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TUDOR - BLACK BAY P01: Ein Prototyp in Serie


Uhren Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 21.02.2020

Diese Uhr basiert auf einem Prototyp der späten 1960er-Jahre und enthüllt einen nur wenig bekannten Aspekt der Markengeschichte. Wir testen das Serienmodell der Gegenwart.


Preiskategorie bis 4000 Euro

--- Die Geschichte überliefert, dass Tudor bereits in den späten 1950er-Jahren die US Navy mit Taucheruhren belieferte. Die Referenz 7922 wurde dagegen erst im Jahr 1964 vorgestellt und gilt als die eigentlich erste Taucheruhr von Tudor. Sie war bis 100 Meter wasserdicht.

Codename »Commando« für ein spezielles Lünetten-System

Drei Jahre später begann die Schweizer Marke mit der Entwicklung einer Funktionsuhr, ...

Artikelbild für den Artikel "TUDOR - BLACK BAY P01: Ein Prototyp in Serie" aus der Ausgabe 2/2020 von Uhren Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Uhren Magazin, Ausgabe 2/2020

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... welche die damalige Navy-Standarduhr - die Oyster Prince Submariner Referenz 7928 - ersetzen sollte. In der ersten Entwicklungsphase führte das zu diversen Prototypen und einem Patent für eine bislang unbekannte Funktion. Doch das ambitionierte Projekt mit dem Codenamen »Commando« wurde nie verwirklicht, aber in den Archiven des Unternehmens sorgsam aufbewahrt. Es handelte sich um einen Klappmechanismus am Gehäuse als Verriegelungs- und Zerlegungssystem für die Lünette, das 1968 sogar patentiert wurde. Es sollte die Wartung der Uhr vereinfachen.

Die Black Bay P01 von 2019 - wobei P01 für »Prototype 1« steht - nimmt dieses System auf, allerdings nicht in seiner kompletten Funktion. Es lehnt sich vornehmlich an den Verriegelungsmechanismus an und ermöglich dadurch, die in beide Richtungen drehbare Lünette der Black Bay P01 durch einen Klappmechanismus, der sich zwischen den Bandanstößen bei zwölf Uhr befindet, zu fixieren. Theoretisch könnte so der Drehring als Tauchlünette zum Einsatz kommen, allerdings ist er dafür nicht konzipiert. Er zeigt eine Zwölf-Stunden- mit Halbstunden-Teilung und rastet im 60er-, also Minutenschritt - und das sehr knackig - mit leichtem Druck nach unten recht charmant - in jedem Fall aber sehr genau. Minutengenau ablesen kann man allerdings bestenfalls im Fünf-Minuten-Takt und den Beginn einer Zeitspanne.

Tudor Black Bay P01 rechts im Bild mit dem »Commando«-Prototyp aus den 1960er-Jahren auf der linken Seite.


Fotos - Tudor

TUDOR

Tudor ist eine Schweizer Uhrenmarke, die zuverlässige mechanische Armbanduhren in markantem Stil und mit gutem Preis - Leistungs-Verhältnis anbietet. Die Ursprünge von Tudor gehen bis ins Jahr 1926 zurück, als »The Tudor « erstmals im Namen von Hans Wilsdorf, dem Gründer von Rolex, als Marke eingetragen wurde. Im Jahr 1946 gründete er das Unternehmen Montres Tudor SA, um Armbanduhren mit der Qualität und Zuverlässigkeit einer Rolex anzubieten, jedoch zu einem erschwinglicheren Preis. Heute umfasst die Tudor-Kollektion Modellreihen wie Black Bay, Pelagos, North Flag, Glamour und 1926. Verschiedene Zeitmesser in der Heritage-Linie sind von der Vergangenheit inspiriert und mit modernen Modifikationen versehen. Seit 2015 werden eigene Manufakturkaliber mit verschiedenen Funktionen hergestellt.

PRO UND CONTRA

Tudor

+ Modernes Manufakturkaliber

+ Lange Gangdauer

+ Gangverhalten

+ Besondere Funktionalität/Design

+ Ablesbarkeit Tag/Nacht

+ Tragekomfort

− Kronenflanke scharfkantig

− Uhrwerk ist nicht zu sehen

Kaliber MT5612: Mit Unruhbrücke, Siliziumspirale, 70 Stunden Gangautonomie und Chronometerzertifikat ist es robust und läut zuverlässig.


Und so lässt sich die Black Bay P01 auch zu diesem Zweck benutzen. Will man eine kurze Zeitspanne messen, vielleicht ein kurzes Lauftraining, stellt man das unbeleuchtete Markierungsdreieck der Lünette auf den Mintenzeiger. Das Ablesen der Zeitspanne über selbigen bedarf einer kurzen Umrechnung der Stunden-Markierungen auf der Lünette in Fünf-Minuten-Schritte. Für eine längere Dauer, eine Fahrrad- oder Bergtour vielleicht, positioniert man das Dreieck gegenüber dem Stundenzei- ger. Auf gleiche Weise lässt sich die Lünette auch zur Einstellung einer zweiten Zeitzone gebrauchen. In diesem Fall stellt man die entsprechende Stundenmarkierung auf die des Zifferblattes und den Stundenzeiger ein.

Für all diesen Aktionen klappt man das zwischen den Bandanstößen bei zwölf Uhr integrierte Anschlussstück einfach nach oben und bewegt die Lünette im oder gegen den Uhrzeigersinn. Der richtige Druckpunkt ist auf dem Klappteil mit kleinen Riefen markiert. Das Zurückklappen funktioniert durch leichten Druck zur Lünette hin oder auch über das stählerne Anschlussstück am Armband. Somit kann es am Handgelenk nicht passieren, dass das System offenbleibt und die Lünette versehentlich verstellt wird. Die bewegliche Konstruktion sorgt zudem dafür, dass die Black Bay P01 an jedem Handgelenk perfekt sitzt, denn über die Bandanstöße gemessen, bringt sie es immerhin auf knapp 56 Millimeter.

UNSERE MESSERGEBNISSE

Hinter der Retro-Fassade arbeitet ein modernes Uhrwerk

Um Reflexionen zu vermeiden, ist das Edelstahlgehäuse komplett satiniert. Es zeigt sich sportlich-kantig, im Bereich des Kronenschutzes sogar leicht scharfkantig, was man beim Handaufzug zu spüren bekommt. Zu diesem Zweck muss man die gerändelte Krone mit Tudor-Logo aus ihrer Verschraubung lösen, was wiederum angenehm gelingt. In der mittleren Position erfolgt die Schnellschaltung des Datums, das bei laufender Uhr augenblicklich kurz nach Mitternacht springt. Das moderne Uhrwerk dahinter erlaubt es auch, das Datum zu jeder Zeit uneingeschränkt zu korrigieren. Das ist ebenso zeitgemäßer Stand der Technik wie die etwa 70 Stunden Gangautonomie, die das automatischen Manufakturkaliber MT5612 bietet. Dieses befindet sich hinter einem massiven, geschlossenen Gehäuseschraubboden und gibt es daher leider nicht zu sehen.

CODENAME »COMMANDO«

Darunter hat Tudor in den 1960er-Jahren einen Klappmechanismus für die Drehlünette entwickelt und patentiert. Die Black Bay P01 nimmt die Idee auf und verbindet die Ästhetik der Vergangenheit mit modernster Uhrmacherei.

Verschluss-System: Zwischen den Bandanstößen bei zwölf Uhr lässt es sich öffnen, um die in beide Richtungen drehbare Lünette entsprechend einzustellen.


VERGLEICHBARE MODELLE

Breitling Colt Automatic, Taucheruhr, Chronometer 20 bar wasserdicht, kein Manufakturwerk, 3250 Euro


TAG Heuer Autavia Calibre 5 Isograph, Chronometer, kein Manufakturkaliber, ähnlicher Preis, 3600 Euro


Bei dem einst für die Pelagos maßgeschneiderten Uhrwerk handelt es sich um das erste von Tudor selbst entwickelte Kaliber überhaupt. Es wurde 2015 vorgestellt und seitdem auch im eigenen Hause gebaut und montiert. Bei dessen Konzeption für die äußerst funktionale Taucheruhr Pelagos standen dementsprechend Robustheit, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit im Mittelpunkt. Deshalb oszilliert die große Unruh mit variabler Trägheit und einer Frequenz von vier Hertz, also 28800 Halbschwingun- gen in der Stunde, auch unter einer solide Brücke mit zwei Befestigungspunkten - anstatt unter einem zumeist verwendeten Kloben mit nur einer Verschraubung. Zudem schwingt die Unruh zusammen mit einer Siliziumspirale, die unempfindlicher als konventionelle Federn gegenüber äußeren physikalischen Einflüssen, wie Temperaturschwankungen, Druckveränderungen, Gravitation oder Magnetismus ist. In der Folge bietet das Schwingsystem, das über vier Schrauben direkt am Unruhreif regu- liert wird, solide Chronometergangwerte, die wir sowohl unter Laborbedingungen, als auch in einem mehrwöchigen Tragetest protokollieren. Die Black Bay P01 läuft bei Vollaufzug auf der elektronischen Zeitwaage und am Handgelenk beinahe ohne Abweichung und mit nachlassender Federspannung ganz leicht im Minus.

TUDOR BLACK BAY P01

Die Sportuhr mit besonderer Funktion der Lünette ist von einem Prototyp aus den 1960er-Jahren inspiriert, mit modernem Manufakturkaliber inklusive COSC-Zertifikat und 70 Stunden Gangautonomie aber auf der Höhe der Zeit.

Retro-Optik: Die Black Bay P01 erinnert auch mit ihrem Design - Form des Gehäuses und der Zeiger, Platzierung der Krone, Farbe der Leuchtmasse - an die Vergangeheit.


Verbindung historischer Ästhetik mit moderner Uhrmacherei

Die Veredelung des Uhrwerks erfolgt im typischen Tudor-Markenstil für die Manufakturkaliber. Der durchbrochene Rotor und die darunter liegende Automatikbrücke sind satiniert, Platine und weitere Brücken zeigen sich abwechselnd mit polierten und sandgestrahlten Oberflächen sowie laserverzierten Details.

Das Kaliber MT5612 bringt auf dem mattschwarzen und leicht gewölbten Zifferblatt Stunden, Minuten und Sekunden aus der Mitte zur Anzeige. Wie bei allen anderen Modellen der Black Bay-Linie übernehmen das auch bei der P01 die charakteristischen eckigen Zeiger, die als sogenannte »Snowflake«-Zeiger bekannt sind und erstmals 1969 im Ka- talog der Marke auftauchten. Sie sorgen zusammen mit den mit Leuchtfarbe versehenen und unterschiedlich geformten Indizes für starke Kontraste und beste Ablesbarkeit - natürlich auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Der leicht beige Ton der Leuchtfarbe, den - wohl gewählt - übrigens auch die Datumsscheibe aufnimmt, unterstreicht dabei die Verbindung zur Geschichte. In dieser Kombination aus den ästhetischen Codes der Historie mit denen moderner Uhrmacherei passt die P01 absolut perfekt in die Black Bay-Linie, die sich als viel mehr versteht, als eine Reihe identischer Neuauflagen aus der Vergangenheit.

Das »Snowflake«-Motiv nimmt übrigens auch die untere Seite des exklusiv für die Black Bay P01 entwickelten Armbandes auf. Dieses ist eine Kombination auf Kautschukbasis mit einem Element aus braunem Leder auf der oberen Seite. Mit seiner hellen Kontrastnaht verbreitet das Band ebenso Retro-Charme wie die beweglichen Bandanstöße mehr als symbolisch die Verbindung zum ursprünglichen Prototyp herstellen.

PREISGEKRÖNT

Die Tudor Black Bay P01 hat beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève 2019 die »Challenge Category« für Uhren unter 4000 Schweizer Franken gewonnen.

Als Liebhaberstück und im Alltag gut zu gebrauchen

Nicht nur damit huldigt die Black Bay P01 dem ehemaligen Forschungsprojekt. In letzter Konsequenz ist sie keine Uhr zum Tauchen, wozu einst der Prototyp entworfen wurde. Mit 20 Bar Druckfestigkeit, einem modernen Uhrwerk, außergewöhnlicher Gestaltung und Funktion der Lünette ist sie jedoch eine nicht alltägliche und robuste Sport- und Outdoor-Uhr und somit nicht nur für Liebhaber und Sammler besonderer Stücke interessant, sondern im ganz normalen Alltag gut zu gebrauchen. [11374] ---

Bewertung in der Preiskategorie bis 4000 Euro

Tudor 90 Punkte von 100

TECHNISCHE DATEN