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TURNIERE ATP FINALS: ENDSPURT


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2019 vom 18.10.2019

Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer haben ihr Ticket für die ATP-Finals in London schon lange gebucht. Doch es gibt noch freie Plätze im Feld der besten Acht. Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann analysiert die Stärken der Verfolger und prognostiziert, wer im Endspurt 2019 die besten Chancen hat


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Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 120/2019

DIE LETZTEN SCHRITTE: Daniil Medvedev war bereits Ende September für London qualifiziert. Alexander Zverev und Matteo Berrettini kämpfen noch um einen Platz unter den besten Acht.


EXPERTE

MICHAEL KOHLMANN
Seit Februar 2015 ist Michael Kohlmann (45) Kapitän der deutschen Davis Cup-Mannschaft (Bilanz 5:4). ...

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MICHAEL KOHLMANN
Seit Februar 2015 ist Michael Kohlmann (45) Kapitän der deutschen Davis Cup-Mannschaft (Bilanz 5:4). Unter dem Ex-Profi(Karrierehoch 98 Einzel, 27 Doppel) debütierte Alexander Zverev 2016 gegen Tschechien.

DANIIL MEDVEDEV – DER AUFSTEIGER

VERFOLGER NUMMER EINS: Daniil Medvedev startet zum ersten Mal beim Saisonfinale in London.


LONDONCHANCE 100 %

Race to London: 4*
Alter: 23
Größe: 1,98 m
Turniersiege: 6 (3 Titel 2019)
ATP Finals:

Vor dem Endspurt 2019 ist Daniil Medvedev zweifelsohne der Spieler der Saison. Sowohl im Race to London, der Jahreswertung, als auch in der ATP-Weltrangliste wird der Russe zwar (noch) hinter Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer geführt. Seine Statistiken allerdings sind besser als die der gesamten Konkurrenz: Kein Spieler aus der Weltspitze bestritt 2019 so viele Matches wie Medvedev (71 bis Ende September), keiner gewann so viele Partien wie der Russe (54). Inklusive seiner drei Turniersiege stand Medvedev in der laufenden Saison in acht Finals, auch dies ist ein Spitzenwert des Jahres. Zum Vergleich: Nadal, Federer und Djokovic erreichten fünf Endspiele in diesem Zeitraum. Nach der Niederlage in der dritten Runde von Wimbledon gewann Medvedev 24 Partien, verlor nur drei – ein Traumlauf. „Wie erfolgreich er in den vergangenen Monaten gespielt hat, ist unglaublich“, sagt der deutsche Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann. „Vor allem sein Triumph in St. Petersburg, nach seiner grandiosen und kräftezehrenden Hartplatzsaison in den USA, zeigt, wie konstant er inzwischen ist. Er schwimmt auf einer Erfolgswelle.“ Kohlmann adelt Medvedev für dessen beständige Spielweise: „Sein Aufschlag und die enorme Power in den Grundschlägen sind seine größten Waffen. Er schenkt dem Gegner kaum Punkte, spielt wahnsinnig solide. Ähnlich wie Novak Djokovic – mit besserem Service, dafür aber ein wenig schlechterer Beinarbeit.“ Bei den ATP Finals schlägt Medvedev zum ersten Mal auf. Für Kohlmann ist er dort sogar „ein Siegkandidat“.

DOMINIC THIEM – DER ETABLIERTE

KONSTANTER TOPMANN: Dominic Thiem ist zum vierten Mal in London dabei, im Halbfinale stand er nie.


LONDONCHANCE 100 %

Race to London: 5*
Alter: 26
Größe: 1,85 m
Turniersiege: 14 (4 Titel 2019)
ATP Finals: 2016, 2017, 2018 (jeweils Gruppenaus)

Dem Österreicher ist die Qualifikation für das Saisonfinale der besten Acht nach dem Turniersieg in Peking nicht mehr zu nehmen. Der 26-Jährige blickt auf eine turbulente und durchwachsene Saison 2019 zurück: die Trennung von Langzeit-Trainer Günter Bresnik und der Start mit Neu-Coach Nicolas Massu im Frühjahr; der erste Masters-Titel in Indian Wells, dazu die Siege in Barcelona, Kitzbühel und vor Kurzem in Peking; das zweite Roland Garros-Endspiel in Folge nach einem epischen Fünfsatzsieg über Djokovic im Halbfinale. Auf der anderen Seite: nur eine gewonnene Partie in Melbourne sowie Erstrundenpleiten in Wimbledon und New York. Kohlmann: „Diese Grand Slam-Bilanz kann für ihn nicht zufriedenstellend sein.“ Der 45-Jährige weiter: „Sein Spitzenbelag bleibt Sand – trotz des Titels in Indian Wells. Der Hartplatz dort gehört zu den langsamsten auf der Tour, die Bedingungen sind fast wie auf Asche.“ In London erwartet Thiem ein schneller Hallenboden. Kohlmanns Prognose: „So, wie er in den letzten Jahren auf vergleichbar schnellen Belägen gespielt hat, wäre das Halbfinale ein großer Erfolg.“ Dreimal war Thiem, der seit Mai 2016 ununterbrochen unter den besten Zehn steht und sich längst im Kreise der Topspieler etabliert hat, bereits in London am Start – dreimal schied er in der Gruppenphase aus. Bei der vierten Teilnahme soll es endlich mit dem Halbfinale klappen.

STEFANOS TSITSIPAS – DER YOUNGSTER

LONDON IM BLICK: Nach dem Triumph bei den Youngstern 2018 greift Stefanos Tsitsipas in diesem Jahr die Großen an.


LONDONCHANCE 90 %

Race to London: 6*
Alter: 21
Größe: 1,93 m
Turniersiege: 3 (2 Titel 2019)
ATP Finals:

Auch der sechste Platz bei den ATPFinals dürfte nahezu sicher vergeben sein. Der 21-jährige Grieche, der im vergangenen Jahr die sogenannten „Next Gen Finals“ gewann, das Abschlussturnier der besten Youngster des Jahres, wäre in London der Jüngste. Sein Sieg über Roger Federer bei den Australian Open, wo er sensationell ins Halbfinale stürmte, gehört zu den denkwürdigen Partien des Jahres. Es war der Auftakt in ein famoses erstes Halbjahr: Mit Marseille und Estoril gewann Tsitsipas zwei 250er-Events, erreichte die Finals in Dubai und beim Masters-Turnier in Madrid. „Er hat sich in diesem Jahr in die Weltspitze katapultiert, was kaum jemand so schnell erwartet hätte. Sein Aufstieg im vergangenen Jahr war bereits rasant“, sagt Kohlmann. Anfang 2018 wurde Tsitsipas im Ranking noch an Position 91 geführt, zehn Monate später gehörte er bereits zu den 15 besten Profis der Welt. Allerdings: Seit dem Sommer strauchelte der Grieche mit Wohnsitz Monaco immer häufiger: Nach seiner schmerzlichen Fünfsatz-Niederlage im Achtelfinale von Roland Garros gegen Stan Wawrinka verlor er in Wimbledon und bei den US Open in der ersten Runde. „Die Saison war anstrengend für ihn. Außerdem spürt er jetzt, dass er zu den Gejagten gehört. Damit muss er lernen zurechtzukommen“, sagt Kohlmann. Hat er den nötigen Restsprit im Tank, sieht er Tsitsipas in London dennoch als Geheimfavoriten. „Mit seiner offensiven Spielweise könnte er für eine Überraschung sorgen.“

INFOS ATP FINALS

Termin: 10. – 17. November 2019
Ort: O2-Arena, London
Preisgeld: 9 Mio. Dollar
Teilnehmer: die besten Acht des Jahres
Finale 2018: Zverev – Djokovic 6:4, 6:3
Rekordsieger: Roger Federer (6 Titel)
TV: Sky
Infos & Tickets: www.nittoatpfinals.com

ROBERTO BAUTISTA AGUT – DER UNSCHEINBARE

SOLIDER SPANIER: London wäre für Roberto Bautista-Agut eine Premiere.


LONDONCHANCE 65 %

Race to London: 7*
Alter: 31
Größe: 1,83 m
Turniersiege: 9 (1 Titel 2019)
ATP Finals:

Man hat ihn kaum auf dem Zettel als einen der Besten des Jahres 2019. Roberto Bautista Agut ist der Unscheinbare unter den Top-Spielern. Er führt die Riege der rund sechs bis sieben Profis an, die im Race to London so eng beieinanderliegen, dass sie sich beim Masters-Event in Paris-Bercy um die letzten vakanten London-Plätze duellieren könnten. Auf der Haben-Seite des Spaniers: ein Titelgewinn in Doha zu Beginn des Jahres, kein weiteres Finale. Eine wenig glamouröse Statistik, wäre da nicht eine beeindruckende Dichte an soliden bis guten Resultaten: das Halbfinale in Wimbledon, natürlich, aber auch acht Viertelfinals, darunter Melbourne und Miami, wo er nach Doha bereits seinen zweiten Erfolg des Jahres über Novak Djokovic feierte. „Er ist für jeden Gegner unangenehm“, analysiert Kohlmann, „weil er wenig Fehler macht, die Bälle sehr flach spielt, sich schnell bewegt und gut kontert. Mit seiner extrem soliden Spielweise kann er die Kontrahenten vor allem mental brechen.“ Was ungewöhnlich ist für einen Spanier: Bautista Agut bevorzugt schnelle Hartplätze – London könnte ihm also liegen. Kohlmann sieht zwar „gute Chancen, dass er sich einen der noch offenen Plätze sichert“, traut ihm dann allerdings nur „Außenseiterchancen“ zu.

MATTEO BERRETTINI – DER NEWCOMER

POWERMANN: Matteo Berrettini bejubelte zuletzt sein Halbfinale in New York.


LONDONCHANCE 30 %

Race to London: 10*
Alter: 23
Größe: 1,96 m
Turniersiege: 3 (2 Titel 2019)
ATP Finals:

Ihn hatte man vor der Saison von allen Kandidaten am wenigsten im Kreise der Favoriten auf ein London-Ticket erwartet – Matteo Berrettini, einer der Newcomer des Jahres 2019. Gestartet als solider Top 60-Spieler, nur eingefleischten Fans bekannt, kletterte der Römer durch die Titel in Stuttgart und Budapest sowie die Finalteilnahme in München sukzessiv unter die besten 25. Das Erreichen des Halbfinals in Halle und des Achtelfinals in Wimbledon unterstreichen: Schnelle Beläge sind sein Terrain! Sein großer Coup: der Fünfsatz-Sieg im Viertelfinale der US Open über Gael Monfils, sein erster Einzug in ein Halbfinale auf Grand Slam-Ebene. „Sein Aufschlag ist seine große Waffe, neben der Vorhand, die er unglaublich beschleunigt. Zwei Schläge, die man als Gegner nicht ausschalten kann“, sagt Kohlmann. Und weiter: „Seine Rückhand hat er in den letzten Jahren enorm verbessert. Dadurch ist er inzwischen viel weniger angreifbar geworden.“ Die Bedingungen in London kämen Berrettini mit seinem Powerspiel gelegen. Allerdings: Seinen Endspurt-Auftakt verpatzte er: Erstrundenaus in Peking gegen Andy Murray. Kohlmanns Prognose für den Fall einer Qualifikation? „Ich glaube nicht, dass er über die Gruppenphase hinauskommen würde, die Konkurrenz ist noch zu stark.“

KEI NISHIKORI – DER UNVOLLENDETE

SORGENKIND: Kei Nishikori spielte nach den US Open bis Ende September kein Match.


LONDONCHANCE 15 %

Race to London: 11*
Alter: 29, wird Ende des Jahres 30 (29.12.)
Größe: 1,78 m
Turniersiege: 12 (1 Titel 2019)
ATP Finals: 2014 (Halbfinale), 2015, 2016 (Halbfinale), 2018

Der Japaner war Ende September verletzt, bestritt seit seinem Drittrunden-Aus bei den US Open kein Match. Auch das geplante Comeback bei seinem Heimturnier in Tokio, das im Endspurt um wichtige London-Punkte fest eingeplant war, musste er absagen. Leise Hoffnungen auf das Saisonfinale hegt er trotzdem noch, eine schnelle Genesung vorausgesetzt. Nishikoris großes Plus sind seine soliden Grand Slam-Ergebnisse in diesem Jahr: drei Viertelfinals in Melbourne, Paris und Wimbledon, dazu der Titelgewinn Anfang Januar in Brisbane. Allerdings: Japans Juwel kämpft langsam gegen die Zeit und das Prädikat des Unvollendeten. In seiner Heimat wird er als Popstar verehrt, verdient als Werbegigant jedes Jahr viele Millionen Dollar – doch ein großer Titel blieb ihm auch in dieser Saison wieder verwehrt. „Ich schaue ihm wahnsinnig gern zu, weil er die Bälle sehr sauber trifft. Er ist ein Riesentalent, das bisher leider nie das erreichen konnte, was die meisten Experten ihm zugetraut hatten. Sein Pech ist, dass er in der falschen Ära gut spielt“, sagt Kohlmann und meint die Konkurrenz der Federers, Nadals und Djokovics. Für London rechnet er nicht mit Nishikori: „Ich halte seine Chancen für gering.“

GAEL MONFILS – DER UNBERECHENBARE

ALLEZ! Gael Monfils will erstmals seit 2016 wieder in London starten.


LONDONCHANCE 20 %

Race to London: 12*
Alter: 33
Größe: 1,93 m
Turniersiege: 8 (1 Titel 2019)
ATP Finals: 2016 (Gruppenaus)

Wussten Sie, dass Gael Monfils bisher nie mehr als einen Titel pro Jahr gewinnen konnte? Statistisch gesehen hatte der Franzose also mit seinem Triumph in Rotterdam bereits im Februar sein Soll für diese Saison erfüllt. Im Kampf um ein London-Ticket könnte ihm sein Minimalismus zum Verhängnis werden. Konstante Resultate, gerade am Ende einer Saison, sind bei Monfils so ungewiss wie ein goldener Oktober in Deutschland. „Er hat ein sehr ordentliches Jahr gespielt“, sagt Kohlmann und bezieht sich vor allem auf das Halbfinale beim Masters-Event in Montreal und das Viertelfinale bei den US Open. „Die Niederlage gegen Berrettini in New York war bitter für ihn. Sonst wären seine London-Chancen wesentlich größer.“ Kohlmann ist „skeptisch, dass er im Saisonendspurt konstant gute Wochen spielen wird“. „Gael ist nach wie vor der Unberechenbare. Ich glaube allerdings, er braucht einen Ausreißer, einen Titelgewinn oder zumindest ein Endspiel, um in London dabei zu sein.“

ALEXANDER ZVEREV – DER TITELVERTEIDIGER

HÖHEPUNKT 2018: Im letzten Jahr triumphierte der Deutsche bei den ATP Finals – ist er 2019 dabei?


LONDONCHANCE 60 %

Race to London: 8*
Alter: 22
Größe: 1,98 m
Turniersiege: 11 (1 Titel 2019)
ATP Finals: 2017 (Gruppenaus), 2018 (Sieg)

Es ist viel geschrieben worden über den deutschen Spitzenspieler in diesem Jahr. Über seine sportlichen Rückschläge und die damit verbundenen Gründe: zum Beispiel die Querelen um den Wechsel seines Managements, die On-Off-Beziehung zu Freundin Olga Sharypova oder die fehlende Weiterentwicklung seines Spiels. Boris Becker kritisierte nach Zverevs Achtelfinalaus in Flushing Meadows, der 22-Jährige agiere „zu eindimensional, zu lesbar für den Gegner“. Davis Cup-Kapitän Kohlmann sieht als Knackpunkt den Aufschlag der deutschen Nummer eins: „Sascha hat in dieser Saison schlechter serviert als im letzten Jahr. Dadurch musste er häufiger lange Ballwechsel spielen, geriet so automatisch mehr in die Defensive.“ Tatsächlich ist vor allem die Quote bei Zverevs zweiten Service in der Saison 2019 zu schwach: Er gewinnt nur 44,9 Prozent der Punkte nach dem zweiten Aufschlag, liegt damit im Ranking auf Platz 83! Zum Vergleich: Nadal erreicht einen Wert von 60 Prozent. Und: Zverev unterlaufen zu viele Doppelfehler, im Schnitt 5,9 pro Match. Nur Benoit Paire leistet sich mehr (6,5). Auf Masters-Level ging Zverev bei den ersten sieben 1000er-Turnieren des Jahres gerade einmal sechsmal als Sieger vom Platz – eine katastrophale Bilanz. Nach neun Turniersiegen in den letzten zwei Jahren, stemmte der gebürtige Hamburger 2019 bisher nur eine Trophäe (Genf). Und trotzdem stehen die Chancen auf eine Teilnahme in London nach der Halbfinalteilnahme in Peking immer noch sehr gut. „Seine Ausgangssituation ist gut. Ich traue ihm ein erfolgreiches Saison-Finish zu, weil ich hoffe, dass ihn sein starker Auftritt im entscheidenden Match beim Laver Cup pusht“, sagt Kohlmann. Sollte sich der Titelverteidiger qualifizieren, sieht ihn Kohlmann trotz durchwachsener Saison mindestens als „gefährlichen Außenseiter“. „Er hat den Sieg aus dem letzten Jahr im Kopf, fühlt sich dadurch wohl in London. Keiner der Topspieler würde sich ihn in seine Gruppe wünschen.“

DAVID GOFFIN – DER AUßENSEITER

KONTERSTARK: David Goffin kämpfte sich schon einmal ins Endspiel von London (2017).


LONDONCHANCE 50 %

Race to London: 9*
Alter: 28
Größe: 1,80 m
Turniersiege: 4 (kein Titel 2019)
ATP Finals: 2016 (Gruppenaus), 2017 (Finale)

Ist der Belgier am Ende der lachende Achte, der so gerade noch Richtung London durchrutscht? Durchaus denkbar, prognostiziert Kohlmann. „Wenn er gesund war, hat er sich in den letzten Jahren immer konstant in der Weltspitze gehalten. Auch seine Saison 2019 war wieder sehr akzeptabel.“ Sein Viertelfinaleinzug in Wimbledon sticht hervor, vor allem der Fünfsatzsieg über Medvedev blieb in Erinnerung. Bei den US Open war im Achtelfinale Schluss. In Melbourne und Paris blieb er mit Runde drei unter dem Radar der Öffentlichkeit. Als einziger London-Anwärter gewann der 28-Jährige 2019 nicht einen Titel, erreichte dafür die Endspiele in Halle und beim Masters-Event in Cincinnati. „Er ist einer, der seinen Gegnern wenige Möglichkeiten lässt, sich unheimlich flink bewegt und vor allem extrem stark kontert. Ich traue ihm zu, dass er bei den letzten Turnieren des Jahres konstant gut spielt und viele Punkte sammelt. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass er sich auf den letzten Metern qualifiziert“, sagt Kohlmann. Und weiter: „Wenn er in London dabei sein sollte, wird ihm seine Erfahrung von 2017 helfen.“ Damals besiegte er Rafael Nadal, Dominic Thiem und Roger Federer – und unterlag erst im Finale Grigor Dimitrov.

FABIO FOGNINI – DER HEIßSPORN

GROSSES DRAMA? Fabio Fognini zählt nicht zu den Favoriten am Saisonende.


LONDONCHANCE 10 %

Race to London: 13*
Alter: 32
Größe: 1,78 m
Turniersiege: 9 (1 Titel 2019)
ATP Finals:

Hätte der Italiener in Monte Carlo nicht die wohl beste Woche seiner gesamten Karriere gespielt, wäre er längst kein Kandidat mehr für das Saisonfinale der besten Acht. So aber entzauberte Fognini im Fürstentum erst Alexander Zverev im Achtelfinale und anschließend Borna Coric, den elfmaligen Champion Rafael Nadal – Majestätsbeleidigung! – und zu guter Letzt auch den Überraschungsfinalisten Dusan Lajovic. Sein erster Masters-Triumph wird umrahmt von weiteren vier Viertelfinals sowie dem Achtelfinale in Roland Garros, das einzige kräftige Ausrufezeichen 2019. „Fabio ist immer gefährlich, weil er aus dem Nichts unglaublich spielen kann“, sagt Kohlmann. „Er verfügt über das Selbstverständnis, dass er in der Lage ist, alle Topspieler zu bezwingen. Er kann an schlechten Tagen aber auch gegen fast jeden verlieren. Bei ihm gibt es weder nach oben noch nach unten ein Limit.“ Um sich in London erstmals mit den Besten messen zu dürfen, müsste Heißsporn Fognini noch mindestens eine Woche auf Monte Carlo-Niveau erwischen. „Aus meiner Sicht sind seine Chancen gering“, sagt Kohlmann.


FOTOS: GETTY IMAGES

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