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Ubersicht Homöopathie: Fein dosierte Leistungen


ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness - epaper ⋅ Ausgabe 99/2010 vom 17.06.2010

Auch für die sanfte ärztliche Medizin gilt: Es gibt erhebliche Leistungsunterschiede. Unsere Übersicht zeigt, welche Kassen zugunsten der klassischen Homöopathie zusätzliche Angebote garantieren.


Artikelbild für den Artikel "Ubersicht Homöopathie: Fein dosierte Leistungen" aus der Ausgabe 99/2010 von ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: irisblende.de

Mit Einführung des Gesundheitsfonds zahlten alle gesetzlich Krankenversicherten einen einheitlichen Beitrag, Leistung wurde plötzlich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Daran hat sich wenig geändert, auch wenn inzwischen die ersten Kassen Zusatzbeiträge erheben und Mitglieder verloren haben. Zusätzliche Angebote können die Kassen ihren Kunden über ihre Satzung, einen Wahltarif oder ...
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Mit Einführung des Gesundheitsfonds zahlten alle gesetzlich Krankenversicherten einen einheitlichen Beitrag, Leistung wurde plötzlich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Daran hat sich wenig geändert, auch wenn inzwischen die ersten Kassen Zusatzbeiträge erheben und Mitglieder verloren haben. Zusätzliche Angebote können die Kassen ihren Kunden über ihre Satzung, einen Wahltarif oder spezielle Verträge machen – auch für Verfahren wie die Homöopathie.
Im Rahmen der normalen vertragsärztlichen Vergütung könnte jede Kasse für Homöopathie zahlen. Doch diese Leistungen sind äußerst reduziert. Beispielsweise 40 Euro für eine bis zu drei Stunden dauernde Erstanamnese reichen hinten und vorne nicht. Zudem stehen die Quartalspauschalen dem Arzt und damit für den Patienten nur einmal zur Verfügung. Aus demselben Topf muss ein Hausarzt, der sich für eine Homöopathiebehandlung entscheidet, auch andere notwendige Therapien bestreiten.

Immer mehr Kassen nutzen ihren rechtlichen Spielraum voll zugunsten der klassischen Homöopathie und können so ausreichende Leistungen anbieten. Eine solche zusätzliche Versorgung wird über Verträge möglich, die Kassen mit Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern schließen. Die Verträge regeln die Art und den Umfang der Behandlung und die Bezahlung. Damit sollen die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert und gleichzeitig Kosten gesenkt werden.

ÖKO-TEST hat die Zusatzleistungen für homöopathische Versorgung mit einem ausführlichen Fragebogen erhoben und die Antworten auf Plausibilität geprüft. Das war nicht ganz einfach. Denn scheinbar kennen einige Kassen ihre eigenen Verträge nicht und machten sich selbst besser oder sogar schlechter, als sie eigentlich sind.

Das Ergebnis

■ 43 Krankenkassen erbringen zusätzliche Leistungen für Homöopathie und haben dafür spezielle Verträge geschlossen. Dabei gibt es erhebliche Leistungsunterschiede.
■ Spitzenleistungen bieten Krankenkassen, die den Ärzten einen Leistungsrahmen von 730 Euro pro Jahr eröffnen. Sie haben mit dem Zentralverein homöopathischer Ärzte e. V. (DZVhÄ) einen Vertrag abgeschlossen.
■ Die Vergütungen der anderen Kassen liegen zwischen 138 Euro (Vereinigte IKK) und 410 Euro (Barmer GEK) im Jahr. Erfreulich ist, dass die meisten Kassen für die aufwendige Erstanamnese 90 Euro zahlen. Sie nimmt eine zentrale Stellung in der homöopathischen Therapie ein.
■ Auch wenn die Höchstleistungsverträge in der Praxis eher selten voll ausgeschöpft werden – dazu müssten Versicherte über 30 Mal im Jahr den Arzt kontaktieren –, eröffnen sie den Medizinern doch die für die homöopathische Praxis notwendige Flexibilität. Neben einer angemessenen Bezahlung für die Erstanamnese dürfen zwei Analysen des Gesprächsprotokolls, mit denen die wichtigsten Symptome ermittelt werden, mit jeweils 20 Euro zu Buche schlagen. Für zwei notwendige Auswahlvorgänge des homöopathischen Mittels, die Repertorisation, werden ebenfalls 20 Euro erstattet. Für vier 30-minütige Folgegespräche erstatten die Kassen je 45 Euro, für acht 15-minütige Folgegespräche 22,50 Euro und für 20 sehr kurze Folgegespräche je zehn Euro.
■ Ein etwas anderer Vertrag der homöopathischen Ärzte mit der BIG, der IKK Nord sowie der Knappschaft sieht pro Quartal eine pauschale Erstattung von 90 Euro vor. Nach Ansicht des Zentralvereins homöopathischer Ärzte reicht diese Pauschale bisher in der Praxis aus. Sie ist aber der klassischen Lehre der Homöopathie – mit sehr unterschiedlichen Beratungen – weniger angepasst.

■ Auch Apotheker nehmen an den besonderen Kassenverträgen zur Homöopathie teil. Sie werden geschult und sollen laut dem Zentralverein homöopathischer Ärzte besonders kompetent eine Selbstmedikation beraten können. Die Kosten der homöopathischen Arzneimittel werden lediglich für Kinder von der Kasse übernommen. Erwachsene müssen ihre Mittel aus eigener Tasche zahlen.
■ Einige Kassen gaben an, Kosten für Homöopathiebehandlung nach Prüfung des einzelnen Falles zu übernehmen. Auf solche Einzelfallentscheidungen können Patienten aber nicht bauen. Zahlen dürfen die Kassen nämlich nur dann, wenn im Einzelfall die Erforderlichkeit nachgewiesen wird, die Therapie also zweckmäßig, wirtschaftlich und notwendig ist – so die Rechtsprechung. Dies trifft in ganz besonderen Fällen zu, etwa wenn eine sehr schwerwiegende oder gar tödliche Krankheit besteht oder wenn die Schulmedizin bereits versagt hat. Zudem bedarf es bei einer Entscheidung im Einzelfall eines Gutachtens des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Das heißt für den Patienten im Klartext Wartezeit, die er bei manchen Krankheiten einfach nicht hat. ÖKO-TEST hat daher diese individuellen Ausnahmen nicht als besondere Zusatzleistungen bewertet. Sie können von jeder Krankenkasse angeboten werden.

Anmerkungen: 1) Ein Vertrag wird gerade verhandelt, derzeit Leistung über Kostenerstattung. 2) Nur in Nordrhein und Baden-Württemberg. 3) Nur in Westfalen-Lippe. 4) Höchstsumme gilt nicht im Falle eines Arztwechsels. 5) Die Barmer GEK hat Verträge nur in Bremen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Westfalen-Lippe, Nordrhein. 6) Nur in Baden-Württemberg.
Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST Jahrbuch Rente, Geld, Versicherungen für 2010. Aktualisierung der Ergebnisse, sofern die Kassen nach Anschreiben durch ÖKO-TEST Veränderungen mitgeteilt haben.
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Hilfe bei der Arztsuche

Eine Liste aller Homöopathie-Ärzte ist über den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) erhältlich. Der Arzt muss eine Kassenzulassung haben und eine Vereinbarung mit der jeweiligen Kasse. Patienten können dann wählen, ob sie an der besonderen Versorgung teilnehmen möchten. Dafür müssen sie beim Arzt eine Teilnahmeerklärung ausfüllen.www.welt-der-homoeopathie.de