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Traumtag am Matterhorn


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 11.05.2022
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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 6/2022

Andrea Itze

Autorin und Bloggerin Andrea Itze ist unterwegs von Harz bis Himalaya. Seitdem Labradoodle Bobby bei ihr eingezogen ist, beginnt das Abenteuer für sie oft schon vor der Haustür. In ihrem Blog „Anwolf – Unterwegs auch mit Hund“ schreibt sie über ihre Reisen, Wanderungen und das Leben mit all seinen Irrwegen. www.anwolf.blog

F asziniert lässt Bobby seine Blicke schweifen. Unser 7-jähriger Labradoodle scheint die Fahrt mit der kleinen Gondel genauso zu genießen wie mein Mann Wolfgang und ich. Wir sind umgeben von einer beeindruckenden Bergwelt, die hier in der Schweiz rund um Zermatt mit mehr als dreißig Viertausendern aufwartet. Der wohl berühmteste Gipfel, das Matterhorn, liegt direkt vor uns.Keine Wolke trübt die Sicht auf diesen Berg, der mit seiner markanten, weißen Spitze in den tiefblauen Himmel ragt. Bobbys Nase bebt und er weiß gar nicht, wo er als Erstes und als Nächstes ...

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... hinschauen soll. Nach nur sieben Minuten erreichen wir die Bergstation Blauherd und werden entlassen in einen sonnigen Herbsttag, der sich wie Sommer anfühlt. Wie aus dem Bilderbuch steht das mächtige Matterhorn vor uns, dessen Anblick uns in den nächsten Stunden, während unserer Wanderung auf dem 5-Seenweg, verlässlich begleiten wird.

Letzter Halt vor dem Matterhorn

Mit unserem kleinen Dachzeltcamper sind wir unterwegs auf einem Roadtrip nach Südfrankreich. Seit ich denken kann, ist es ein Traum von mir, einmal das Matterhorn zu sehen. Auf dieser Reise sollte der Traum in Erfüllung gehen. Über den Furkapass und weitere spektakuläre Alpenpässe schraubten wir uns gestern auf der Route des Grands Alpes, die insgesamt über 16 Alpenpässe vom Genfer See bis an die Côte d’Azur führt, hoch und runter durch die Schweiz. Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Täsch. Der letzte Ort vor Zermatt, den man noch mit dem Auto erreichen kann.

„Schau mal, ist das da hinten etwa schon das Matterhorn?“ „Nein.“ „Oder doch?!“ Auf unserer Abendrunde mit Bobby blickten Wolfgang und ich immer wieder zu einer markanten Bergspitze, die hinter den vorgelagerten Hügeln, von denen viele allerdings schon an die 3000 Meter hoch sind, hervorlugte. Es handelte sich um das kleine Matterhorn, erfuhren wir. Als wir dann das echte zum ersten Mal sahen, stellten wir uns keine Fragen mehr. Wir erkannten es eindeutig. Aber das wussten wir erst am nächsten Tag – in Zermatt.

Stippvisite am Matterhorn

Einen Tag und zwei Nächte haben wir für unsere Stippvisite am Matterhorn eingeplant, bevor unsere Reise Richtung Südfrankreich weitergeht. Und was haben wir für ein Glück, dass das Wetter mitspielt. Schon heute früh, als wir am Camping Alphubel in Täsch zu dem nahe gelegenen Bahnhof aufgebrochen sind, strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel.

Nach einer nur zwölfminütigen Fahrt mit dem Shuttlezug erreichten wir das autofreie Zermatt, das uns mit einem emsigen Gewusel und einer bunten Mischung von Menschen begrüßte.

Designerkleidchen, Pumps und Rollkoffer sieht man hier ebenso wie Kletterausrüstung, Helm und Karabinergurt. Zermatt ist Ausgangspunkt und Sehnsuchtsort für die unterschiedlichsten Wünsche und Unternehmungen. Und das alles (auch) wegen dieses einen Berges, dem Matterhorn, das nun endlich vor uns steht – unverwechselbar und wunderschön.

Wandern mit Matterhornblick auf dem 5-Seenweg

Beinahe unendlich viele Wandermöglichkeiten gibt es rund um Zermatt und jede Menge Aussichtspunkte mit Blick auf das Matterhorn. Bei meiner Suche nach einer geeigneten Wanderung, an der nicht nur wir, sondern auch Bobby Spaß haben sollten, bin ich auf den 5-Seenweg gestoßen. Die Beschreibung der etwa 10 Kilometer langen Panoramarunde klang perfekt für einen entspannten Tagesausflug.

Alle Fragen im Vorfeld darüber, welche Bahn wir nehmen sollten und welche Tickets wir benötigen würden, zerstreuten sich am nicht zu verfehlenden Schalter der Zermatter Bergbahnen. Wir erhielten das 5-Seenweg-Kombinationsticket und die Information, dass Hunde in allen Bergbahnen umsonst und ohne Maulkorb mitfahren dürfen. Die Logistik funktioniert in dem kleinen und so berühmten Bergsteigerdorf völlig reibungslos. Die Menschen(-massen) werden unauffällig und perfekt gelenkt, sodass wir uns sorglos bis zur Talstation der Suneggabahn treiben lassen konnten.

Der Traum vom Matterhorn

Das Matterhorn ist mit seinen 4478 Metern zwar „nur“ der zwölfthöchste Berg der Alpen, hat aber eine Strahlkraft wie kaum ein anderer Gipfel. Das markante Aussehen und all die Mythen, die sich um den bis zur Erstbesteigung im Jahr 1865 als „unbezwingbar“ geltenden Gipfel ranken, machen das Matterhorn zum Sehnsuchtsziel für Menschen aus der ganzen Welt. Auch ich hatte schon lange den Traum, einmal das Matterhorn zu sehen. Ob man nur einen Blick auf das Matterhorn werfen oder gar das Matterhorn besteigen möchte, an Zermatt führt in beiden Fällen kein Weg vorbei. Das ist wohl einer der Gründe, dass die knapp 6000 Einwohner des kleine Bergsteigerdorfs im Schweizer Kanton Wallis an die 2 Millionen Besucher im Jahr empfangen. Da Zermatt autofrei ist, lässt man das Auto in einem der Parkhäuser in Täsch und fährt mit dem Shuttlezug in knapp 15 Minuten bis nach Zermatt. Dort gibt es jede Menge Hotels und Pensionen, in denen auch Hunde willkommen sind. Wir haben mit unserem Dachzelt auf dem Campingplatz in Täsch übernachtet, der unweit des Bahnhofs liegt und von daher ein perfekter Ausgangsort für uns war.

Nach 4½-minütiger Fahrt mit der unterirdischen Standseilbahn traten wir auf 2288 Metern ins Freie und blickten, wie sollte es anders sein, auf das Matterhorn. Mit der kleinen Panoramagondel, die Bobby, Wolfgang und ich ganz für uns allein hatten, ging es noch knapp 300 Meter weiter hinauf.

Nun stehen wir an der Bergstation der Blauherdbahn, dem Ausgangspunkt des 5-Seenwegs, und wissen bereits jetzt, dass wir nicht genug kriegen können vom Anblick des Matterhorns.

Panoramakino mit Himbeersorbet

Nach einem knappen Kilometer erreichen wir bereits den ersten See, den Stellisee, in dem sich gerade in den Morgenstunden das Matterhorn beeindruckend spiegeln kann. Das erleben wir heute nicht, dazu ist der Tag zu weit fortgeschritten, aber Bobby nutzt die Gelegenheit, um sich die Pfoten abzukühlen und ein paar Schlucke aus dem eiskalten Bergsee zu trinken.

Der 5-Seenweg ist sehr gut ausgeschildert. Trotzdem weichen wir von der Route ab. Die über uns an einer mächtigen Gletschermoräne gelegenen Berghütte Fluhalp zieht uns magisch an. Und der Abstecher lohnt sich. Kurze Zeit später sitzen wir auf Liegestühlen und genießen mit Himbeersorbet und Apfelstrudel ein einzigartiges Panoramakino, das die Natur uns präsentiert.

Atemberaubende Aussichten

Ein weiterer Schlenker abseits des geplanten Wegs führt uns über die Seitenmoräne des Findelgletschers, dessen weiße Zunge früher bis an die Fluhalp heranreichte, heute aber weit oberhalb liegt. Auf der Gletschermoräne führt ein Gratweg entlang. Hier sollte man schwindelfrei sein. Fast senkrecht bricht die Kante ab und an einigen Stellen ist der Weg in die Tiefe gerutscht. Die Aussichten über die wilden Geröllfelder unter uns, zum beeindruckenden Gletscher hinter uns und auf das mächtige Matterhorn vor uns sind atemberaubend.

Bobby scheint aber noch etwas anderes entdeckt zu haben. Hochkonzentriert starrt er in Richtung der Almwiesen. Ich folge seinem Blick und tatsächlich entdecke ich ein Murmeltier. Es scheint sich auf den warmen Steinen zu sonnen, dann reckt es die Nase und verschwindet in einer Felsspalte. Wolfgang und ich können uns gar nicht mehr einkriegen vor Freude und wir loben Bobby, der uns stolz ansieht. Ohne ihn hätten wir dieses kleine Naturschauspiel verpasst.

Zermatt mit Hund

Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf die offiziellen „Hunderegeln in Zermatt“ gestoßen, die mich wirklich begeistern. Diese beinhalten nicht nur Verhaltensregeln für Hundehalter, sondern auch für Nicht-Hundehalter und setzen auf gegenseitige Rücksichtnahme und Selbstverantwortung. Innerhalb der Ortschaft gilt Leinenzwang. Für alle übrigen Gebiete wird auf bekannte Verhaltenskodexe hingewiesen, wie z. B. den Hund stets unter Kontrolle zu halten, auch in der Natur die Hinterlassenschaften wieder mitzunehmen sowie das Heranrufen und Anleinen des eigenen Hundes bei der Begegnung mit anderen Hunden und Menschen. Nicht-Hundehalter werden unter anderem darauf aufmerksam gemacht, Hunde nicht zu bedrängen und stets in einer ruhigen Gangart zu passieren.

Wandern mit Matterhornblick

In und rund um Zermatt ist das Matterhorn allgegenwärtig. Besonders beeindruckend sind die Blicke von einem der Aussichtsgipfel. Der berühmteste ist bestimmt der 3100 Meter hohe Gornergrat, den man mit der höchsten, im Freien angelegten Zahnradbahn Europas erreichen kann. Ein weiterer Superlativ ist auch das Matterhorn glaciers paradise auf 3838 Metern mit einer 360-Grad-Aussichtsplattform. Diese touristischen Hotspots kamen allerdings für uns mit Bobby nicht infrage. Wir waren auf der Suche nach einer hundegerechten, moderaten und ruhigen Tageswanderung mit möglichst vielen Matterhorn-Blicken. Der 5-Seenweg hat diese Kriterien perfekt erfüllt. Die Bergseen haben nicht nur eine grandiose (Foto-)Kulisse für das Matterhorn geboten, sie waren auch eine willkommene Trink-und Abkühlungsmöglichkeit für Bobby. Die Runde ist eine echte Genusstour, die sich beliebig verlängern und verkürzen lässt. Auch ein Abstieg nach Zermatt oder Täsch soll sehr schön und ohne Schwierigkeiten machbar sein.

Ein Traumtag geht zu Ende

Zurück auf dem 5-Seenweg passieren wir den Grindjisee, der tiefgrün und von Bäumen, Blumen und Moosen umgeben fast wie eine Oase in der kargen Berglandschaft daliegt. Wieder mit Blick auf das Matterhorn legen wir eine Pause ein, bis es weiter zum Grünsee geht, wo Wolfgang die Idee hat, mal zu schauen, wann die letzte Bahn von Sunnegga wieder nach Zermatt zurückfährt. „17:30 Uhr“, sagt er. „Was?“, entgegne ich erschrocken. Mittlerweile ist der Tag weit fortgeschritten und wir haben noch gut ein Drittel der Strecke vor uns. Wir erhöhen unser Tempo, während wir uralte, knorrige Kiefern passieren, die sich wie Sagengestalten über den Weg biegen.

Am Moosjisee müssen wir uns mit Blick auf die Uhr disziplinieren, nur für einen sehr kurzen Fotostopp anzuhalten. Auf der letzten Steigung zum Leisee, der Teil des Sunnegga Familienparadieses mit Badeplatz und Wassersportmöglichkeiten ist, spüre ich, dass wir den ganzen Tag auf über 2000 Metern Höhe in der Sonne gewesen sind. Mein Gesicht glüht. Bevor es in den angenehm kühlen Tunnel der unterirdischen Standseilbahn geht, werfe ich noch einen Blick auf die uns umgebende Bergwelt, in der sich die hohen Gipfel vor der tiefstehenden Abendsonne wie Schattenrisse abzeichnen. „Was für ein Traumtag“, denke ich erschöpft und glücklich.

Ein paar Minuten später tauchen wir in Zermatt wieder auf. Wir bummeln durch die belebten Einkaufsstraßen und durch den historischen Dorfkern mit seinen urigen Stelzenhäusern. Aber unsere Blicke gehen immer wieder ehrfürchtig nach oben – Richtung Matterhorn.

ANDREA ITZE