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Ultra Violet


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 26.10.2022

1938er Chevrolet Street Rod

Artikelbild für den Artikel "Ultra Violet" aus der Ausgabe 11/2022 von Chrom & Flammen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 11/2022

Ilmor– da denkt man zuerst an die Formel 1 und die Motoren, die Mario Illien gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Paul Morgan für den Schweizer Rennstall Sauber anfertigte, bevor Mercedes 1994 offiziell die Rolle des Triebwerkslieferanten übernahm. Auch in der Indy-Car-Serie mischte Ilmor, unterstützt durch Roger Penske, seit 1984 erfolgreich mit. Die als “Ilmor Chevy Indy V8” bezeichneten Motoren waren jedoch reine Renntriebwerke, die mit den Serienmaschinen wenig gemeinsam hatten. Anders sieht das beim Geschäftszweig Ilmor Marineaus, der bis heute Bootsmotoren für verschiedene Schiffstypen, vom Wasserskiboot bis hin zur Offshore-Zigarre, herstellt. Hierbei basieren die Maschinen auf Serienmotoren – beziehungsweise Crate Engines – aus dem Automobilbereich, vornehmlich von GM und Chrysler.

Was spricht also dagegen, einen Ilmor-Marine-V8 in einem Hot Rod ...

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... einzusetzen? Erstaunlich wenig, denn die Offshore-Kraftpakete sind für hohe Dauerleistungen ausgelegt und dank des Know-hows der Rennmotoren-Manufaktur äußerst sorgfältig verarbeitet. Für seinen MV8 verwendet Ilmor Marine einen Chevrolet-LS-X-Motorblock sowie passende Zylinderköpfe, die vor der Montage gründlich überarbeitet werden. Die gesamten “Innereien” des Motors sind nach Ilmor-Spezifikation angefertigte Spezialteile, inklusive der Kolben und des Kurbeltriebs in geschmiedeter Ausführung. Praktischerweise sind die Ilmor-Hochleistungs-Marinemotoren für ein geschlossenes Kühlsystem anstatt für eine Frischwasserkühlung vorgesehen, sodass der Einbau in ein Landfahrzeug keine allzu große Hürde darstellt.

Angesichts einer Leistungsausbeute von runden 600 PS und brachialen 765 Nm macht die 7,4-Liter-Maschine dem nur knapp über 1,2 Tonnen leichten Rod ordentlich Beine. “Dabei ist das aus Sicht der Motorenbauer nur ein kleines Triebwerk”, gibt Hansi, der den Chevy inzwischen seit fast 20 Jahren besitzt, mit einem Schmunzeln zu bedenken. Was der selbstständige Unternehmer damit andeutet: Ilmor hat auch V10-Bootsmotoren auf Grundlage des Triebwerks der Dodge Viper im Angebot.

Aber in einem Chevy fühlt sich nun mal ein Chevy-V8 am wohlsten, und an Performance mangelt es dem 454er beileibe nicht. Eher bereitet das Langsamfahren der Monster-Maschine ihre liebe Mühe: Sägend und schüttelnd lässt der Achtzylinder im Leerlauf seinen wilden Charakter erahnen. Keine Frage: Die mit einer elektronischen Benzineinspritzung versehene Maschine lauert geradezu darauf, loszudonnern! Bei der Suche nach einem geeigneten Fotospot in der Umgebung des Barbecues der German Street Rod Association (mehr dazu in einer späteren Ausgabe) ist dagegen Geduld gefragt: Runde um Runde drehen wir durch Wohngebiete und kleine Sträßchen. “Hier kann ich nur mit dem dicken Zeh ganz vorsichtig Gas geben. Der Wandler hat eine Stall Speed von 2.800 U/min, sodass schon reichlich Drehmoment anliegt, wenn der Wandler packt. Daher ist es gar nicht so einfach, im Stadtverkehr mitzuschwimmen oder gar durch eine Tempo-30-Zone zu rollen”, erklärt Hansi.

Zum Glück findet sich bald ein Plätzchen, um das Chevy Coupe in Szene zu setzen. Im Abendlicht kommen die Linien des Business Coupes mit seinem riesigen Kofferraumdeckel, unter dem sich ein ebenso üppiges Gepäckabteil verbirgt, wunderbar zur Geltung. Viele US-Hersteller boten bis in die '50er solche zweisitzigen Coupes an, in denen Handelsreisende extra viel Platz für Muster und Waren zur Verfügung hatten. Alternativ lieferte Chevrolet ein viersitziges Coupe, allerdings mussten die Hinterbänkler damals noch auf dem ausklappbaren “Rumble Seat” im Freien Platz nehmen. Zum letzten Mal übrigens, denn ab 1939 war die zweite Sitzreihe im Fahrgastraum untergebracht.

Unter dem Steel Body befindet sich der originale Rahmen, der jedoch verstärkt und mit Ford-Achsen versehen wurde. Vorn kam das beliebte Mustang-II-Aufhängungssystem zum Einsatz und hinten die bewährte 9”-Starrachse. Aus GFK bestehen die Trittbretter und Kotflügel sowie die im Gegensatz zum Original einteilige Motorhaube: Während die beiden Hälften der Motorhaube ursprünglich wie Schmetterlingsflügel hochklappten, reckt sie sich jetzt beim Öffnen wie das Maul eines Alligators in die Luft. Zudem wurde die Karosserie in typischer Street-Rod-Manier geglättet, indem Türgriffe und die Verschlusshebel an den Hauben entfernt sowie der Tankeinfüllstutzen in den Kofferraum verlegt wurden. Ein modifizierter Edelstahlkühlergrill und eine rauchgraue Verglasung runden den cleanen Look der im Ford-Farbton “Ultra Violet” lackierten Karosserie ab.

“Den Umbau hat Charles 'Charly' Hines Ende der 1990er Jahre in Florida vorgenommen – das lässt sich den Unterlagen entnehmen, die mir zu dem Rod vorliegen”, berichtet Hansi. Damals wurde auch der Innenraum passend zur Lackierung neu gestaltet: “Die Sitze stammen von einem Sondermodell des 1986er LeBaron, das Chrysler nur in Kanada verkaufte, und wurden farblich genau passend zur Außenlackierung bezogen.” Das gleiche gilt sowohl für die selbst angefertigten Türtafeln und die Heckablage mit Bowtie-Emblem als auch für Teppich, Dachhimmel und sogar die Türkeder. Weil die hellblau strahlenden Dakota-Digital-Instrumente die farbliche Harmonie störten, setzte Hansi violett eingefärbte Filterscheiben vor die Anzeigen.

Der Rückweg zum GSRA BBQ führt uns über die Landstraße, wo Hansi den Chevy für einen Moment von der Leine lassen kann. Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal lässt den V8 aufbrüllen, die TurboHydramatic schaltet zurück, während das Coupe bereits nach vorn schießt. Im nächsten Moment steigt Hansi auf die Bremse, denn haben wir schon unsere Abzweigung erreicht, die eben noch kaum in Sichtweite lag. “So geht das bis weit über Tempo 250”, berichtet Hansi im Hinblick auf den “Warp-Speed-Effekt”. “Deswegen ist die Autobahn das Revier des Wagens – erst bei höheren Geschwindigkeiten kann man nämlich Vollgas geben, ohne dass die Vorderräder abheben.”

Übrigens war auch ein GSRA-Treffen seinerzeit der Auslöser für Hansi'Hot-Rod-Fieber, der damals einen komplett überarbeiteten und getunten Jeep CJ-5 fuhr. Nachdem er 2003 das GSRA-Meeting am Aartalsee besucht hatte, stand für ihn fest, dass “ein Street Rod mit dicken Rädern und ordentlich Bums” her muss. “Mission erfüllt”, kann man da nur sagen, und auch Hansi ist bis heute begeistert von dem Coupe: “Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich die Garage aufmache – und wenn ich losfahre, habe ich ein sattes Grinsen im Gesicht!”

Text & Fotos: Frank Mundus

1938er Chevrolet Business Coupe

Motor:Ilmor Marine Engines MV8 auf Basis Chevrolet LS-X, OHV-V8, 454 ci, 7.440 ccm, 598 PS, 765 Nm; Bohrung × Hub: 106,3 × 104,8; Verdichtung 11:1, Höchstdrehzahl 6.100 U/min, Accel- “Stealth RAM”-MPI-Einspritzanlage mit programmierbarem Steuergerät, Tunnel-RAM-Ansaugsystem poliert, polierte Alu-Ventildeckel mit Gravur, HEI-“Crossfire”-Zündung, Kühler mit Hochleistungsnetz und zuschaltbarem Elektrolüfter, keramikbeschichtete 3"-Sanders-Fächerkrümmer, 3"-2-Rohr-Abgasanlage, 2 × Flowmaster- 2-Kammer-System, 2 × verchromte 4”-Endrohre von Colt

Kraftübertragung:verstärktes Dreigang-Automatikgetriebe GM TH 350, B+M-Wandler 2.800 U/min, Hinterradantrieb, Ford-9"-Differenzial

Vorderachse:Einzelradaufhängung an oberen/unteren Querlenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator (Mustang-II-Vorderachse)

Hinterachse:Starrachse an Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer

Bremsen:innenbelüftete Scheibenbremsen vorn/Trommelbremsen hinten

Räder:Leichtmetallräder Weld Racing “Draglite Serie 90” in 6 × 15" vorn und 15 × 15" hinten

Reifen:Hankook 195/65 R15 vorn und Mickey Thompson “Sportsman” in 29 × 18,50 – 15 hinten

Interieur:Innenauskleidung komplett in Wagenfarbe mit Stoff und Leder bezogen, Sportsitze von Chrysler-Le-Baron-Sondermodell

“Canada 1986” elektrisch verstellbar, Türverkleidungen mit Chevy-Bowtie-Emplem Eigenbau in Wagenfarbe, “Auto-Meter”-Drehzahlmesser mit Shift-Light, “Dakota Digital”-Instrumente mit eingesetzten Prexiglas-Scheiben in Wagenfarbe, Instrumententräger/Handschuhfachdeckel/Türöffner/Armauflage mit Griff/ Fensterkurbel für die Ausstellfenster und Innenspiegel von Billet, GM-Lenksäule in Wagenfarbe lackiert, Entertainment- “AudioVox”-Radio mit DVD-Player, 7”-Monitor und USB-Anschluss

Sonstiges:Lackierung “Violet Pearl Effect” von Dupont mit weißer Spezialgrundierung, originaler Steel Body, verstärkter Rahmen, Leichtbau-Motorhaube/ Seitenverkleidungen/Trittbretter und Kotflügel aus GFK, Front-Umbau auf Alligator-Haube ohne Mittelsteg, modifizierter Kühlergrill aus Edelstahl, keine Türgriffe/ Kofferraumgriffe/Haubenhebel, Tankstutzen im Kofferraum, Öffnen des Fahrzeugs über Fernbedienung, Verglasung in Rauchglas, Frontscheibe mit Grau-Keil, “Blue Dot”-Headlights, ’39er Ford-“Blue-Dot”-Rücklichter in den Kotflügeln eingelassen, Rückspiegel “Vision” LS 2 mit LED-Blinkern, Aufhängung der Auspuff-Endrohre an polierten Chevy-Big-Block-Pleueln, “Colt”-Auspuffblenden dafür speziell angepasst