Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

,,Uli verriet mir, was die Bayern-Familie ausmacht“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 28/2021 vom 14.07.2021

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel ",,Uli verriet mir, was die Bayern-Familie ausmacht“" aus der Ausgabe 28/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

SPORT BILD: Herr Nagelsmann, bei Bayern gibt es anders als bei Ihrem Ex-Verein RB Leipzig viele große Namen im Klub. Haben Sie schon Ihren Antrittsbesuch bei Uli Hoeneß am Tegernsee gehabt?

JULIAN NAGELSMANN (33): Meinen Antrittsbesuch bei Uli Hoeneß am Tegernsee gab es tatsächlich schon eine gute Woche vor dem Trainingsauftakt. Das war mir wichtig und wollte ich unbedingt machen. Ich hatte mit Uli ja schon früh mal ein Gespräch gehabt bezüglich Jugendfußball, das ist ja bekannt. Wir hatten auch immer mal wieder Kontakt, als Bayern Spieler von uns aus Hoffenheim geholt hat, völlig unabhängig von einem Bayern-Job. Mir ist es wichtig, da einen Draht zu haben, auch wenn Uli Hoeneß jetzt keinen Job mehr im operativen Geschäft hat. Ich empfinde ihn als unglaublich herzlichen, sympathischen Menschen. Es waren schöne drei Stunden mit gutem Essen und interessanten Gesprächen. Da ging es weniger ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,29€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 28/2021 von Die harte Wahrheit über diese EM!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die harte Wahrheit über diese EM!
Titelbild der Ausgabe 28/2021 von Verdienter Europameister. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Verdienter Europameister
Titelbild der Ausgabe 28/2021 von Das neue EM-BUCH ist da!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das neue EM-BUCH ist da!
Titelbild der Ausgabe 28/2021 von Rose baut seine Meister-Achse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rose baut seine Meister-Achse
Titelbild der Ausgabe 28/2021 von JESSE MARSCH Bayern müssen ALLE angreifen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JESSE MARSCH Bayern müssen ALLE angreifen!
Titelbild der Ausgabe 28/2021 von Eintracht verschiebt die Torlinie!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Eintracht verschiebt die Torlinie!
Vorheriger Artikel
Das neue EM-BUCH ist da!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Rose baut seine Meister-Achse
aus dieser Ausgabe

... ums Tagesgeschäft, sondern eher um die Bayern-Familie, die Historie, was für ihn den FC Bayern ausmacht. Das zu verstehen ist ein entscheidender, zentraler Punkt.

„Ich empfinde Uli Hoeneß als unglaublich herzlichen, sympathischen Menschen“

Gab es die legendären Würstchen von Hoeneß?

Nein. Es gab Rinderfilet! Es hat geregnet. Die Würstl sparen wir uns für besseres Wetter auf. Die muss man grillen, hat Uli gesagt.

Karl-Heinz Rummenigge hat den Klub als einstiger Vorstandschef verlassen. Hat er Ihnen Tipps dagelassen?

Mit Karl-Heinz Rummenigge hatte ich mehrere Telefonate. Wir hatten gute Gespräche über viele verschiedene Themen. Er hat mir einige Tipps gegeben und noch mal verdeutlicht, worauf es ankommt beim FC Bayern, dass wir alle gemeinsam an der weiterhin rosigen Zukunft des FC Bayern arbeiten. Er hat mir auch noch mal dargelegt, dass es ratsam wäre, Titel zu gewinnen. Die Tipps nehme ich mir zu Herzen.

Oliver Kahn ist jetzt als Rummenigge-Nachfolger der Boss – waren Sie früher Fan von ihm?

Als Kind war Oliver Kahn eines meiner Idole. Er hat eine unheimliche Qualität und Mentalität gehabt, ein unglaubliches Sieger- Gen. Es gab unfassbare Szenen, was er für Bälle gehalten hat, es gab auch ein paar unfassbare Szenen, was er sonst so gemacht hat, weil er unbedingt gewinnen wollte. Als Chef ist er total nah-bar, sehr offen, wir haben viele gute Gespräche, haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Ich bin ein offener Typ, versuche, alle mitzunehmen. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich möchte, dass jeder sich freuen kann, wenn wir gewinnen, und traurig ist, wenn wir nicht gewinnen. Ich finde, es gehört dazu, sich regelmäßig mit allen auszutauschen. Es ist deutlich angenehmer, wenn man auf demselben Nenner ist.

Ist es ein Vorteil, dass Sie beide als die führenden Bayern-Köpfe neu anfangen?

Es ist sicher kein Nachteil. Jeder hat zu Beginn so seine Themen. Wenn man die erste Ansprache vor dem Team macht, oder der Olli vor den Mitarbeitern, muss man sich finden. Wir haben alle gemeinsam das gleiche Ziel: Bayern muss der erfolgreichste Verein in Deutschland bleiben, auch international konkurrenzfähig sein und wieder die Champions League gewinnen. Dieses familiäre Verhältnis untereinander muss ein hohes Gut für uns hier sein, weil wir finanziell sicher nicht die Wege anderer Klubs in Europa mitgehen können. Da muss das Klima im Klub erst recht stimmen, das ist ein wichtiger Faktor für Erfolg. Da ticken wir alle total gleich, von unserem gemeinsamen Start ab, und das ist doch die beste Basis, wenn man gemeinsam Geschichte schreiben will!

„Als Kind war Oliver Kahn eines meiner Idole. Er hat eine unheimliche Mentalität“

Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison?

Du musst die Schritte einzeln gehen, aber das ist nicht ganz einfach. Wir versuchen, die zehnte Meisterschaft zu holen und den maximalen Erfolg in der Champions League und im DFB-Pokal. Wir wollen jeden Titel, den man gewinnen kann.

Sie sprachen nach Ihrem Amtsantritt bereits von drei Grundordnungen. Können Sie uns diese erklären?

Grundsätzlich werden wir viele Dinge, die hier funktioniert haben, auch übernehmen aus der Grundordnung, die Bayern die letzten zwei Jahre praktiziert hat. Da lassen sich zwei, drei weitere Grundordnungen super ableiten, ohne dass man Spieler tauscht und die erste Elf ständig verändern muss, oder Spieler auf Positionen spielen, auf denen sie sich nicht wohlfühlen. Das passiert in der Regel höchstens mal, wenn man innerhalb eines Spiels reagieren muss. Aus der einen Grundordnung kann man durch leichte Positionswechsel einfach was anpassen. Es geht darum, dass wir weiter auf Spitzenniveau unseren Fußball auf den Platz bringen wollen, mit einer gewissen Flexibilität. Ohne ständig und extrem auf den Gegner einzugehen.

Das heißt genau?

Für mich ist die Wahl der Grundordnung einfach: Wie positioniere ich die Spieler, dass wir unsere Idee von Fußball bestmöglich auf den Platz bringen? Und nicht, wie passe ich mich dem Gegner an? Unsere Idee von der Geometrie so auf den Platz zu bringen, dass wir die größten Vorteile haben. Das ist für mich eine Stärke, und keine Schwäche, wenn man das kann.

Das Thema „Transfers“ ist aktuell ein großes Nicht-Thema bei Bayern. Pep Guardiola hat als neuer Münchner Trainer einst gesagt: „Thiago oder nix“. Gibt es für Sie den einen Thiago oder nix?

Mir geht es meistens eher um Positionen als um Namen, und ich handhabe es grundsätzlich so, dass wir die Dinge intern besprechen. Ich bin jemand, der versteht, dass man nicht alles machen kann. Bei meinen vorherigen Klubs war das nicht pandemiebedingt, jetzt ist es hier pandemiebedingt. Ich bin schon einer, der die finanzielle Situation im Fußball versteht, und dass hier nicht nur Spieler und Trainer arbeiten, sondern auch noch viele weitere Angestellte, die abseits der Scheinwerfer die Voraussetzungen schaffen, dass wir auf dem Platz überhaupt Erfolg haben können. Deren Jobs darf ein Verein niemals gefährden, indem er wahnsinnige Transfers tätigt. Du hast als Trainer auch eine gewisse Verantwortung für den Gesamtklub, und nicht nur für die Mannschaft und den Sport. Natürlich werden wir bei Bayern nie den sportlichen Erfolg gefährden, trotzdem müssen wir genau überlegen, was wir machen. Da geht es auch um die strategi sche Ausrichtung des Kaders für die nächsten Jahre. Wenn wir mit dem Kader in die Liga starten, sind wir absolut top aufgestellt.

„Ich plane Kimmich zentral ein. Goretzka ist einer der besten Box-tobox-Spieler Europas“

Wie gehen Sie mit der Personalie Niklas Süle um? Sein Vertrag läuft 2022 aus, seine Zukunft ist weiterhin ungeklärt.

Ich finde es wichtig, total transparent mit den Spielern zu sein. Die Spieler müssen auch die Sichtweise des Klubs verstehen bezüglich der vertraglichen Situation. Nikis Vertrag läuft im nächsten Jahr aus, und er hat keine besonders glückliche letzte Saison gehabt. Er bringt aber auch alles mit, was ein Weltklasse- Innenverteidiger haben muss, das darf man nicht vergessen. Wenn er die Einsicht hat, an seinen Baustellen zu arbeiten und dazu jetzt noch einen Trainer bekommt, der ihn seit der U16 kennt, bin ich zuversichtlich, dass er seine PS wieder auf die Straße bringt. Darüber habe ich mit ihm schon gesprochen. Er muss was tun, das weiß er, aber ich halte sehr, sehr viel von ihm. Gleichzeitig muss man auch die Klubseite verstehen. Es ist klar, dass wir auch immer schauen, was auf dem Markt passiert. Jeder bei Bayern würde allerdings sehr glücklich sein, wenn Niki Süle jedes Spiel macht und bei der BILD einen Notenschnitt von 1,3 hat.

Es gab viele Diskussionen um die Dreierkette im deutschen Team als taktische Ausrichtung bei der EM. Ist da was falsch gelaufen, oder verstehen es die Fans und Experten nur nicht?

Die Grundordnung ist ja nur eine Positionierung von Spielern. Da geht es nur darum, wie die Spieler stehen, wie jetzt beim 3-4-3 bei Deutschland. Und dann gibt es das System. Das System ist die Grundordnung gefüllt mit Leben, mit Abläufen. Die Abläufe haben vielleicht nicht immer so gut funktioniert, das hat aber erst mal nichts mit der Grundordnung zu tun, die müssen mit Viererkette genauso funktionieren. Ich persönlich bin kein großer Freund von der Defensivstruktur, die Deutschland bei der EM hatte. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich sage, Deutschland hätte anders spielen müssen. Ich mag die Defensivstruktur nicht so gerne in dieser Grundordnung, weil die Abläufe für die Sechser nicht so ganz einfach sind, auch für die Kette dahinter nicht so einfach. Aber das ist meine Trainer-Meinung, die keinen Anspruch hat auf hundertprozentige Richtigkeit. Grundsätzlich denke ich, die Qualität der deutschen Spieler ist so groß, dass man jede Grundordnung mit ihnen spielen kann. Am Ende des Tages war dann halt eine andere Mannschaft besser und hat den glücklichen Moment gehabt. Wir haben eine zentrale Torchance leider vergeben in dem England-Spiel, das ist dann einfach so. Ich würde es nicht an der Grundordnung festmachen. Das ist ein deutsches Phänomen, dass da so viel drüber gesprochen wird, das ist am Ende irrelevant.

Würde man mit Joshua Kimmich jetzt reden, wäre die Grundordnung vermutlich sehr relevant, er war auf Außen bei der EM nicht glücklich. Muss er das bei Ihnen nicht fürchten?

Ich plane Joshua Kimmich zentral ein. Er weiß auch, dass es immer mal sein kann, dass man im Spiel mal switchen muss, das gehört dazu. Er ist ein Weltklasse-Sechser und hat auch den entsprechenden Anspruch an sich. Ich plane ihn nicht als Rechtsverteidiger ein, aber ich schließe nicht aus, dass es mal eine Situation gibt, in der wir mal was anpassen müssen, wo man einen zweiten Offensivspieler auf die Sechs stellt, ihn aber nicht rausnehmen will mit seiner Super-Mentalität.

„Niklas Süle bringt alles mit, was ein Weltklasse- Innenverteidiger haben muss“

Ist die Zentrale Goretzka/Kimmich der Schlüssel für die Bayern-Zukunft?

Josh und Leon sind beide in einem herausragenden Fußball- Alter. Sie sind etwas unterschiedliche Spielertypen. Josh fühlt sich zentral vor der Kette unglaublich wohl, ist ein sehr guter zentraler Sechser, mit offensiv wie defensiv herausragenden Fähigkeiten.

Leon ist sicherlich einer der besten Box-to-box-Player in Europa, mit unglaublicher Torgefahr, unglaublichem Gespür für Momente, in denen er vorne reingehen muss. Sie sind beide zudem sehr fleißig, haben die Gabe, Räume zu schließen. Sie haben persönlich zueinander einen sehr guten Draht, auch außerhalb des Platzes, was immer hilfreich ist. Natür-lich hoffen wir alle, dass Leon seinen Vertrag verlängert, Gleiches gilt für Josh. Sie sind zentrale Bausteine von Bayern München.

Ihr Vertrag läuft über fünf Jahre, eine lange Zeit. Aber es gibt anscheinend auch Exit-Klauseln. Ist das normal für Sie bei diesem Zeitraum? Ausstiegsklauseln sind ja eher das Gegenteil eines Vertrauens-Beweises.

Ich von meiner Seite habe keine Ausstiegsklausel und kann also nicht sagen, dass ich für irgendeine Summe X den Verein verlassen kann. Das habe ich auch ehrlich gesagt nicht vor. Keiner denkt beim Amtsantritt an den Fall, dass man vielleicht irgendwann entlassen wird, das wäre ja auch skurril.

Denken Sie in solchen Zeiträumen, fünf Jahre? Selbst dann sind Sie erst 38.

Ich habe schon einen Plan für mein Leben, den sollte man auch haben, wenn man was erreichen will. Das ist nicht immer komplett einzuhalten. Trotzdem kann man nicht nach ein paar Tagen einplanen: Bin ich fünf Jahre hier oder länger? Ich mache mir da jetzt keine Gedanken, ob es fünf, sechs, acht, zehn oder weniger Jahre sind. Es geht erst mal darum, anzukommen, gut zu arbeiten, Spiele zu gewinnen, erfolgreich zu sein. Ich habe aber schon eine Grundidee, wo mein Leben hingehen soll. Erst mal bin ich froh, dass ich einen Fünfjahresvertrag habe.