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TRILOK GURTU: »GOTT ist ein Trommler«


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 07.02.2020

Seit rund fünf Dekaden gehört TRILOK GURTU zu den international angesehensten Protagonisten in Sachen Weltmusik. Mit »God Is A Drummer« hat der aus Indien stammende Percussion- Maestro gerade Album Nr. 20 als Bandleader vorgestellt.


Trilok Gurtu hat die Mixtur aus seiner indischen Herkunft, afrikanischen Einflüssen, der Liebe zu klassischer Musik sowie Jazz und Rock zu (s)einer unverkennbaren Stimme kultiviert. Er verbindet eine atemberaubende Tablatechnik bzw. ein schlafwandlerisches Rhythmusverständnis mit einem offenen Geist und überträgt das alles in auch heute noch einzigartiger, stilistisch nie ...

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Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 2/2020

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... eingeschränkter Art und Weise auf seine Musik.

Trilok, wo steht die sogenannte Weltmusik deiner Meinung nach heute?

Ich denke, in erster Linie sind’s über die Jahre weniger junge Leute in Konzerten geworden, und beim Jazz allgemein gibt’s manchmal mehr Musiker als Publikum. Ich kann nur für mich reden und möchte alles andere als arrogant klingen, aber meine Musik ist nun mal speziell, und es dauert ganz schön lange, bis sich ein Publikum mit mir zusammen entwickelt hat - auch weil meine Musik eben nicht aus Amerika kommt, sondern etwas Eigenes ist. Erst jetzt ist manches hierzulande angekommen. Man sollte Musik, denke ich, grundsätzlich nicht etikettieren, denn irgendjemand ist immer verletzt.

Manchmal hat man den Eindruck, dass gerade Musik aus Indien hierzulande populärer geworden ist.

Meinst du? Ich kann das so nicht bestätigen. Mir geht es persönlich auch gar nicht darum, besonders ›indisch‹ zu sein. Es ist nun mal meine Kultur. Schlagzeuger hören vielleicht etwas mehr indische Musik aufgrund der ganzen Konnakol-Geschichten, die vor allem Amerikaner wie Steve Smith in der Szene angestoßen haben. Wir hier in Deutschland sind jedoch oft die Letzten, die etwas entdecken beziehungsweise den Mut haben, Neues zu machen. Gerade deshalb habe ich vor allem Musiker aus der hiesigen Szene in meiner aktuellen Band, denn man muss ihnen Gelegenheit geben, sich auszuprobieren. Dafür brauchen sie eine Plattform, und das ganz weit weg von allen Klischees. Mir ist es vor allem wichtig, dass dem Publikum die Musik gefällt - woher die Sachen im Einzelnen stammen, ist dann überhaupt nicht mehr wichtig [lacht]. Rhythmus und Musik sind in Indien Teil des Alltags und haben gleichzeitig etwas Spirituelles. Das kann man hierzulande schwierig vermitteln, ohne komisch angeguckt zu werden. »God Is A Drummer«, warum denn das?! Für mich gilt diese Aussage auf jeden Fall, aber wenn jemand es anders sehen möchte, ist das für mich ebenso in Ordnung. Wir haben immer noch einen riesigen Spalt zwischen den Kulturen, selbst wenn die Leute auf Konzerte mit Standing Ovations reagieren. Auf eine bestimmte Art und Weise ist das ja auch in Ordnung: Die Leute sollen genießen und Spaß haben, die Musik soll keine Tortur sein. Wenn jemand allerdings etwas genauer wissen möchte, dann werde ich es gerne erklären und einordnen.

Foto: Ingo Baron

TRILOK GURTU

BIOGRAFIE

Trilok Gurtu, geb. 1951 in Mumbai, gehört zu den weltweit respektiertesten Percussionisten. Er spielte mit John McLaughlin, Joe Zawinul, Jan Garbarek, Don Cherry, Bill Evans, Pharoah Sanders, Dave Holland, zahlreichen indischen Musikern wie seiner Mutter Shobha Gurtu, Zakir Hussain, L. Shankar, Shankar Mahadevan, Hariprasad Chaurasia, The Misra Brothers, Sultan Khan und vielen mehr. Mit »God Is A Drummer« hat er nun - nach fast fünf Jahrzehnten auf der Bühne - sein 20. Album als Bandleader veröffentlicht.

Die Finger des Meisters: Aus Indien stammend beherrscht Trilok Gurtu das Tablaspiel virtuos.


Foto: PR

Der Titel »God Is A Drummer« mag manchem schon esoterisch vorkommen…

Ja, aber so ist er überhaupt nicht gemeint. Die indische Gottheit Shiva wird mit Trommeln in der Hand dargestellt, und wenn sie eines Tages mit Bewegung und Trommeln aufhören sollte, dann hört die ganze Welt auf zu existieren. Auch die Erde bewegt sich und produziert dabei einen Ton, das Om, den wir allerdings nicht bewusst hören. Aber: In jedem Menschen steckt diese Kraft, und das in sämtlichen Kulturkreisen - sie heißt nur anders. Irgendjemand oder irgendetwas ›spielt‹ sozusagen in den Menschen, um die Dinge am Laufen zu halten. Das steckt hinter dem Titel.

Du möchtest niemanden missionieren…

Nein, gar nicht. Aber schau mal, wieviele Schlagzeuger richtig Groove spielen können - nur ganz wenige. Es geht aber immer um diesen Groove, und der kommt irgendwoher. Nur wenn Dinge zusammenkommen, kann sich Wirkung entfalten. Was ist Musik ohne Rhythmus?! Nichts. All das ist nur leider sehr schwer zu erklären, und deswegen habe ich das Album aufgenommen - obwohl ein Album zu machen heute ebenfalls ziemlich schwierig geworden ist. So kam auch die Idee zustande, die Platte musikalischen Wegbegleitern wie Joe Zawinul, Tony Williams, meiner Mutter oder meinen Lehrmeistern zu widmen und so die Beziehung zu ihnen zu thematisieren: Es geht mir nie um mich, sondern immer um die Leute, von denen ich gelernt habe und die ich respektiere. Das sollten junge Leute heute vielleicht auch viel mehr tun. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn sie alles von YouTube und Google lernen. Du brauchst einen guten Lehrer, der dir den Weg zeigt: Wenn du einen Preis zahlst, weil du etwas unbedingt lernen möchtest, dann wirst du es auch nicht mehr vergessen! Ich zumindest werde nie vergessen, welche Lektionen ich in Afrika oder wo auch immer beim persönlichen Kontakt gelernt habe. Das Gleiche gilt bei mir auch für die klassische Musik. Meinen Stil zu entwickeln, das war also harte Arbeit. Musik ist eine himmlische, heilige Waffe - obwohl das alles auch wieder nicht so streng klingen sollte [lacht].


EIGENER SOUND, MUT ZUM RISIKO UND SOLCHE DINGE SIND MIR WICHTIGER ALS ALLES ANDEREDU BRAUCHST EINEN GUTEN LEHRER, DER DIR DEN WEG ZEIGT


Du hast auf deinem vorletzten Album eine Bigband, auf dem aktuellen ein Orchester eingesetzt. Warum?

Mich reizte die Mischung - manchmal eine wilde Mischung aus Strawinsky, Ellington, Indien, Afrika und vielem mehr. Außerdem wollte ich auch etwas für Hamburg, meine Wahlheimatstadt, tun: Die Musiker der Jungen Norddeutschen Philharmonie sind alle um die 20, und da wollte ich mich sozusagen integrieren [lacht], denn so viel habe ich mit Hamburg ansonsten leider nicht zu tun.

Früher hast du auf dem Boden gesessen und die Bassdrum als tief gestimmte Tom ausschließlich mit Sticks gespielt. Das machst du seit ein paar Jahren nicht mehr und benutzt eine traditionelle Bassdrum mit Pedal. Hat sich dadurch deine Spielweise verändert?

Nein, ich sitze nur höher. Nach einer Operation konnte ich nicht mehr auf dem Boden sitzen, was ich heute manchmal vermisse. Aber deswegen muss ich jetzt meine Fußtechnik weiterentwickeln, und das ist wieder gut für mich, denn so bin ich beschäftigt [lacht]. Ich mache vieles zwischen Tabla, Djembe, Percussion und Drumset sozusagen durcheinander, und das bringt besondere Herausforderungen mit sich. Musik und Groove stehen jedoch immer im Vordergrund, erst danach kommt Technik. Die kleine, tief gestimmte ›Bassdrum für den Stock‹ habe ich nach wie vor dabei. Da hat sich nichts geändert.

DISKOGRAFIE

(seit 2000 unter eigenem Namen, neben ungezählten Kollaborationen) African Fantasy (2000), The Beat of Love (2001), Remembrance (2002), Izzat (2003), Broken Rhythms (2004), Farakala (2006), Arkeology (2006), Twenty Years of Talking Tabla (2007), Massical (2009), 21 Spices (2011), Spellbound (2013), God Is A Drummer (2019)

Wie setzt du Elektronik ein?

Meist als Loops oder Sounds. Wenn ich mit meinen Wassereimern, Gongs und so weiter Sounds erzeuge, dann manipuliere ich sie beispielsweise durch einen Harmonizer - ein Song auf der neuen Platte [»Indranella«] ist so entstanden. Allerdings drehe ich dabei gerne an Knöpfen und setze weniger einen Computer ein. Das macht mir Spaß. Es kommt aber immer auf die musikalische Situation an.

EQUIPMENT

Drums (verschiedene Hersteller): 18˝ x 16˝ oder 20˝ x 16˝ Bassdrum 6˝, 8˝, 10˝ Tomtoms (Custom) 12˝, 14˝ Tomtoms (Custom) 14˝/12˝ und 10˝ Snaredrums Becken: Zildjian 20˝ »K«-Ride oder Flatride 16˝ Thin-Crash 14˝ Hihat 6˝, 8˝ und 10˝ Splashes »Spiral Stacker« Felle: Remo Tabla (aus Mumbai) Djembe Udu diverse Kleinpercussion Sticks: Zildjian (Signature-Modell)

Foto: Ingo Baron

Foto: Madhur Shroff

Setzt du bei den Musikern in deiner Band gewisse Konnakol-Kenntnisse voraus?

Nein respektive nur so viel wie unbedingt nötig. Es geht ja nie um die Mittel, sondern nur um die Bedeutung der Musik. Dennoch sind meine Musiker sehr offen für solche Dinge, und ich bin froh, sie in meiner Band zu haben - sie haben sogar wesentlich dafür gesorgt, dass ich das neue Album gemacht habe. Eigener Sound, Mut zum Risiko und solche Dinge sind mir wichtiger als alles andere.

Wie soll’s in Zukunft weitergehen?

Eine solche Band müsste viel mehr spielen, aber im Moment sind Marketing und mediale Netzwerke manchmal wichtiger als gute Musik. Das ist schade, aber wahr. Mir geht es immer um die Musik - und die Tatsache, dass ich nach 50 Jahren auf der Bühne immer noch international unterwegs bin, muss ein gutes Zeichen sein! Der Spaß steht bei allen meinen Projekten, ob mit Jan Garbarek oder wem auch immer, im Vordergrund. Wenn’s keinen Spaß mehr macht, kannst du nach Hause gehen und den Abwasch machen [lacht].

NETZ

www.trilokgurtu.com