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TRIALS OF MANA


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 20.05.2020

ROLLENSPIEL Der Geist der SNES-Zeit trifft auf behutsame Modernisierung und jede Menge Herz: Trials of Mana zeigt, wie man ein Remake richtig macht.


Artikelbild für den Artikel "TRIALS OF MANA" aus der Ausgabe 6/2020 von Games Aktuell. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 6/2020

Die Bosskämpfe sind wie das Spiel an sich keine große Herausforderung, aber toll gestaltet und die Gefechte gegen sie machen Spaß. (PS4)


Remakes und kein Ende: Nostalgie funktioniert immer, weswegen die Spielehersteller dieser Welt bei ihren Entwicklungen nur zu gerne auf allerlei alte und beliebte Titel zurückgreifen. Mit Trials of Mana steht ebenfalls die Neuauflage eines Klassikers an. Wobei, in unseren Breitengraden kann man das Spiel wohl kaum als ...

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... solchen bezeichnen. Während der Vorgänger Secret of Mana auch hierzulande Spielerherzen begeisterte (respektive in der misslungenen Neuauflage von 2018 ärgerte), blieb Trials von 1995 bis zum Jahr 2019, als es im Rahmen der Collection of Mana für die Switch erstmals auch bei uns erschien, dem japanischen Markt vorbehalten. Einerseits ist es natürlich schade, dass wir auf ein anno dazumal vielgelobtes Abenteuer so lange verzichten mussten. Andererseits erlaubt es uns einen unverklärten Blick auf die Neuauflage, während wir der Frage nachgehen, ob der Titel stimmig ins neue Jahrtausend transportiert wurde und auch als modernes Japano-Rollenspiel funktioniert. Die kurze Antwort: Ja! Die lange Antwort ist deutlich wortreicher und unter diesen Worten finden sich Begriffe wie „massenweise Charme“, „tolle Atmosphäre“, „spaßiges Gameplay“ und viele, viele weitere, welche es zu einem wahren Vergnügen machen, Trials of Mana zu spielen. Im Kern macht Trials of Mana nichts Herausragendes. Es ist aber so kompetent und liebevoll gestaltet, dass man ihm selbst die durchaus vorhandenen Mängel gerne verzeiht.

NICHT JEDER KANN EIN HELD SEIN

Schon vor Spielstart wartet Trials of Mana mit einer spannenden Idee auf: Welche drei Figuren unserer Party angehören, entscheiden wir selbst. Uns stehen sechs potenzielle Gruppenmitglieder zur Auswahl: Durand, ein Tank, Angela, eine Magierin, Kevin, ein Kämpfer, Charlotte, eine Heilerin, Adlerauge, ein Dieb und Resi, eine klassische Allrounderin. Nicht nur hat unsere Wahl durch die verschiedenen Stärken und Schwächen der potenziellen Protagonisten Auswirkungen auf das Gameplay, auch bezüglich der Geschichte gibt es Unterschiede. Je zwei Figuren teilen sich einen von drei primären Antagonisten; welcher in unserem Spieldurchgang die Bösewicht-Titelrolle einnimmt, hängt davon ab, wen wir als Haupthelden wählen. Die anderen Fieslinge und die abgewählten Begleiter treten stattdessen in Nebenrollen in der Erzählung in Erscheinung. Außerdem verfügt jede Figur über eine individuelle, spielbare Vorgeschichte und Abläufe und Zwischensequenzen unterscheiden sich je nach Party teilweise deutlich. Sogar ganze Areale bleiben uns vorenthalten, wenn wir bestimmte Helden nicht in unsere Gruppe gewählt haben! Im Großen und Ganzen bleibt’s zwar freilich immer dieselbe Kampagne, trotzdem sorgen all diese Aspekte dafür, dass auch über die anständige Dauer von über 30 Stunden hinweg für Wiederspielwert gesorgt ist.

MANA OF MANA

Die Handlung bietet das, was man sich von einem klassischen Japano-Rollenspiel erwartet: Die Welt ist in Gefahr und wir sind wieder einmal die Einzigen, die ihren Untergang verhindern können. Wie man das von der Mana-Reihe kennt, dreht sich alles um die Leben spendende, titelgebende Mana-Energie nebst Göttin des Mana und das legendäre Manaschwert. Große Überraschungen darf man sich hier nicht erwarten, aber jede Menge Emotion, zerrissene Familienbanden und verratene Freundschaften. Was Trials of Mana wunderbar gelingt: Obwohl es mit all diesen Klischees aufwartet, versinkt es nicht in einer Kitschtirade und erzählt seine Geschichte angenehm zurückgenommen. Wo gerade in der Final-Fantasy-Reihe spätestens seit Final Fantasy 13 alles bombastisch sein muss und die Figuren weniger in ganzen Sätzen und vielmehr mit stockenden Atemgeräuschen und emotionsgeladenen Seufzern kommunizieren, während pompöse Orchesterklänge wirren Nonsens untermalen, bringt Trials of Mana die Geschichte von einst ins Jahr 2020, ohne dass sie ihren simplen Charme einbüßt. So, wie der Titel Zwischensequenzen, Dialoge und andere erzählerische Aspekte umsetzt, wären die Macher 1995 wohl auch vorgegangen, hätten sie damals über die technischen Möglichkeiten von heute verfügt. Diese perfekte Melange aus alten und neuen Qualitäten zeigt sich aber nicht nur hier, sondern zieht sich durch das gesamte Spiel.

Wir stellen vor: Der Kaktusfratz! Den kleinen Pflanzenfre- und finden wir an 50 Stellen im Ort versteckt. Ist er nicht zuckersüß? (PS4)


Ein Mana-Spiel ohne tanzende Händler ginge freilich gar nicht! Trials of Mana zelebriert die Vergangenheit auf charmante Weise. (PS4)


SCHÖN ANZUSEHEN UND -HÖREN

So ist etwa auch die bunte und sehr stimmige Comic-Grafik modern, aber verleugnet ihre Wurzeln nicht. Die Figuren wirken so, als hätte man die Artworks von einst nur leicht modernisiert und zum Leben erweckt. Das gilt auch für die Städte, Dungeons, Dörfer und all die anderen Areale, die wir samt frei drehbarer Kamera erforschen. Etwas übertrieben hat man es mit dem für JRPGs üblichen Fanservice in Form von viel nackter Haut, vor allem im Rahmen einer alles andere als alltagstauglichen Kleidung. Und warum Bienen sexy Frauenkörper haben, will uns auch nicht so recht einleuchten. Aber ob einen das stört, ist natürlich ein sehr subjektiver Aspekt, Trials of Mana hätte den Fanservice aber schlicht nicht nötig gehabt. Kaum jemand wird sich wohl über den Soundtrack beschweren, dem sowohl in der Originalfassung als auch in einer überarbeiteten Remake-Version gelauscht werden kann. Beide Varianten haben ihren Charme, im Menü wechseln wir jederzeit problemlos zwischen den Fassungen. Lediglich gegen Ende hin hätten wir uns während einer Quest, die uns durch mehrere Areale führt, etwas mehr Varianz gewünscht, denn hier ertönt durchgehend dieselbe, etwas eintönige Melodie. Gelungen ist die Sprachausgabe, die sowohl in Japanisch als auch in Englisch verfügbar ist. Zwar sind nicht alle Dialoge vertont, aber ein Großteil davon und ausnahmslos jede Zwischensequenz. Wir haben vor allem mit der englischen Tonspur gespielt und bis auf wenige Ausreißer machen alle Sprecher einen guten Job. Schön für all jene, die nicht nur gerne dem Japanischen lauschen, sondern der Sprache sogar mächtig sind: Auch sämtliche Texteinblendungen lassen sich umstellen, ohne dass man dafür auf der Konsole zuerst umständlich die Systemsprache ändern muss.

NEUE KÄMPFE BRAUCHT DAS LAND

In einer Hinsicht unterscheidet sich Trials of Mana markant vom Urspiel, jedoch auf sinnvolle Weise: Das Kampfsystem wurde generalüberholt. Wer Secret of Mana kennt, weiß in etwa, wie das Echtzeitsystem einst funktionierte – wir schlugen mit unserer Waffe zu, hatten abseits dieses Angriffes im direkten Kampf nicht allzu viel Aktionsspielraum. Magie, Fähigkeiten, Items und Co. wurden via Ringmenüs geregelt, während der Bildschirm einfror. Dieser Aspekt gilt weiterhin, nur dass wir dank Shortcuts auf Wunsch nun auch ohne Pausieren des Spielgeschehens Zugriff auf diverse Helferlein haben. Ansonsten ist das alte Kampfsystem aber Geschichte. Wir visieren Feinde an, nutzen einen starken und einen schwachen sowie einen aufgeladenen Angriff, weichen mit einer Rolle aus und erleben generell deutlich actionreichere Keilereien als früher. Zwischen unseren drei Heroen können wir jederzeit frei wechseln. Mit den Schultertasten lösen wir mächtige Spezialangriffe aus, die erst wieder einsatzbereit sind, wenn wir eine entsprechende Leiste durch Standardattacken wieder aufgefüllt haben. Im Kern funktionieren die Gefechte sehr simpel, sie machen aber viel Spaß. Wer Ni No Kuni 2 oder das erste Kingdom Hearts kennt, hat einen ungefähren Eindruck davon, wie sich die Auseinandersetzungen anfühlen. Auch hier gilt wieder: Man kann sich gut vorstellen, dass die Entwickler von 1995 einen sehr ähnlichen Weg gegangen wären, hätten sie damals über die Möglichkeiten von heute verfügt. Auch wenn das Kampfsystem anders ist, fühlt es sich passend an und ist eine logische Weiterentwicklung dessen, was man vom Original beziehungsweise vom ähnlich aufgebauten Secret of Mana kennt.

Das Klassen-System ist im Grunde nicht der Rede wert, denn es hat nur geringfügigen Einfluss auf das Gameplay. Immerhin bringt es hübsche neue Klamotten mit sich! (PS4)


Die Kämpfe funktionieren gänzlich anders als im SNES-Original und sind deutlich actionreicher. Diese Anpassung ist aber sinnvoll und die Gefechte machen Spaß. (PS4)


Das Design der Figuren wirkt, als hätte man die Artworks des Originals zum Leben erweckt. Generell ist die Grafik des Abenteuers nicht brillant, aber sehr stimmig. (PS4)


Die Figuren, die wir nicht in unserer Party haben, treten im Spielverlauf als Nebenfiguren in Erscheinung, manchmal lediglich ganz kurz und in sehr kleinen Rollen. (PS4)


LEICHTES HELDENLEBEN

Etwas anspruchsvoller hätten lediglich die Gemetzel sein können. Wir spielten für unseren Test auf dem normalen Schwierigkeitsgrad und sahen dabei nur ein einziges Mal den Game-over-Bildschirm und zwar bei einem Boss, der im Vergleich zu den Gefechten gegen die anderen Obermotze unverhältnismäßig hart daherkam; wobei „unverhältnismäßig hart“ auch nur hieß, dass wir ihn eben erst beim zweiten Versuch zerlegten. Schade ist, dass zahlreiche eigentlich interessante Angriffsgegenstände und Zauber kaum genutzt werden müssen, weil sich fast nie Situationen ergeben, in denen man sie bräuchte. Wer etwas mehr gefordert werden will, der legt also besser auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad los. Apropos Bosse: Derer gibt es richtig, richtig viele und obschon sie uns kaum jemals zum Schwitzen brachten, sind sie schön abwechslungsreich gestaltet. Gerade gegen Ende des Abenteuers treffen wir auf ein paar ganz besonders kreative Exemplare! Fein ist übrigens – und dies ist einer der positiven Aspekte des geringen Anspruchs –, dass Erfahrungspunkte-Grinding im Grunde unnötig ist, um gegen Standardbosse und Endgegner zu bestehen. Wer die Gefechte auf dem Weg mitnimmt und Feinde nicht aus Prinzip links liegen lässt, kommt niemals in Verlegenheit, hier unnötig Zeit investieren zu müssen.

GESUCHT: HELD MIT ERFAHRUNG

Wir bleiben beim Motto „simpel, aber gelungen“ und widmen uns dem Upgrade-System. Klassisch erhalten wir durch Kämpfe Erfahrungspunkte und können unsere Figuren anschließend in unterschiedlichen Sparten wie Angriff, Verteidigung, Glück oder Magie verbessern. Auf diesem Wege schalten wir auch neue Spezialangriffe und passive Boni frei, die wir einer begrenzten Anzahl an Slots pro Figur zuweisen. Zusätzlich verbessern wir die Werte unserer Recken durch Ausrüstungsgegenstände wie Waffen, Klamotten und Helme. Wer schon einmal in seinem Leben mit einem Rollenspiel traditioneller Machart in Kontakt gekommen ist, findet sich hier in Sekundenbruchteilen zurecht. Trotzdem erlaubt das System durch die große Menge an unterschiedlichen potenziell erlernbaren Fähigkeiten eine gewisse Individualisierung. Mehr Schein als Sein ist das Klassensystem. An bestimmten Punkten im Spiel können wir unsere Figuren ihre Klassen wechseln lassen, sobald sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, und haben jeweils die Wahl zwischen einer Licht- und einer Schattenvariante. Nicht nur geht diese scheinbar moralische Wahl nicht über den Namen der Klasse hinaus, auch die Unterschiede bezüglich der anschließend erlernbaren Fähigkeiten sind überschaubar, ebenso jene zur Klasse zuvor. Im Grunde handelt es sich bei den Klassenwechseln einfach um besonders große Statuswerte-Upgrades, bei denen wir zusätzlich noch schicke neue Klamotten erhalten. Trotzdem fühlt es sich natürlich gut an, wenn sich unsere Figuren auf diese Weise weiterentwickeln und damit quasi unseren Fortschritt in der Handlung abbilden.

Die Geschichte rund um den Manabaum und den drohenden Untergang der Welt ist nicht kreativ, sie wird aber schön erzählt. (PS4)


Die unterschiedlichen Areale, die wir besuchen, sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Das ständige Backtracking stört trotzdem. (PS4)


HALLO, HAB WAS VERGESSEN

Nach so viel Lob muss aber auch mal der Dreschflegel rausgeholt werden, denn trotz aller Qualitäten macht Trials of Mana natürlich nicht alles richtig. Ein kritikwürdiger Umstand, der dem Respekt der Macher vor dem Original geschuldet ist, ist das ausgiebige Backtracking, also das erneute Besuchen von und Laufen durch bekannte Areale. Diese sind zwar wunderbar abwechslungsreich gestaltet, beim dritten, vierten oder fünften Ausflug in ein Gebiet hat man sich aber sattgesehen. Im Grunde ist das Spielprinzip sehr simpel – „gehe von A nach B nach C und besiege dort D“. In der Praxis wird dieses Schema aber zu oft auf „gehe von A nach B, dann wieder zurück nach A, rede dort mit einer Figur, lauf dann nach C, dann noch einmal nach A, frag dann in B nach, ob alles in Ordnung ist und geh dann wieder nach C, um D zu besiegen“ ausgeweitet. Richtige Rätsel gibt es keine, sodass diese Momente wirklich meist reine Laufarbeit bedeuten. Im späteren Spielverlauf erhalten wir unterschiedliche Methoden zum schnelleren Vorankommen und das Backtracking wird zurückgeschraubt. Viele Bereiche sind aber dennoch nur erreichbar, wenn wir vorher andere Gebiete passieren. In Verbindung mit kaum vorhandenen Erläuterungen auf der Map, wo welcher Pfad hinführt, verliert man hier als Komplettist spätestens auf der Suche nach den Sammelgegenständen die Geduld. Ein modernes Schnellreisesystem hätte hier Wunder gewirkt. Und es hätte wohl den zweiten wohl nervigsten Aspekt des Spiels erträglicher gemacht: die viel zu häufigen, viel zu langen Ladezeiten. Die meisten Gebiete und sogar manche Menüs und die Weltkarte verlangen nach gut zehn- bis fünfundzwanzigsekündigen Wartepausen, je nachdem, was geladen werden muss. Hier hätten wir uns mehr Optimierung gewünscht: Neue Inhalte sollten schon im Hintergr- und geladen und Wartezeiten dadurch minimiert werden. Wie so oft bei Square-Enix-Spielen der vergangenen Jahre hatte das aber offenbar keine Priorität.

KAKTUS-LIEBE

Nicht per se ein Kritikpunkt, aber trotzdem erwähnenswert: Nebenaufgaben gibt es im Grunde gar keine. Die anständige Spielzeit ist angesichts dieses Umstandes und der Tatsache, dass wir sie nicht mit Grinding verbringen, umso beeindruckender. Immerhin gibt es was zu sammeln! Neben den über die Welt verteilten Schatzkisten wartet insgesamt 50 Mal der Kaktusfratz an vorgegebenen Orten auf uns, eine kleine Pflanzenkreatur, die uns nach jedem fünften Treffen einen passiven Bonus verleiht. Der Grünling ist Remake-exklusiv und so putzig, dass wir etwaige Stichwunden im Gesicht in Kauf nehmen würden, wenn wir dafür mit ihm knuddeln dürften!

HELDEN LEVELN EINSAM

Der Hersteller gibt, der Hersteller nimmt auch wieder: Während wir uns über die neue Bekanntschaft mit dem Kaktusfratz sehr freuen, ist es eine große Enttäuschung, dass der Koop-Modus des Originals für drei Spieler der Schere zum Opfer gefallen ist. Natürlich wäre es mit dem modernen Kampfsystem schwieriger, dies umzusetzen – wenn einer unserer Mitspieler dereinst in Secret of Mana den Bildschirm einfror, um einen Zauber zu wirken oder ein Item zu nutzen, nervte das schon damals und wäre heute wohl mindestens ebenso störend. Die Mana-Spiele sind aber untrennbar mit gemeinsamen Spieleabenden im lokalen Multiplayer verbunden. Trials of Mana ist auch im Alleingang ein tolles Abenteuer, trotzdem hätten wir es gerne mit zwei Freunden an der Seite genossen. Nicht zu viel verraten wollen wir zum neuen, finalen Kapitel, welches dem Remake hinzugefügt wurde und das wir nach Abschluss der Handlung spielen können. Es sei jedoch gesagt, dass dieser Abschnitt leider qualitativ nicht mit dem restlichen Spiel mithalten kann, weder auf erzählerischer noch auf spielerischer Ebene.

Jede Figur verfügt über eine eigene, spielbare Vorgeschichte. Die Haupthandlung wird von den Figuren-Unterschieden allerdings nur geringfügig beeinflusst. (PS4)


Das Aufleveln und Upgraden funktioniert nach dem RPG-Einmaleins, erlaubt aber trotz aller Simplizität etwas Individualisierung. (PS4)


EINE GENRE-LIEBESERKLÄRUNG

So viele Kritikpunkte und dann trotzdem eine so hohe Wertung? Wie gesagt, perfekt ist Trials of Mana natürlich nicht. Gerade mit Blick auf Spieler, die mit modernen Rollenspielen und deutlich mehr Komfortfunktionen aufgewachsen sind, werden wahrscheinlich nicht alle davon dem Reiz eines bewusst auf alte Tugenden zurückgreifenden Abenteuers erliegen. Hinzu kommen Makel, die davon unabhängig vermeidbar gewesen wären. Trials of Mana macht aber so viel mehr richtig als es falsch macht und weiß zu jedem Zeitpunkt ganz genau, was es sein soll: Eine Liebeserklärung nicht nur an das Original, sondern an eine ganze Generation von Rollenspielen; es ist ein Abenteuer, welches nicht sklavisch an alten Mustern festhält, aber den Wert bestimmter Aspekte erkennt und sie auf höchst kompetente Weise in die Gegenwart holt. Wer ohnehin mit den JRPGs der alten Schule aufgewachsen ist, der wird an Trials of Mana vieles finden, was es zu lieben gibt; allen anderen erlaubt es im modernen Gewand die Möglichkeit, zu erkennen, was diese Spiele so einzigartig machte.

Mit dem Fanservice haben es die Macher etwas übertrieben. Dabei ist Trials of Mana so gut gelungen, dass es all die nackte Haut wirklich nicht benötigt hätte. (PS4)


MEINUNG: Lukas Schmid

Trials of Mana bringt das Spielgefühl der 1990er kompetent ins neue Jahrtausend. Als Trials of Mana angekündigt wurde, war ich erst einmal skeptisch. Mit dem missglückten Remake des auch bei uns heißgeliebten Secret of Mana hatte sich Square Enix schließlich keinen Gefallen getan. All die Liebe, die diesem Projekt vorenthalten blieb, floss nun aber offenbar in die Entwicklung von Trials of Mana. Den Machern ist es auf beeindruckende Weise gelungen, aus dem einstigen SNES-Abenteuern ein modernes Spiel zu machen, ohne es jenem Charme und der Qualitäten zu berauben, welche diese JRPG-Hochzeit auszeichneten. Trials of Mana ist zurückgenommener als etwa ein Final Fantasy 7 Remake und spricht mich genau deswegen an. Damit will ich keineswegs sagen, dass es perfekt ist. Es ist eben im Kern ein altes Spiel und einige heute überholte Designentscheidungen könnten bei jüngeren Spielern auf Unverständnis treffen, während sich alte Hasen wie zu Hause fühlen. Zudem ist’s spielerisch simpel und der Wegfall des Koop-Modus schmerzt. Wer damit leben kann, der bekommt ein charmantes, liebevolles Abenteuer serviert, welches hoffentlich beeinflusst, wie Square Enix fortan Remakes diesseits von Final Fantasy 7 handhabt.