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Über zeugte MULTISTILISTIN


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 11.08.2021

SAVANNAH HARRIS

Aus der rastlosen Jazzmetropole New York heraus erspielt sich Savannah Harris seit einigen Jahren Bands und Bühnen. Als Anfang Juni erstmals der neu eingerichtete »Deutsche Jazzpreis« verliehen wurde, war sie als beste internationale Schlagzeugerin nominiert, und das neben Brian Blade – der die Auszeichnung am Ende erhielt – und Percussionkünstler Trilok Gurtu. »Es war eine Ehre, mit ihnen in derselben Kategorie nominiert zu sein, und ich habe mich gefreut, dass Brian Blade gewonnen hat«, so Harris im Gespräch. Persönlich ist sie dem etablierten Jazzer nie begegnet, kann es aber kaum erwarten, bis es womöglich eine Gelegenheit gibt.

Immer unter Dampf

Ende Juni berichtet sie von ihrer Wohngemeinschaft aus im Videointerview über ihr Künstlerleben. Ihre dichte Lockenmähne hat sie zum kompakten Knoten gebändigt. Wenn sie von etwas begeistert ist, hüpft ihre Stimme ab und an ein Intervall ...

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... nach oben oder geht in ein plötzliches Crescendo über, sodass ein munterer Singsang entsteht. Harris versprüht auch im Videogespräch Energie. Die braucht sie: »Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich Gigs hatte, die um ein Uhr morgens anfingen«, erzählt sie. Manchmal hat sie sogar drei Auftritte am Tag, und einer davon kann drei Stunden dauern. Das Drumkit muss mit: »Da fährt man mit einem Auto voll schwerem Metall und Holz durch New York. Aufbauen, abbauen, aufbauen, abbauen...« Und: Musik ist an sieben Tagen die Woche gefragt. Mit einem Lebensrhythmus wie in vielen anderen Branchen hat das wenig zu tun: »Es ist verrückt.« Gleichzeitig freut sich die Künstlerin, dass ihr Kalender meist voll ist mit Gigterminen. Wenn mal einige Tage weniger los ist, übt sie trotzdem täglich. Das hat gute Gründe: »Handgelenk und Arm werden unbeweglicher, wenn ich sie nicht täglich trainiere.«

BIOGRAFIE

Savannah Harris wuchs in Oakland in Kalifornien auf. Durch ihren Vater und ihren Stiefvater lernte sie viel über Percussion und Musik. Sie studierte später zunächst in Washington D.C. an der Howard University, absolvierte dann ihren Master an der Manhattan School of Music in New York. Seitdem lebt die heute 27-Jährige dort und spielt mit sehr unterschiedlichen Bands ein stilistisch breites Spektrum von Straight-Ahead-Jazz über Latin, Modern und Free-Jazz bis Soul, R ’n’ B, Pop, Hip-Hop und modernen Stilfusionen. Sie schreibt eigene Musik und produziert. Im Jahr 2019 erhielt sie den »Harlem Stage Emerging Artist Award«. Im Juni 2021 war sie als beste internationale Schlagzeugerin für den ersten »Deutschen Jazzpreis« nominiert. Derzeit zeichnet sie ihr Debüt als Leader auf, das 2022 veröffentlicht werden soll.

EQUIPMENT

Cymbals: Istanbul Agop 22˝ »30th Anniversary«-Ride 21˝ »Agop Signature«-Ride 19˝ »XIST Ion Dark«-Crash 18˝ »Turk«-Crash 16˝ »Agop Signature«-Hats Drums: verschiedene Marken und Set-ups (meist als traditionelles, vierteiliges Set)

Zu Hause im Stilmix

Ihre Familie besteht aus Musikern und Musikfans. Der Vater spielt Klavier und Drums, bis heute diskutieren sie oft über Musik. Ihr Stiefvater ist Trompeter und stand seinerzeit mit Künstlern wie Buddy Miles und Jimi Hendrix auf der Bühne. »Ich denke, beide haben mir stilistische Vielseitigkeit näher gebracht«, berichtet Harris. Der Stiefvater begeisterte sie auch für westafrikanische Musik. Ihre Mutter brachte ihr American-Folk nahe, etwa von Emmylou Harris, Joan Baez und Joni Mitchell. Sie hörten genauso Erykah Badu, D’Angelo, Led Zeppelin oder Chopin. Dazu kam Oaklands Funk- und Bluestradition – mit Bands wie Tower of Power oder Sly and the Family Stone. Im ortsansässigen Liveclub »Yoshi’s« war Savannah von klein auf Stammgast: »Im Wesentlichen lebte ich als Kind im ›Yoshi’s‹.«

Globaler Ansatz

Die Vielseitigkeit fing so gesehen früh an. »Ich versuche, gegenüber allen Stilen einen globalen Ansatz zu haben«, erklärt sie. Percussion sieht sie als etwas Grundlegendes: »Für mich ist das Schlagzeug das zweite Musikinstrument nach der menschlichen Stimme. Es ist der erste Sound, den wir außerhalb unseres Körpers machen können – ob das nun das Indie-Hände-Klatschen, Bodypercussion oder das Mit-den-Füßen-Stampfen ist.« Das hat sie früh vereinnahmt. Trotzdem wollte sie nicht Musikerin werden, sondern Journalistin, ähnlich ihrer jüngeren Schwester. Diese ist zwar musiknah, wollte Musik aber ebenfalls nicht zum Beruf machen. Dass es bei Savannah anders kam, dazu führte ein Abend in Washington, wo sie vor einigen Jahren Journalismus studierte. Bei einer Open-Stage in einer Bar ließ sie sich die Drumsticks reichen und spielte spontan eine Stunde. Das machte Eindruck, und bald gab es Anfragen aus der Szene.

DISKOGRAFIE

(Auswahl) Peter Evans: Being and Becoming (2020)

Standing on the Corner Art Ensemble: G-E-T-O-U-T!! The Ghetto (2020) María Grand: Reciprocity (2021)

Or Bareket Quartet: N.N. (2022)

Savannah Harris Trio (Debüt als Leader, 2022)

NETZ

www.instagram.com/ savvyknows

Durchstarten in New York

Für ihr Musikstudium ging sie nach New York, wo sie seitdem lebt. Jazzschlagzeuger wie Kendrick Scott und Justin Brown wurden zu Mentoren. Den ersten Gig spielte sie mit Linda Oh und der inzwischen verstorbenen Geri Allen. Seitdem arbeitete sie mit Szenegrößen wie Kenny Barron oder Terence Blanchard und mit ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstlern der jüngeren Generation wie Jason Moran, Or Bareket, Etienne Charles, Joel Ross, María Grand und Standing on the Corner. Mit ihren 27 Jahren ist sie oft die Jüngste. Immer noch hört sie gern Alben früherer Jazzpioniere wie Art Blakey und Tony Williams. Dass Schlagzeuger Bandleader sein und Musik schreiben können, ist für sie essenziell. Beides möchte sie mehr als bisher machen.

Debüt als Leaderin Im Frühjahr 2022 soll ihr Debüt als Leaderin erscheinen. Sie hat alles komponiert und ist Produzentin. Neben Drums spielte sie Synthesizer, Bass und Gitarre ein – und sang. Schlagzeug und Gesang, die Kombination ist immer noch recht selten. Harris kann es, wobei sie bekennt: »Singen ist eine beängstigende Sache. Ich habe großen Respekt vor Sängerinnen und Sängern. Am Schlagzeug kann man sich gut verstecken hinter dessen Fassade. Wenn mal was schiefgeht, kann man es schnell in eine andere Richtung bringen. Beim Singen ist es fast, als hätte man nichts an, man hat nur das Mikrofon, und jeder einzelne Ton wird gehört.« In ihre Band holte sie Freunde: Multiinstrumentalist Morgan Guerin und Sängerin Joy Morales. Harris schätzt auch andere Künste, verknüpft etwa Musik und Tanz. Ein wichtiger Kooperationspartner ist Damian Woetzel, früher Solotänzer des New York City Ballet, heute Präsident der Juilliard School und künstlerischer Leiter des Veil Dance Festivals. Im Sommer spielt Harris dort wieder.

Text: Christina M. Bauer