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TROCKEN = WARM?


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TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 08.11.2022

WISSEN °TROCKENTAUCHEN

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Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 120/2022

Ein Selbstversuch: Ich ziehe meinen Trilaminat-Trockentauchanzug an, ohne irgendeinen Unterzieher darunter. Also kein Base-Layer, kein Mid-Layer und schon gar kein Top-Layer. Mein einziges Kleidungsstück unter dem Trocki ist eine Boxershorts. Und das Anfang Oktober. Auch Luft ist so gut wie keine mehr in meinem Anzug. Die Außentemperatur rangiert bei dürftigen 12 Grad. Das Wasser dümpelt in knapp zweistelligem Temperaturbereich an die Uferlinie des Fühlinger Sees. Ein Tauchcomputer ziert mein Handgelenk. Ich setze mich ins Wasser. Es steht mir buchstäblich bis zum Hals. Meine einzige Bewegung: Gelegentlich drehe ich mein Handgelenk, um die Stoppuhr des Tauchcomputers zu checken. Ich möchte wissen, wie lange es dauert, bis das erste Kältezittern einsetzt. Dieser Moment ist dann das Abbruchkriterium meines Selbstversuchs, der eher einer Selbstkasteiung gleicht. Denn ich werde ...

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... das Prozedere noch fünfmal wiederholen. Einmal mit zusätzlicher Luft im Anzug. Dann jeweils einmal mit den oben genannten, unterschiedlichen Unterzieher-Arten. Und zuletzt mit einem fünf Millimeter dicken Nassanzug, also ohne Trocki. Zwischen den Versuchen liegt immer eine Aufwärmphase von 45 Minuten, in der ich die Oberflächentemperatur an den Armen auf der Haut messe. Kurze Erinnerung: Ein Trilaminat-Trocki besitzt nahezu keine Eigenisolation.

Warum diese Aktion? Ich möchte verdeutlichen: Trocken heißt nicht gleich warm. Damit man unter einem Trockentauchanzug wirklich warm bleibt, gilt es, ein paar Dinge zu beachten. Über diese Punkte möchten wir Sie in diesem Beitrag aufklären.

Grundsätzlich friert man weniger schnell, wenn Wasser die Haut nicht direkt berührt. Daher wird eine Trockentauch-Kombination immer wärmer sein als ein Nassanzug. Denn Wasser besitzt eine wesentlich bessere Wärmeleitfähigkeit als Luft. Grob kann man sagen: Wasser leitet die Wärme etwa 20-mal schneller vom Körper ab als Luft. Luft isoliert demnach besser als Wasser. Daher ist ein Luftpolster eine Isolationsschicht, die einen Tauchenden umgibt. Je dicker diese Schicht ist, desto langsamer kühlt der Körper aus. Man kann beim Kaltwassertauchen aber auch zu warm angezogen sein. Schwitzen Sie bereits, bevor es unter Wasser geht, ist das kontraproduktiv. Feuchte Bekleidung führt zu Temperatur-Einbußen. Denn der Schweiß tut auch unter Wasser das, was er an Land bei Hitze tun soll: Er kühlt Sie. Das ist in dieser Situation aber nicht gewollt. Bevor wir uns verschiedenen Isolationsstrategien widmen, geben wir Ihnen einen Überblick über aktuelle Materialien.

PRAXISTIPPS:

Legen Sie die erste und je nach Isolationsstrategie (und Außentemperatur) schon die zweite Lage bereits zu Hause an. Kleiden Sie sich bequem darüber. Eine Jogginghose ist perfekt für die Fahrt zum Tauchplatz.

Suchen Sie einen warmen, trockenen Platz, um den Unterzieher sowie den eigentlichen Anzug anzulegen. Wer warm in den Trocki steigt, bleibt länger warm.

Vermeiden Sie Schwitzen. Tragen Sie bei schwierigen Einstiegen Ihre Ausrüstung so nah wie möglich zum Tauchspot, bevor Sie den gesamten Anzug anlegen.

Gehen Sie, bevor Sie in den Trockentauchanzug steigen, nochmal zur Toilette.

Es kann sehr hilfreich sein, eine Matte zum An- und Umkleiden dabei zu haben. So stehen Sie nicht im Matsch, und Ihre Ausrüstung wird geschont.

Baumwollshirt und Jogginghose kann man ebenfalls unter einem Trocki anziehen. Diese Kleidungsstücke haben aber den Nachteil, dass sie sich vollsaugen, sollte der Anzug volllaufen. So werden sie schwer und wärmen deutlich schwächer als Funktionsbekleidung. Mindestens Thermo-Unterwäsche ist daher darunter ratsam.

Der Kopf verliert viel Wärme. Schützen Sie ihn. Ziehen Sie eine dicke Haube an, mindestens fünf Millimeter, besser noch sieben oder gar zehn Millimeter.

Tauchen Sie mit dicken Handschuhen oder trockenen Handschuhsystemen. Hände empfinden sehr schnell Kälte. Kühle Hände tragen viel zum allgemeinen Unwohlsein bei.

Sollten Sie mit nassen Handschuhen tauchen, schmieren Sie Ihre Hände vorher großzügig mit Melkfett ein. Das wärmt, hält Wasser ab, und Ihre Hände sind nach dem Tauchen garantiert nicht spröde und rissig.

Ein gesundes, leichtes Essen und ein warmes Getränk vor dem Tauchen spenden Ihrem Körper die Energie, die für einen Kaltwasser-Tauchgang notwendig ist. Nehmen Sie eine Thermoskanne mit warmem Getränk mit zum Gewässer - für die Zeit vor und nach dem Tauchgang.

Fotos: Hersteller

MATERIALKUNDE

THINSULATE

Bei vielen Outdoor-Aktivitäten, wo es um Temperatur-Erhalt geht, findet man das Material »Thinsulate«. Beim Tauchen ist der Stoff meist in den dicken, einteiligen Unterziehern, den Top-Layern (Steamern), zu finden. Dort findet man Angaben wie: »200 g« oder »400 g«. Tauchende kürzen das gern umgangssprachlich als 200er- oder 400er-Unterzieher ab. Diese Zahlen sind eine Gewichtsangabe in Gramm. Jedoch ist damit nicht das Gesamtgewicht des Unterziehers gemeint, sondern das Gewicht von einem Quadratmeter des verwendeten Stoffs. Je schwerer das Material, desto dichter ist es und desto besser isoliert es. Da ein dichterer Stoff mehr Luft einschließt, besitzt er natürlich auch mehr Auftrieb. Folglich wird mehr Blei benötigt, um abzutauchen. Ein Overall mit relativ hohem Eigengewicht ist erstrebenswert, da er wahrscheinlich weniger Auftrieb mitbringt. Dieses Prinzip nutzen zum Beispiel der englische Tauchbekleidungshersteller Fourth Element bei seinem neuen Unterzieher Halo Argon und Waterproof beim Nord X. Kompressionsstabile Fasern, wie sie beispielsweise die Firma Kallweit bei dem Overall Argo SFT einsetzt, führen ebenfalls zu einer Reduzierung der Bleimenge.

Was ist »Thinsulate« für ein Material? Es ist ein Vlies-Stoff aus einer chemisch hergestellten Mikrofaser. Wegen des extrem geringen Durchmessers kann die Faser in einer sehr hohen Dichte verarbeitet werden. Dadurch schließt sie verhältnismäßig viel Luft ein. Der Wärmeabfluss wird dadurch entscheidend verringert. »Thinsulate« ist eine geschützte Marke des Chemiekonzerns 3M. Gebildet wird das Kunstwort aus den beiden englischen Wörtern »thin« (dünn) und »insulate« (isolieren). Es ist atmungsaktiv und feuchtigkeitsabweisend. Vor allem letzteres ist unter dem Trocki wünschenswert. Denn Feuchtigkeit im Trockentauchanzug (sie entsteht immer durch Ausdünstung und das nicht zu knapp – bis zu einem Liter pro Tauchgang) soll von der Haut ferngehalten werden. Alle Materialien für Unterzieher sollten Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren und sie nicht wieder zurücklassen. »Thinsulate« kann in der Waschmaschine gewaschen werden. Bitte beachten Sie die Angaben der Hersteller.

POLARTEC

»Polartec« ist eine eingetragene Marke des gleichnamigen US-amerikanischen Konzerns. Mit über 400 High-Tech-Stoffen ist die Firma Marktführer bei der Herstellung von Funktionsmaterialien. Die meist künstlichen Fasern isolieren sehr gut und besitzen ähnliche Eigenschaften wie »Thinsulate«. Das Unternehmen hat sich schon Mitte der 1990er Jahre darauf spezialisiert, Kunststoffe aus PET-Flaschen zu Fasern zu recyceln. Heute bestehen laut Unternehmensangaben mindestens 50 Prozent aller Polartec-Fasern aus wiederverwerteten Plastikflaschen. Teilweise liegt der Anteil deutlich höher bei 75 bis 100 Prozent. Fourth Element nutzt für viele seiner Produktlinien diesen fleeceartigen Stoff. Er scheint optimal zu sein für die hohen Qualitätsansprüche der Engländer. Einerseits möchte man möglichst ökologisch verträglich produzieren, andererseits möchte man den besten thermischen Schutz bieten.

FLEECE

Klassisches Fleece wird meist zu 100 Prozent künstlich aus Polyester hergestellt. Bei der Herstellung wird es aufgeraut, was die Oberfläche vergrößert und für die typische Flauschigkeit sorgt. Mittlerweile gibt es verschiedene Fasermischungen, die teilweise auch aus Wolle, Baumwolle bestehen. Ihr Vorteil: Sie trocknen schnell und halten noch warm, wenn sie feucht geworden sind. Sehr gerne werden sie für das Innenfutter der dicken Unterzieher verwendet oder aber für die mittlere Schicht, den Mid-Layer. In der sogenannten 3D-Variante werden viele kleine Vierecke innerhalb des Mid-Layers aufgewebt. Sie vergrößern die Oberfläche, was mehr Luft einschließt, besser isoliert und schneller trocknet als in der Standardvariante.

POLYESTER, NYLON UND SPANDEX

Direkt auf der Haut liegt am besten Thermo-Unterwäsche auf. Sie bildet den Base-Layer und ist meist aus Polyester, Nylon und Stretchgeweben, dem sogenanntem Elasthan (Spandex). All diese Fasern werden künstlich von der chemischen Industrie hergestellt. Durch ihre Dehnbarkeit können sie sich eng an den Körper schmiegen. Sie wärmen etwas, transportieren jedoch hervorragend Feuchtigkeit und halten diese ab.

MERINOWOLLE

Einige Hersteller wie Camaro setzen auf Unterzieher aus Merinowolle. Sie hat den Vorteil, dass sie sehr gut isoliert und besonders gut wärmt. Allerdings verliert sie diese Eigenschaften, wenn sie nass wird. Zudem speichert sie die Feuchtigkeit und gibt sie nicht wieder ab. Daher wird sie lediglich anteilig verwebt.

Welche Materialien werden wo am besten eingesetzt? Hier Einsatzmöglichkeiten und Isolationsstrategien: Menschen empfinden Kälte sehr unterschiedlich. Bitte sehen Sie diese Zeilen als Vorschläge, die Sie an Ihre persönlichen Ansprüche anpassen und kombinieren sollten.

ISOLATIONSSTRATEGIEN

IM GRUNDE GENOMMEN EXISTIEREN DREI STRATEGIEN:

1. Es werden zwei Schichten kombiniert:Funktionsunterwäsche (Base-Layer) und ein dicker Unterzieher, der Top-Layer (200 Gramm aufwärts). Vorteile: Man muss nicht so viele Schichten anlegen und ist trotzdem gut geschützt. Einige Tauchende schätzen am klassischen Unterzieher, dass seine Oberfläche aus rutschigem Polyester besteht. So bleibt man innerhalb des Trockis beweglich und rutscht an der Innenseite entlang, denn Trilaminat und Polyester haften nicht aneinander. Nachteile: der relativ große Auftrieb und eine gewisse Unflexibilität. Die neuartigen Overalls (zum Beispiel von Kallweit, Fourth Element und Waterproof) haben das Problem mit dem Auftrieb deutlich reduziert.

2. Das Zwiebelprinzip:Lagen mit unterschiedlichen Eigenschaften werden nach Bedarf kombiniert: ein dünner Base-Layer, ein etwas dickerer Mid-Layer und ein weiterer noch dickerer Mid-Layer. So ist man flexibel und kann auf jahreszeitlich wechselnde Temperaturen bedarfsgerecht reagieren. Hier gibt es meist die Optionen für Oberkörper und Beine als Einzelteile zu kaufen. Einteiler gibt es auch. Der Vorteil von Einzelteilen: Sie können noch für andere Sportarten wie zum Beispiel beim Wintersport oder beim Motorradfahren genutzt werden. Nachteile sind das längere Anlegen bei Einzelteilen und der meist höhere Gesamtpreis für die Einzelstücke.

3. Die Heizvariante:Immer weiter verbreitet sind Heizsysteme. Es gibt sie als Westen oder als Overalls, in Kombination mit Heizsocken oder Heizhandschuhen. Meist kombiniert man die Heizstrategie mit einer der beiden anderen Varianten, um die besten Ergebnisse für sich zu erzielen. Ob man nun eine Weste oder einen Einteiler mit noch weiteren Elemente wählt, ist häufig eine Frage des Geldes, beziehungsweise, welche Tauchgänge man mit der Ausrüstung plant. Je länger, je tiefer, je kälter, desto wärmer sollte es sein, und desto kostenintensiver wird es. Die maximale Wärme erhält man sicher mit einem Heizoverall, einem Base-Layer und einem Mid-Layer, kombiniert mit beheizten Handschuhen und Socken.

ABER:Je nachdem, aus welchem Material Ihr Trockentauchanzug besteht (Neopren oder Trilaminat), müssen Sie diese Strategien anpassen, wie unser Selbstversuch ganz klar zeigt.

Neoprentrocki:Hier werden Sie weniger Material darunter benötigen als unter einem Membrantrocki. Häufig reichen ein bis zwei Lagen. Diese müssen nicht dick sein. Im Bereich zehn bis 18 Grad reicht Thermo-Unterwäsche. Bei sehr kaltem Wasser (acht Grad Celsius und darunter) kann zur Unterwäsche eine mittlere Schicht angezogen werden. Arbeitet man mit einer Heizweste, kann auf den Mid-Layer verzichten werden.

Trilaminattrocki:Da die Trilaminat-Membran selbst nahezu null Eigenisolation besitzt, benötigen Sie hier mehr Material darunter. Im Sommer bei über 14 bis 20 Grad sind zwei Schichten, untere und mittlere, häufig genug. Darunter fängt das große Kombinieren und Austesten an. Bei vier bis acht Grad sind auf jeden Fall drei Schichten empfehlenswert. Mit Heizungen kann man jedoch wiederum auf einen Baseund einen Mid-Layer reduzieren.

KAUFBERATUNG

DER BASE-LAYER

Diese Schicht liegt direkt auf der Haut auf. Sie sollte eng anliegen, um ihre Aufgaben zu erfüllen: wärmen und Abtransport von Feuchtigkeit. Hierfür können Sie in jedes Sportgeschäft gehen und sich nach passender Funktionsunterwäsche umschauen. Wintersport-Unterwäsche tut es genauso wie Laufunterwäsche. Denken Sie daran, sich das Material gegebenenfalls direkt in zweifacher Ausführung zuzulegen. Es sollte regelmäßig gewaschen werden. So haben Sie immer eine saubere Garnitur im Schrank.

DER MID-LAYER

Die Zwischenschicht oder Hauptschicht,je nach Temperatur und Anzugmaterial. Sie sollte eng,abernichtzuenganliegen, damit die Bewegungsfreiheit der Arme und Beine nicht einschränkt ist, und die Blutzirkulation gewährleistet wird. Es gibt sie in unterschiedlichen Dicken, Materialien, Schnitten und sehr vielseitigen Ausführungen. Auch Westen und Kurz- und Langarm-Shirts sind am Markt vorhanden. Je nach Isolationsstrategie macht der KaufvonKombinationenSinn.Oder Sie leisten sich erst mal eine dickere Garnitur und dann für wärmere Tage im Sommer eine etwas dünnere Variante. In jedem Fall gibt es hier große Preis- und Qualitätsunterschiede. AchtenSiedarauf,dassdieÄrmelDaumenschlaufenhaben.So rutschen sie nicht beim Anziehen im Anzug hoch. Die Beine sollten an den Füßen Schlaufen über den Fersen besitzen, aus dem selben Grund. Möchten Sie die Lage als oberste Schicht tragen, ist eine Tasche sinnvoll, um einen Autoschlüssel mit in den Trocki zu nehmen.

DER TOP-LAYER (STEAMER)

Diese Schicht kann aus »Thinsulate« oder anderem hochdichtem Material bestehen.Angenehm ist ein flauschiges Innenmaterial. Der Sitzsollteangenehm,abernichtzuweitsein.Testen Sie die Bewegungsfreiheit. Erreichen Sie die Ventile Ihrer Flasche? Können Sie in die Hocke gehen, ohne dass der Schritt spannt? Wie sieht es mit der Beugung nach vorne aus? Er darf ruhig etwas Eigengewicht bei möglichst geringem Volumen haben. SeinAuftriebistmaßgeblichfürdieMengeanBlei,diemanmitnehmenmuss.Hier ist es essentiell wichtig, sich über seine Isolationsstrategie im Klaren zu sein. Wollen Sie flexibel und im Zwiebelprinzip bleiben, dann tut es mit großer Wahrscheinlichkeit bereits eine dünnere Variante (200 Gramm). Möchten Sie im Membran-Trocki bei Strategie eins bleiben, sollte der Unterzieher dicker sein (300 Gramm aufwärts). ErsollteeinenleichtläufigenFrontreißverschlussbesitzen,derbiszumHalsschließt.Optimalerweise ist dieser mit einer Stofflasche verdeckt. So wird das Innere des Trockentauchanzugs vor Beschädigungen durch den Reißverschluss geschützt, und man bleibt innen nicht hängen. Am Hals sollten keinen unangenehmen Fäden, Nähte oder Ähnliches sein. Die Bündchen an Armen und Beinen dürfen eng und aus elastischem, schnell trocknenden Material sein. Denn vor allem an den Armen werden sie schon mal feucht bis nass. Die engeren Bündchen zwingen die Luft, im Unterzieher zu bleiben, was der Wärme zuträglich ist. Unter den Armen kann für eine bessere Belüftung Mesh-Material (offene Maschen) eingearbeitet sein. HilfreichisteinekleineTascheanderAußenseite,entwederamArmoderaufderBrust,fürAutoschlüsseloderkleinereWertsachen.Der Hauptunterzieher benötigt ebenfall an Armen und Beinen Laschen, die beim Anziehen des eigentlichen Anzugs ein Hochrutschen verhindern.

DIE HEIZUNGEN

Bei Heizwesten oder Heizunterziehern gibt es materialtechnisch und preislich große Unterschiede. Einerseits existieren klassische Unterzieher, in die Heizdrähte eingenäht wurden. Dies ist der Fall bei den Produkten von Mares, Procean, Yellow Diving und Santi. Bei Scuba Force werden die Heizplatten in eigens dafür vorgesehenen Fächern im Unterzieher untergebracht. Sie sind aus fleeceartigem Stoff und wärmen immer noch, wenn die Heizung aus ist. Das ist ihr Vorteil.IhreEnergiebeziehendieHeizdrähteoderHeizplattenauswiederaufladbarenAkkus.Bei einigen Herstellern werden sie in Taschen verstaut, die innerhalb der Anzüge liegen. Zum Laden können sie ausgesteckt werden. Unbedingt sollten diese Akkus wasserdicht sein. Falls es zum Wassereinbruch im Trocki kommt, darf es keinen Kurzschluss geben. Optimalerweise funktionieren die Heizsysteme trotzdem weiter. Die Firma Thermalution gewährte eine hybride Lösung, für Nassund Trockentauchen. Leider existiert die Firma nicht mehr. JedochwirdinKürzedieFirmaVentureHeateinähnliches,aberverbessertesSystemaufdenMarktbringen.Die Akkus sind wasserdicht bis 100 Meter Tiefe und können ebenfalls unter dem Nasstauchanzug und unter dem Trocki benutzt werden. Allerdings wärmt deren Polyesterstoff der Weste nicht von selbst. Dazu ist er zu dünn.

Eine nicht ganz günstige, aber sichere und sehr flexible Methode ist die Wahl vieler technisch Tauchender. Sie führen einen externen Akku mit oderhabeneinengroßenLampenakkutankmitzweiSteckernanihrerAusrüstung:einenfürdasHeizsystemundeinenfürdieLampe.Um zusätzliche Durchführungen zu vermeiden, wird das Kabel durch einen eigens dafür entworfenen Adapter am Inflator-Knopf des Trockentauchanzugs durchgeführt. Bei einer Fehlfunktion, oder wenn der Akku leer ist, kann ab- oder umgestöpselt werden. Auch die Laufzeiten sind so besser regulierbar, da man mit größeren oder kleineren Akkus arbeiten kann. Der Nachteil daran: Man hat noch mehr Kabel zum Verheddern außen am Anzug. Diese Lösungen werden von den Herstellern Santi, Yellow Diving und Scuba Force angeboten. HandschuheundSockenmitHeizungenwerdenvonSantiundvonProceanangeboten.Um Schweiß effektiv vom Körper abzuhalten, sollten auch Heizwesten atmungsaktiv und feuchtigkeitsdurchlässig sein.

Wie mein Selbstversuch endete?Ehrlichgesagt:EsgabkeineÜberraschungen.Mit einem Trilaminat-Trockentauchanzug als ausschließlichen Schutz fing das Kältezittern bereits nach etwas mehr als zwei Minuten an. Die Hauttemperatur an meinem Arm lag bei 22 Grad Celsius. Beim zweiten Anlauf, mit einem prall gefüllten Anzug (und 14 Kilo Blei um die Hüften), war nach etwa sechs Minuten finito. Die Hauttemperatur lag bei 23 Grad. In Runde drei hatte ich nur Funktionsunterwäsche an und keine Luft im Anzug. Das ergab eine Zeit von knapp vier Minuten. Die Temperatur der Haut lag bei Abbruch bei 24 Grad. Bei dem vierten Versuch brachte die Kombination aus Base- und Mid-Layer dann bereits gut 17 Minuten auf die Uhr, Hauttemperatur: 26 Grad. Nummer fünf war dann die Maximalkombo aus Base-, Mid- und Top-Layer (400 Gramm). Nun, nach einer Stunde wurde das Rumsitzen langweilig, und wir haben den Versuch gestoppt, Hauttemperatur: 32 Grad. Nundochauchinteressant:dasErgebnisdesFünf-Millimeter-Nassanzugs:Das Kältezittern stellte sich ein bei 23 Minuten, und die Hauttemperatur, gemessen an meinem Arm, zeigte 19 Grad Celsius. Was lernen wir daraus? Luft isoliert doch ganz gut, und gerade für Wiederholungstauchgänge ist der Erhalt der Körpertemperatur vor allem in den Extremitäten mit einem Trockentauchanzug sehr sinnvoll (und auch sicherer).

Fazit: Taucht trocken, wenn es kalt ist. Das macht viel mehr Spaß!

BASE-LAYER

Funktionsunterwäsche gibt es in vielen Versionen. Tauchartikelhersteller haben sich auf den speziellen Bedarf eingestellt.

MID-LAYER

Die Zwischenschicht ist etwas dicker und reicht bei mittleren Temperaturen zusammen mit dem Base-Layer meist schon aus. Es gibt sie als Zweioder Einteiler. Die Vorund Nachteile beschreiben wir in den Isolationsstrategien.

PFLEGETIPPS:

Unterzieher, egal welche Schicht, sollten unbedingt regelmäßig gereinigt werden. Sie fangen sonst an zu stinken. Allerdings bedeutet jeder Waschgang auch ein wenig Stress für die Fasern. Trocknen und lüften Sie den Unterzieher nach jedem Einsatz ausgiebig. Einige Hersteller werben damit, dass sie antibakterielle Stoffe wie Nanosilberpartikel mit einweben. Diese verhindern Körpergerüche. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad tatsächlich. Irgendwann aber nicht mehr. Das Gros der Thermo-Unterwäsche und auch die meisten anderen Lagen können einfach bei einem pflegeleichten Waschgang in der Waschmaschine gewaschen werden. Auf den Wäschetrockner muss bei den High-End-Synthetikfasern immer verzichtet werden. Macht aber nichts, denn sie trocknen in der Regel sehr schnell.

Bitte beachten Sie unbedingt die Herstellerangaben in der Kleidung. Das gilt vor allem dann, wenn Heizdrähte, Kabel, Stecker und Anschlüsse fest verbaut sind. Hier sind Lösungen wie die von Scuba Force optimal. Die Heizplatten können zum Waschen einfach entfernt werden. Bei einigen dickeren Unterziehern wird ausschließlich Handwäsche empfohlen. Das kann auch das Handwäsche-Programm der Maschine sein.

Kleinere Risse können Sie mit Nadel und Faden selbst reparieren. Bei größeren Schäden hilft gern die örtliche Schneiderei.

Die Lagerung sollte trocken und zusammengefaltet ohne viel Gewicht darauf im Schrank erfolgen. Auf einem Bügel hängt sich das Material platt.

TOP-LAYER (STEAMER)

1)Selten, der Zweiteiler.

2)Meist wird hier ein Overall verwendet, denn An- und Ausziehen geht schneller. Auch rutscht er beim Anlegen nicht hoch.

3)Der Anzug von Kallweit ist aus einer sehr dichten Faser, wodurch man etwas Blei einsparen kann.

HEIZUNGEN

1)Die Verkabelung von Santi. Die Stromversorgung läuft von außen über ein spezielles Einlassventil zum Herunterziehen. Er wird mit einem externen Akku mit der Energie versorgt.

2)Der Heizoverall von Santi. Selbst wenn der Anzug vollläuft, soll er weiter wärmen.

3)Der Hersteller Yellow Diving arbeitet ebenfalls mit externen Akku-Tanks. Er bietet viele Lösungen für Sidemount-Taucher.