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Triclosan: Gefährlicher Killer


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2015 vom 05.06.2015

Schon lange ist bekannt, dass Triclosan die Gesundheit schädigen kann und Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika fördert. Trotzdem steckt der Konservierungsstoff immer noch in etlichen Kosmetikprodukten.


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Foto: Peter Atkins/Fotolia.com

Triclosan gehört zu den halogenorganischen Verbindungen und wirkt gegen eine Vielzahl von Bakterien und Keimen. Niedrig dosiert hemmt der Stoff deren Wachstum, in höheren Konzentrationen tötet er sie. Letzteres ist vor allem Sinn im Gesundheitswesen sinnvoll: So wird Triclosan zur Desinfektion von Haut und Wunden eingesetzt oder um bakteriell verursachte Zahnfleischentzündungen zu bekämpfen.


Im medizinischen Bereich sinnvoll, in Kosmetikprodukten überflüssig


In der Vergangenheit wurde Triclosan bald aber auch zur Konservierung und Desinfektion in etlichen Alltagsprodukten eingesetzt, zum Beispiel in Reinigungsmitteln, Textilien, Schuhen – und eben Kosmetika. Ob Zahnpasta, Bodylotion, Flüssigseife oder Deos: Triclosan war in vielen Produkten zu finden – zwar nicht in besonders hohen, sondern eher in niedrigen Konzentrationen. Aber trotzdem mit verheerenden Folgen: Denn gerade dieser allgegenwärtige Einsatz des Bakterienhemmers führt wahrscheinlich dazu, dass Triclosan die Resistenz von Bakterien gegen Antibio-tika fördert. Und wenn solche wichtigen Medikamente unwirksam werden, kann das richtig gefährlich werden.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ist in seinen Stellungnahmen der Auffassung, dass der Einsatz von Tri closan auf das unbedingt notwendige Maß, also im medizinischen Bereich, beschränkt werden sollte. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Union (SCCS) empfiehlt einen vorsichtigen Umgang mit der Substanz und sieht die Verwendung von Triclosan in kosmetischen Mitteln nicht in allen Fällen als sicher an.

Immerhin sind auch gesundheitliche Schädigungen nachgewiesen: Triclosan reizt Augen und Haut, es kann durch die Haut aufgenommen werden und Allergien auslösen. Der Stoff wurde bereits in der Muttermilch nachgewiesen, ist möglicherweise erbgutverändernd und greift in die Enzymaktivitäten der Leber ein, was den Abbau anderer Schadstoffe beeinträchtigen kann; Triclosanhersteller bestreiten das allerdings. Außerdem ist es oft mit Dioxin verunreinigt, das sich im Körper anreichern kann. Einige Dioxine lösen schon in geringen Mengen Chlorakne aus, mindestens eins erzeugt Krebs.

Es gibt also viele Gründe, Triclosan nicht mehr einzusetzen. Diese Auffassung, die ÖKO-TEST seit Jahren vertritt, setzt sich allmählich durch. Seit November 2014 ist Triclosan in vielen Kosmetika, etwa in Aftershaves und Körperlotionen, verboten. Reste dürfen aber noch bis Ende Juli 2015 abverkauft werden. Auch als Schutzmittel für Textilfasern darf Triclosan nicht mehr verwendet werden. Zugelassen ist der umstrittene Bakterienkiller aber noch in Zahnpasten, Seifen, Duschgels und Gesichtspuder sowie in Concealer, Nagelmitteln, Deos und Mundwasser. Es gilt eine Höchstkonzentration von 0,3 Prozent, in Mundwasser dürfen nur noch 0,2 Prozent enthalten sein. Und so hilft auch weiterhin nur der Blick auf die Inhaltsstoffliste von Kosmetika, auf der Triclosan aufgeführt sein muss. Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn das Produkt als „antibakteriell wirksam” beworben wird.

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