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Trocknet unsere ERDE aus?


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 39/2021 vom 24.09.2021

REPORT

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 39/2021

GUT GEFÜLLT Im Juni 2019 gab es im Stausee Lake Oroville in Kalifornien noch üppig Wasser

Dem Lake Oroville geht das Wasser aus. Die 4,3 Kubikkilometer, die der kalifornische Stausee normalerweise fasst, sind kaum noch zu erahnen: Dort, wo sonst Boote umherschippern, erstreckt sich nun eine kilometerlange trockene Sandf läche. Eine Entwicklung mit fatalen Folgen. So steht das dortige Wasserkraftwerk, durch das bis zu eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgt werden, erstmals seit seinem Bau 1967 still. Der Wasserstand des Sees liegt unter dem erforderlichen Minimum.

Die Situation am Lake Oroville ist kein Einzelfall. Laut einer Studie des World Resources Institute von 2019 leiden bereits jetzt 17 Staaten weltweit unter extremem Wasserstress, 27 weitere weisen ein hohes Risiko auf. Bis 2050 sollen sogar zwei Drittel der Weltbevölkerung von den Auswirkungen der Wasserarmut betroffen sein. Besonders in warmen Regionen ist das Risiko hoch, etwa in der Türkei oder im Iran. Hier ...

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... wird immer mehr Grundwasser aus dem Erdboden geholt, ohne dass genug nachkommt: „süßwasser macht lediglich 2,5 Prozent des Gesamtvorrats der Erde aus“, erklärt Harald Köthe, Direktor des International Centre for Water Resources and Global Change in Koblenz gegenüber HÖRZU. „davon sind qualitativ nur 0,007 Prozent für den Menschen genießbar. Wasser ist ein sehr knappes Gut, mit dem bewusst umgegangen werden muss.“

Kapstadt gehört zu den Regionen, die zeitweise besonders betroffen waren. Im April 2018 stand Südafrikas Metropole kurz vor dem sogenannten „day Zero“, jenem Tag, an dem die Stadt nicht mehr in der Lage gewesen wäre, ihren Wasserbedarf aus eigenen Ressourcen zu decken. „kapstadt hat daraufhin massive Wassersparmaßnahmen eingeleitet“, sagt Harald Köthe. So wurden die Bürger angehalten, ihren Verbrauch auf 50 Liter pro Tag zu senken. Zum Vergleich: In Deutschland werden durchschnittlich 129 Liter pro Tag und Kopf verbraucht. „2018 kam es außerdem zu starken Regenfällen, sodass die ausgetrockneten Talsperren sich wieder etwas erholen konnten – da hat Kapstadt schlichtweg Glück gehabt.“

Umkämpfte Ressource

Die Gründe für die wachsende Dürre sind vielfältig. Ein Problem sieht der Experte in dem zunehmenden Bevölkerungswachstum. „die Anzahl an Menschen steigt weltweit weiter, gleichzeitig vermehren sich aber die Süßwasserressourcen nicht“, berichtet Köthe. „immer mehr Leute müssen sich die Bestände teilen, die dadurch immer intelligenter verteilt werden müssen.“ Zudem hat der Klimawandel ein Ungleichgewicht zur Folge: „die Erderwärmung sorgt für vermehrt auftretende Wetterextreme“, so Köthe. „auch die Süßwasserressourcen werden dadurch umverteilt. Durch die kontinuierliche Erderwärmung steigt die Verdunstung. Dürren und Niederschläge werden extremer.“

129 Liter

Wasser verbraucht ein Mensch in Deutschland im Schnitt pro Tag

Doch auch menschlicher Einfluss ist für die zunehmende Wasserknappheit verantwortlich. So wird laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen weltweit 69 Prozent des Süßwassers in der Landwirtschaft verbraucht. 19 Prozent entfallen auf die Industrie und 12 Prozent werden in Haushalten eingesetzt. In Asien ist die Lage besonders ernst: 81 Prozent der Vorräte dienen zur Bewässerung von Feldern. Eine Entwicklung mit Konsequenzen: „wassermangel und Migration hängen eng zusammen“, so Köthe. „stehen die Zeichen einer gerechten Wasserverteilung in den nächsten Jahren nicht auf Veränderung, werden auf Dauer Millionen Menschen weltweit dazu gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen.“

In Deutschland ist die Situation bislang weniger bedrohlich. Zwar folgten auf 2018 zwei weitere Dürrejahre, trotzdem wird mit den vorhandenen Grundwasservorräten gewissenhafter gewirtschaftet. Laut Umweltbundesamt werden im Schnitt

WO WASSER KNAPP WIRD

Der Überblick weltweit

Dürren, hohe Temperaturen, trockene Böden: Immer mehr Regionen gerieten in den vergangenen Jahren in Wasserstress. Besonders Länder in ohnehin heißen Gegenden sind von der Entwicklung betroffen, etwa in Südasien oder Mittelamerika jährlich 12,8 Prozent der Ressourcen entnommen, ab 20 Prozent spricht man von Wasserstress. Doch auch hierzulande gibt es Orte, die unter Trockenheit leiden, etwa in Brandenburg. Selbst Regenfälle konnten das Grundwasser hier nicht wieder auffüllen: „stärkerer Niederschlag bedeutet nicht automatisch, dass mehr Wasser in die Böden einzieht. Je nach Bodenverdichtung und Nutzung kann es trotzdem sein, dass der Grundwasserspiegel weiter absinkt und Vegetation vertrocknet.“

Bewusstsein beim Kauf

Wie kann man den zunehmenden Wassermangel weltweit bekämpfen? Es gibt einige Lösungsansätze: „zunächst müssen die Verantwortlichen das verfügbare Süßwasser in der Region bestimmen und anschlie-ßend dafür sorgen, dass es sinnvoll verteilt wird“, so Köthe. „zudem ist es wichtig, lediglich Produkte anzubauen, für die das verfügbare Süßwasser nicht verschwendet und der Grundwasserspiegel nicht dauerhaft abgesenkt werden muss.“ Länder wie Spanien setzen zudem auf Meerwasserentsalzungsanlagen. Laut dem Experten jedoch kein ökologisch wertvolles Vorgehen: „diese Methode benötigt viel Energie, die es wiederum nachhaltig zu erzeugen gilt.“

Doch nicht nur die Regierungen sind dafür verantwortlich, das lebenswichtige Nass zu bewahren. Jeder Bürger kann helfen, dem Wassermangel entgegenzuwirken. „so sollte man zum Beispiel bereits im Supermarkt darauf achten, wie hoch der Verbrauch beim Anbau des jeweiligen Produktes ist. In der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch stecken im globalen Durchschnitt ca. 15.000 Liter, in einer Avocado ca. 1000 Liter Wasser“, so Köthe. „dieses Wissen sollte heranwachsenden Generationen bereits im Schulunterricht vermittelt werden.“ Auch eine Markierung auf den Produkten kann helfen, das Bewusstsein beim Kauf zu stärken. „im Grunde bedarf es eines entsprechenden Gütesiegels, das den ‚wasserfußabdruck‘, also den Verbrauch bei der Produktion, direkt kennzeichnet“, sagt Köthe. „das befindet sich derzeit noch in der wissenschaftlichen Entwicklung, aber ich bin sicher, dass es in den kommenden Jahren Teil unseres Alltags sein wird.“

MELANIE KOCH