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Trinity: Trinity Desktop Environment: KDE 3 für Nostalgiker


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 21.11.2019

Das Trinity Desktop Environment hält die letzte Veröffentlichung von KDE 3 am Leben – gut für Nostalgiker und Fans alter Hardware.


Artikelbild für den Artikel "Trinity: Trinity Desktop Environment: KDE 3 für Nostalgiker" aus der Ausgabe 12/2019 von LinuxUser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 12/2019

Linux steht für Vielfalt, auch und gerade bei Desktop-Umgebungen. Daran scheiden sich seit jeher die Geister: Meist stehen sich dabei die unterschiedlichen Herangehensweisen von KDE und Gnome gegenüber, aber auch XFCE wird gerne wegen seiner langsamen Entwicklung gelobt oder getadelt, je nach Standpunkt. In den letzten Jahren kamen mit Cinnamon, Maté und LXQt neue Kandidaten hinzu und werden ebenfalls ausgiebig diskutiert.

Nur wenig liest man dagegen von Trinity Desktop ...

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... Environment (TDE ), einem Fork des K Desktop Environment 3.5 . Seit nunmehr zehn Jahren hält TDE die letzte offizielle Ausgabe von KDE 3 mit der Versionsnummer 3.5.10 vom August 2008 am Leben. TDE R14.0.6 ist seit April 2019 die aktuelle Version des Desktops für Nostalgiker und Besitzer gut abgehangener Hardware.

Begonnen wurde das Projekt von Timothy Pearson, der bereits 2008 bei Kubuntu Remixes von KDE 3.5 herausgegeben hatte, nachdem die Distribution auf die KDE Software Compilation 4 umstieg. War KDE 3 ein für seine Zeit hochmoderner und ausgereifter Desktop, präsentierte sich KDE SC 4 anfangs als das genaue Gegenteil.

Die Einführung des semantischen Desktops Nepomuk und des Akonadi- Frameworks als zentrale Datenbank für PIM-Anwendungen forderte starke Nerven seitens der Benutzer, von denen sich viele mit Grausen abwandten. Nutzer, die sich nicht ganz von KDE verabschieden wollten, fanden bei TDE eine neue Heimstatt, die es ihnen ermöglichte, weiterhin KDE 3 zu benutzen, ohne die Pflege selbst übernehmen zu müssen.

Längst vergessen

Die Entwicklung von TDE besitzt keinerlei Berührungspunkte mit der heutigen KDE-Entwicklung. Die gemächliche Entwicklungsarbeit bei TDE zielt vorrangig darauf ab, Fehler zu beheben, den Desk-top vorsichtig zu modernisieren und Kompatibilität zu aktueller Hardware herzustellen.

Der Desktop basiert auf einer Abspaltung des Qt3-Frameworks, die bei Trinity TQt heißt. Dabei handelt es sich um eine Abstraktionsschicht, die es ermöglichen soll, Bibliotheken späterer Qt-Versionen in Trinity zu nutzen und TQt neben anderen Qt-Versionen zu installieren. Den Versuch, Trinity an Qt4 anzupassen, hat das Projekt dagegen wieder aufgegeben. Einerseits fehlte es an Personal, andererseits hätte das den Anspruch verwässert, KDE 3 intakt zu erhalten.

Das Versionsschema lehnte sich anfangs an die KDE-Versionierung an. Im Jahr 2014 wechselte man zum neuen Schema R14.x, dem die Entwickler bis heute treu blieben. Neben den aktuellen Veröffentlichungen bietet das Projekt die letzte KDE-Ausgabe 3.5.13.2 von 2013 weiter an. Mit R14.0 betonte TDE seine Eigenständigkeit, öffnete sich gleichzeitig aktueller Linux-Technik, und integrierte unter anderem Udev, das den Vorgänger HAL ablöste. Zudem wurden der Network-Manager 0.9 und der angepasste Compositor Compton anstelle von KDEs Kompmgr eingeführt sowie die Kompatibilität zur XDG-Spezifikation wesentlich verbessert.

Breites Angebot

TDE liegt paketiert für Arch Linux, Debian, Ubuntu, MX Linux Fedora, OpenSuse, Mageia PCLinuxOS, Slackware und andere Distributionen vor. Das TDE-Team bietet Installationsanleitungen dazu im Projekt- Wiki an . Zumindest zwei Distributionen bietet TDE aber auch vorinstalliert an. Q4OS basiert auf Debian und bietet neben Images mit aktuellem Plasma- Desktop auch solche mit TDE in Versionen für 32- und 64-Bit-Systeme sowie für Raspberry Pi, Pinebook und Windows bis Version 10 an 1. EXE GNU/ Linux , eine Distribution auf Basis des Debian- Ablegers Devuan setzt auf TDE als alleinigen Desktop 2.

Dateien zum Artikel herunterladen unter www.linux‑user.de/dl/43414


1 Die TDE-Implementierung der Distribution Q4OS wirkt modern, bleibt dabei aber dezent. Wenn sie in diesem Fall den originalen Trinity-Look wünschen, bedeutet das im Endeffekt, dass Sie selbst Hand anlegen müssten.


Für die R14.0.x-Serie stehen offizielle Pakete für Debian 6 bis 9 für jeweils mehrere Architekturen bereit. Zusätzlich gibt es inoffizielle, aber laut Webseite vertrauenswürdige Pakete für Debian 10 und für Debian Unstable. Die ältere Version TDE 3.5.13.2 deckt Debian 5 bis 7ab . Die Installationsanleitungen für alle unterstützten Distributionen finden Sie im Trinity-Wiki .

Q4OS und EXE

Einen Eindruck der Fähigkeiten von TDE vermittelt die Live-Ausgabe der bereits erwähnten Distribution Q4OS mit vorinstalliertem Trinity-Desktop. Im Test kommt das auf Debian 10 „Buster“ basierende, 639 MByte große 64-Bit-Image von Q4OS 3.8 „Centaurus“ mit Trinity- Desktop zum Einsatz. Wie die meisten anderen Distributionen lässt sich Q4OS direkt vom Live-Medium installieren.

Für ältere Rechner und solche, die noch auf 32-Bit-Technik beruhen, stehen separate Install-CDs bereit. Q4OS bietet zusätzlich einen ausführbaren Windows- Installer an, mit dem Sie die Distribution direkt aus Windows 7 bis 10 heraus als Dual-Boot installieren. Das bietet besonders weniger technikaffinen Umsteigern von Windows zu Linux einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.

Weitere Infos und interessante Links www.linux‑user.de/qr/43414


Beim Test von EXE GNU/ Linux blieb es bei der Betrachtung der Live-CD, deren Installer wegen eines Dbus-Fehlers den Dienst verweigerte. Das war in diesem Fall nicht weiter tragisch, denn es ging ja primär um die Desktop-Umgebung TDE. Bei EXE stellt sich auf den ersten Blick heraus, dass es sich bei dessen Desktop um eine ältere Ausgabe von KDE handelt. Der Devuan-Ableger belässt die Umgebung im Gegensatz zu Q4OS so, wie das Trinity-Projekt sie ausliefert. Das dürfte allerdings nur Nostalgiker erfreuen – ein Projekt wie dieses, dessen offizielle Unterstützung seitens KDE schon vor vielen Jahren endete, zieht Kritik auf sich.

Ein erklärter Gegner dieses Forks ist der ehemalige KWin-Entwickler Martin Grässlin, heute durch Heirat Martin Flöser. Er kritisierte das Projekt bereits 2012 scharf . Diese Insider-Kritik deckt sich mit der von vielen anderen Entwicklern aus dem Sicherheitsbereich. Der Tenor geht dahin, dass ein kleines Team die relativ große Codebasis über Jahre nicht auf einem sicherem Stand halten kann. Immerhin geht es bei KDE 3.5 um rund 14 Millionen Zeilen Code.

Geringe Ansprüche

Q4OS mit Trinity-Desktop setzt bei der Hardware eine CPU mit mindestens 300 MHz sowie 128 MByte RAM und 3 GByte freien Platz auf einer Festplatte voraus. Gleich nach dem Start des Live- Mediums lässt sich bei Bedarf die DPIEinstellung anpassen. Dabei denken die Entwickler vermutlich an Nutzer mit älteren und in der Regel kleineren Monitoren. Im Anschluss wählen Sie falls gewünscht die deutsche Lokalisierung und sehen bald darauf denWillkommensbildschirm , der Ihnen verschiedene Konfigurationsschritte anbietet.

2 EXE GNU/ Linux bleibt dem Original-Look von Trinity verpflichtet. So sieht Trinity auch aus, wenn Sie den Desktop auf einer anderen Distribution nachinstallieren.


Auf dem Desktop liegt unter anderem das Icon des ehemaligen Standard-KDEBrowsers Konqueror, ein Doppelklick darauf öffnet den Browser. Er wird von einem Fenster überlagert, das Konqueror als leichtgewichtigen Browser vorstellt, gleichzeitig aber die Installation von Chrome als Browser empfiehlt, da dieser moderne Techniken beherrsche. Wir folgten der Empfehlung, die Chrome installierte und einen Eintrag in der Quellenliste tätigte, über den das System den Browser regelmäßig aktualisiert.Wir nahmen zunächst ein Update der Live-Version vor und installierten anschließend Q4OS auf der Festplatte des Testgeräts. Dazu bedient sich die Distribution eines Installers auf der Basis des hervorragenden Calamares-Frameworks, der die Q4SO in wenigen Minuten auf das Speichermedium des Systems bannt.

Desktop Profiler

Der resultierende Desktop wirkt nicht, als ob er zehn Jahre alt wäre. Die Entwickler haben das Aussehen behutsam angepasst und mit einem dezent modernen Icon-Set versehen. Bevorzugen Sie hingegen den Original-Look von KDE 3.5, lässt sich der Desktop später nach Belieben auf der Webseite Trinity-Look.org zusammenstellen. Q4OS verwendet ein eigenes Hauptmenü, bietet aber über denWillkommensbildschirm die Möglichkeit, zum Classicoder Kickoff-Menü zu wechseln.

Nach dem ersten Neustart offeriert Q4OS wahlweise die Installation von KDE Plasma, falls das System ausreichend Ressourcen ermittelt 3. Für den Test blieben wir bei Trinity und landeten wieder imDesktop Profiler , der bereits imWillkommensbildschirm auffiel. Hierbei geht es darum, ob Trinity ein Leichtgewicht bleiben soll oder Sie es über zwei mögliche Ausbaustufen mit weiterer Software ergänzen wollen 4.

Etliche nützliche Programme richtet die OptionBasic Q4OS Desktop ein. Mit der VarianteFull featured Desktop packt das System noch einen Browser sowie ein Büropaket und andere nützliche Standardanwendungen dazu. Die Entscheidung für diese Ausbaustufe spült rund 800 MByte an zusätzlichen Paketen auf die Festplatte, darunter Thunderbird, LibreOffice, Synaptic sowie VLC. Q4OS wirkt mit TDE wie aus einem Guss, nichts auf der Oberfläche deutet auf das wahre Alter des Desktops hin.

Fazit

Bei Anwendern, die KDE SC 4 für einen Sündenfall und KDE 3 für den besten Desktop aller Zeiten halten, kommt Trinity gut an. Das ist legitim, und bisher funktioniert der Fork, ohne dass größere Probleme bekannt wären.

Trinity eignet sich zudem für alle Liebhaber abgehangener Hardware, denn es läuft auf älteren Rechnern nach wie vor pfeilschnell. Dabei bietet es gegenüber anderen Leichtgewichten wie LXDE, LXQt oder Maté einen größeren Funktionsumfang und vielfältigere Optionen zur Konfiguration. Auch Betreiber nicht mehr aktueller Distributionen, wie etwa der Debian-Versionen 5 bis 7, finden mit dem Trinity Desktop Environment eine passende Oberfläche. (cla)

3 Erkennt TDE, dass die Technik des Rechners KDE Plasma unterstützt, bietet derDesktop Profiler den aktuellen Plasma-Desktop zur Installation an.


4 Der Desktop Profiler aus dem Willkommensbildschirm erlaubt das Ausschmücken des Desktops mit zusätzlichen Software-Bündeln.

README

Trinity steht für die Fortführung von KDE 3. Das Projekt hat sich der behutsamen Erhaltung und Modernisierung von KDE 3.5.10 verschrieben und setzt dieses Ziel seit einem Jahrzehnt in einem kleinen Team beharrlich um. Weiterentwicklung steht dabei nicht auf dem Plan der Programmierer.