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TV-NACHRICHTE: Wem vertrauen die Deutschen?


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 13.03.2020
Artikelbild für den Artikel "TV-NACHRICHTE: Wem vertrauen die Deutschen?" aus der Ausgabe 12/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 12/2020

Alles nur Fake News? Die HÖRZU-UMFRAGE zeigt erstaunliche Ergebnisse

Fake News! Falschmeldungen! Nie war das Misstrauen gegenüber Nachrichten größer, ob sie nun aus dem Internet stammen, aus Magazinen oder dem TV. Mitunter wird selbst professionellen Machern unterstellt, sie würden gezielt Fakten verdrehen oder verschweigen, um die Öffentlichkeit zu manipulieren. Reizwort „Lügenpresse“. Das wirft viele Fragen auf: Wie sehr vertrauen die Deutschen noch TV-Nachrichten? Welche Moderatoren finden sie glaubwürdig? Ist das Vertrauen in die News tatsächlich stark gesunken? Und: Hängt es auch von den Quellen ab, ...

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... über die sie uns erreichen, also davon, ob sie aus dem Fernsehen stammen, aus Zeitungen, Radio oder dem Internet?

Leicht sinkendes Vertrauen

Um das zu klären, beauftragte HÖRZU das Meinungsforschungsinstitut Forsa mit einer repräsentativen Erhebung zu drei Fragen. Die erste nahm die fünf wichtigsten Nachrichtenformate unter die Lupe: von der „Tagesschau“ bis zu „RTL Aktuell“ (siehe Grafik oben). Bei jedem einzelnen wurde abgefragt: „Inwieweit vertrauen Sie dieser Sendung?“ Antworten konnte man mit „Voll und ganz“, „Eher“, „Eher nicht“ und „Überhaupt nicht“. Zudem verglich HÖRZU die Ergebnisse mit einer identischen Umfrage aus dem Jahr 2018: Welches Format schneidet besser ab, welches schlechter?


“Das ‚heute-journal‘ ist entgegen allen Unkenrufen immer mehr gefragt.“
Claus Kleber, ZDF


Ergebnis: Der „Tagesschau“ vertrauen 44 Prozent „voll und ganz“ (2018: 49 Prozent), 40 Prozent „eher“ (2018: 41 Prozent). Damit ist das Flaggschiff der ARD Umfragesieger, auch wenn es in diesen Kategorien insgesamt sechs Prozentpunkte verlor. Platz 2 erringen die „Tagesthemen“: 40 Prozent vertrauen ihnen „voll und ganz“ (2018: 43 Prozent), 42 Prozent „eher“ (2018: 46 Prozent). Platz 3 teilen sich die beiden ZDF-Formate „heute“ und „heute-journal“ (je 32 Prozent). Mit deutlichem Abstand zu den Öffentlich-Rechtlichen folgt „RTL Aktuell“: Nur sechs Prozent glauben den News des Privatsenders „voll und ganz“, 31 Prozent „eher nicht“, 12 Prozent „überhaupt nicht“. Damit ist „RTL Aktuell“ das einzige Format, das mehr Misstrauen als Vertrauen erntet.

Marcel Holick von Forsa sieht zudem einen Trend: „Im Vergleich zu 2018 ist das Vertrauen in alle abgefragten Nachrichtensendungen tendenziell leicht gesunken.“ Ein Verlust - aber auf hohem Niveau.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Frauen und Männer, die uns die News präsentieren (siehe Grafik Seite 9). „Der Anteil der Befragten, die keinem der abgefragten Nachrichtenmoderatoren besonders vertrauen, ist gestiegen: 2020 sind es 19 Prozent, 2018 waren es ‚nur‘ 11 Prozent.“ Weitere Hiobsbotschaft für den Privatsender RTL: Anchorman Peter Kloeppel hat Vertrauen eingebüßt. 2018 lag der 61-Jährige mit 43 Prozent nur einen Punkt hinter dem Sieger Claus Kleber vom ZDF. Jetzt klafft die Schere weiter auseinander: Kleber legte in der aktuellen Umfrage einen Punkt zu: Ihm vertraut fast jeder Zweite (45 Prozent). Kloeppel verspielte drei Prozentpunkte: Nur noch 40 Prozent halten ihn für „besonders vertrauenswürdig“. Doch das reicht immer noch für Platz 2. Mit Abstand folgt ZDF-Frau Marietta Slomka. Die 50-Jährige, deren Live-Interviews im „heute-journal“ als journalistische Sternstunden gelten, wurde mit 36 Prozent zur glaubwürdigsten Anchorfrau gekürt. Caren Miosga von den „Tagesthemen“ gab mit 29 Prozent vier Punkte ab.


“In bewegten Zeiten gibt es besonderen Bedarf an seriösem Journalismus.“
Marietta Slomka, ZDF


Fazit: Die ARD führt das Ranking der News-Formate an, das Zweite punktet bei den Gesichtern, die News präsentieren.

Marietta Slomka vom „heute-journal“ freut sich: „Wir merken an unseren Zuschauerzahlen, dass es in bewegten Zeiten besonderen Bedarf an Orientierung und seriösem Journalismus gibt“, sagt sie zu HÖRZU. „Das große Vertrauen, das uns von so vielen Bürgern ausgesprochen wird, freut mich auch im Hinblick auf politisch motivierte Versuche, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk generell infrage zu stellen, gar zu diskreditieren.“

Auch ZDF-Anchorman Claus Kleber ist sehr zufrieden: „Das besonders Schöne an diesen schönen Zahlen ist, dass sich da ein Trend widerzuspiegeln scheint, den wir auch andernorts spüren.“ Entgegen allen Unkenrufen sei das „heute-journal“ immer mehr gefragt: „Wir müssen vor allem als zuverlässig, fair und vertrauenswürdig gelten. Solche Werte sind schwer aufzubauen und manchmal mit einer einzigen Fehlleistung wieder weg.“ Motivieren die guten Werte den 64-Jährigen, noch lange weiterzumachen? Ans Aufhören denke er nicht, sagt er: „Aber irgendwann in den nächsten zwei Jahren wird es Zeit für einen Generationenwechsel.“

Die gute Nachricht für alle Sender lautet übrigens: Sie zählen nach wie vor zu den zuverlässigsten Nachrichtenquellen (s. Grafik unten) - vor Zeitungen, Magazinen und Internetangeboten.


ILLUSTRATION S. 8: PM HOFFMANN FÜR HÖRZU; FOTOS S. 9: DÜTTMANN/ZDF (2), KAPPELER/DPA PICTURE-ALLIANCE, SPIELMANN/JANDER/NDR (3), KAY/ZDF; INFOGRAFIK S. 10: HÖRZU; GRAFIKELEMENTE: KHAMMA/GETTY IMAGES, ARTUR/SHUTTERSTOCK