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Über die Ostsee in die FREIHEIT


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Funk Uhr - epaper ⋅ Ausgabe 39/2022 vom 23.09.2022

Reportage

Artikelbild für den Artikel "Über die Ostsee in die FREIHEIT" aus der Ausgabe 39/2022 von Funk Uhr. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Funk Uhr, Ausgabe 39/2022

SCHWIMMER Der Rostrocker Peter Döbler schwamm 1971 unfassbare 45 Kilometer weit durch die offene See. Nach 25 Stunden nahm ihn vor Fehmarn ein westdeutsches Segelboot an Bord

Seit dem Mauerfall sind bald 33 Jahre vergangen. Ein Jubiläum, das wieder einmal ein Grund zum Feiern ist. Zur Erinnerung an die friedliche Revolution gehört aber immer auch das Gedenken an alle, deren Sehnsucht nach Freiheit so groß war, dass sie dafür sogar ihr Leben riskierten. Die Geschichten ihrer Fluchten bewegen bis heute. Und es gibt weiterhin Schicksale, die nie geklärt werden konnten – dramatische Vermisstenfälle, die bei den Verwandten auch nach Jahrzehnten für tiefe Wunden und viele offene Fragen sorgen. Ein Forschungsprojekt der Uni Greifswald soll das nun ändern. Zum ersten Mal wird jetzt geklärt, wie viele Opfer bei ihrer Flucht über die Ostsee wirklich ihr Leben verloren haben.

Bislang ging die Forschung von 189 Todesopfern aus

2019 hat die Politologin Merete Peetz (40) das Forschungsprojekt „Todesfälle bei Fluchtversuchen über die ...

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... Ostsee“ initiiert. Ende Oktober 2022 soll es abgeschlossen sein – dann wird man neue Details erfahren. An ihrem Auftrag liegt der Politologin sehr viel: „Es geht um das Andenken und die Würdigung der Personen, die ums Leben gekommen sind, weil sie den absoluten Willen hatten, ihrem eigenen Lebensplan zu folgen. Es gibt mittlerweile Handbücher über die Todesopfer an der Berliner Mauer oder an der innerdeutschen Grenze. Aber die Todesopfer der Ostseeküste haben eben noch kein derartiges Buch.“ Offiziell haben 5.600 Menschen zwischen dem Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961 und dem Mauerfall am 9. November 1989 versucht, die sogenannte „Staatsgrenze Nord“ zu überwinden. Nur 913 von ihnen gelang die Flucht, 4.522 wurden festgenommen. 189 bezahlten ihren Mut mit ihrem Leben. Diese Zahlen stammen aus der privaten Forschung von Christine Vogt-Müller und ihrem damaligen Ehemann Bodo Müller. Die beiden waren die ersten, die nach dem Mauerfall Tagesberichte der „Grenzbrigade Küste“ einsehen konnten, in denen viele Fluchtversuche verzeichnet wurden. Auf diese Zahlen stützt sich auch die neue Forschung. Doch das Greifswalder Forschungsprojekt kann noch auf ganz andere Quellen zurückgreifen. Denn viele wichtige Akten wurden erst nach Jahrzehnten freigegeben.

Gescheitere Versuche wurden von der Stasi vertuscht

Bei ihrer Detektivarbeit in Polizei- und Stasi-Akten, den DDR-Jahrgängen der Totenscheine und den Unterlagen der „Zentralen Erfassungsstelle von DDR-Unrecht“ im niedersächsischen Salzgitter sind die Forscher inzwischen sogar auf bisher völlig unbekannte Fälle gestoßen. Fluchtversuche, von denen nicht einmal die Angehörigen der Opfer wussten. Ihnen blieben oft nur ein paar kurze Abschiedszeilen, die keinen Hinweis darauf gaben, welche Pläne ihre Verwandten geschmiedet hatten. Doch das hatte seinen Grund: Republikf lucht war eine schwere Straftat. Und nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch ihre Familien mussten mit harten Maßnahmen rechnen. Dazu sorgte auch der Staat dafür, dass viele Todesfälle vertuscht wurden. Gescheiterte Ostseef luchten seien „von der Stasi manchmal ganz bewusst als Vermisstenfälle abgehandelt worden, weil man nicht zugestehen wollte, dass schon wieder jemand über die Ostsee versucht hat zu f lüchten“, erklärte Roland Jahn, der ehemalige Bundesbeauftragte der Stasiunterlagenbehörde dem MDR.

Endlich frei! Nur 913 DDR- Bürgern gelang die Flucht

Die meisten der ungeklärten Todesfälle ereigneten sich in der Zeit von August bis Oktober, bevor auf der Ostsee die Herbststürme einsetzten. Doch viele der Fluchtwilligen überschätzten ihre Kraft. Um so unfassbarer ist die Leistung all derer, die den Weg in die Freiheit über die Ostsee schafften. Peter Döbler (82) ist einer von ihnen (siehe oben). Er schwamm am 25. Juli 1971 45 Kilometer, vom Ostseebad Kühlungsborn bis zur westdeutschen Insel Fehmarn (Kurs NordWest, hansanord, 20 Euro). „Ich würde die Flucht immer wieder wagen“, sagte er rückblickend. Er ist froh, dass er den Fall der Mauer miterlebt hat. Und damit die Verwandlung der Ostsee von einer kaum überwindbaren Grenze in eine Region, in der Menschen aus ganz Deutschland gerne Erholung suchen.

Musical-Star Dan Lucas

AUCH ER FLOH AUS DER DDR

MEGA-MUSICAL: Am 20. Oktober 2022 feiert im Duisburger „Theater am Marientor“ das neue Musical „’N bisschen Frieden“ von Hit- Macher Ralph Siegel (76) glanzvolle Premiere (Tickets buchbar unter ).

Auch darin geht es um eine große Liebesgeschichte zwischen Ost und West und einen dramatischen Fluchtplan über die Ostsee – mit ziemlich überraschendem Ende.

Einer der Hauptdarsteller ist Dan Lucas (68), der Rick Stone spielt und singt. Als Lutz Salzwedel wuchs der Musiker in der DDR auf. Nach einem Auftritt im Westen floh er 1985 vor seinen Stasi-Aufpassern und blieb in der damaligen BRD. Ralph Siegel: „Wir haben also unter unseren Darstellern jemanden mit einer echten Fluchtgeschichte.“