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Trinkwasser: Kein trübes Wässerchen


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 8/2008 vom 01.09.2008

Kraneberger, wie das Nass aus dem Hahn auch genannt wird, ist preiswert und außerdem jederzeit verfügbar. An der Qualität des Wassers gibt es nicht allzu viel zu bemängeln.


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Foto: VDM

„Ohne Water geit dat nich.“ Die plattdeutsche Weisheit, mit der auch manche Wasserwerke im hohen Norden für ihre Zwecke Werbung machen, ist so plakativ wie wahr: Wasser ist lebensnotwendig. Denn unser Körper besteht zu 50 bis 70 Prozent aus Wasser. Bei Säuglingen ist der Anteil mit bis zu 80 Prozent sogar noch höher. Wasser ist Löse- und Transportmittel für Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente. Toben wir uns sportlich ...

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„Ohne Water geit dat nich.“ Die plattdeutsche Weisheit, mit der auch manche Wasserwerke im hohen Norden für ihre Zwecke Werbung machen, ist so plakativ wie wahr: Wasser ist lebensnotwendig. Denn unser Körper besteht zu 50 bis 70 Prozent aus Wasser. Bei Säuglingen ist der Anteil mit bis zu 80 Prozent sogar noch höher. Wasser ist Löse- und Transportmittel für Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente. Toben wir uns sportlich aus, kühlt uns das ausgeschwitzte Wasser durch die Verdunstung auf der Körperoberfläche ab.

Das Wasser aus dem Hahn wird aufwendig kontrolliert und aufbereitet.


Foto: Wasserwerk Karlsruhe

Damit Flüssigkeitsverluste ausgeglichen werden und der Körper richtig arbeiten kann, benötigt ein Erwachsener zwischen 1,5 bis zwei Liter Wasser täglich. Wichtig ist deshalb, ausreichend zu trinken, am besten Wasser, Saftschorlen und Früchtebzw. Kräutertees. Denn während wir aufs Essen theoretisch tagelang verzichten könnten, reagiert unser Organismus schon auf geringe Wasserverluste mit Unwohlsein. Beträgt das Defizit mehr als 0,5 Prozent des Körpergewichts, das entspricht bei einem Erwachsenen ungefähr 300 bis 400 Milliliter Körperflüssigkeit, meldet der Körper erst einmal: „Durst.“ Betragen die Verluste zwei Prozent, sinkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit um etwa ein Fünftel. Ab etwa einem Defizit von drei bis fünf Prozent macht sich Mundtrockenheit bemerkbar und der Körper baut kräftemäßig ab. Ab zehn Prozent Flüssigkeitsdefizit kommt es zu psychischen Störungen wie Desorientierung und Verwirrtheit, ein Minus von 15 Prozent kann zum Tode führen.

Trinken ist also wichtig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Trinkwasser aus dem Kran für ein gesundes Lebensmittel, das für den täglichen Verzehr geeignet ist. Selbst für die Jüngsten wird es empfohlen. „Das ideale Getränk für Kinder ist Wasser, als Trinkwasser aus der Leitung oder als Mineralwasser“, rät das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Wasser aus dem Kran sei ein hochwertiges Lebensmittel, da es von den Wasserwerken streng überwacht werde. Da ist was dran. Ob „Gänsewein“, „Rohrperle“, „Leitungsheimer“, „Hahnenburger“ oder eben „Kraneberger“, wie die Bezeichnungen für Leitungswasser auch lauten, das kühle Nass wird aufwendig kontrolliert.

Schadstoffsammler Wasser

Verantwortlich für die Qualität des Trinkwassers sind bundesweit etwa 6.600 Wasserversorgungsunternehmen genannt. Trinkwasser wird bei uns zu 64 Prozent aus Grundwasser gewonnen und zu 27 Prozent aus Oberflächenwasser wie Flüssen. Der Rest kommt aus unterirdischen Quellen.

Grundwasser entsteht, wenn Regenwasser im Boden versickert. Da es ein gutes Lösungsmittel ist, sammelt es auf dem Weg durch die Gesteinsschichten diverse natürliche Mineralstoffe ein, sodass die Beschaffenheit je nach Bundesgebiet sehr verschieden ist. In Gebieten mit Kalk-, Gips- oder Dolomitschichten, aus denen viel Calcium- und Magnesium herausgelöst werden, wie z. B. auf der Schwäbischen Alb, ist das Wasser hart; in Gegenden mit Basalt, Sandstein oder Granit ist das Wasser weicher. Auf dem Weg in die Tiefe sammelt das Wasser aber auch unerwünschte Stoffe wie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Nitrat ein, sodass es, bevor es in die Wasserleitung gelangt, erst von den Wasserwerken aufbereitet werden muss.

Wie das Trinkwasser beschaffen sein muss, regelt die Trinkwasser- Verordnung. Sie schreibt vor, dass „Wasser für den menschlichen Gebrauch frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein sein muss“. In dem Regelwerk aus dem Jahr 2001, das aber immer wieder ergänzt worden ist, werden die mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an das kühle Nass beschrieben. Dort wird unter anderem aufgeführt, wie verschmutztes Wasser behandelt werden darf. Grobe Verunreinigungen müssen ausgesiebt und -gefiltert werden. Mit Aktivkohlefilter werden viele organische Stoffe, darunter Pestizide und Chlorkohlenwasserstoffe, entzogen. Bei sehr hohem Gehalt an Kalk muss das Werk das Wasser enthärten, da sich sonst zu viel Kalkstein in den Leitungen und Wasserhähnen bildet. Ein rundes Drittel des Trinkwassers wird desinfiziert, um es keimarm zu halten. Im Einsatz sind dabei überwiegend Chlor und Chlordioxid, seltener Ultraschall und Ozon.

Foto: Forum Trinkwasser

Kohlensäure fürs Trinkwasser

Wer keine Kisten schleppen möchte, aber trotzdem in den Genuss von Sprudelwasser kommen möchte, kann aus Trinkwasser mithilfe eines speziellen Gerätes selbst Kribbelwasser herstellen. Im Handel werden verschiedene Sodawasserbereiter angeboten, die alle ähnlich arbeiten. Die Wasserflasche wird in eine Drehvorrichtung geschraubt. Per Knopfdruck gelangt dann Kohlendioxid ins Trinkwasser. ÖKO-TESTs ergaben, dass das aufgesprudelte Wasser auch nach vier Wochen Gebrauch hygienisch einwandfrei war. Die Flaschen müssen aber gründlich ohne Spülmittel gereinigt werden, da sich sonst ein Film an den Wänden absetzt, wodurch sich die Keimbelastung erhöht.

Foto: Wassermaxx

Kompakt

Nicht nur zum Trinken

Hierzulande verbraucht jede Person am Tag rund 125 Liter Wasser aus dem Kran. Das meiste geht fürs Putzen, Duschen, Waschen und für die Klospülung drauf. Beim Geschirrspülen werden etwa sieben Liter fällig, beim Duschen und Baden 45 Liter, und durch die Toilette rauschen 34 Liter pro Person und Tag. Fürs Trinken und Kochen zapfen wir nur rund fünf Liter.

Wasserwerke informieren

Wer wissen will, wie gut das Leitungswasser ist, das er trinkt, kann auf der Homepage seines Versorgers nachsehen. Die Werke sind verpflichtet, die Analysewerte aller Stoffe zu veröffentlichen, die laut Trinkwasser-Verordnung geprüft werden. Wer keinen Internetzugang hat, kann sie sich auch zuschicken lassen.

Bleileitungen raus

Der Vermieter muss Auskunft darüber geben, woraus die Wasserleitungen im Haus bestehen. Bleileitungen lassen sich daran erkennen, dass sie oft leicht gebogen sind, beim Klopfen dumpf klingen und sich leicht einritzen lassen. Wer sie im Haus hat, sollte sie austauschen lassen. Auch der Vermieter ist dazu verpflichtet, sie zu wechseln, wenn die gültigen Grenzwerte überschritten werden. Kann nicht sofort Abhilfe geschaffen werden, sollte das Wasser vor dem Trinken oder Kochen drei bis fünf Minuten in einen Eimer rauschen, bis kühles, frisches nachkommt. Das aufgefangene Wasser kann gut zum Putzen oder Blumengießen verwendet werden.

Foto: zeafonso/sxc

Trinken ist wichtig , denn unser Körper reagiert schon auf geringe Wasserverluste mit Unwohlsein und Störungen.


Foto: Forum Trinkwasser

Meist strenge Grenzwerte

Für zahlreiche Stoffe sind in der Trinkwasser- Verordnung Grenzwerte festgeschrieben, damit das Wasser tatsächlich „rein“ und „genusstauglich“ ist, wie es in dem Gesetzestext heißt. Die Grenzen sind so festgelegt, dass die tägliche Aufnahme der jeweiligen Stoffmenge beim Genuss von zwei Litern Wasser ohne Risiko lebenslang gesundheitlich vertretbar ist. In der Auflistung finden sich neben den mikrobiologischen Anforderungen auch Vorgaben für Rückstände von Schadstoffen. So dürfen sich in einem Liter Trinkwasser höchstens 50 Milligramm Nitrat pro Liter befinden sowie Pestizide im Bereich der Nachweisgrenze (0,0001 Milligramm pro Liter). Der Wert für nervengiftiges Arsen beträgt 0,01 Milligramm pro Liter

Vorsicht Filter

In Haushaltswarengeschäften werden Wasserfilter angeboten, die Schadstoffe und Kalk aus dem Trinkwasser filtern sollen. Zugegeben, Kaffee und Tee schmecken tatsächlich besser mit entkalktem Wasser. Ansonsten sind Wasserfilter daheim aber unnötig – die Wasserqualität in Deutschland ist anerkannt hoch. Außerdem entzieht man dem Wasser beim Entkalken Calcium, was bekanntlich gut für die Knochen ist.

Tischfilter können auch verkeimen, sodass sich nach dem Filtern möglicherweise mehr Bakterien im Wasser tummeln als vorher, wie ÖKO-TESTs ergaben. Nitrat und Schwermetalle, Pestizide und Chlorkohlenwasserstoffe können Filter zwar aus dem Wasser entfernen. Sind die Filter aber voll, was der Laie nicht ohne Weiteres erkennt, geben sie diese Stoffe wieder ab. Wer einen Wasserfilter verwenden möchte, muss ihn auf jeden Fall nach Angaben des Herstellers wechseln.

Foto: Wikipedia

Kritisiert wird von ÖKO-TEST jedoch, dass sich die Verantwortlichen bislang auf keinen rechtsgültigen Grenzwert für Uran im Trinkwasser einigen konnten. Uran ist nervengiftig und kann Leber und Nieren schädigen. Auch der Grenzwert für Blei ist umstritten. Derzeit beträgt er 0,025 Milligramm per Liter; ab dem Jahr 2013 liegt er nur noch bei 0,01 Milligramm. Er wurde erst im Zuge der EU-Angleichung gesenkt. Blei kann die Blutbildung und die geistige Entwicklung bei Ungeborenen, Babys und Kleinkindern beeinträchtigen.

Belastungen durch Rohre

Die Auflagen sind also streng, um auch langfristige Gefährdungen auszuschließen. Und deshalb gilt trotz mancher Kritikpunkte: Das deutsche Trinkwasser besitzt eine gute bis sehr gute Qualität. Das bestätigt auch ein Bericht des Umweltbundesamtes über dieQualität von Wasser für den menschlichen Verzehr. Die durchgeführten Messungen zeigten, dass bei Mikrobiologie und chemischen Parametern zu über 99 Prozent die Anforderungen eingehalten und die Grenzwerte nicht überschritten werden. Dort, wo es zu Beanstandungen kommt, zeigt das Wasser zum Beispiel erhöhte Keimgehalte oder es weist mehr Pflanzenschutzmittelrückstände auf, als gestattet sind. „Vermutlich wurden hier gesetzeswidrig Pestizide in Wasserschutzgebieten eingesetzt oder nicht mehr zugelassene Mittel ausgebracht“, heißt es in dem Bericht.

Selbst wenn die Wasserwerke alles richtig machen, kann es zu Belastungen kommen: durch alte Rohre im Haus. Denn der Wasserversorger bürgt nur für die Qualität bis zum Wasserzähler, für die Leitungen im Haus dagegen ist der Eigentümer zuständig. Und hier liegt noch manches im Argen: „Die Qualität des häuslichen Trinkwassers kann schlechter sein als die Qualität des Wassers, das von den Wasserwerken abgegeben wird“, urteilt auch der bundesweiteKinder- Umwelt-Survey des Umweltbundesamtes, der gerade erschienen ist. Dafür wurden zwischen Mai 2003 und Mai 2006 in 1.790 Haushalten mit Kindern Wasserproben gezogen und auf ihren Gehalt an Blei, Cadmium, Kupfer, Nickel und Uran untersucht.

Das Ergebnis: Zu Grenzwertüberschreitungen beim Allergen Nickel kam es in 9,4 Prozent der Proben, die nach vierstündigem Stehen des Wassers in den Leitungen gezogen wurden, sowie in 1,8 Prozent der Proben, die wie im Haushalt üblich abgezapft wurden. Bei nervengiftigem Blei gab es in 0,9 Prozent bzw. in 0,4 Prozent der Proben Beanstandungen, wenn der derzeit gültige Grenzwert von 0,025 Milligramm pro Liter zugrunde gelegt wurde. Wird der ab dem Jahr 2013 bindende Wert von 0,01 Milligramm pro Liter herangezogen, haben 2,9 bzw. zwei Prozent der Haushalte Trinkwasser, das zu viel Blei enthält. Bei Kupfer, das bei chronischer Belastung zu Lebererkrankungen führen kann, beobachteten die Fachleute in drei bzw. einem Prozent der Proben Auffälligkeiten. Beim Nierengift Cadmium waren, bis auf eine, alle Proben unauffällig. Dabei handelte es sich um einen Haushalt, der nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen war. Die Belastungen mit Schwermetallen stammen meist von altem oder defektem Rohrmaterial.

Hahn oder Flasche?

Ob man sich das Wasser aus dem Hahn nimmt oder lieber das Mineralwasser aus der Flasche trinkt, ist letztlich weniger eine Frage der Qualität als der persönlichen Vorliebe. Belastungen mit Schadstoffen und Keimen sind, selbst wenn sie vorkommen, in beiden Fällen die Ausnahme. Preiswerter als aus dem Hahn geht es jedenfalls nicht: Ein Liter Mineralwasser kostet je nach Marke zwischen etwa 30 Cent und einem Euro. Für Trinkwasser muss man den Bruchteil eines Cents hinlegen. Ein Kubikmeter (1.000 Liter) ist für rund zwei Euro zu haben.

Ob Mineralwasser oder „Kraneberger“ – die Qualität des Wassers ist in der Regel gut kontrolliert.


Foto: nkzs/sxc