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UHRENTRÄUME AUS DEM BACKOFEN


Terra Mater - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 30.07.2020

Ewige Schönheit ist für Menschen unerreichbar, bei Uhren jedoch durchaus denkbar: Eine Hülle aus Keramik macht’s möglich.


MEILENSTEINE DER ZEITMESSUNG

Artikelbild für den Artikel "UHRENTRÄUME AUS DEM BACKOFEN" aus der Ausgabe 5/2020 von Terra Mater. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Terra Mater, Ausgabe 5/2020

N 29: FÜR IMMER SCHÖN IWC Da Vinci Ceramic Perpetual
HERSTELLUNGSORT Schaffhausen
MATERIAL Zirkoniumoxid
ENTSTEHUNGSJAHR 1986

DER WERKSTOFF KERAMIK – GENAUER GESAGT: ZIRKONOXIDKERAMIK – HAT ES IN SICH. Daher messen Techniker und Mediziner dem Werkstoff nicht erst seit gestern hohe Bedeutung zu. Beim Studium der Uhrenarchive stößt man bereits für das Jahr 1789 auf einen gewissen Martin Klaproth. Im Zuge der Beschäftigung mit Zirkonium hatte der ...

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... deutsche Chemiker herausgefunden, dass die Verarbeitung dieses Werkstoffs nach chemischer Umwandlung verlangt. Bekanntlich handelt es sich bei Keramiken um gebrannte Materialien. Mit dem Brennvorgang geht jene Sauerstoffaufnahme einher, welche Zirkonium zu Zirkoniumdioxid, dem Ausgangsstoff für „Zirkon“-Produkte, werden lässt. Solche sind seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt. Uhrenfabrikanten lernten das Spektrum an Vorteilen wie antiallergische Eigenschaften, Leichtigkeit, Kratz- und Verschleißfestigkeit allerdings erst in den 1980er-Jahren kennen. Nach gezielter Kooperation mit einschlägig erfahrenen Spezialisten lancierte die Schaffhauser Manu faktur IWC im Herbst 1986 ihren Bestseller „Da Vinci“ mit Chronograph, ewigem Kalender und runder schwarzer Keramikschale. Wegen ihrer Komplexität bestanden die Bandanstöße jedoch weiterhin aus Metall. Rado folgte im Herbst mit einem Keramik-Armband.

SELTENE SCHÖNHEITEN

Wann immer wir Keramikuhren begegnen, sind sie makellos.

CHANEL

Vor 20 Jahren kreierte Jacques Helleu für Chanel die schwarze J12 mit Gehäuse und Armband aus Keramik. In der neuesten KeramikGeneration tickt ein chronometerzertifiziertes TudorAutomatikkaliber. Rund 12.000 Euro

HUBLOT

Die knallrote Keramik ist das Ergebnis der Kooperation von Hublot mit Ferrari. Dank sieben Federhäusern läuft das 270-teilige Handaufzugskaliber der Big Bang MP-11 14 Tage am Stück. Limitiert auf 100 Exemplare à ca. 85.000 Euro.

BULGARI

Die 5,5 Millimeter hohe SichtbodenSchale und das Gliederband der Octo Finissimo Skeleton bestehen aus schwarzer Keramik. Im Inneren tickt ein 2,35 mm flaches Handaufzugskaliber mit 65 Stunden Gangautonomie. Etwa 24.500 Euro

ZIRKONIUM, DER ZAHN UND DIE ZEIT

Das silbrig glänzende Element Zirkonium (Zr) wird in technischen und medizinischen Bereichen als Oxid dieses Metalls eingesetzt. Gewonnen wird es aufwendig aus Zirkonsand (abgebaut in Australien und Südafrika). Seine Härte prädestiniert den Werkstoff auch als Legierungsmetall, zur Ummantelung radioaktiver Abfälle (Zirkoniumglas), zur Beschichtung von Werkzeugen und – als Zirkoniumdioxid – für künstlichen Zahnersatz.

Farblich präsentiert sich das Hightech-Material Keramik von Haus aus schmutzig weiß und unattraktiv für Uhrenschalen. Die Beimischung von Metalloxiden bewirkt jedoch ein ansprechendes Kolorit. Nach Schwarz und Weiß sind mittlerweile fast alle Pantone-Farben möglich. Der Vorteil von Keramikgehäusen besteht in bemerkenswerter Oberflächenhärte und damit ewiger Schönheit. Unsanfte Berührung mit scharfen Gegenständen nehmen sie ebenso gelassen hin wie den schabenden Kontakt beispielsweise mit der Türklinke. Natürlich besitzt die leuchtende Medaille auch ihre Kehrseite: Abhängig von der Farbgebung ist Keramik mehr oder minder spröde. Stürze auf harte Flächen können leicht zum Exitus der Schale führen. Im Gegensatz zu duktilen Metallgehäusen, welche Risse auffangen, bricht Keramik nämlich ohne jede Vorwarnung.

Mit der Verarbeitung beispielsweise von Oxiden, Karbiden und Nitriden zu innovativer Hochleistungskeramik verknüpfen sich zwei wichtige Kriterien: die Reinheit des jeweiligen Pulvers und seine Korngröße. Gebräuchlich sind Körner von zirka einem Tausendstelmillimeter (was dem Fünftel der Dicke eines menschlichen Haares entspricht). Die anschließende Verarbeitung erfolgte anfänglich allein mit Hilfe von Pressverfahren und anschließendem Sintern. Diesen Prozess kann man sehr vereinfacht mit dem Backen eines Kuchens vergleichen. Bei hohen Temperaturen jenseits von 1.400 Grad Celsius geschieht das Verdichten und Zusammenhaften der winzigen Teile. Ceramics Injection Molding, kurz CIM genannt, eignet sich zur Fabrikation komplexerer und insbesondere auch präziserer Formen. In diesem Fall wird Keramikpulver zuerst homogenisiert, dann zu Granulat verarbeitet und anschließend mit Hilfe eines Spritzgussverfahrens in Form gebracht. Am Sintern führt freilich auch hier kein Weg vorbei. Daher verlangen die aktuell gebräuchlichen Grundmaterialien wie beispielsweise Aluminium- oder Zirkonoxid, Siliziumkarbid oder Aluminiumnitrid nach geringen Beimengungen von Fremdstoffen. Abschließend erhalten fertige Keramikprodukte ihren seidigen Glanz durch Polieren mit Diamantstaub. Spätestens jetzt kommen größere Poren oder kleinste Fehler gnadenlos ans Licht. Und einen weiteren Aspekt gilt es im Umgang mit Keramik ebenfalls akribisch zu beachten: das zwangsläufige Schrumpfen der Gehäuseteile beim Sintern. Wird dies nicht berücksichtigt, passt das Uhrwerk nicht mehr in die Schale.

Für die Uhrenindustrie sind leichte, kratzfeste Gehäuse mit antiallergischen Eigenschaften freilich nur ein Anwendungsgebiet. Eine Vickershärte von 1.200 oder mehr prädestinieren Keramik auch zur Herstellung von Gliederbändern oder zur Fabrikation winziger Kugeln für wartungsfreie Rotor-Kugellager.


Fotos: IWC, Chanel, Hublot, Bulgari