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TROCKEN IN DIE NEUNZIGER


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 13.10.2021

Dafür, dass jenes Album in Ozzys Soloschaffenskanon heute allgemein zu seinen drei besten gerechnet wird, fällt die bisherige Legendenschreibung zu NO MORE TEARS überraschend dünn aus. Während Ozzy selbst in seiner Autobiografie zwar die Überlegenheit der Platte gegenüber ihren direkten Vorgängern bestätigt, wirken seine entsprechenden Anekdotenassoziationen doch erstaunlich dürftig. Befragt man indes Gitarrist Zakk Wylde nach seinem damals zweiten Studioaufenthalt als Gitarrist an Ozzys Seite, gestaltet sich dessen erstes Rückblick- Resümee ebenfalls ziemlich unspektakulär: „Für mich war der Song-Schreibeprozess mit Ozzy ein ganz ähnlicher wie der auf NO REST FOR THE WICKED zuvor. Es war einfach eine Weiterführung, die den Punkt abbildete, an dem wir uns zur Entstehungsphase der Platte befunden haben.“

Dabei fiel besagter kreativer Evolutionsprozess von außen betrachtet recht revolutionär aus. ...

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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 11/2021

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... Ursprünglich hatte man, wie Ozzy 1991 gegenüber METAL HAMMER berichtete, den DR. FEELGOOD-erfolgsverwöhnten Bob Rock als Produzenten für den Nachfolger von NO REST FOR THE WICKED anvisiert. Rock zeigte sich jedoch vom Ausgangs-Song-

STRENGER STILWILLE

Die Single-Vorabveröffentlichung des über siebenminütigen Titel-Tracks im Juni 1991 demonstrierte mit progressiven Piano- und Orchestereinschüben sowie einer knackigen Produktion zunächst Ozzys neue musikalische Reife. Visuell distanzierte sich der Madman im dazugehörigen kunstfilmischen wie kontrastreichen Video darüber hinaus vom Metal-Clown-Image seiner Fledermaus-Snack- und Schweinetrogtage: Die Mittachtziger-Elizabeth Taylor- Gedenkklamotten und -Frisur hatte er gegen schwarzen Zwirn und Leder, einen langmähnigen Halbpferdeschwanz sowie die fortan charakteristische (hier noch blau getünchte) John Lennon-Gedächtnisrundbrille eingetauscht. So präsentierte sich ein relativ frisch aus der Entzugsklinik entlassener agiler Ozzy seinem Publikum startklar für eine neue Dekade. Thematisch zeigte sich dieser Albumvorbote und Titel-Song über Serienmorde im Rotlichtdistrikt ebenso tiefgründig-erwachsen. Bei anderen Liedern des Albums hatte Ozzy hingegen externe poetische Schützenhilfe vom frischgebackenen L.A.-Immigranten und Motörhead-Chef Lemmy Kilmister erhalten. „Man hatte mir für das Schreiben von vier Songs für das Ozzy-Album NO MORE TEARS einen bestimmten Geldbetrag angeboten, und den habe ich genommen. Die Arbeit war an einem Tag erledigt“, so Lemmys lapidarer Kommentar bezüglich seiner lyrischen und monetären Verdienste. Neben ‘I Don’t Want To Change The World’, einer lässigen Abrechnung mit Bigotterie und Ozzys Sündenbock-Image seitens der religiösen Fanatikerfraktion, sowie den (von Lemmy selbst später zweitverwerteten) Stücken ‘Desire’ und ‘Hellraiser’ war es letztlich die Power-Ballade ‘Mama, I’m Coming Home’ – Ozzys einziger Solo-Top 40-Hit in den USA –, die dem Sänger und seinem berühmten Texter am meisten einbringen sollte. Inhaltlich keineswegs eine Hard Rock-Variation der ‘Hänschen Klein’-Thematik, ist der Song doch ein Liebesbeweis in Richtung Osbournes Ehefrau Sharon, die Ozzy zum Ende einer Tour immer mit ebenjenen Worten des Song-Titels am Telefon zu begrüßen pflegte. Bedenkt man, dass Osbourne seiner Angetrauten Ende 1989 im Alkoholund Drogenwahn noch wortwörtlich an die Gurgel gegangen war, haftet auch jenem Song etwas von Rehabilitation und Läuterung an. Ozzys ursprüngliche Intention, jedes einzelne Stück von NO MORE TEARS wie eine potenzielle, aber nicht zu offensichtliche Hitsingle zu behandeln, ging neben Vierfach-Platin und allein in den USA vier Millionen abgesetzter Exemplare jedenfalls auch qualitativ auf. Neben den bereits erwähnten Song-Vertretern finden sich zwischen dem rasselnden Opener ‘Mr. Tinkertrain’ und der famosen Finaleballade ‘Road To Nowhere’ noch das eingängige ‘Won’t Be Coming Home (S.I.N.)’ oder das hymnische ‘Time After Time’ auf dem Album wieder, das mit ‘Zombie Stomp’ nur einen einzigen Stinker vorweist. Der Rest ist pures Gold. Was auch für Wyldes exzellentes, seinem Einstand überlegenes, profilierteres Gitarrenspiel gilt, welches den blonden Hünen mit der Zielscheiben-Les Paul eher in die gefühlvolle Gesellschaft von Slash als technokratische Shredder-Schulen-Nähe rückte. Dass Ozzy angedroht hatte, seine Solokarriere zu beenden und sich wieder eine Band zu suchen, sollte NO MORE TEARS kein Erfolg werden, ist im Nachhinein eine amüsante Randnotiz. Von den Strapazen des Tourneelebens indes wollte sich Oz schon damals ernsthaft verabschieden. So hörte die aufgrund einer später revidierten Fehldiagnose, Osbourne würde unter Multiple Sklerose leiden, zunächst als Abschiedsrunde geplante Begleittournee zum Album auf den schönen Namen „No More Tours“. Dass NO MORE TEARS Kultstatus sowie weiterhin Bühnenrelevanz besitzt, bestätigt auch Zakk Wylde: „‘Desire’ macht live immer großen Spaß zu spielen. Und natürlich liebe ich den Titel- Song so wie ich es liebe, jeden Abend, wenn wir ‘Mama, I’m Coming Home’ spielen, die Zweihalsige rauszuholen. Schaut man sich die letzten Setlists an, ist ‘Road To Nowhere’ noch immer darin vertreten wie ‘I Don’t Wanna Change The World’. Also allerhand Zeug von diesem Album.“

FRANK THIESSIES

NO MORE TEARS

(30TH ANNIVERSARY EXPANDED EDITION)

Die Neuauflage des Ozzy-Klassikers erfährt eine auf 25 Tracks erweiterte Bonusbehandlung, allerdings lediglich in rein digitaler Form als Download oder Stream – auf eine zusätzliche CD-Veröffentlichung wird verzichtet. Wer sich daran nicht stört, bekommt die beiden recht verzichtbaren B-Seiten ‘Don’t Blame Me’ und ‘Party With The Animals’, Demos und Livetracks sowie ‘Hellraiser’ in der lässigen Ozzy/Lemmy-Duettversion geboten. Freunde des Haptischen greifen indes lieber direkt zur Doppelvinylneuauflage ohne Boni.