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ÜBERSICHT SMART HOME VERSICHERN: SMART HOME KLUG VERSICHERN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 28.02.2019

Das Haus wird intelligent. Smart-Home-Geräte steuern und sichern künftig die eigenen vier Wände. Die Versicherer wittern ein neues Geschäftsmodell. ÖKO-TEST hat sich die Angebote genau angeschaut.


Artikelbild für den Artikel "ÜBERSICHT SMART HOME VERSICHERN: SMART HOME KLUG VERSICHERN" aus der Ausgabe 3/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: cherry7966/getty images

ÖKO-TEST RÄT

▶ Der Smart-Home-Anlagenkauf sollte nicht von einer Versicherung abhängig gemacht werden.

▶ Smart-Home-Geräte sind in der Hausrat- und Wohngebäudepolice mitversichert.

▶ Kombipolicen sind oft teuer. Verbraucher sollten prüfen, welchen Schutz sie wirklich benötigen.

Die schöne neue Welt: Das Haus denkt, und das Haus lenkt. Und dessen Besitzer haben noch mehr Zeit, um auf ein ...

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... Display zu schauen? Im Ernst: Im Zukunftsmarkt Smart Home wollen Gerätehersteller und Versicherer kooperieren. Die einen versprechen sich so mehr Absatz, die anderen mehr Sicherheit und neue Kunden. Noch befinden sich die meisten Angebote im Pilotstatus. Einen Standard sucht man vergebens.

Wie die schöne neue Welt aussehen wird, präsentiert Amazon. Die junge Businessfrau wird mitten aus dem stressigen Job gerissen, als sich die Eltern per Smartphonenachricht zum Geburtstag der Mutter ankündigen. Termin verpasst? Kein Problem! Per Amazon Prime wird sofort ein Geschenk geordert und gleichzeitig, weil es eine Wohnungsbesichtigung geben soll, eine Putzkolonne beauftragt. Die erscheint in Windeseile und öffnet über den übermittelten App-Code die elektronische Tür, reinigt die Wohnung und verabschiedet sich mit einem Wink in die smarte Kamera. Wenig später kommt der Lieferdienst, der ebenfalls die Tür öffnen kann und so das vergessene Geburtstaggeschenk liefert. Auch hier kann die erfolgte Lieferung per Video auf dem Handy beobachtet werden. Das Smart-Home-System Key können Prime-Kunden in den USA schon in 37 Metropolregionen nutzen. Und: Amazon gibt eine „Garantie für den Schlüssel zum Glück“. Es handelt sich um eine Versicherung, die beispielsweise leistet, wenn das Eigentum als Folge der Lieferung beschädigt wurde.

Während es Amazon Key noch nicht in Deutschland gibt, sind die deutschen Versicherungen schon aktiv. Derzeit gibt es zehn Assekuranzen, die mit einem Smart-Home-Partner kooperieren. Zusätzlich könnte die Kölner DEVK einsteigen. Sie verhandelt gerade mit den Anbietern. Doch scheinbar ist der Markt schwierig. Die Global Assistance, Servicetochter des Münchener Versicherungsriesen Allianz, hat Ende 2018 die Kooperation mit der japanischen Panasonic überraschend eingestellt. Dabei wirbt der Technologiekonzern damit, wie man in wenigen Minuten sein Haus intelligent und sicherer machen kann. Scheinbar kam die Kooperation mit dem Schutzbrief der Allianz, der bei Alarm für Sicherung und Kontrolle bei Einbruch, Glasbruch oder Überschwemmung sorgt, nicht an. Immerhin kostete der Service 100 Euro pro Jahr. Man habe das


Zehn Assekuranzen bieten Smart-Home-Kombischutz.


„Testfeld“ nach Auswertung der Kundenresonanz nicht weitergeführt, so der Versicherer.

Dabei ist das Thema Smart Home längst im Bewusstsein vieler interessierter Verbraucher angekommen, behauptet der Marktforscher Yougov aus Köln auf Basis eine Umfrage aus dem Jahr 2017. Mit 56 Prozent informiert sich mehr als jeder zweite Verbraucher über das Internet zum Smart Home, an zweiter Stelle stehen gleichauf mit je 37 Prozent fachkundige Bekannte sowie Fachhändler. Etwas abgeschlagen sind Elektriker mit 29 Prozent. Versicherungen kommen in der Umfrage unter 2.000 Erwachsenen in keiner Weise vor. Da überrascht es dann, wenn der Smart-Home-Hersteller Devolo und die Generali-Versicherung 2018 herausfinden, dass 40 Prozent der Kunden es „sehr interessant oder interessant“ finden, wenn ihre Versicherung die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung mit Smart Home verknüpfen würde, um das Zuhause noch besser zu schützen. Anscheinend kommt es auf die Fragestellung an. „Mit unserer Smart-Insurance-Offensive … steigen zugleich Komfort und Sicherheit der eigenen vier Wände“, sagt Ulrich Rieger, Chief Insurance Officer der Generali-Versicherung. Etwas deutlicher wird ein ehemaliger Versicherungsexperte, der heute bei einem Smart-Home-Hersteller arbeitet. Eine Imagesteigerung und die optimierte Schadenregulierung mit geringeren Kosten seien die eigentlichen Impulse der Kooperationen. Zudem haben die Versicherer seit Jahren ein Handwerkernetz aufgebaut. Es kann nun besser aktiv werden, um die Schäden, die frühzeitig und automatisiert gemeldet werden, sofort zu beheben.

Das alles muss nicht zum Nachteil der Kunden sein. Denn es ist durchaus unangenehm, wenn Wasserschäden erst lange Zeit die Wände ruinieren, bis sie entdeckt werden. Dann sind eine aufwendige Sanierung und hohe Belastung für den Privathaushalt unvermeidbar. Auch abgeschreckte Einbrecher sind ein Segen. Denn wer Opfer eines Einbruchs wird, fühlt sich oft in den eigenen vier Wänden nicht mehr recht wohl. Doch muss dafür unbedingt mit der Versicherung kooperiert werden? Ähnlich wie bei Telematiktarifen in der Autoversicherung, wo es heute für die Weitergabe der Daten Nachlässe gibt, könnte irgendwann das Pendel umschlagen: Wer dann keine Daten preisgibt, muss mehr bezahlen. Wer also ständig auf Reisen ist und sein Haus allein lässt, müsste mit einem höheren Tarif rechnen. Bei verwaisten Häuser steigt das Einbruchsrisiko. Doch genau hier wenden Kritiker ein, dass ein Smart Home risikomindernd wirkt, etwa mit einer täuschend echt wirkenden Anwesenheitssimulation durch Licht sowie auf- und zufahrende Rollläden.

Die Marktanalyse von ÖKO-TEST in Sachen Kooperation und Smart-Home-Versicherung zeigt: Einen Standard gibt es noch nicht. Die neue Art der Kombiversicherung steckt noch in den Kinderschuhen. Viele Kooperationen sind zeitlich oder räumlich begrenzt.


Standard? Fehlanzeige! Viele Angebote stecken in der Pilotphase.


Andere sind, wie das Angebot der Versicherungskammer Bayern, erst in der Pilotphase. Nicht alle Assekuranzen lassen sich zudem voll in die Karten schauen; schon hier sollten Verbraucher skeptisch sein.

Überwiegend haben die Versicherungen mit den Herstellern von Smart-Home-Anlagen einen Nachlass für den Kauf der Anlage vereinbart. So kostet etwa das Abus Smartvest Funkalarm Basis-Set mit Sirene laut Internetrecherche knapp 480 Euro. Das System besteht unter anderem aus einer Zentraleinheit, Bewegungsmeldern, Öffnungsmeldern für Türen und Fenster sowie Kameras. Kunden, die bei der Gothaer Versicherung in Köln eine Hausrat- oder Wohngebäudepolice abschließen, erhalten die Abus-Anlage für 325 Euro, also über 30 Prozent günstiger. Die Bayerische finanziert die Smart-Home- Anlage zinsfrei und rabattiert zudem die Policen. Super sparen kann der Kunde auch, wenn er über die Axa-Versicherung den Wasserwächter Safe-T der Firma SYR einbauen lässt. Der Vorteil beträgt nach regulären Preisen inklusive Einbau fast 700 Euro. Nutzen können dies aber bisher nur Kunden in NRW, dem Saarland und großen Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen. Dies zeigt: Noch immer sind viele Versicherer am Experimentieren. Das Angebot der Cosmos Direkt soll nach derzeitigem Stand sogar am 28. Februar 2019 auslaufen.


Preis der Policen: Die Kombi ist meist teuer.


Neben Preis und Rabatt für eine Smart- Home-Anlage ist es wichtig zu wissen, welchen Versicherungsschutz man erhält. In der Regel ist der Abschluss einer Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung Bedingung für die Teilnahme an einer Kooperation mit Smart-Home-Geräteherstellern; teilweise werden zusätzliche Policen wie ein Schutzbrief verlangt. Die Bayerische und die Aachen-Münchener haben ein ganzes Bündel an Policen geschnürt, die Voraussetzung für den Schutz sind. Alle Versicherer wurden gebeten, ihre Gesamtprämie pro Jahr für ein Musterhaus in Düsseldorf zu nennen. Neben erhöhtem Fahrradschutz in der Hausratpolice und grundsätzlichem Schutz gegen weitere Elementargefahren in beiden Sparten sollten die Angebote zudem in vollem Umfang auf Abzüge verzichten, wenn der Kunde den Schaden grob fahrlässig verursacht. Während die meisten Anbieter freimütig die Preise inklusive möglicher Zusatzpolicen nannten, patzte hier die Aachen-Münchener; sie gab lediglich die rabattierte Prämie für die Hausratversicherung an. Tatsächlich ist die notwendige sogenannte Bündelpolice aber viel teurer. Verglichen haben wir die angegebenen Prämien mit hochwertigen Tarifen, die über das Vergleichsprogramm Smart Insurtech erhoben wurden.

Das günstigste Angebot für den Wohngebäudeschutz für unsere Musterimmobilie lag bei 377 Euro. Tarife in der Kooperation sind meist teurer als Angebote am Markt. Ausnahme sind der HDI und die Provinzial Nordwest beim Wohngebäudeschutz. Sie unterbieten im Kombiangebot unsere Marktpreise. Demgegenüber ist unser Vergleich mit Tophausrattarifen deutlich günstiger als die jährlichen Prämien aus den Kooperationsangeboten. Zudem haben die von uns ausgewählten Hausrattarife eine wertvolle Besonderheit: Sie leisten sogar weitgehend bei Verstößen gegen Sicherungspflichten. Die Toptarife zahlen sind meist teurer als Angebote am Markt. Ausnahme sind der HDI und die Provinzial Nordwest beim Wohngebäudeschutz. Sie unterbieten im Kombiangebot unsere Marktpreise. Demgegenüber ist unser Vergleich mit Tophausrattarifen deutlich günstiger als die jährlichen Prämien aus den Kooperationsangeboten. Zudem haben die von uns ausgewählten Hausrattarife eine wertvolle Besonderheit: Sie leisten sogar weitgehend bei Verstößen gegen Sicherungspflichten. Die Toptarife zahlen

GLOSSAR

Smart Home bezeichnet die intelligente Vernetzung des eigenen Zuhauses.

Künstliche Intelligenz : In der letzten Entwicklungsstufe sind alle Smart-Home-Geräte, Gegenstände, Materialien miteinander vernetzt, sammeln Daten, werten sie aus und nutzen diese selbstständig mittels künstlicher Intelligenz zur Optimierung der Wohnumgebung.

Anwesenheitssimulatoren : Sie lernen das Verhalten der Bewohner und können bei deren Abwesenheit das Licht analog der üblichen Gewohnheiten steuern.

Seniorenroboter : Intelligente Assistenzsysteme können Senioren und pflegebedürftigen Menschen helfen und so ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten und vertrauten Umfeld gewährleisten. Die Angebote reichen dabei von Notrufmeldesystemen über elektronische Gesundheitsdienste bis hin zu Pflegerobotern.

Sprachsteuerung : Eine wichtige technologische Entwicklung ist die Sprachsteuerung: Im Bereich Wohnen sind es Sprachassistenten wie Google Home und Amazon Alexa, die die Bedienbarkeit des vernetzten Zuhauses erleichtern.