt der Start in die DDR5-Welt bei gleicher Kapazität ...

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... inzwischen ab 150 Euro.

Während die Auswahl an DDR4-High-End-Produkten allerdings allmählich zurückgeht (aber immer noch gut ist!), drehen die Hersteller bei DDR5-Speicher erst auf: Nachdem bereits letztes Jahr mehrere Produzenten Kits mit einer DDR5- 7xxx-Freigabe in Aussicht stellten, scheint Raptor Lake nun endlich der Anlass zu sein, diese hochgezüchteten Taktriesen auch tatsächlich zu veröffentlichen: G.Skill reichte bereits eine Selbstzertifizierung für ein DDR5-7600-Kit mit XMP ein!

DDR5-6000+

Mit Ryzen 7000 werden sich Übertakter allerdings überwiegend im niedrigen bis mittleren DDR5- 6xxx-Taktbereich aufhalten. AMD selbst definiert DDR5-6000 als Sweet Spot für Tuner, Mainboardund RAM-Hersteller gehen noch etwas weiter: DDR5-6400 gilt für den Großteil der AM5-Platinen (33 von 59 im PCGH-Preisvergleich) als Obergrenze, die höchste Spezifikation reicht bis DDR5-6666. Dazu passt, dass die bisher schnellsten in Aussicht gestellten EXPO-Kits für DDR5-6400 spezifiziert sind – mehr zu EXPO später in diesem Artikel. Offiziell gibt AMD die Ryzen- 7000-CPUs nur für DDR5-5200 frei.

Wir nutzen für die Tuning-Tests einen Ryzen 7 7700X, dessen Kerne wir auf 5,2 GHz fixieren, damit die CPU-Leistung möglichst konstant bleibt. Auf dem genutzten Mainboard, einem Asus Crosshair X670E Hero nutzen wir hauptsächlich das Corsair-Kit Dominator Platinum RGB CMT32GX5M2B6000Z30 mit 2× 16 GiByte. Es erreichte uns nicht nur als erstes von drei EX-PO-Kits, sondern bietet mit einer Freigabe für die Timings 30-36-36- 76 bei DDR5-6000 auch die besten Eckdaten. Zusätzlich nutzen wir das G.Skill-Kit Trident Z5 RGB F5-6000J3040G32GX2-TZ5RS. Es ist zwar „nur“ für 30-40-40-96 bei ebenfalls DDR5-6000 freigegeben, ist damit aber auch mehrere Monate nach Erscheinen immer noch ungeschlagen innerhalb der Kapazitätsklasse 2× 32 GiByte. Die höhere Kapazität wird mit mehr Ranks realisiert, sodass wir anhand dieser Module aufzeigen können, inwiefern ein Ryzen-7000-Setup von mehr Ranks profitiert. Für eine noch bessere Vergleichbarkeit verschärfen wir dafür die Timings von 30-40-40-96 auf 30-36-36-76, sodass die Hauptlatenzen dem Corsair-Kit entsprechen. Auch die automatisch gewählten Subtimings beider Kits sind nahezu identisch, lediglich bei Trdrddd, Twrwrdd, Trdrdsd und Twrwrsd beobachten wir geringfügige Abweichungen, welche den Corsair-Riegeln ein kleines Plus bei Leseoperationen, den G.Skill-Modulen bei Schreiblast bescheren sollten.

Mehr Takt, mehr Leistung

Wie Sie den Benchmarks entnehmen können, entpuppt sich ein Betrieb mit DDR5-5200 und Standard-Timings (40-40-40-77) als die gemächlichste Variante. Ryzen- 7000-Nutzer, die nicht nur spielen und dabei von der Grafikkarte limitiert werden, profitieren also davon, Arbeitsspeicher mit einer höheren Taktrate als von AMD spezifiziert zu verwenden. Wie sehr sich der Wechsel auf DDR5- 6000 (30-36-36-76) lohnt, hängt von der Last ab. In den vier von uns geprüften Spielen beträgt die Mehrleistung mindestens 4 bis 7 Prozent. Anwendungen, bei denen der Arbeitsspeicher eine zentrale Rolle spielt, wie 7-Zip oder auch der Photoworkxx-Test von Aida64 skalieren gut und belohnen die 15-prozentige Takterhöhung plus Latenzverschärfung mit mindestens 10 Prozent mehr Leistung; das sind keine weltbewegenden Unterschiede, angesichts dessen, dass ähnliche Leistungssteigerungen via CPU-Overclocking aber schwieriger zu erzielen und mit mehr Nachteilen behaftet sind, sollten Tuner sie sich aber keinesfalls entgehen lassen.

In den Benchmarks finden Sie sowohl den Eintrag „EXPO 1“ als auch „EXPO 2“. Dabei handelt es sich um keine unterschiedlichen EXPO-Einträge (Corsair hinterlegt nur einen), sondern um die zwei Wahlmöglichkeiten, welche das Crosshair X670E Hero beim Vorhandensein eines EXPO-Profils anbietet. Sie haben die Wahl, ob EXPO mit Standard-Subtimings oder mit von Asus optimierten Subtimings geladen werden soll. Im von uns für die Benchmarks genutzten UEFI 0703 waren die beiden Optionen noch nicht mit einem Hilfstext versehen, ein Direktvergleich der Timings mit der AMD-Software Ryzen Master förderte aber zutage, dass sich die Option EXPO 2 lediglich durch eine von 146 auf 112 verkürzte Row Cycle Time (tRC) unterschied. Diese Maßnahme hilft messbar, eine manuelle, aufwendige Optimierung der Subtimings ersetzt das aber nicht. Wie das in der Praxis aussehen kann, haben wir erst kürzlich mit einem DDR5-System auf Alder-Lake-Basis (09/2022) als auch mit einem Ryzen-5000-Setup (11/2022) demonstriert.

Maximaler Speichertakt

Die Speichertaktraten lassen sich in DDR5-200-Schritten festlegen, auf DDR5-6000 folgen also DDR5- 6200/6400 etc. Bei DDR5-6600 gelang uns sporadisch ein PC-Start, das Laden von Windows erwies sich aber bereits als zu große Herausforderung. Deutlich besser, aber immer noch nicht zufriedenstellend lief es bei DDR5-6400: Das Betriebssystem erweckte zwar einen stabilen Eindruck, etwas anspruchsvollere Benchmarks wie Y-Cruncher oder Linpack Xtreme entpuppten die Konfiguration aber in kurzer Zeit als instabil. Wir probierten unterschiedliche RAM-Kits und verschiedene Kombinationen aus Spannungen, Timings und anderen Optionen wie dem RAM-Controller-Takt, erzielten damit aber nicht den gewünschten Erfolg. Auch ein kurzzeitiger Wechsel vom Asus Crosshair X670E Hero zum MSI MEG X670E Ace sorgte nicht für den Durchbruch. Eine Selbstverständlichkeit ist ein stabiler DDR5-6400-Betrieb also nicht. Die für Asus aktive Overclocking-Koryphäe Peter „Shamino“ Tan empfiehlt Tunern, welche RAM mit SK-Hynix- oder Samsung-Chips . nutzen, folgende Einstellungen für einen DDR5-6400-Betrieb:

• CPU SOC Voltage: 1,30(-1,40) Volt z CPU VDDIO/MC Voltage: 1,25 Volt

• VDDP Voltage: 1,05(-1,15) Volt z DRAM VDD: 1,25 Volt

• DRAM VDDQ: 1,25 Volt

Andere Spannungen seien nicht von großer Hilfe. Eine grundsätzliche Empfehlung lautet, die Spannungen VDDIO sowie DRAM VDD und DRAM VDDQ mit gleich viel Volt zu betreiben. Das geschieht sowohl beim Asus- als auch MSI-Mainboard automatisch, sofern Sie nur die Speicherspannung justieren. Zu bedenken ist allerdings, dass bei dieser Vorgehensweise starkes Overvolting des DDR5-Speichers auch zu einem deutlichen Spannungsanstieg im I/O-Die des Prozessors führt, in dem sich der RAM-Controller befindet. Für diesen Artikel setzten wir bis zu 1,50 Volt ein, ob das langfristig unbedenklich ist, können wir Ihnen aber leider nicht sagen.

RAM-Controller-Takt

Für die Leistung ist natürlich nicht nur die Taktfrequenz des Arbeitsspeichers, sondern auch des RAM-Controllers wichtig. Dessen Taktrate hängt vom eingestellten Speichertakt ab und lässt sich nur in zwei Stufen konfigurieren: Entweder läuft der RAM-Controller im Verhältnis 1:1 zum Arbeitsspeicher oder mit dem halben RAM-Takt. Wir haben bei der Taktstufe DDR5-6000 exemplarisch geprüft, wie stark die Leistung beeinträchtigt wird, wenn der RAM-Controller mit 1.500 statt 3.000 MHz betrieben wird. Offen gesagt sind wir positiv überrascht davon, dass der halbierte RAM-Controller-Takt die Leistung nur geringfügig beeinträchtigt. Photoworkxx attestierte der Konfiguration unerklärlicherweise sogar eine leicht höhere Leistung (womöglich eine Folge der noch ausstehenden Optimierung für die CPU-Architektur seitens der Entwickler?), aber auch in anderen Anwendungen und Spielen hält sich der negative Einfluss in Grenzen. Wir konnten zwar wie erwähnt auch mit einem gebremsten RAM-Controller den DDR5-6400-Betrieb nicht stabilisieren, sollten Sie auf diesem Wege aber einen Taktgewinn von DDR5- 400 oder mehr realisieren können, Interessanterweise gibt es wohl keine einheitliche Vorgehensweise bei den Mainboard-Herstellern, was die Automatik angeht: Während wir mit den zum Redaktionsschluss aktuellen UEFI-Versionen sowohl beim Crosshair X670E Hero als auch dem MEG X670E Ace bemerkten, dass der RAM-Controller-Takt im DDR5- 6000-Betrieb bei lediglich 1.500 MHz lag, agierte das Asus-Board mit einer geringfügig älteren UEFI-Version (0703 statt 0705) noch anders und legte 3.000 MHz an. Am besten überprüfen Sie daher, was Sache ist: Sofern im „Memory“-Reiter von CPU-Z der gleiche Wert für „Uncore Frequency“ und „DRAM Frequency“ angezeigt werden, läuft das System im flotteren 1:1-Modus. Manuelle Anpassungen sind herstellerübergreifend im AMD-Overclocking-Abschnitt des UEFI-Menüs möglich (siehe Screenshot).

Fabric-Overclocking

Nicht in direktem Zusammenhang mit dem Arbeitsspeicher steht die Taktfrequenz des Infinity Fabric, über das die chipinterne Kommunikation erfolgt: Sie wird standardmäßig auf 2.000 MHz, oder präziser gesagt den Multiplikator ×10, begrenzt. Heben wir nämlich den Referenztakt auf über 200 MHz an, dann steigt auch der Fabric-Takt auf über 2.000 MHz. Notwendig zur dessen Beschleunigung ist das allerdings nicht, da eine Konfiguration in feinen Schritten möglich ist: Bis 2.000 MHz teilweise in Schritten von 10 MHz, ab 2.000 MHz in 33/34-MHz- und ab 2.500 MHz in 50-MHz-Stufen. Interessanterweise unterschied sich die beobachtete Granularität abhängig davon, ob der auch FCLK Frequency genannte Fabric-Takt im AMD-Overclocking-Abschnitt oder im Extreme-Tweaker-Menü des Asus Crosshair X670E Hero justiert wurde. Wir konnten den Takt auf 2.167 MHz anheben, was zwar lediglich ein Taktplus von 8 Prozent ist, in Anwendungen und Spielen aber dennoch messbar mehr Leistung beschert. Einen Betrieb im 1:1-Modus, wie er bei getunten Ryzen-DDR4-Systemen noch üblich war, ist mangels Fabric-Taktspielraum keine valide Option.

Ranks

Setzen Sie zwei DDR5-Module mit je 32 statt 16 GiByte ein, dann profitieren Sie – sofern Takt und Timings ähnlich ausfallen – von zusätzlichen Ranks. In den Benchmarks sind die Ergebnisse mit „DR“ für dual-ranked statt „SR“ (singleranked) gekennzeichnet. Das Leistungsplus ist zwar messbar, aber nicht so groß, um eine derartige Anschaffung zu rechtfertigen, sofern Sie nicht ohnehin mehr als 32 GiByte RAM benötigen. Erfreulich ist aber aus Tuner-Sicht, dass auch mit hochkapazitativen Modulen in den DDR5-6xxx-Bereich vorgestoßen werden kann, sofern die Riegel selbst dafür geeignet sind. Da die genutzten G.Skill-Riegel außerdem mehrere Monate vor dem Ryzen- 7000-Launch erschienen sind, nur XMP statt EXPO bieten und G.Skill selbst ausschließlich Intel-Boards auf der Qualified Ventor List (QVL) führt, zeigen die Ergebnisse auch: Bloß weil nun viele RAM-Hersteller den Markt um spezielle „Ryzen-Kits“ bereichern, heißt das nicht, dass sie ein solches zwingend benötigen, um eine gute Leistung, hohe Taktraten oder lediglich einen stabilen Betrieb zu erzielen.

Wo es noch klemmt

Unterstützten AMD oder Intel erstmals einen neuen Speicherstandard, passierte es nicht selten, dass die Plattform in der ersten Generation unter Kinderkrankheiten litt, die manchmal, aber nicht immer mit UEFI-Updates behoben werden konnten. Haswell-E (2014) nervte manche Anwender etwa durch Boot-Schleifen beim Kaltstart, AMDs Ryzen erwies sich 2017 als recht wählerisch bei den verbauten Speichermodulen und bei Alder Lake war es 2021 keine Selbstverständlichkeit, dass ein System nach dem Laden von XMP stabil lief. Auch Ryzen 7000 plagen nach unserer Erfahrung noch einige Ungereimtheiten. Allerdings lassen sich diese nicht immer reproduzieren und können sich durch kleine Konfigurationsunterschiede bereits in Luft auflösen. Während der Autor dieses Artikels beispielsweise zeitweise mit dem MSI MEG X670E Ace operierte und es ihm damit nicht gelang, das Corsair-Kit stabil nach Spezifikation zu betreiben (egal ob via EXPO oder manuell konfiguriert) und auch beim G.Skill-Trident-Z5-Neo-RGB-Kit auf Probleme mit EXPO stieß, hatte CPU-Tester David Ney auf diesem Board einige Wochen zuvor keine Probleme mit EXPO und einem spezifikationsgleichen G.Skill-Kit. Soll heißen: Seien Sie mental darauf vorbereitet, dass es beim Betrieb außerhalb der CPU-Spezifikation teilweise noch etwas haken kann und halten Sie nach UEFI-Updates Ausschau.

Ebenfalls ausbaufähig ist bisher die Unterstützung auf Software-Ebene: Auf eine Abbildung der von Aida64 gemessenen RAM-Transferraten verzichteten wir beispielsweise, da das Programm laut Entwickler noch nicht für Ryzen 7000 optimiert wurde. Ins Auge fiel uns vor allem eine um schätzungsweise mindestens 20 GB/s zu niedrige Leserate auf DDR4-Niveau, welche interessanterweise nur leicht mit

RAM-OC, aber stark mit dem Infinity-Fabric-Takt skalierte. Dabei hätten wir eher mit einer niedrigen Schreibrate gerechnet, da AMD wie schon bei den AM4-Vorgängern Datenleitungen für Schreiboperationen zwischen CPU Compute Dies (CCDs) und I/O-Die (IOD) eingespart hat, was in der Vergangenheit dazu führte, dass erst CPU-Modelle mit zwei CCDs im Aida64-RAM-Test eine hohe Schreibrate boten.

Das bei RAM-Tunern beliebte Tool Zen Timings war zum Testzeitpunkt noch nicht für Ryzen 7000 geeignet, sodass wir zum Auslesen von Subtimings Hwinfo oder AMDs Ryzen Master empfehlen. Blind vertrauen sollten sie den Werten aber auch nicht: Im Taktbereich über DDR5-6000 kann es passieren, dass Datenmüll ausgelesen wird – siehe Screenshot. Übrigens: Die Command Rate lässt sich bei Ryzen- 7000-PCs nicht justieren. Hwinfo zufolge liegt sie stets bei 1T.

EXPO

In der DDR3-Ära führte Intel mit XMP (Extreme Memory Profile) eine Zertifizierung und Erweiterung des Serial Presence Detect (SPD) ein. Die in einem EEPROM gespeicherten Informationen sorgen dafür, dass jedes RAM-Modul stabil betrieben werden kann, sofern es die Spezifikationen der Herstellervereinigung JEDEC einhält. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Im XMP-Abschnitt des SPDs sind zusätzliche Informationen hinterlegt, die nicht bloß einen stabilen Betrieb sicherstellen sollen, sondern auch Overclocking mit angehobenen Spannungen ermöglichen. Ein Mehrwert für den Anwender ist, dass die dafür erforderlichen Parameter nicht einzeln manuell eingestellt werden müssen, sondern über XMP alles in einem Schritt erfolgt. Die mit DDR5-RAM debütierte aktuelle Ausbaustufe XMP 3.0 bietet noch mehr Möglichkeiten als frühere XMP-Generationen: Ein RAM-Hersteller kann nun bis zu drei XMP-Konfigurationen hinterlegen, zusätzlich können zwei selbst konfigurierte XM-Profile auf dem Modul gespeichert werden.

Corsair Dominator Platinum RGB (CMT32GX5M2B6000Z30)

Corsair setzt bei den EXPO-Kits aus der Dominator-Platinum-RGB-Serie auf eine leicht veränderte Optik.

Waren die Kühler bisher in Schwarz oder Weiß gehalten, setzen die US-Amerikaner nun auf Anthrazit. Geblieben ist die verschraubte und schwere Kühlkonstruktion, die bei bisherigen Tests stets niedrigere Temperaturen als bei der Konkurrenz ermöglichte. Im OC-Check erwiesen sich die Corsair-Module als das beste der drei EXPO-Kits. Bei 1,40 Volt erzielten wir mit den G.Skill-Riegeln zwar das gleiche Ergebnis, bei 1,25 und 1,10 Volt setzte sich das Corsair-Kit aber von der Konkurrenz ab. Im PCGH-Preisvergleich ist das 32-GiByte-Kit bereits gelistet, bei Händlern war es aber noch nicht auf Lager – das gilt ebenso für den hauseigenen Webshop. Welcher Preis für dieses gelungene EXPO-Kit aufgerufen wird, wissen wir daher noch nicht.

G.Skill Trident Z5 Neo RGB (F5-6000J3038F16GX2-TZ5NR)

Bereits in der DDR4-Ära war die „Neo“-Serie innerhalb des G.Skill-Portfolios für AMD-Ryzen-Systeme gedacht.

Am gewohnten Trident-Z5-Kühler halten die Taiwaner weiterhin fest, obwohl er leistungstechnisch nicht ganz zur Speerspitze gehört. Optisch unterscheiden sich die Module nur anhand des silbernen Zierstreifens von der bisherigen schwarzen Farbvariante der Trident-Z5-Reihe. Der Aufkleber auf den Modulen ist inzwischen wieder etwas aussagekräftiger als bei den ersten DDR5-Kits und beinhaltet Informationen zum Takt, den Timings und der RAM-Spannung. Das Overclocking-Potenzial ist dank der verbauten SK-Hynix gut, bei niedrigen Spannungen erreicht das Kit aber nicht ganz das Niveau der Corsair-Module. Dafür ist es bereits bei mehreren Händlern auf Lager: Es kostet 330 Euro, was 10,31 Euro pro GiByte entspricht.

Teamgroup T-Force Vulcan Alpha (FLABD532G6000HC38ADC01)

Eckdaten und Optik sind unauffällig, doch Teamgroup lotet als erster Hersteller die Möglichkeiten von EXPO aus.

Das Kit ist mit einem kompakten Kühlblech ausgestattet – ideal für alle Anwender, die auf RGB-LEDs verzichten können und die Kollisionsgefahr im Zusammenspiel mit ausladenden CPU-Kühlern minimieren möchten. Wie die Kits von Corsair und G.Skill sind die Riegel für DDR5-6000 freigegeben, bei Timings und Spannung hält sich Teamgroup aber etwas zurück. Erfreulich ist, dass die Taiwaner die „Enhanced Timings“-Option nutzen, um zusätzliche Subtimings im EXPO zu hinterlegen. Zum Redaktionsschluss war das Kit bei keinem Händler auf Lager, es dürfte aber günstiger sein als die vorgestellten Alternativen von Corsair und G.Skill. Bei den OC-Ergebnissen schneidet das Kit etwas schlechter ab als die Konkurrenten mit CL30-Freigabe.

Mit EXPO (Extended Profiles for Overclocking) debütierte nun eine von AMD ins Leben gerufene Alternative zu XMP. Die Ryzen-Macher setzen dabei auf eine Selbstzertifizierung seitens der RAM-Hersteller und betonen, dass EXPO offen und lizenzfrei (wie XMP) ist. Abgesehen vom zusätzlichen Zertifizierungsaufwand gibt es für Corsair, G.Skill & Co. also zumindest in der Theorie keinen Grund, EXPO nicht zu verwenden. Der einzige technische Nachteil besteht nach unseren Informationen darin, dass es zwar möglich ist, sowohl XMP als auch EXPO auf einem Modul anzubieten, dann aber in einem reduzierten Umfang: XMP ist in so einem Fall auf zwei Profile beschränkt, da der zusätzliche Speicherplatz im 1 KiByte großen SPD von EXPO blockiert wird. Das ist allerdings eher ein theoretischer Nachteil, da wir bisher noch kein DDR5-Modul gesehen haben, das mit mehr als zwei XM-Profilen ausgeliefert wird.

Was EXPO besser macht

EXPO ist ebenfalls auf zwei Profile beschränkt, bietet aber eine interessante Neuerung, die nach unserem Eindruck bisher kaum thematisiert wurde: Ein EXPO-Standardprofil umfasst mit Daten für die Timings tCAS, tRCD, tRP, tRAS, tWR, tRFC(1/2) und tRFCsb neben einer Angabe zum Takt und den RAM-Spannungen (VDD, VDDQ, VPP) den gleichen Funktionsumfang wie XMP. RAM-Hersteller haben allerdings die Möglichkeit, zusätzliche Timings via EXPO zu definieren. AMD spricht hierbei von den „Enhanced Timings“, konkret handelt es sich um die Subtimings tRRD_L, tCCD_L, tCCD_L_ WR, tCCD_L_WR2, tFAW, tWTR_L, tWTR_S und tRTP.

Damit sind zwar nicht alle Subtimings abgedeckt, in der Theorie kann ein EXPO-Kit mit optimierten „Enhanced Timings“ dadurch allerdings eine Leistung bieten, welche sich mit XMP nicht erzielen lässt. Zweifel haben wir allerdings daran, inwiefern die RAM-Hersteller sich den Aufwand machen werden, diese optionalen Timings im Rahmen einer EXPO-Zertifizierung zu definieren. Von den drei Herstellern, die uns für diesen Artikel EXPO-Kits zur Verfügung stellten, nutzte lediglich Teamgroup die Möglichkeit, zusätzliche Subtimings im EXPO festzulegen. Ginge es nach uns, würden die RAM-Hersteller das erste EXPO mit eher konservativen und das zweite EXPO mit eher aggressiven Subtimings ausstatten. Weiterhin gilt natürlich: Die maxi- male Leistung lässt sich nur durch manuelles Optimieren erzielen.

EXPO für Intel?

Während XMP neben EXPO nach unserer Einschätzung von jedem soliden Sockel-AM5-Mainboard unterstützt wird, sieht die Unterstützung für das gerade eingeführte EXPO auf Intel-Mainboards noch durchwachsen aus. Einzelne Hersteller wie Gigabyte haben aber bereits angekündigt, dass sie Sockel-1700-Boards mit einem UEFI-Update fit für EXPO machen wollen. Zukünftig dürften sowohl AMD- als auch Intel-Mainboards EXPO- und XMP-Einträge laden können. Zur Not können Sie die Daten auslesen und selbst eintippen.

In den Extrakästen gehen wir näher auf die von uns geprüften EX-PO-Kits ein, weshalb wir nun noch kurz erläutern, wie wir den Overclocking-Check durchgeführt haben: Angelehnt an das aus unseren RAM-Tests genutzte Verfahren, das in einer zeitoptimierten Form möglichst viele Anhaltspunkte zur Takt- und Spannungsskalierung liefern soll, testen wir neben der CAS-Latenz die Timings tRCD und tRP im Gleichschritt aus. Die RAS-Latenz belassen wir auf dem 1,5-fachen der Summe aus tRCD und tRP, um sie als limitierenden Faktor auszuschließen. Beispiel: Erweisen sich die Hauptlatenzen 34-39-39-117 als stabil in HCI Memtest, prüfen wir als Nächstes, ob ein Betrieb bei 34-38-38-114 möglich ist. Falls ja, fahren wir mit einer Verschärfung auf 34-37-37-111 fort, falls nein, dann prüfen wir die Timing-Kombination 32-38-38-114 und – sofern stabil – danach 30-38- 38-114.

(sw)

Fazit

RAM-Tuning für Ryzen 7000RAM-Overclocking lohnt sich, je nach Setup und Geschick können Sie in den unteren bis mittleren DDR5-6xxx-Taktbereich vorstoßen. EXPO ist mehr als nur ein rot lackiertes XMP und bietet mit der „Enhanced Timings“-Option zumindest in der Theorie Spielraum für mehr Leistung – aber ob ihn viele RAM-Hersteller nutzen werden? Halten Sie Ausschau nach UEFI-Updates, die Bugs ausbügeln können.