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TV-AKTUELL »Ich versuche, jedes ALTER zu meinem besten zu machen«


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2018 vom 12.10.2018

Seit 50 Jahren im TV-Geschäft: exklusives Interview mitIris Berben über Erfolg und Scheitern im Beruf und ihre neue ungewöhnliche Krimireihe„Die Protokollantin“


Artikelbild für den Artikel "TV-AKTUELL »Ich versuche, jedes ALTER zu meinem besten zu machen«" aus der Ausgabe 42/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2018

IRIS BERBEN


Am Tag ist sie eine unscheinbare Fachkraft, eine graue Maus. Dann sitzt sie am Schreibtisch hinter Aktenordnern und protokolliert Aussagen, Ausreden und Geständnisse von Sexualmördern. Am Abend füttert sie ihre Katze. In der Nacht fährt sie zur verlassenen Wohnung ihrer Tochter, holt einen Revolver aus dem Tiefkühlfach und tötet all jene, die dank gewiefter Anwälte noch auf freiem Fuß sind.

Iris Berben spielt „Die Protokollantin“ ...

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... Freya Becker. Selten hat man sie in einer so düsteren Rolle erlebt wie in der fünfteiligen Eventserie (siehe TV-Tipp Seite 11). Völlig anders ihr Auftritt beim Treffen in Berlin: Gut gelaunt erzählt sie, dass sie große Lust auf die Rolle hatte. Nach 50 Jahren im TV-Geschäft reizt sie immer noch das Neue. Doch das ist nur eine ihrer Leitlinien für ein erfülltes Leben, wie sie hier im exklusiven HÖRZU-Interview verrät.

HÖRZU: Frau Berben, was hat Sie gereizt, die verhärmte Protokollantin Freya Becker zu spielen?
IRIS BERBEN: Erst mal, dass die Figur nicht kraftvoll und attraktiv, sondern aufgrund ihrer Biografie eher eine graue Maus ist, die von allen Menschen übersehen wird. In ihrem Beruf protokolliert sie täglich detailliert Verbrechen und ist dadurch extrem belastet. Unentwegt kreist sie um die ewige Frage nach Schuld und Recht, Rechtsprechung und Gerechtigkeit und muss dabei alles mit sich allein ausmachen. Eine derart ambivalente, einsame Frau zu spielen, die obendrein zu allem fähig ist, war wirklich eine tolle Herausforderung.
Ist es das erste Mal, dass Sie in einer Rolle das Recht in die Hand nehmen?
Nein. Im RAF-Film „Es kommt der Tag“ habe ich eine Frau gespielt, die mit Verbrechen Gerechtigkeit zu erzwingen versuchte. Aber in der Konsequenz, die Freya an den Tag legt, ist es absolut neu. Letztlich sorgt sie auf ihre Art für Gerechtigkeit.
Die unbarmherzige Genauigkeit, mit der Regisseurin Nina Grosse auf die Figur Freya blickt, erinnert an Filme von Matti Geschonneck, mit dem Sie auch schon oft das Vergnügen hatten. Arbeiten Sie gern mit Besessenen?
Ja! Ich kann noch einen Dritten dazuzählen, Dominik Graf, mit dem ich gerade „Hanne“ gedreht habe. Besessenheit übersetze ich für mich mit Leidenschaft. Ohne die geht es nicht. Genauigkeit, Disziplin, Neugierde und der Wunsch, etwas Neues und anderes zu machen, gehören auch zu dieser Besessenheit. Wenn Filmemacher so gestrickt sind wie Nina Grosse, Dominik Graf und Matti Geschonneck, dann lasse ich mich gern in ihre Maschen fallen.
Es wird viel gejammert, dass es für Frauen ab einem gewissen Alter nicht mehr genug gute Rollen gebe in der Filmbranche. Sehen Sie das auch so?
Ich versuche, jedes Alter zu meinem besten zu machen. Es gibt auch immer mehr Rollen jenseits der magischen 40, die früher einmal für Frauen in Film und Fernsehen gegolten hat. Das Aufbrechen dieser starren Altersgrenze ist eine logische Weiterentwicklung, die wir in den Erzählweisen der skandinavischen und der US-amerikanischen Sender sehen – mit sehr ambivalenten Frauenfiguren. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mit der Rolle der Protokollantin auch in eine Männerdomäne eingebrochen bin.


»Ich öffne mich gern allem Neuen, habe aber auchkeine Angst zu scheitern.«
Iris Berben zumThema Beruf


Ihre wichtigsten Rollen

Der Durchbruch zum TV-Star kam mit „Sketchup“. Ihre Vielseitigkeit bewies Iris Berben seither oft – in der Krimiserie „Rosa Roth“ ebenso wie bei den „Guldenburgs“ oder den „Buddenbrooks“

1985 SKETCHUP


1994 – 2013 ROSA ROTH


1987 – 1990 DAS ERBE DER GULDENBURGS


2008 BUDDENBROOKS


»Sie istSchutzraum und die Tankstelle meines unruhigen Lebens.«
Iris Berben zumThema Familie


Haben Sie im Vorfeld zum Dreh mit einer echten Protokollantin gesprochen oder sich Protokolle von Tatbeständen durchgelesen?
Ja, tatsächlich beides. Und natürlich habe ich sehr, sehr viel gelesen und wurde wirklich gut mit Hintergrundmaterial versorgt.
Mussten Sie für die Rolle tatsächlich lernen, wie man einen Computer bedient? Es heißt, Sie hatten noch keine Erfahrung damit. Stimmt das?
Was für eine gemeine Frage! Ja, aber ich habe es wirklich sehr gut gemacht. Und ich werde auch immer besser.
Warum sind Sie eigentlich so wenig im Internet präsent?
Weil mein Leben so erfüllt und gefüllt ist. Natürlich hole ich mir auch Hilfe aus dem Internet und finde, dass es eine der spannendsten Erfindungen ist. Für mich ist das Internet aber trotzdem nur ein helfendes Zubrot für mein reales Leben im Hier und Jetzt. Ich nehme ja teil an unserer Gesellschaft, das bedeutet für mich, ich muss und will mich persönlich einbringen.


»Ich binTeil unserer Gesellschaft. Das bedeutet, ich muss und will mich einbringen.«
Iris Berben zumThema Engagement und Gesellschaft


Welche Rolle spielt dabei Ihre Familie? Sie ist mein Schutzraum und absolut privat. Ein Ort, an dem ich in meinem unruhigen Leben auftanken kann.
Stars wie Robert Redford und Jane Fonda drehen längst nicht nur fürs Kino, sondern auch für Streamingdienste wie Netflix oder Amazon. Haben Sie auch schon ein Angebot?
Leider noch nicht. Aber es wird viel mehr produziert als früher – und das ist gut so. Ich finde es spannend zu beobachten, was das Aufblühen der Streamingdienste fürs Kino und die etablierten Sendeanstalten bedeutet. In vielen Ländern ist das schon Alltag. Wir hinken noch ein bisschen hinterher, aber immer mehr Zuschauer bedienen sich der neuen Sehmöglichkeiten. Das bedeutet neue Chancen für viele Schauspieler. Wir haben sehr viele Schauspieler, die unterbesetzt sind oder am Existenzminimum leben, und für diese Kollegen brechen jetzt bessere Zeiten an. Aber auch da wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Es werden diejenigen profitieren, die den Beruf des Schauspielers in den Vordergrund stellen – nicht jene, bei denen es darum geht, über Nacht zum Star zu werden.
Dieses Jahr sind Sie 50 Jahre im TV- und Filmgeschäft. Wie viele Filme haben Sie in dieser Zeit gedreht? Zählen Sie überhaupt noch mit?
Ich zähle nicht mit, das geschieht von außen. Und da unterscheiden sich die Zahlen immens. Manche reden von 150, manche von 280. Was soll ich sagen? Ich kann nur ein sehr zufriedener und glücklicher Mensch sein und die vergangenen 50 Jahre nicht als eine Selbstverständlichkeit sehen. Ich freue mich, dass ich starke Aufgaben wie „Die Protokollantin“ gestellt bekomme. Es ist eine gute Zeit! Und diese 50 Jahre? Ich gucke nicht wirklich zurück, sondern genieße einfach das gute Gefühl.
Wie hat sich die Filmbranche in 50 Jahren verändert: eher zum Besseren oder eher zum Schlechteren?

BESTENS GELAUNT
Iris Berben mit HÖRZU-Reporter Mike Powelz


Es war früher nicht „besser“ oder „schlechter“, sondern anders. Wir hatten eine Naivität und eine Unbedarftheit und das Gefühl: „Was kostet die Welt?“, aber keine Angst vor dem Scheitern. Heute ist Scheitern etwas Schreckliches in einer Biografie. Ich würde mir wünschen, dass die alte Leichtigkeit erhalten geblieben wäre, aber natürlich weiß ich auch, dass es eine Branche ist, in der es um viel Geld geht. Das heutige Funktionieren-Müssen hat zwei Seiten. Auf der einen Seite stärkt es einen, sich wirklich gut vorzubereiten und sich zu optimieren. Auf der anderen Seite ist der Druck gestiegen. Aber ich bin glücklich, dass ich zwei so unterschiedliche Zeiten miterlebt habe. Das ist auch für meine eigene Entwicklung parallel gut gelaufen.
Was war Ihre härteste Schauspielschule? Die Comedyreihe „Sketchup“ in den 1980ern?
„Sketchup“ war wirklich eine ziemlich harte Schule. Denn dabei galt es, Miniaturen zu erzählen und in ihnen einen Charakter darzustellen, wofür man manchmal nur 30 Sekunden Zeit hatte. Allerdings hatte ich dabei auch einen ganz besonders guten Lehrer – meinen Sketchpartner Diether Krebs. Der hat mir die Angst und die Hemmungen genommen und mich auch oft geführt und mir Mut gemacht. Dadurch, dass ich an keiner Schauspielschule war, war die Lehre bei ihm wirklich sehr gut und sehr nützlich.


»Glück bedeutet für mich erst einmal, dass esnicht selbstverständlich ist, was und wie ich lebe.«
Iris Berben zumThema Glück und Erfüllung


Warum sind Sie eigentlich nie „ Tatort“-Kommissarin geworden?
Weil ich schon Rosa Roth war.
Freya Becker hat mehrere Leichen im Keller. Hand aufs Herz: Was war das kriminellste Delikt Ihres Lebens?
Das kann ich nicht sagen. Sonst bin ich sofort vorbestraft. (lacht)

INTERVIEW: MIKE POWELZ