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Übersicht Alternative Banken Moral oder Masche?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2010 vom 01.03.2010

Die Finanzkrise hat auch gute Seiten – immer mehr Sparer und Anleger fragen nach, wie und wo ihr Geld arbeitet. Vom zunehmenden Misstrauen gegenuber etablierten Kreditinstituten profitieren grune Banken. Sie werden mit neuen Anlagemitteln geradezu uberschwemmt.


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Bankencrash, Klimakrise, Ausbeutung der Dritten Welt – das Misstrauen gegenüber dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem wächst. Als Konsequenz stellen immer mehr Sparer und Anleger nicht nur das Wachstums- und Gewinndenken traditioneller Geldhäuser infrage. Vielmehr kehren sie etablierten Banken den Rücken zu und tragen ihr ...

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Bankencrash, Klimakrise, Ausbeutung der Dritten Welt – das Misstrauen gegenüber dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem wächst. Als Konsequenz stellen immer mehr Sparer und Anleger nicht nur das Wachstums- und Gewinndenken traditioneller Geldhäuser infrage. Vielmehr kehren sie etablierten Banken den Rücken zu und tragen ihr Geld zu grünen Nischenbanken mit alternativem Geschäftskonzept.

Die Folge: Ethisch-ökologische Geldhäuser, die – statt auf Gewinnmaximierung und Spekulationen – auf das klassische Kreditgeschäft setzen, werden seit Ende 2008 von Kunden fast überrannt. Die GLS-Bank in Bochum konnte den Ansturm der Kunden in 2009 schon fast nicht mehr bewältigen. Mit einem satten Wachstum von 33 Prozent steigerte die anthroposophisch angehauchte Bank, die sowohl ihre Eigenmittel als auch die Gelder der Kunden ausschließlich nach sozial-ökologischen Kriterien investiert, ihre Bilanzsumme auf 1,35 Mrd. Euro. Das Einlagevolumen nahm sogar um stolze 37 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro zu, die Zahl der Kunden stieg um 17 Prozent auf 73.000. Es hätten sogar noch mehr sein können. „Wir sind 2009 nur deshalb nicht noch mehr gewachsen, weil wir die Kapazitäten nicht entsprechend ausbauen konnten“, so Thomas Jorberg, Chef der GLS-Bank. Doch weil „Germanys Most Sustain able Bank“, wie das britische Magazin „The New Economy“ die im vergangenen Jahr mehrfach ausgezeichnete Bank titulierte, mit weiterhin rasantem Wachstum rechnet, stellte sie – mitten in der Krise – immerhin 51 Mitarbeiter neu ein. Für den sich abzeichnenden neuen Kundenansturm – bereits im Januar legte die Bilanzsumme weitere fünf Prozent zu – stehen jetzt 254 Mitarbeiter bereit.

Kundenans0ken

Ähnlich sieht es bei der Umweltbank in Nürnberg aus. Die ausschließlich auf Finanzierung und Förderung von Umweltprojekten spezialisierte Bank konnte ihre Bilanzsumme 2009 um 30,4 Prozent auf 1,65 Mrd. Euro steigern. Die Zahl der Kunden stieg um 15 Prozent auf nunmehr 80.000, die Kundeneinlagen explodierten gar um 40,1 Prozent auf 998 Mio. Euro – und ein Ende des Wachstumstrends ist auch hier nicht in Sicht.

Ursache für das sprunghafte Wachstum nachhaltiger Banken ist aber nicht allein die Verunsicherung durch die Wirtschaftskrise, auch wenn sie den Trend zu grünen Banken noch verstärkt hat. „Die Finanzkrise hat den Vorteil, dass die Menschen sich endlich Gedanken machen, was mit ihrem Geld geschieht“, sagt Umweltbank-Chef Popp. Ähnlich sieht das auch die auf Finanzdienstleistungen spezialisierte Managementberatung zeb. In einer Studie vom November 2009 stellen die Experten aus Münster vielmehr grundlegende Veränderungen in der Einstellung der Bevölkerung fest. Reines Renditestreben sei nicht mehr die einzige Entscheidungsgrundlage für die Geldanlage. Vielmehr wollen Anleger zunehmend auch Kriterien wie soziale Lebensqualität, Umweltbewusstsein, Transparenz, Ehrlichkeit, Gemeinsinn und Sicherheit berücksichtigt sehen.

Für Banken, die solche nachhaltigen Anlageziele berücksichtigen, sieht die zeb nicht nur großes Wachstumspotenzial. Vielmehr kommt die Managementberatung zu dem Ergebnis, dass sich vor allem Verbraucher mit überdurchschnittlichem Einkommens- und Vermögensniveau für nachhaltige Geldanlagen interessieren. „Wir schätzen, dass das Er tragspotenzial bei dieser Zielgruppe doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt der Bevölkerung“, so Ulrich Hoyer, Partner bei zeb.

„Green Banking“ ist oft nur Imagepolitur

Bei derart glänzenden Gewinnaussichten sollten Anleger allerdings misstrauisch werden. Ein boomender Markt lockt mit Sicherheit auch Institute an, bei denen die Nachhaltigkeit nicht Herzenssache, sondern lediglich werbewirksamer Kundenköder ist. Wer wirklich sicher sein will, dass sein Geld nur in saubere und nicht auch in schmutzige Geschäfte fließt, muss sich gut informieren und bei allen Offerten genau hinschauen. Längst tummeln sich am Markt für ethischökologische Anlagen nicht nur alternative Nischenbanken. Auch konventionelle Institute präsentieren sich immer öfter in einem neuen Kleid. „Wir setzen auf Grün“ erklärt zum Beispiel die Deutsche Bank auf ihrer Website www.banking-ongreen.com und versichert, dass „Nachhaltigkeit für die Deutsche Bank als internationaler Finanzdienstleister integraler Bestandteil des Handelns im Kerngeschäft und weit darüber hinaus ist“. Mit entsprechend stim mungsvollen Bildern wird interessierten Kunden zudem eine breite Palette von ethisch-ökologischen Geldanlage- und Finanzierungsmöglichkeiten offeriert – wozu die Deutsche Bank neben Fördermaßnahmen und nachhaltigen Investmentfonds auch ihren db-Studienkredit zählt. Auch die Umweltschutzanstrengungen im eigenen Haus werden anschaulich demonstriert und die Greentowers der Bank in Frankfurt als „umweltfreundlichste Hochhäuser der Welt“ präsentiert.

Internationale Nachhaltigkeits-Research-Agenturen stufen die Geschäftspolitik von Deutschlands Großbank jedoch kaum als durchgängig nachhaltig ein. Im Gegenteil. „Urgewald“, ein Netzwerk aus verschiedenen Umweltschutzorganisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), hat kürzlich sogar ein 22-seitiges Dossier über „unverantwortliche Geschäftspraktiken“ der Deutschen Bank zusammengestellt. Unter dem Schlagwort „Leistung, die Leiden schafft“ listet sie zahlreiche Beispiele für Investments und Finanzierungen auf, bei denen die Bank in Kriege, Vertreibungen, Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen verstrickt sein soll – das wäre das genaue Gegenteil der versprochenen nachhaltigen Geschäftspolitik. „Kein anderes deutsches Bankhaus hat seit Beginn der 90er-Jahre so viele ökologische und soziale Nachhaltigkeitserklärungen unterzeichnet wie die Deutsche Bank. „Alles nur Imagepolitur“, findet Urgewald.

Ein Blick hinter die Fassaden ist wichtig

Auch die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank und die DZ-Bank präsentieren sich neuerdings als „nachhaltige Institute“. Die DZ-Bank hat sogar eine eigene Website eingerichtet, auf der sie ihre nachhaltigen Aktivitäten preist. Öko logisch orientierten Anle gern wird dabei das Zertifikat „Anlage Zukunft“ der Marke „Akzent“ als neue Produktlinie für Anlagen unter ökologischen, sozialen und finanzwirtschaftlichen Kriterien präsentiert. Wer Näheres über die neue Produktlinie wissen will und auf die Akzent-Website klickt, tappt jedoch erst mal im Dunkeln. Auf Anhieb findet man die „Anlage-Zukunft“ nicht, sondern nur mithilfe der Suchfunktion. Ins Auge springt dagegen eine breite Palette von mehr oder minder intransparenten Zertifikaten, darunter die hoch komplexen Vario-Zins-Garant-Papiere, vor denen ÖKO-TEST schon im Oktober 2009 warnte.

Auch bei anderen Produkten ging die DZ-Bank nicht gerade „verantwortungsvoll“ mit ihren Kunden um, wie die zahlreichen Anlegerklagen zu den hochspekulativen Cobold-Anleihen zeigen, mit denen sich Verbraucher ebenso wie mit Lehman Brothers Zertifikaten schon während der Finanzkrise die Finger verbrannten (siehe Nachwirkungen Seite 8).

Die Beispiele zeigen: Wer sein Geld nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien arbeiten lassen will, sollte sich niemals allein auf wohlklingende Werbung verlassen. Denn oft ist nur die Fassade grün. Der Blick hinter die Kulissen ist zwar nicht immer einfach. Doch wer wissen will, mit welcher Bank er es wirklich zu tun hat, nutzt die unabhängige Website www.banksecrets.eu. Sie veröffentlicht, wenn ein Institut zum Beispiel mit schmutzigen Praktiken aufgefallen ist. Noch pfiffiger ist die ebenfalls unabhängige Web site www.banktrack.org. Hier finden Interessierte nicht nur Details zur offiziellen, nachhaltigen Geschäftspolitik von Großbanken aus aller Welt und detaillierte Angaben zu den tatsächlich unternommenen Umweltschutzanstrengungen der Geldhäuser. Gleichzeitig deckt Banktrack auch etwaige schmutzige Geschäfte im Verborgenen der Institute auf.

Einen kritischen Blick sollten sich Anleger allerdings auch bei Nischenbanken bewahren. Die betreiben üblicherweise zwar nur das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft. Das bringt vielleicht etwas weniger Rendite als spekulativere Geschäfte und soll den Kunden mehr Sicherheit geben, weil es transparenter ist. Doch nicht bei allen Instituten sind die angelegten Gelder im gleichen Maße geschützt. Außerdem haben auch die grünen Banken durchaus unterschiedliche Anlageschwerpunkte, die sie je nach Grad der Transparenz mal mehr, mal weniger offenlegen und überprüfen lassen. Es lohnt sich also ein genauer Vergleich.

Grüne Banken sind oft nicht transparent

Die Bochumer GLS-Bank, eine der ältesten nachhaltigen Banken in Deutschland, legt ihr Geschäftsgebaren so detailliert wie kein anderes Institut offen. Nach dem Motto: „Wir lassen uns gern in die Karten schauen“, werden nicht nur die Anlagekriterien, sondern auch alle Eigenanlagen der Bank auf der Homepage beschrieben und veröffentlicht – eine Ausnahme in der sonst penibel auf Diskretion bedachten Bankenwelt. Anleger können zudem frei entscheiden, in welchen Bereichen ihr Geld bevorzugt investiert werden soll, etwa in Bio-Höfe, alternative Wohnprojekte, freie Schulen, Behinderteneinrichtungen oder Solarfirmen.

Ansonsten ist die 1974 gegründete GLS-Bank eine ganz normale Genossenschaftsbank. Die angelegten Spargelder sind ebenso wie das ganze Institut durch die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken geschützt. Als Vollbank bietet das Institut neben allen Standardprodukten zur Geldanlage auch ein Girokonto an. Die Anlagekonditionen sind nicht üppig, liegen aber im Marktdurchschnitt. Das Tagesgeldkonto gibt es jedoch erst ab 10.000 Euro, der Zinssatz liegt derzeit bei 1,10 Prozent.

Einen Tick bessere Konditionen bietet die Umweltbank. Hier gibt es das Tagesgeldkonto schon ab 500 Euro zu 1,25 Prozent Zinsen. Allerdings ist die Umweltbank eine klassische Zweitbank: Ein Girokonto offerieren die Nürnberger nicht. Der besseren Rendite steht zudem ein höheres Anlagerisiko gegenüber – zumindest bei größeren Anlagebeträgen: Die Umweltbank gehört zu den wenigen deutschen Banken, die nur der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen. Im Ernstfall sind daher nur Einlagen bis 50.000 Euro, ab 2011 bis 100.000 Euro abgesichert. Dass sie trotzdem regen Zulauf hat, liegt an der spezialisierten Geschäftspolitik. Als grüne Förderbank finanziert sie mit den Einlagen der Kunden nur ökologische Projekte. Für die private Baufinanzierung hat sie sogar ein ausgefeiltes System entwickelt: Je ökologischer das Bauvorhaben ist, umso günstiger gibt es den Kredit. Ihr gesamtes Kreditportefeuille sowie die Eigenanlagen legen die Nürnberger Banker allerdings nicht im Detail offen. Sie informieren jedoch dezidiert über alle Anlagekriterien. Außerdem gibt die Bank eine ökologische Produktgarantie, die vom Umweltbeirat kontrolliert wird. Über sämtliche Umweltaktivitäten und die CO2-Einsparung von allen finanzierten Projekten informiert jährlich ein ausführlicher Umweltbericht.

Nachhaltige Bankwirtschaft liegt im Trend. Doch oft soll die grune Fassade nur die schmutzigen Geschafte verdecken.


Foto: sxc/ecahal

Starkes Wachstum, wenn auch mit 28 Prozent auf etwas niedrigerem Niveau, verzeichnet ebenso die Ethikbank, die drittjüngste und mit Abstand kleinste unter den „grünen“ Banken (Bilanzsumme Ende 2009: 91 Mio. Euro). Die 2002 als Tochter der Volksbank Eisenberg in Thüringen gegründete Direktbank bietet ihre Produkte, Girokonto, Sparanlagen, Wertpapiere, Altersvorsorge, Kredite (nur für Privatkunden) sowie eine Mikrofinanzanleihe aber in ganz Deutschland und Österreich an. Die ihr zufließenden Mittel investiert die Ethikbank ausschließlich in sozial und ökologisch korrekte Projekte und Wertpapiere. Bislang werden aber nur die Anlagekriterien und das Portfolio der Eigenanlagen im Detail auf der Website des Instituts im Internet veröffentlicht. Bei den Öko-Krediten verrät die Bank nur die Gesamtsummen je Verwendungszweck.

Wie streng die Anlagekriterien bei den Firmenkunden der Bank angelegt werden, bleibt etwas nebulös. Nach Angaben von Silke Schröder, Vorstandsmitglied der Bank, wird lediglich nach Branchen gefiltert, ob ein Betrieb ein Konto eröffnen darf oder nicht. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die in einem der Tabubereiche der Bank tätig sind, wie Rüstung, Gen-Technik, Atomkraft, ozonzerstörende Chemikalien etc. Auch Internetdialer, Parteien und dergleichen lehnt das Institut ab.

Auf Zinsen wollen nur wenige verzichten

Bei der Ethikbank können Kunden zwar nicht im Detail bestimmen, wo ihr Geld arbeiten soll. Sie können aber – übrigens ebenso wie bei der GLS-Bank – freiwillig auf einen Teil der Zinsen zugunsten von Förderprojekten verzichten. Die Förderprojekte werden detailliert im Internet vorgestellt. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer überwacht die Einhaltung des Verwendungszwecks. Die Zinsen der Ethikbank liegen im Marktdurchschnitt, bisweilen sogar etwas darüber. Für das Tagesgeldkonto ohne Mindestanlage werden bis zu einem Anlagebetrag von 5.000 Euro zum Beispiel 2,5 Prozent Zinsen gezahlt. Für darüber hinausgehende Beträge gibt es 1,75 Prozent. Die Einlagen sind bei der Volksbanktochter, die dem Sicherungssystem der Volks- und Raiffeisenbanken angehört, zu 100 Prozent geschützt.

Zinsverzicht zugunsten von sozialen, caritativen oder anderen nachhaltigen Projekten hat auch bei den Kirchenbanken Tradition. Denn Kirchenbanken engagieren sich traditionell stark im sozial-caritativen Bereich. Zudem streben Kir chenbanken – wie die meis ten Alternativbanken – keine Gewinnmaximierung, sondern allenfalls Gewinnoptimierung an. Auch das ist kein Selbstzweck. Damit werden diakonische Einrichtungen und soziale Projekte finanziert.

Gezieltes Projektsparen bieten derzeit aber nur drei der sieben Kirchenbanken an. „Wir haben 2005 umfangreiche Kundenbefragungen durchführen lassen. Sie zeigten, dass Kunden zwar Wert auf Nachhaltigkeit legen, das darf aber nicht zulasten der Rendite gehen“, sagt KD-Bank-Chef Ekkehard Thielser. Ganz auf Zinsen verzichten wollen daher immer weniger Anleger. Sie sind aber durchaus bereit, als Preis für das gute Gewissen von der Jagd nach überdurchschnittlichen Renditen Abstand zu nehmen. Denn die Zinskonditionen kirchlicher Banken liegen eher im mittleren bis unteren Marktbereich. „Wir machen eben transparent, dass Zins und Ertrag nicht alles ist“, sagt Michael Sommer von der Bank im Bistum Essen.

Auch Mikrokredite von Kirchenbanken

Armutsbekämpfung ist traditionell ein weiterer Anlageschwerpunkt bei den Kirchenbanken. Die meisten Institute engagieren sich konsequenterweise auch im Mikrofinanzbereich – vor -wiegend in Entwicklungsländern. Die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, die allerdings kein Bankhaus, sondern nur ein Finanzvermittler ist, ist bereits seit 35 Jahren auf diesem Sektor aktiv. Sie vermittelt die Anlagegelder ihrer Mitglieder weltweit als faire Kredite an Mikrofi-nanzorganisationen, Genossenschaften und Fairtrade-Organisationen, um die wirtschaftliche Eigenständigkeit benachteiligter Menschen zu fördern. Per Ende 2009 lag das Kreditvolumen insgesamt bei 394 Mio. Euro, vergeben über 790 Partner in 32 Länderbüros. Zugleich beweist Oikocredit, dass Mikrofinanzanlagen – anders als viele vermuten – kein hochriskantes Geschäft sind: Der Wert der Anteile, die die niederländische Genossenschaft seit 1975 an mitt lerweile 36.000 Investoren, darunter 17.000 Deutsche, ausgegeben hat, ist noch nie gesunken. Seit zehn Jahren erhalten die Anleger zudem regelmäßig zwei Prozent Dividende pro Jahr.

Strenge Kriterien für die Anlageauswahl

Geldanlagen und Kreditnehmer wählen die Banken im Dienste der Kirche aber nicht nur nach christlicher Ethik aus. Alle Investitionen werden mithilfe eines strengen Nachhaltigkeitsfilters bewertet, der auf Basis des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens entwickelt wurde, der wiederum als umfassend und vorbildlich zur Bewertung ökologischer, sozialer und ethischer Auswirkungen gilt. Angewandt wird meist ein Best-in-Class-Auswahlverfahren, kombiniert mit Ausschlusskriterien. Die definiert aber jedes christliche Haus anders. Denn vor allem ethische Kriterien haben oft etwas Subjektives. „Nehmen Sie nur den Bereich Alkohol. Viele Kunden wollen hier grundsätzlich nicht investieren. Ein Kloster mit angeschlossener Brauerei sieht das seit Jahrhunderten aber vielleicht etwas anders“, schildert BiB-Manager Sommer das Problem. Im Zweifel sollten Anleger daher immer prüfen, welche Anlagepolitik und -kriterien auch ihren persönlichen Zielen und Wertvorstellungen ent sprechen. Auch mit der Transparenz und den Möglichkeiten zur Überprüfung der Anlagepolitik hält es jede Kirchenbank anders.

Manche Institute scheuen sogar ganz die Öffentlichkeit. Die katholische Pax-Bank in Köln und die Liga-Bank in Regensburg wollten uns keine Daten liefern. Begründung: Sie seien nur für hauptberuflich im Kirchenbereich tätige Privatkunden geöffnet. Daher mangele es an öffentlichem Interesse. Doch vielleicht hat die Scheu auch einen anderen Grund: Die beiden christlichen Institute mussten sich im vergangenen Jahr vomSpiegel vorhalten lassen, es mit der Anlagemoral nicht ganz so genau zu nehmen. Der hatte nämlich festgestellt, dass in den drei Label-Fonds, den die Institute über Union-Investment aufgelegt hatten, Aktien von zwei Tabak-, einem Rüstungsunternehmen sowie einem Hersteller von Antibabypillen zu finden waren – ein klarer Verstoß gegen die eigenen Anlageziele und zugleich ein Indiz, wie wichtig Transparenz für Anleger ist.

Anmerkungen: 1) Projektsparen mit 0,25 % Zinsverzicht zugunsten spezieller Förderprojekte ist auch beim Wachstumszertifikat möglich. 2) Sparbuch bei 3-monatiger Kündigungsfrist; Voraussetzung ist ein online geführtes GLS-Girokonto und Sparbuch; Laufzeit Sparbrief auch 5 oder 7 Jahre möglich. 3) Der Sparer kann sich bei jeder Anlage entscheiden, in welchen Themenbereichen (Region, Planet, Leben, Kultur) das Geld arbeiten soll. 4) auch Sparplan mit monatlichen Zahlungen von 25,00 €, Zuschlag am Ende der Laufzeit auf das angesparte Kapital bis zu 15 % zusätzlich zur variablen Verzinsung. 5) Sparbuch: 0,25 % Extrazinsen für Sparanlagen, die im abgelaufenen Kalenderjahr nicht durch Rückzahlungen reduziert wurden. 6) Sparbrief = Anlagekonto mit 1,75 % Zinsen und 3-jähriger Anlagedauer (erstmals kündbar nach 18 Monaten mit 3-monatiger Kündigungsfrist); Sparplan mit monatlichen Zahlungen von mindestens 50,00 €, Bonus am Ende der Laufzeit auf das angesparte Kapital von ca. 4,7 %; zusätzlich Wachstumssparen (Sparbuch mit 5-jähriger Laufzeit und gestaffelten Zinssätzen ab 3.000 €; erstmals kündbar nach 24 Monaten). 7) Festgeld derzeit nicht im Angebot, weil im Sparbereich bessere Konditionen möglich sind; Sparbrief = Bank im Bistum Essen Kapitalzuwachskonto mit 10-jähriger Laufzeit, erste Kündigung nach 6 Jahren möglich (Kündigungssperrfrist). 8) Sparbrief = Wachstumssparen für Einmalanlage mit steigendem Zins (1,25 bis 3,0%) und 3-monatiger Kündigungfrist. 9) Sparbrief = Termin bzw. Festgeld mit Laufzeit von einem bis 10 Jahre. 10) Die Laufzeit des Diakonie-Sparbriefs beträgt 10 Jahre, Gelder stehen für Projektfinanzierungen mit günstigem Zins (3 %) zur Verfügung. Regulärer Sparbrief auch mit 5 Jahren Laufzeit erhältlich. 11) Sparbrief = Jahresgeld bei der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen, Projektsparen = Solidaritätssparbrief (mit einer Laufzeit von 4 Jahren), Sparer verzichtet auf die Zinsen zugunsten der Projektarbeit. 12) Ausschließlich Erwerb von Genossenschaftsanteilen möglich, Verzinsung (seit 10 Jahren konstant) kann auch niedriger liegen oder entfallen, Anleger müssen Mitglied in einem der acht deutschen Förderkreise werden (11 bis 20 € Mitgiedsbeitrag pro Jahr); Rückgabe von Anteilen üblicherweise jederzeit mit Wochenfrist möglich. Oikocredit kann Rückgabe der Anteile aber bis zu 5 Jahre verzögern. 13) Das Sparbuch wird bei der Bank für Sozialwirtschaft, Essen, geführt. Die paritätische Geldberatung funktioniert nur als Vermittler. 14) Zinsen für Missionssparbrief werden mit der Steyler Mission geteilt: Die Hälfte der Zinsen fließt in Hilfsprojekte; Kunden können aber bei allen Geldanlagen einen Teil der Zinsen spenden, ansonsten Sparbrief = Festgeld ab 1 Jahr. Stand: 1.2.2010

Denn je strenger die Anlageziele, desto größer ist die Gefahr, auch mal daneben zu liegen. „Das muss man Anlegern nur transparent machen und Fehlgriffe dann sofort korrigieren“, meint Michael Sommer von der BiB.

Die wie die GLS-Bank anthroposophisch inspirierte Triodos-Bank hat mit so viel Transparenz keine Probleme. Das niederländische Institut, mit Niederlassungen in Belgien, Großbritannien und Spanien – und seit Dezember 2009 auch in Deutschland – gehört zu den Pionieren im nachhaltigen Banking und fördert bereits seit 30 Jahren grünes Unternehmertum aller Art. Transparenz gehört dabei zum Geschäft. Alle Kredite werden im Internet veröffentlicht. Erst im vergangenen Jahr wurde das Bankhaus, das sich mit 200.000 Kunden zugleich als Europas größte Nachhaltigkeitsbank bezeichnet, von der Financial Times unter 165 Instituten aus 42 Ländern zur „Sustainable Bank of the Year“ gewählt.

Als Direktbank will Triodos von Frankfurt aus nun den Sparkassen und Volksbanken in Deutschland Marktanteile streitig machen. Bislang können Privatkunden bei der Direktbank, die der niederländischen Einlagensicherung angehört, nur ein Tagesgeldkonto und einen Sparplan abschließen. Noch im laufenden Jahr soll die Produktpalette jedoch um Investmentfonds und um ein Girokonto erweitert werden. Die Alternativbank macht sich aber nicht nur für konsequent soziale und ökologische Geldanlagen stark. Zusammen mit elf der weltweit führenden nachhaltigen Banken, darun ter auch die GLS-Bank und die Alternative-Bank in der Schweiz, hat Triodos das neue internationale Bündnis „Global Alliance of Banking on Values“ gegründet, das Alternativen zu den krisengeschüttelten Finanzmärkten der Gegenwart entwickeln will.

Eine ethisch-ökologische Anlagepolitik und gute Ertrage sind kein Widerspruch. Allerdings streben grune Banken keine Gewinnmaximierung, sondern allenfalls Gewinnoptimierung an.


Foto: gunnar3000/Fotolia.com

Ganz anders dagegen die Noa-Bank. Die im November 2009 neu gegründete Direktbank verfolgt keine strengen ethisch-ökologischen Kriterien. Die „andere Bank“, wie sie sich gerne nennt, sieht ihre Aufgabe in der Stärkung der realen Wirtschaft und vergibt ausschließlich Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen. Dabei gehört es ausdrücklich zu ihrer Philosophie, Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen zu finanzieren, teilt sie auf Anfrage mit.

Die Noa-Bank gefällt sich vor allem in der Rolle des Angreifers, der etablierten Banken mit ihrem Geschäftsmodell und ordentlichen Renditen Konkurrenz macht. So lockt die Direktbank derzeit mit 2,2 Prozent Zinsen für Tagesgeld und bis zu 2,4 Prozent für Zwölf-Monats-Festgeld. Auch ein Girokonto hat die vom Belgier Francios Jozic gegründete Bank im Angebot.

Totale Transparenz gehört auch bei der Noa-Bank angeblich zum Geschäftsmodell. Kunden können selbst entscheiden, wo ihr Geld arbeiten soll. Zur Auswahl stehen die vier Themenkonten „Region“, „Planet“, „Leben“ und „Kultur“. Welche Unternehmen aus den Einlagen der Themenkonten Kredite erhalten, wird auf der Homepage veröffentlicht. Besonders informativ sind die bislang gebotenen Porträts der Kreditkunden aber nicht. So geht ein 1,8-Mio.-Euro-Kredit an die international tätige Brinkhoff-Gruppe, einen Personaldienstleister, der u.a.klassische Arbeitnehmerüberlassung betreibt. Wo -für der Kredit dient, aus welcher Region das Unternehmen stammt und warum ein international tätiges Unternehmen im Themenbereich „Region“ zu finden ist, erfahren Anleger nicht.

Manche Kunden sind seit 2004 dabei

Weitere 750.000 Millionen Euro hat der Trachtenhersteller Deiser angeblich im Januar 2010 erhalten. Der nutzt die Finanzierung der Noa-Bank nach eigenen Angaben aber schon seit Beginn 2004. Wie das möglich ist, verrät Jozic im Weblog: 2004 gründete er den Factoringdienstleister Quorum AG. Das jetzt in Noa Factoring AG umbenannte Unternehmen soll voll in die Noa-Bank integriert und alle Kunden, die zu den „Themenbereichen passen“, übernommen werden.

Das nährt den Verdacht, den Kritiker der Bank schon bei Gründung geäußert haben: Die (ehemalige) Quorum AG wolle sich mit Gründung der Noa-Bank eine Refinanzierungsquelle für ihr Factoringgeschäft erschließen. Das ist legitim, passt aber nicht so ganz zum Image des „social banking“, das die Bank auf ihren Websites und in Medien präsentiert. Außerdem ist das Factoringgeschäft nicht ohne Risiko: Auf diese Weise können sich Firmenkunden offene Rechnungen vorfinanzieren lassen (85 Prozent vom Rechnungsbetrag werden sofort zu fünf bis neun Prozent Zinsen an den Betrieb überwiesen, den Rest – abzüglich Spesen – gibt es, wenn die Forderung eingetrieben wurde).

Das muss Anleger der Noa-Bank nicht unbedingt stören: Das Institut unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung. Einlagen bis zu 50.000 Euro sind daher geschützt. Die Bank wirbt aber auch Genussrechtskapital ein („Werden Sie Citizen Partner“). Hier haftet der Anleger mit. Das will gut überlegt sein. Gut überlegen sollten Interessierte aber auch, ob und wie die Bank die versprochenen Zinsen dauerhaft erwirtschaften will. Bei Redaktionsschluss hatte die Noa-Bank bereits über 50 Millionen Euro an Einlagen eingesammelt. Doch nur 3,3 Millionen Eu ro waren bereits an Krediten vergeben. Im Weblog räumte Jozic selbst ein, die überschüssige Liquidität jetzt bei anderen Banken, darunter der GLS-Bank oder Triodos zu parken. Mit solchen Einlagegeschäften lassen sich die hohen Zinsen der Noa-Bank aber nicht dauerhaft finanzieren. Dabei hat das Institut Anfang Februar sogar die Festgeldzinsen erhöht. Längerfristige Zinsanlagen ermöglichen der Bank, „nützliche und längerfristige Projekte zu finanzieren“, schreibt Jozic im Webblog.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Barbara Sternberger-Frey

Öko-Banken

Anlagegrundsätze: Bank investiert nach ethisch-ökologischen Kriterien, Förderung von sozialen oder ökologischen Projekten im Bereich Energie, Umwelt, Bauen und Menschen. Anleger können wahlweise einen Teil ihres Zinsertrags für entsprechende Förderprojekte spenden.
Anlagekriterien: Mix aus 9 Positiv- und 5 Negativkriterien, Positivkriterien: C02-Reduzierung, Nutzung erneuerbarer Energie, Schutz baulicher und kultureller Werte, ökologischer Innenausbau, ökologische Außengestaltung, Förderung sozialer und ökologischer Projekte. Ausschlusskriterien: Herstellung und/ oder Vertrieb von Militärwaffen, gentechnisch verändertem Saatgut, Ozon zerstörenden Chemikalien, Besitz und Betrieb von Atomkraftwerken, Kinderarbeit.
Transparenz/Kontrolle: Ethik-Research, Veröffentlichung der eigenen Kapitalanlagen (Wertpapiere) auf Homepage; Kreditportfolio aber nur nach Segmenten.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 91,0 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge – Finanzierungen
Filialen/Bargeldversorgung: Direktbank (online und per Telefon). Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: keine CO2-Bilanz, aber Bezug von Öko-Strom für die gesamte Bank von den Elektrizitätswerken Schönau, Verwendung von Umweltpapier, Papiersparmaßnahmen.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: Keine detaillierteren Angaben zur Verwendung der Kredite; Prüfung Firmenkunden nur nach Branchenfilter zu oberflächlich; Anlage der Mittel bei Riester-Rente zusammen mit Volksbank Eisenberg, ob Anlagekriterien eingehalten werden, hier nicht überprüfbar.

Anlagegrundsätze: verantwortungsbewusster Umgang mit Geld, Bank investiert ausschließlich nach sozialen und ökologischen Kriterien und fördert Projekte im Bereich regenerative Energien, ökologische Landwirtschaft, Naturkost, freie Schulen, Kindergärten, gemeinschaftliches Wohnen.
Anlagekriterien: Mix aus Positiv- und Negativkriterien; Erstauswahl von Unternehmen, die unter ökologischen, sozialen oder kulturellen Gesichtspunkten Herausragendes leisten, Bewertung des Engagements nach Best-in-Class-Ansatz, weitere Filterung durch Negativkriterien wie: Alkohol, Atomenergie, Biozide, chlororganische Massenproduktion, Embryonenforschung, grüne Gen-Technik, Pornografie, Rüstung, Tabak, Arbeitsrechte, Kinderarbeit, Menschenrechte, Tierversuche, kontroverses Umweltverhalten, kontroverse Wirtschaftspraktiken.
Transparenz/Kontrolle: Vorauswahl durch ethisch-ökologische Ratingagentur (oekom-Research), Auswahl durch extern und intern besetzten Anlageausschuss, Offenlegung aller Eigenanlagen im Internet, Offenlegung, welche Kredite vergeben wurden (inkl. Verwendungszweck, Kreditnehmer etc.).
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 1.350 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Vermögensverwaltung – Altersvorsorge – Genussscheine
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filialen in Bochum, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Stuttgart, Berlin und München, Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der genossenschaftlichen Bankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: GLS-Bank wird jährlich SCC-zertifiziert und ist damit klimaneutral; sie hat einen eigenen Klimaschutzbeauftragten und arbeitet mit externen Beratern zusammen. Bisherige C02-Sparmaßnahmen: Bezug von 100 % Öko-Strom, Nutzung einer Photovoltaikanlage auf dem Gebäude des Hauptsitzes, Maßnahmen zur Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs im Bereich der Baumaßnahmen, Büroökologie bei Printprodukten und der Reisetätigkeit.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz vorbildlich; Anlageausschuss überwacht Einhaltung der Anlagegrundsätze.

Anlagegrundsätze: Kreditvergabe nur an kleine und mittelständische Unternehmen (vorwiegend Factoring), Kunde kann mitentscheiden, wo sein Geld arbeiten soll. Zur Auswahl stehen die Themenkonten Region, Planet, Leben und Kultur. Im Bereich Planet werden Unternehmen aus den Branchen erneuerbare Energien, Bio-Landwirtschaft, natürliche Lebensmittel, ökologische Bauwirtschaft und Umwelttechnologie finanziert.
Anlagekriterien: Kreditnehmer müssen zu einem der vier Themenkonten passen, dürfen maximal 500 Mitarbeiter und 100 Mio. Euro Jahresumsatz haben, weitere Filterung durch Negativkriterien: Herstellung und Vertrieb von Militärwaffen, Erzeugung von Atomenergie, Verwendung von Gen-Technik, Kinderarbeit, Verletzung von Menschenrechten, Belastung durch Korruptionsfälle.
Transparenz/Kontrolle: Offenlegung, welche Kredite vergeben wurden (keine kompletten Firmenangaben, kein konkreter Verwendungszweck).
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 17,0 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen
Filialen/Bargeldversorgung: Direktbank (online, per Telefon oder per Brief); kostenlos Bargeld an ca. 50.000 MasterCard-Automaten in Deutschland.
Einlagensicherung: Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH [EdB]), gesichert sind 50.000 € pro Konto/Sparer.
Umweltschutzaktivitäten der Bank: bislang nicht, mittelfristig geplant.
Anmerkungen: Markteintritt 07.11.2009; mittelfristig sollen Anleger auf der Website die Möglichkeit erhalten, über die Kreditvergabe abzustimmen.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz stark verbesserungsbedürftig: keine detaillierten Angaben zu Krediten (Adresse, Verwendungszweck, Click zur Website des Unternehmens); Einhaltung/Berücksichtigung Negativkriterien nicht überprüfbar; angesichts der aktuellen Relation (Einlagen/Kredite) fraglich, ob Kundengeld im gewählten Themenbereich angelegt wird.

Kompakt

Bankenalternativen

Wer nicht mit der gesamten Bankverbindung zu einem nachhaltigen Geldinstitut wechseln will, dem stehen weitere Geldanlagemoglichkeiten offen. Die Paritatische Geldberatung eG in Nordrhein-Westfalen vermittelt Anlegern zum Beispiel mundelsichere Sparanlagen oder ein Mietkautionsbuch. Die Konten werden bei der Bank fur Sozialwirtschaft gefuhrt, die sonst nur institutionellen Kunden offensteht. Diese ist Mitglied in der Sicherungseinrichtung der Volks- und Raiffeisenbanken. Das bedeutet: Kundeneinlagen sind zu 100 Prozent geschutzt.

Die Paritatische Geldberatung ist Mitglied des Paritatischen Wohlfahrtsverbandes und finanziert mit den Kundenanlagen soziale Einrichtungen und Projekte, die auf diese Weise gunstige Kredite erhalten, oft auch Mikrokredite. Das Einlagengeschaft wird on line oder per Telefon abgewickelt werden – und das Geld arbeitet zu marktublichen, aber bescheidenen Zinsen fur einen guten Zweck.

Scharia-konforme Banken

Im Marz will auch die erste islamische Bank in Deutschland ihre Pforten offnen. Die Kuveyt Turk Bank aus Istanbul wird in Mannheim eine Zweigstelle eroffnen und Anlagen anbieten, die die Vorschriften des islamischen Religionsgesetzes befolgen. Zu deren Grundsatzen gehort neben dem Zinsverbot auch, dass das Geld nicht in abstrakte Finanzgeschafte, sondern konkret in Unternehmen gesteckt werden soll. Zudem sind Negativkriterien zu beachten: Alkohol, Schweinefleisch, Rustung, Pornografie und Glucksspiel sind tabu. Damit verfolgen islamische Banken auch ein alternatives Geschaftsmodell. Sie arbeiten aber nicht nur nach religiosen Grundsatzen, sie wollen durchaus Gewinne machen. So gibt es korankonforme Techniken, die westliche Darlehen ersetzen: Wer zum Beispiel ein Haus oder Auto erwerben will und das Geld nicht bar zur Verfugung hat, geht zur Bank. Die zahlt dem Verkaufer den gewunschten Kaufpreis und verkauft es zu einem erhohten Preis, der in Raten abgestottert werden kann, an den Bankkunden weiter.

Öko-Banken

Anlagegrundsätze: Finanzierung von Unternehmen, Instituten und Projekten, die einen Beitrag zu Umwelt und Gesellschaft leisten bzw.sozialen oder kulturellen Mehrwert schaffen.
Anlagekriterien: Mix aus Positiv- und Negativkriterien. Positivkriterien: Anlagen u.a.im Bereich erneuerbarer Energien, ökologische Landwirtschaft, Naturkost, nachhaltige Immobilien, Umwelttechnologie, Kindergärten, Gesundheit, Social Business wie Fairtrade, Mikrofinanzierung. Ausschlusskriterien: umweltschädliche Stoffe und Produktionen, Kernenergie, Pelzindustrie, Pornografie, Tabak, Waffen, Korruption, Tierversuche, Gen-Technik, intensive, umweltschädliche Landwirtschaft, Zusammenarbeit mit Diktaturen, Verstöße gegen Gesetze, Umweltrecht, internationale Kodizes und Übereinkommen, Verstöße gegen Arbeitsrecht, Kinderarbeit, Zwangsarbeit.
Transparenz/Kontrolle: Veröffentlichung der vergebenen Kredite (inkl. Verwendungszweck, Kreditnehmer) im Internet; aber keine detaillierte Veröffentlichung der Eigenanlagen.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 2.679 (Stand 30.06.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto (ab 2010/2011) – Sparanlagen – Wertpapiere (ab Herbst 2010)
Filialen/Bargeldversorgung: Deutsche Niederlassung der niederländischen Triodos Bank, Direktbank (online und per Telefon). Bislang keine Bargeldversorgung, weil noch kein Girokonto.
Einlagensicherung: Einlagensicherung nach niederländischem Gesetz; gesichert sind Einlagen bis zum Wert von 100.000 Euro je Kunde.
Umweltschutzaktivitäten der Bank: Seit 2000 spezielles Umweltmanagementsystem, jährliche Veröffentlichung eines Umweltschutzreports im Rahmen des Geschäftsberichts. Rund 85 Prozent des Stromverbrauchs der Bank wurden bereits 2008 durch Öko-Strom gedeckt, an Maßnahmen zum energieeffizienten Transport gearbeitet, stärker mit Videokonferenzen experimentiert; der Wagenpark der Bank besteht aus Hybridfahrzeugen oder den energiesparendsten konventionellen Pkw; verbleidende CO2-Emissionen werden zu 100 Prozent kompensiert.
Anmerkungen: Markteintritt in Deutschland seit Dezember 2009, Hauptsitz in den Niederlanden, Filialen in Großbritannien, Belgien und Spanien (Europas größte Nachhaltigkeitsbank).
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine Offenlegung der Eigenanlagen.

Anlagegrundsätze: Ausschließlich Finanzierung von ökologischen Projekten aus den Bereichen erneuerbare Energien, umweltfreundliches Bauen, ökologische Landwirtschaft.
Anlagekriterien: Auswahl nach Positiv- und Negativkriterien. Positivkriterien: Energiesparmaßnahmen regenerative Energiegewinnung, dezentrale Energiegewinnung, Blockheizkraft, umweltfreundliches Bauen, ökologische Landwirtschaft und ökologische Forstwirtschaft, Kreislaufwirtschaft/Recycling, Schadstoffverringerung und -beseitigung, nachhaltige Wirtschaftsweise. Ausschlusskriterien: Großkraftwerke, Waffen oder Militärgüter, umweltschädliche Produkte oder Technologien, Nichteinhaltung von Umweltauflagen, sozial unverträgliche Projekte (z. B. Kinderarbeit), Gen-Technik in der Landwirtschaft, unfaire Geschäftspraktiken, z. B. Korruption, Menschenrechtsverletzungen.
Transparenz/Kontrolle: unabhängiger Umweltratund -beirat, externe Ratingagenturen (Scoris, Imug, oekom); Umweltbank gibt ökologische Produktgarantie (kontrolliert durch Umweltbeirat), aber keine Offenlegung des gesamten Kreditportfolios im Detail bzw.der Eigenanlagen.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 1.650 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge – Finanzierungen – Genussscheine
Filialen/Bargeldversorgung: Direktbank (online und per Telefon), keine Bargeldversorgung, da kein Girokonto.
Einlagensicherung: Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken), gesichert sind 50.000 Euro pro Konto/Sparer.
Umweltschutzaktivitäten der Bank: Die Umweltbank trägt einerseits durch Förderung von ausschließlich Umweltprojekten zum Klimaschutz bei (2008 wurden 1,6 Mio. Tonnen CO2 eingespart), achtet aber auch im Geschäftsbetrieb der Bank darauf. Maßnahmen sind zum Beispiel: Reduktion des Papierverbrauchs, Bevorzugung öffentlicher Verkehrsmittel, in Nürnberg Nutzung eines Solarmobils, 100 % Öko-Strom (Solar- und Windkraft) u.v.m.; jährlich ausführlicher Umweltbericht.
Anmerkungen: Für jeden Neukunden spendet die Umweltbank 5 Euro zur Unterstützung der Umweltstiftung WWF bei der Aufforstung von 5.000 Hektar Regenwald in Borneo.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine Offenlegung der Eigenanlagen, keine Offenlegung des Kreditportfolios im Detail, aber ökologische Produktgarantie und unabhängiger Beirat.

Anlagegrundsätze: Kundengelder werden nach den ethischen Grundsätze des Franziskanerordens und dem Frankfurt-Hohenheimer-Leitfaden investiert. Mit dem banküblichen Gewinn werden soziale Projekte des Franziskanerordens finanziert.
Anlagekriterien: Berücksichtigung der ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien des Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens, der Darmstädter Definition nachhaltiger Geldanlagen und denen der Bank für Orden und Mission (insgesamt 800 Kriterien zur Unternehmensbewertung und 200 Kriterien bei Länderbewertung). Darunter auch Ausschlusskriterien, wie Menschenrechtsverletzungen, Rüstungsgüter, Kinderarbeit, Drogen, Tierversuche, Korruption.
Transparenz/Kontrolle: Research durch externe Ratingagentur (oekom Research), Research-Unterstützung durch unabhängigen Beirat, Beirat der Bank für Orden und Mission überwacht Einhaltung und Auswahl der Kriterien.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 103,1 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Vermögensverwaltung – Altersvorsorge – Leidensausgleichszahlungen
Filialen/Bargeldversorgung: Zweigniederlassung der VR-Bank Untertaunus e.G., Direktbank (online und per Telefon), Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: keine
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine Offenlegung der Eigenanlagen und Kredite, aber vorbildlicher Nachhaltigkeitsfilter, unabhängiger Beirat.

Anlagegrundsätze: Kreditvergabe ausschließlich an im gemeinwohlorientierten, sozial-caritativen Bereich tätigen Institutionen sowie im Sektor Mikrofinanzierung. Anlagegrundsätze: Gerechtigkeit, Sozial-, Friedens-, Umwelt- und Generationenverträglichkeit.
Anlagekriterien: Positivkriterien: Förderung umweltschonender Produkte, Technologien, Energien und Verkehrssysteme, Investitionen in benachteiligte Bereiche und Länder zur Überwindung von Armut und Not, Wohnungsbau, vor allem für sozial Schwache und Benachteiligte, Unternehmen, die Frauenförderung oder Integration Behinderter als Ziel haben. Ausschlusskriterien: nukleare, chemische oder sonstige Waffen-, Gen-Forschung, Gen-Technik, Kosmetika auf Basis gesetzeswidriger Tierversuche, nicht artgerechte Massentierhaltung, Glücksspiel, Alkohol, Tabak oder sonstige Suchtmittel, Vermarktung von Sexualität, Unterdrückung/Diskriminierung aufgrund von Religion, Geschlecht, Herkunft etc., menschenunwürdige Arbeitsbedingungen im Hinblick auf ILO-Standards.
Transparenz/Kontrolle: Regelmäßige Veröffentlichung der Anlagen in der Kundenzeitschrift und im Geschäftsbericht.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 3993,9 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Vermögensverwaltung – Altersvorsorge – Finanzierungen – Versicherungen
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filiale in Essen, sonst Direktbank (online und per Telefon), Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: hauseigene Abteilung Nachhaltigkeit; im Geschäftsbericht und in der Kundenzeitschrift wird regelmäßig über das Umweltmanagement der Bank informiert. Bisherige Maßnahmen: Photovoltaikanlage auf dem Dach der Bank, Begrenzung des Schadstoffausstoßes bei Firmen-Pkw, Einsatz von gasbetriebenem Firmenfahrzeug, recyclingfähige Arbeitsmaterialien.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: keine detaillierte Offenlegung der Eigenanlagen, keine Gesamtübersicht aller finanzierten Projekte.

Anlagegrundsätze: Kreditvergabe nur an Kunden aus den Bereichen: Kirche, Diakonie, Caritas, freie Wohlfahrtspflege und deren Mitarbeiter. Dadurch Unterstützung der Einrichtungen des kirchlich-sozialen Bereichs bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Schwerpunkt: Projekte im sozialen Bereich.
Anlagekriterien: Berücksichtigung der synodalen Beschlüsse (ausschließlich ethische, ökologische, generationengerechte Geldanlagen). Ausschlusskriterien: keine Kredite außerhalb von Kirche und Caritas.
Transparenz/Kontrolle: Offenlegung der Anlagen im Geschäftsund Offenlegungsbericht, Bericht der EDG Stiftung.
Geöffnet für: Haupt-, nebenberuflich oder ehrenamtlich tätige Mitarbeiter von Kirche, Diakonie, Caritas oder freie Wohlfahrt.
Bilanzsumme in Mio. €: 4.100 (Stand 31.12.08)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Vermögensverwaltung – Altersvorsorge
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filialen in Kiel und Berlin, sonst Direktbank (online und per Telefon), Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der Volksund Raiffeisenbankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: Bezug von 100 % Öko-Strom, spezielles Umweltmanagement (u.a. Reduktion von Stromverbrauch, Abfalltrennung und zertifizierte Entsorgung, sparsamer Umgang mit Wasser und Papier, ökologische Verkehrsmittel).
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: keine detaillierte Offenlegung der Eigenanlagen und Kredite.

Kompakt

Fragen Sie Ihre Bank

Wer wissen will, ob seine Bank wirklich nachhaltig wirtschaftet, sollte ihr einfach ein paar Fragen stellen:

■ Was tun Sie fur den Umweltschutz?

■ Wie sieht die nachhaltige Geschaftspolitik Ihres Hauses aus, welche Kriterien wenden Sie an?

■ In welchen Projekten und Landern arbeitet mein Geld?

■ Welche ethischen, okologischen oder sozialen Produkte bieten Sie fur die Geldanlage, die Altersvorsorge etc.an?

■ Wie gehen Sie mit sozial Schwachen um. Gibt es ein Girokonto auf Guthabenbasis fur Arbeitslose oder Kunden mit schlechter Bonitat und geringem Einkommen? Bieten Sie Ihren Kreditkunden Hilfe bei Zahlungsproblemen an?

Wenn die Bank nicht antwortet, sollten Sie nachhaken oder notfalls das Institut wechseln. Das gilt auch, wenn die Anworten unbefriedigend ausfallen. Mittlerweile gibt es eine breite Palette von Alternativbanken, unter denen Sie wahlen konnen.

Wollen Sie Naheres uber Ihre Bank und moglicherweise dunkle Geschafte wissen, konnen Sie folgende unabhangige Websites nutzen:

■ www.banksecrets.eu

■ www.banktrack.org

Umfassende Informationen zur ethisch-okologischen Geldanlage, den Anlagekriterien, nachhaltigen Banken sowie Green-Washing-Tricks herkommlicher Institute etc.finden Sie zudem auf der Website www.your ethicalmoney.org, die von der internationalen Ratingagentur fur nachhaltige Geldanlagen EIRIS initiiert wurde.

Kirchliche Banken

Anlagegrundsätze: Schwerpunkt der Kreditvergabe an Kunden aus den Bereichen: Kirche, Caritas und Diakonie unter Berücksichtigung ethisch-ökologischer Ziele.
Anlagekriterien: Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Ziele, Ausschlusskriterien: Rüstungs- und Tabakindustrie, Förderung von Prostitution, 2010 soll Nachhaltigkeitsfilter mit Positiv- und Negativkriterien für Investitionen eingeführt werden (Kriterien sind bereits definiert, Filter befindet sich in Testphase).
Transparenz/Kontrolle: Offenlegung in Anlage zum Geschäftsbericht, Informationen in Kundenzeitschrift EKK-Forum, Kundeninformationsblatt in Vorbereitung.
Geöffnet für: Haupt-, neben- oder ehrenamtlich tätige Mitarbeiter von Kirche, Diakonie, Caritas oder freie Wohlfahrt.
Bilanzsumme in Mio. €: 4.200 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge – Finanzierungen – Versicherungen
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filialen in Kassel, Eisenach, Frankfurt a. M, Hannover, Karlsruhe, München, Nürnberg, Schwerin, Speyer, Stuttgart, Repräsentanz in Wien, Bargeld kostenlos an allen EKK-Geldautomaten sowie an ca. 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: Modernisierung der Heizungsanlage (Gas-Brennwertsysteme) in 2007; Installation von Photovoltaikanlagen auf Gebäude der EKK und Verwendung von ausschließlich nachhaltig produziertem Geschäftspapier seit 2009, 100 % Öko-Strom ab 2010; gesamtbankweites Projekt EKK-MehrWert sowie weitere Energiesparmaßnahmen, Job-Ticket-Angebote etc.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine detaillierte Offenlegung der Eigenanlagen bzw.der vergebenen Kredite; Nachhaltigkeitsfilter erst geplant.

Anlagegrundsätze: Kreditvergabe schwerpunktmäßig für gemeinnützige Projekte kirchlicher und diakonischer Kunden, Schwerpunkt auf sozialen Projekten, wie Altenheime, Einrichtungen für Behinderte, Kindergärten, Krankenhäuser.
Anlagekriterien: laut Satzung ausschließlich Investitionen in gemeinnützig agierende, kirchliche und diakonische Projekte, Beteiligung der Bank an Oikocredit und internationalem Mikrofinanzfonds, Mikrokredite an diakonische Kunden, für Wertpapieranlagen: KD-Bank-Nachhaltigkeitsfilter (entwickelt mit Südwind Institut), Filter kombiniert Best-In-Class-Ansatz mit Ausschlusskriterien wie Alkohol, Atomenergie, Embryonenforschung, grüne Gen-Technik, Pornografie, Rüstung, Verstöße gegen ILO-Deklaration (Zwangsarbeit, Diskriminierung etc.); Kinderarbeit, Tabak, Verstöße gegen Menschenrechte, Tierversuch, kontroverses Umweltverhalten etc.
Transparenz/Kontrolle: Research durch externe Ratingagentur (oekom research); Kontrolle des Nachhaltigkeitsfilters jährlich durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Veröffentlichung von beispielhaften Projekten im Geschäftsbericht.
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 4.200 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge – Finanzierungen
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filialen in Dortmund, Duisburg, Berlin, Magdeburg, Münster, Erfurt, sonst Direktbank (online und per Telefon), Bargeld kostenlos an ca. 18.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbankengruppe.
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: zertifiziertes Umweltmanagement nach EMAS 2, u.a.klimaneutraler Versand von Briefen, Abfalltrennung, LED-Leuchtmittel etc.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine detaillierte Offenlegung der Eigenanlage, keine Gesamtübersicht der vergebenen Kredite im Detail.

Anlagegrundsätze: Kredite dienen schwerpunktmäßig kirchlichen und diakonischen Zwecken, Ausnahme: private Baufinanzierungen.
Anlagekriterien: Einführung eines Nachhaltigkeitsfilters geplant, spezielle Fördersparbriefe für soziale Projekte.
Transparenz/Kontrolle: Veröffentlichung von beispielhaften Projekten im Geschäftsbericht.
Geöffnet für: jedes Mitglied einer christlichen Kirche.
Bilanzsumme in Mio. €: 442,0 (Stand 31.12.08)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge – Finanzierungen
Filialen/ Bargeldversorgung: Vollbank mit Filiale in Dresden, Direktbank (online und per Telefon); LKG übernimmt Gebühren bei Nutzung der Geldautomaten innerhalb des Bankcard-Servicenetzes (Volks- und Raiffeinsenbanken)
Einlagensicherung: Institutssicherung durch Sicherungseinrichtung des Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeissenbanken (BVR).
Umweltschutzaktivitäten der Bank: bislang noch kein systematisches Umweltmanagement.
Anmerkungen: Verschmelzung mit KD-Bank geplant.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: bislang keine detaillierte Offenlegung der Eigenanlagen bzw.der vergebenen Kredite; Nachhaltigkeitsfilter erst geplant.

Anlagegrundsätze: Oikocredit vergibt weltweit Kredite an Genossenschaften, Mikrofinanzinstitutionen und Fairtrade-Organisationen, vorwiegend in Entwicklungsländern.
Anlagekriterien: Positivkriterien: Nutzen für Benachteiligte und die Region, breite Nutzenverteilung, maßgebliche Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen, positive Auswirkung auf Umwelt-, Tier- und Artenschutz, Fairtrade; Ausschlusskriterien: Waffen-, Alkoholproduktion (exkl. Wein), Massentierhaltung, Lebendtierexporte. Beachtung von Transparenzkriterien: keine missbräuchliche Schuldeneintreibung, keine Korruption, Datenschutz, Kredite dürfen nicht zu Überschuldung führen etc.
Transparenz/Kontrolle: Veröffentlichung der Liste aller Kreditnehmer im Geschäftsbericht; Prüfung vor Ort durch Besuche, Projektprüfung vor Kreditvergabe durch Department oft Credit Analysis und Social Performance auf Schlüssigkeit und Einhaltung sozialer (und finanzieller) Kriterien.
Geöffnet für: alle über Genossenschaftsanteile
Bilanzsumme in Mio. €: 475,8 (Stand 31.12.08)
Produktangebot für Privatkunden: – keine Bankprodukte, Anleger können sich über Genossenschaftsanteile an der ökomenischen Entwicklungsgenossenschaft beteiligen.
Filialen/Bargeldversorgung: keine Bank
Einlagensicherung: keine
Umweltschutzaktivitäten der Bank: bisher kein spezielles Umweltmanagement, aber Projekte werden auf Umweltkriterien geprüft, Informationssystem zur Umweltbilanz ist im Aufbau.
Anmerkungen: Anleger beteiligen sich an Kreditgenossenschaft niederländischen Rechts, Genossenschaftsanteile haben in den bisherigen 30 Jahren seit Bestehen noch nie Verluste erlitten.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz gut, Projektdatenbank im Internet, Infos bisweilen sehr knapp.

Anlagegrundsätze: Geldanlage vor allem nach ethischen, aber auch ökologischen und sozialen Kriterien. Bankgewinn fließt direkt in Hilfsprojekte der Steyler Missionare, die wiederum auch Mikrokredite vergeben. Bankkunden können Teile ihres Zinsertrags den Missionaren spenden.
Anlagekriterien: Geldanlage nach den Kriterien Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung und Sicherheit, Wertpapieranlagen nach Nachhaltigkeitskriterien, entwickelt mit den Moraltheologen der Steyler Hochschule (Verdichtung der 850 Einzelkriterien des „Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens“auf 200 Positivkriterien, davon 100 Umweltkriterien, der Rest sozial- und Kulturratingkriterien), Angebot spezieller Mikrofinanzfonds. Ausschlusskriterien: Medikamente zur Abtreibung, Krankenhäuser, die Abtreibung vornehmen, Alkohol/Drogen/ Tabak, Verstöße gegen ILO-Konventionen, Atomenergie, Biozide, chlororganische Massenprodukte, Embryonenforschung, Glücksspiel, grüne Gen-Technik, Kinderarbeit, kontroverses Umweltverhalten, Korruption etc., Verletzung der Menschenrechte, Pornografie, Rüstungsgüter/Massenvernichtungswaffen, Tierversuche.
Transparenz/Kontrolle: Research durch externe Ratingagentur (oekom Research), Bericht über die Verwendung des Bankgewinns im jährlichen Geschäftsbericht sowie in der KundenzeitschriftMitteilen
Geöffnet für: alle
Bilanzsumme in Mio. €: 295,4 (Stand 31.12.09)
Produktangebot für Privatkunden: – Girokonto – Sparanlagen – Wertpapiere – Altersvorsorge
Filialen/Bargeldversorgung: Vollbank mit Filiale in Sankt Augustin und Mödling (Österreich), sonst Direktbank (online und per Telefon). Bargeld kostenlos an den Geldautomaten des Cash-Pools sowie an den Automaten der Steyler Bank.
Einlagensicherung: Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken e.V.; Kundeneinlagen daher in Millionenhöhe abgesichert.
Umweltschutzaktivitäten der Bank: Ethikbeirat, der sich ebenso wie die Geschäftsleitung um Umweltmanagement der Bank kümmert. Bisherige Maßnahmen: Erneuerung der Heizanlage (Pellets), Verwendung umweltfreundlicher Büromaterialien und Werbemittel.
Anmerkungen: Steyler Bank ist Mitglied im Verein „Corporate Responsibility Interface Center“ (CRIC) und investiert nicht nur nach den ethisch-ökologischen Kriterien des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens, sondern setzt sich auch zur Förderung des ethischen Investments ein.
ÖKO-TEST-Kommentar: Transparenz verbesserungsbedürftig: keine detaillierte Veröffentlichung der Eigenanlagen und Kredite, aber vorbildlicher Nachhaltigkeitsfilter.