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TV-KUNSTEXPERTE ALBERT MAIER: Der heimliche Held aus „Bares für Rares“


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 06.03.2020

Der Antiquar und Experte aus dem ZDF-Quotenbringer „Bares für Rares“ hat das Zeug dazu, den Menschen ein glückliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wir haben ihn in seinem Reich in Ellwangen/Ostalbkreis besucht.


Eine große Halle in dem kleinen Dorf Rainau-Schwabsberg bei Ellwangen: Wohin man sieht Tische, Stühle, Schränke, Teppiche, Bilder, Leuchter, Spiegel, Koffer, Dosen, Teller, Gläser, Schmuckstücke - ein Königreich voll wunderschöner Gegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten. Und der König über all das?

Der sitzt nicht etwa auf einem großen Thron mittendrin und hält Audienz. Nein, Albert Maier ...

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Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 2/2020

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... kommt zur Tür, begrüßt den Besucher mit freundlichem Händedruck und führt ihn in die Lagerhalle, in der er seit zwei Jahren seine Schätze sammelt und bei Bedarf restaurieren lässt. Er zeigt auf diese Welt aus kleinen und großen Kostbarkeiten, setzt sich in einen Stuhl und erzählt mit fast schüchternem Lächeln, wie wohl er sich hier fühlt - vor allem samstags nach Ladenschluss, wenn er die Muse hat, das alles auf sich wirken zu lassen.

Dass der Mann für seinen Beruf brennt, ist in jedem Augenblick zu spüren. Liebevoll streicht Albert Maier über die glatt polierte Oberfläche einer Biedermeierkommode, zeigt ein Originalplakat aus dem Umfeld der Fußball-WM 1954 und feines Porzellan aus dem 18. Jahrhundert. Dazu erzählt er Geschichten, mit zurückhaltender Stimme, aber eindringlich.

Dieselbe Zurückhaltung und Eindringlichkeit legt er bei der ZDF-Show „Bares für Rares“ an den Tag. Während Moderator Horst Lichter die ausgewählten Bewerber und das Publikum temperamentvoll und witzig unterhält, taxiert Albert Maier konzentriert und meist schweigsam das Stück, das ihm vorgelegt wurde und verkauft werden soll. Schließlich legt er seine Einschätzung dar. Die sorgt gern mal für Überraschungen positiver oder negativer Natur, vor allem aber erstaunt sie den Laien durch das Expertenwissen und die Sicherheit, die Maier bei der Begutachtung der unterschiedlichsten Raritäten an den Tag legt.

Know-how selbst beigebracht Nichts scheint ihm fremd zu sein, zu allem kann er etwas sagen. Dabei hat er weder Kunstgeschichte studiert, noch eine Ausbildung zum Antiquitätenhändler absolviert, denn die gibt es nicht. Das Wissen über Materialien, Stilrichtungen und Künstler brachte sich Albert Maier selbst bei, wenn auch nicht, ohne Lehrgeld bezahlt zu haben, wie er freimütig zugibt.

Begonnen hat alles mit einer Gefängnistür oder, wenn man in seiner Biografie noch weiter zurückgehen will, mit einem Schloss. Gemeint ist damit nicht etwa ein Türschloss, sondern das Palais Adelmann in Ellwangen, in dem Albert Maiers Schulfreund Robert von Stieglitz wohnte.

Albert Maier kam im November 1949 zur Welt und wuchs somit in einer Zeit auf, in der die Welt um ihn herum trotz des Wirtschaftswunders von den Zerstörungen und den Verwerfungen durch den Zweiten Weltkrieg gezeichnet war. Wenn aber der Kaufmannssohn seinen Freund besuchte, betrat er eine andere Welt, eine Welt, in der Beständigkeit und Schönheit herrschten. Das 1688 erbaute Palais Adelmann, die hohen alten Räume „mit fantastischen Gobelins an den Wänden, mit beeindruckenden Porträts von Adeligen, mit herrlichen Barockmöbeln“ wurden ihm zur Selbstverständlichkeit und zu einer inspirierenden Umgebung, wie er in seinem Buch „Albert Maier. Der Antiquitätenhändler“ erzählt. Die Liebe zum Antiken war geboren. Bis heute ziehen ihn Schlösser und barocke Häuser besonders an, weil deren Bewohner im 18. Jahrhundert Kunst lebten und liebten.

Der berufliche Weg führte auf Wunsch des Vaters jedoch zunächst in eine Richtung, die nichts mit Kunst oder Antiquitäten zu tun hatte. Nach dem Abitur ging Albert Maier zum Jurastudium nach Berlin und München. An den Wochenenden fuhr er oft nach Hause, um im Lebensmittelgeschäft zu helfen.

Anfang der 1970er-Jahre bekam er bei einem dieser Besuche mit, dass in Aalen das alte Gefängnis abgerissen wurde und die Türen aus massivem Holz und mit schweren Eisenbeschlägen zum Abtransport dalagen. Albert Maier ahnte: Gefängnistüren waren etwas Außergewöhnliches, das Interessenten anziehen könnte. Er ging zum Polizeichef und durfte für insgesamt 150 DM acht Türen mitnehmen. Sein Gespür sollte ihn nicht trügen. Die Anzeige, mit der er sie in der Süddeutschen Zeitung zum Verkauf anbot, brachte sogar einen Spiegel-Reporter auf den Plan, der eigens aus Hamburg anflog, um darüber zu schreiben. 800 DM pro Tür waren der Erlös für den Studenten, und ihm war klar: „Ich bin kein Jurist, ich bin eine Krämerseele, so wie mein Vater auch, und ich will handeln.“ Die alten Gefängnistüren waren somit zum Türöffner geworden und hatten ihn zur eigentlichen Berufung geführt.

Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um antiken Gegenständen sein ganzes Berufsleben zu opfern. Für Albert Maier sind Antiquitäten sein Leben!


Bis zu 3,5 Millionen Zuschauer sehen „Bares für Rares“ täglich im ZDF, und ein Ende der Sendereihe mit Moderator Horst Lichter und Experte Albert Maier ist nicht in Sicht.


Eine ähnliche Erkenntnis hatte damals sein Freund Jörg Graf Adelmann, der in München Mineralogie studierte und ein Cousin von Robert von Stieglitz war. Auch er wollte nicht weiterstudieren, und war zudem durch seinen Vater, der in Schloss Hohenstadt bei Abtsgmünd Antiquitäten sammelte, in gewisser Weise vorbelastet.

Zusammen zogen die beiden Freunde los und stöberten durch Floh- und Antikmärkte. Es fehlte an einem Auto, und so kam es vor, dass Albert Maier die angekauften Gegenstände zu Fuß von der Innenstadt in die Schwabinger Wohnung schleppte. Einen Geschäftsraum hätte sich der junge Mann im damals schon teuren München nicht leisten können.

Als er in Ellwangen seine künftige Frau Angelika kennenlernte, die ihn in seinem Vorhaben unterstützte, und über einen Freund eine Aalener Bank fand, die ihm einen Kredit gewährte, fielen die Würfel: Der gebürtige Ellwanger ging zurück in die Heimat und eröffnete hier das erste eigene Geschäft.

Unter der Woche ging es im Laden beschaulich zu, doch am Samstagmorgen hieß es: früh aufstehen und ab auf die Märkte. Zunächst klapperte Albert Maier mit seinem VW-Bus Süddeutschland ab, mit der Zeit dehnten sich die Fahrten ins übrige Bundesgebiet und in die Nachbarländer aus.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg war der deutsche Antikmarkt noch vergleichsweise mager bestückt und die Nachfrage groß. Inzwischen hat sich das grundlegend geändert, jetzt gibt es so ziemlich alles, aber der große Run ist vorbei und auch die Mode hat gewechselt.

War damals bäuerliche Volkskunst besonders gefragt und ein bemalter Bauernschrank oder Zinngeschirr für viel Geld zu verkaufen, ist diese Form von Kunst heute nur noch schlecht an den Mann oder die Frau zu bringen, stattdessen sind Jugendstil und Art déco nachgefragt.

TV-Karriere im Sauseschritt

Dem Beruf des Antiquitätenhändlers haftete damals wie heute ein zweifelhafter Ruf an. Maier hatte dagegen anzukämpfen und zu beweisen, dass es ihm um die Sache ging und nicht um den spektakulären Gewinn. Das richtig große Geld machte er auf diese Weise nicht, aber er besitzt noch immer viele Freunde und konnte in all den Jahren mit hocherhobenem Kopf durch die Straßen gehen, wie er lachend verrät. Der Ellwanger ist bodenständig geblieben, auch dass er sich zum viel gefragten Fernsehexperten entwickelte, änderte nichts daran. Als der SWR für seine von 2006 bis 2008 ausgestrahlte Sendung „echt antik?!“ Antiquitätenhändler suchte, die die eingereichten Gegenstände begutachten konnten, bewarb sich Maier. Er wurde genommen, obwohl er zur Bedingung gemacht hatte, dass er nicht vor die Kamera müsse, denn vor der fühlte er sich nicht wohl. Seine Begeisterung gehörte und gehört der Recherche, und so entwickelte er sich im Hintergrund zum Chefexperten.

Es sollte nicht so bleiben: Als der ZDFFernsehgarten anklopfte und der Ellwanger seine Teilnahme zusagte, musste er doch auf die Bühne. Nun war er auf dem Bildschirm und stellte fest, dass es gar nicht so schlimm war - zumal sich keiner an seinem Schwäbisch störte, das er, als Schwabe mit Leib und Seele, nicht gewillt war abzulegen.

Weitere Angebote folgten, darunter die Nachmittagssendung „Bares für Rares“, die seit 2013 im ZDF ausgestrahlt wird. Über 700 TV-Sendungen absolvierte Maier inzwischen; will man ihn erreichen, kann es gut sein, dass sein Mitarbeiter sagt: „Herr Maier ist gerade unterwegs beim Dreh.“

Seinen Erfolg führt der TV-Experte für Antikes bescheiden darauf zurück, dass er seinen „Job so gut wie möglich zu machen versuche“. Die Leute würden es mögen, dass er eine eigene Meinung habe und zum Beispiel Horst Lichter in die Parade fahre, wenn der etwas Falsches sage. Maier hat sich fundiertes Wissen erworben, weiß aber, dass er vor Fehleinschätzungen nie sicher ist und ständig noch etwas dazulernen kann. Die Gewissenhaftigkeit und Leidenschaft, mit der er seine Arbeit macht, erwarben ihm viel Achtung.

Der „Antikmaier“ ist aber auch Opfer seines Erfolgs geworden. Wenn er heute auf einem Markt etwas in die Hand nimmt, setzt der andere Händler den Preis gleich um das Zwei- bis Dreifache hoch, denn „wenn der Maier sich das anschaut, muss es etwas Teures sein“. Auch kommen jetzt sehr viele Leute zu ihm, die den Wert ihrer Sachen von ihm taxiert haben wollen, aber nichts kaufen. Dies führte dazu, dass er auf seiner Website ein Bewertungsportal einführen musste, auf der man gegen einen bestimmten Betrag entweder eine Preisschätzung oder zusätzlich eine Bewertung vornehmen lassen kann

Am glücklichsten macht Albert Maier, wenn er ein Stück wertvoller Handwerkskunst in Händen halten und es in all seinen Feinheiten befühlen und betrachten kann. Schafft er es dann auch noch, dass ein Interessent durch die vielen Informationen, die er ihm bietet, eine Beziehung zu dem Gegenstand entwickelt und ihn schließlich „mit einem zufriedenen Lächeln“ aus dem Geschäft trägt, weiß er, „dass ich den tollsten Beruf der Welt habe.“

Antik Maier

Hauptgeschäft und Restauration: Friedhofweg 11 73492 Rainau-Schwabsberg Tel: +49 7961 4907

Ladengeschäft: Spitalstraße 11 73479 Ellwangen Tel: +49 7961-561294

www.antikmaier.de

Fotos: Silberburg Verlag; ZDF; priva

Buchtipp: Albert Maier, Bernhard Foos Der Antiquitätenhändler Silberburg Verlag ISBN: 9783842522046 192 Seiten, € 19,99