Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

ÜBERSICHT PORTIONSGRÖSSEN: GESUNDGESCHUMMELT


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 31.08.2017

Haben Sie schon einmal versucht, 0,47 Croissants zu essen? Oder waren Sie jemals nach einem Hackbällchen satt? Portionsangaben haben mit realen Essgewohnheiten oft wenig gemein. Wir haben 33 Portionsgrößen angeschaut: Sie sind unrealistisch klein, nicht praktikabel oder ergeben schlicht keinen Sinn.


Artikelbild für den Artikel "ÜBERSICHT PORTIONSGRÖSSEN: GESUNDGESCHUMMELT" aus der Ausgabe 9/2017 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2017

„30 Gramm Chips sind eine Portion? Ich muss so lachen, dass mir sogleich drei Portionen Chips aus dem Mund fallen.“ Spruchbilder mit Aussagen wie diesen laufen gut in den sozialen Medien. Da werden sie gelikt, geteilt, kommentiert und verlinkt. Einfach, weil sie lustig sind und sich dahinter ein wahrer Kern ...

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2017 von LESERBRIEFE: SCHREIBEN SIE UNS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE: SCHREIBEN SIE UNS
Titelbild der Ausgabe 9/2017 von NACHWIRKUNGEN // WAS UNSERE TESTS BEWIRKT HABEN: NACHWIRKUNGEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHWIRKUNGEN // WAS UNSERE TESTS BEWIRKT HABEN: NACHWIRKUNGEN
Titelbild der Ausgabe 9/2017 von MELDUNGEN: ZAHL DES MONATS: 13,6 MILLIARDEN KUBIKMETER WASSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MELDUNGEN: ZAHL DES MONATS: 13,6 MILLIARDEN KUBIKMETER WASSER
Titelbild der Ausgabe 9/2017 von TEST MÜSLIS: LOCKER-FLOCKIG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST MÜSLIS: LOCKER-FLOCKIG
Titelbild der Ausgabe 9/2017 von MELDUNGEN: ZAHL DES MONATS: 363.143 FUSSBALLFELDER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MELDUNGEN: ZAHL DES MONATS: 363.143 FUSSBALLFELDER
Titelbild der Ausgabe 9/2017 von TEST CALCIUM-VITAMIN-D-MITTEL: ANGEKNACKST. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST CALCIUM-VITAMIN-D-MITTEL: ANGEKNACKST
Vorheriger Artikel
MELDUNGEN: ZAHL DES MONATS: 13,6 MILLIARDEN KUBIKMETER WASSER
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST MÜSLIS: LOCKER-FLOCKIG
aus dieser Ausgabe

„30 Gramm Chips sind eine Portion? Ich muss so lachen, dass mir sogleich drei Portionen Chips aus dem Mund fallen.“ Spruchbilder mit Aussagen wie diesen laufen gut in den sozialen Medien. Da werden sie gelikt, geteilt, kommentiert und verlinkt. Einfach, weil sie lustig sind und sich dahinter ein wahrer Kern verbirgt. Denn Angaben zu Portionsgrößen auf Lebensmitteln stimmen häufig nicht mit den tatsächlichen Essgewohnheiten überein.
So hat auch eine bundesweite Befragung der Verbraucherzentralen ergeben, dass meist mehr als doppelt so viel Müsli oder Chips verzehrt werden wie auf der Verpackung als Portionsgröße empfohlen wird. Um den Kaloriengehalt von Chips zu entzaubern, ist tatsächlich schon ein erster Schritt getan: Seit Ende des vergangenen Jahres müssen Hersteller in Tabellenform die „Big 7“, also den Brennwert und die Gehalte an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz bezogen auf 100 Gramm oder Milliliter angeben.
Ärgerlich bleibt: Von den Herstellern eigens festgelegte Portionsgrößen sind weiterhin erlaubt. Das führt dann dazu, dass Hersteller prominent auf der Vorderseite der Verpackung schreiben, wie niedrig doch der Energie-, Fett-und Zuckergehalt ihres Produktes ist. Der Haken:


Eine Lebensmittelampel bietet den Verbrauchern eine schnelle Einschätzung des Nährstoffgehalts.


Die Angaben beziehen sich auf die frei gewählte Portionsgröße, und die ist oftmals unrealistisch klein. Für den Verbraucher ist so kaum einzuschätzen, wie kalorienhaltig das Lebensmittel wirklich ist.
Eine Lösung, die dem Konsumenten eine schnelle Einschätzung des Nährstoffgehalts eines Lebensmittels bietet, gibt es schon: die Lebensmittel-Ampel. In Großbritannien ist das Konzept seit mehr als zehn Jahren umgesetzt. Auch ÖKO-TEST befürwortet diese Kennzeichnung. An den Farben Grün, Gelb und Rot erkennen Verbraucher, ob sie das jeweilige Produkt reichlich, in Maßen oder eher selten ver-zehren sollten. Rot steht dort für verarbeitete Lebensmittel mit einem Fettgehalt von mehr als 17,5 Gramm oder einem Zuckergehalt von mehr als 22,5 Gramm pro 100 Gramm. Das EU-Parlament und die Bundesregierung lehnen die Ampel jedoch nach wie vor ab und geben damit dem Druck der Lebensmittellobby nach. Doch es wird trotzdem bunt. So haben sechs Lebensmittelhersteller, darunter Nestlé und Coca-Cola, die Ampel als ein gutes Marketinginstrument für ihre Zwecke entdeckt und angekündigt, künftig die Ampelfarben für den Fett-, Zucker-, Salz-und Kaloriengehalt abbilden zu wollen -allerdings nicht bezogen auf eine Vergleichsgröße von 100 Gramm oder 100 Milliliter. Sondern auf eben die beschriebene, frei definierte Portionsgröße. Effekt siehe oben.

Unrealistisch. Nur sechs Prozent der täglichen Referenzmenge für Fett mit einer Portion abgedeckt? Nicht schlecht. Nur hat man dann erst einJa! Frikadellen-Bällchen gegessen. 250 Gramm, also die Hälfte der Rewe-Bällchen, schöpfen mehr als 75 Prozent aus.


ÖK0 TEST

„Der einzige Sinn, den Portionsgrößenangaben auf Verpackungen haben: mit deren Absurdität bei Kollegen und Freunden für Unterhaltung zu sorgen.“

Sarah Jehle, Ernährungswissenschaftlerin und ÖKO-TEST-Redakteurin, schmiert sich gleich mehrere Portionen Nutella aufs Brot.


Wir haben daher einmal genauer auf das Klein-und Großgedruckte auf den Lebensmittelverpackungen geschaut und wissen eigentlich nicht, ob wir über die Dreistigkeit der Hersteller lachen oder verzweifeln sollen. 33 Beispiele:mit verschiedenen Tricks, die Kaloriengehalte kleinzurechnen. Sei es mit unrealistisch kleinen Portionsgrößen oder mit Angaben von Referenzmengen für Erwachsene auf Kinderprodukten. Mehr als die Hälfte der Testprodukte weist gleich mehrere Unsinnigkeiten auf.
Unrealistisch. Wie wäre es mit drei Miniwürstchen? Oder einem Keks? Oder zehn Gramm Leberwurst hauchdünn aufs Brot geschmiert? Ja, wir sind schon genügsam, könnte man meinen, wenn man einen Blick auf die Portionsangaben auf den Verpackungen wirft. Und figurbewusst! Nur 37 Kilokalorien hat schließlich die angegebene Keksportion und schöpft damit nur 1,8 Prozent des Tagesenergiebedarfs eines durchschnittlichen Erwachsenen aus. Abnehmen dankHavre Flarn Hafertalern. Man muss sich nur zu beherrschen wissen. Schafft man das, reicht die Packung immerhin für 80 Tage.
Unpraktikabel. 30Haribo Anaconda Riesenschlangen in der Verpackung macht 30 Portionen? Falsch. Wenn es nach Haribo geht, sind Kinder schon froh, wenn sie nur zwei Drittel der Süßigkeit essen. Genau gesagt ist für Haribo 0,63 Riesenschlange eine Portion. So richtig fällt uns dazu nichts ein. Leider ist das kein Ausreißer.

Unlogisch. Gleiches Gewicht, gleiche Größe: Trotzdem gibt Nestlé auf den Verpackungen der beiden KitKat-Riegel zwei sehr unterschiedliche Portionsgrößen an.


Denn bei denHaribo Saft Goldbären Mini entspricht eine Portion in etwa 1,59 Tütchen. Haribo steht allerdings nicht allein da. Chipita möchte, dass wir 0,47 Croissants essen. Und wenn es nach Quorn geht, ist nach 4,7 Hackbällchen Schluss.


Mit mickrigen Portionsangaben lassen sich Kalorien-, Fett-und Zuckergehalte schön kleinrechnen.


Unvernünftig. Bunte Drachen, süße Schlümpfe, kleines Bärchen: Hersteller wollen schon mit der Aufmachung ihrer Produkte die Aufmerksamkeit von Kindern erregen. Neben dem Regenbogen-Einhorn prangt auf denKellogg’s Unicorn Froot Loops dann auch sogleich die Angabe: „30 Gramm enthalten 117 Kilokalorien“. Etwas größer darunter steht: „Das entspricht sechs Prozent“ -und jetzt ist bald eine Lupe nötig -„der Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen.“ Isst also ein Erwachsener die quietschpinken Zuckerflakes, deckt er mit 30 Gramm sechs Prozent seines Energietagesbedarfs. Wem nützt diese Angabe? Möchten Hersteller die Referenzmenge angeben, ist es Vorschrift, diese auf einen Tagesbedarf von 2.000 Kilokalorien zu beziehen. Auf Produkten, die besonders Kinder ansprechen sollen, ist das aber irreführend. Deshalb: einfach weglassen.
Unlogisch. Beispiel KtKat-Riegel. Die Aufmachung derKitKat Chunky White und derKitKat Chunky Milk & Cocoa ist nahezu die gleiche, Gewicht und Größe stimmen überein. Trotzdem scheint sich Nestlé nicht sicher zu sein, wie viel man von seinen Riegeln essen sollte. EinKit-Kat Chunky White-Riegel wiegt 40 Gramm. Portionsgröße? 40 Gramm. So weit, so gut. Aber obwohl dasKitKat Chunky Milk & Cocoa sogar etwas weniger Kalorien hat, ist die Portionsgröße mit 13,3 Gramm angegeben. Dieser 40-Gramm-Riegel enthält also ganze drei Portionen. Kopfschütteln hinterlassen auch die Portionsgrößen auf derWagner Die Backfrische Salami Pizza und derWagner Big Pizza Texas, ebenfalls aus dem Haus Nestlé. Nicht die ganze Pizza verspeist der Verbraucher laut Verpackung, sondern von Ersterer nur die Hälfte, von Letzterer sogar nur ein Drittel. Was gibt es dann als Hauptspeise?
Unfair. Keine Panik, wenn sich einmal viele Gäste zum Kaffee ankündigen. Immerhin stecken in denMilka Mini Muffins zum Backen 16 Portionen. Dann bekommt jeder einen Minimuffin â 23 Gramm und Sie nie mehr Besuch zum Kaffee. Gerade mal 108 kcal hat eine Portion. Die Kalorienangabe geht aber so oder so nicht auf, wenn Sie zum Beispiel Vollmilch und Butter zum Anrühren der Muffins verwenden. Den Energiegehalt auf der Vorderseite der Verpackung hat der Hersteller nämlich mit fettarmer Milch und Margarine berechnet. Auch Dr. Oetker geht davon aus, dass der Verbraucher für die Zubereitung seiner Cremes ausschließlich fettarme Milch verwendet. Oder aber, und das unterstellen wir mal ganz dreist, der geringere Fettgehalt macht sich einfach besser in der Berechnung der Energiebilanz.
Unsinnig. Bei der nicht wiederverschließbarenReal Quality Haltbare Milch 1,5 % Fett -ausgelobt als „praktisch für unterwegs“ und mit Strohhalm versehen -ent spricht die Portionsangabe nur der Hälfte des Trinkpäckchens. Was soll man mit den restlichen 250 ml anstellen? Mit Tesa wieder zukleben? Das gleiche Schicksal droht auch der Verpackung vonPennys Schoko Drink aus fettarmer Milch. Während von diesen beiden Produkten aber immerhin noch zwei Personen schlürfen sollen, wird bei derHopster Limo selbst das gerechte Aufteilen der 0,33 Liter schwierig. 250 Milliliter, laut Hersteller eine Portion, bekommt der eine -für den anderen bleiben dann nur noch 80 Milliliter. Wieder einen Freund weniger.
Unerhört. „Fruchtsaft und Vitamine“ oder „Calcium + Vitamin D“ sticht bei denNimm 2 Lachgummis und denDanone Fruchtzwergen sofort ins Auge. Dass Hersteller auf offensichtlich süßen Lebensmitteln -mehr als 50 Prozent Zucker stecken in den Fruchtgummis -mit dem Zusatz von Vitaminen werben dürfen, ist problematisch genug. Storck und Danone sind aber noch dreister. Wenn es darum geht, darzustellen, wie viel Prozent der Tagesreferenzmenge man an Kalorien durch das Produkt aufnimmt, rechnen sie mit der selbst festgelegten Portionsgröße von 10,5 beziehungsweise 50 Gramm.

Unpraktikabel. Es könnte so einfach sein: ein Croissant gleich eine Portion. Chipita macht es aber lieber kompliziert. Die Nährwerte geben sie pro 0,47 Croissants an.


Möchten die beiden Hersteller jedoch mit den hohen Gehalten an Vitaminen punkten, legen sie ihrer Berechnung 100 Gramm zugrunde.

Unklar. „Nur Milch zugeben und schütteln!“ steht auf der Verpackungsvorderseite desMondamin Pfannkuchen Teig-Mix. Fünf Portionen, also fünf Pfannkuchen,
ergeben sich dann daraus. In den Zubereitungshinweisen ist von fettarmer Milch die Rede, zum Backen landen Margarine oder Öl in der Pfanne. Aber was davon fließt in die Nährwertberechnung mit ein? Diese Angabe bleibt uns Mondamin schuldig.
Unmöglich. Hersteller müssen, wenn sie eine Portionsgröße angeben möchten,
auch deklarieren, wie viele Portionen insgesamt enthalten sind. Ziel soll es sein, dem Verbraucher dadurch Orientierung zu geben. Schwierige Aufgabe für den Anbieter derGarden Gourmet Vegetarische Gemüsebällchen. Fünf Bällchen sollen eine Portion sein, in der Verpackung stecken 14 Bällchen. Die reicht dann für - 2+.

SO HABEN WIR GETESTET

Unsinnige Portionsangaben wie diese haben wir in den Regalen der Supermärkte und Discounter häufig entdeckt.


Der Einkauf
Ein Drittel Schokoriegel? Eine halbe Pizza? 4,7 Hackbällchen? Portionsangaben von Herstellern sind häufig nicht nur unrealistisch klein, sondern auch unpraktikabel. Unser Einkäufer hat sich auf die Suche nach Kuriosem gemacht und wurde schnell fündig. Vor allem Süßes und Fettiges landete dabei im Einkaufswagen. Denn hier versuchen die Hersteller ihre Produkte mit abwegigen Portionsgrößen gesundzutricksen.

Die Deklaration
Tagesreferenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen auf einem offensichtlichen Kinderprodukt angegeben? Portionsgrößen, die schon rein rechnerisch nicht aufgehen? Wir haben die Angaben der Hersteller genau geprüft.

Die Bewertung
Wir haben die Produkte nicht ins Labor geschickt, so können wir keine Angaben ma chen, wie es mit der Schadstoffbelastung der Produkte bestellt ist. Daher haben wir kein Gesamturteil vergeben. Denn in diesem Test ging es uns allein darum, die Deklarationsmaschen der Anbieter aufzudecken. Einen Überblick darüber haben wir in der Zeile „So tricksen die Hersteller“ zusammengefasst.


Foto: imago/Westend61

Foto: Anja Wägele

Foto: ÖKO-TEST