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UMFRAGE: Was machen Talente anders?


Harvard Businessmanager Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2018 vom 28.11.2017

ist Diplomdesigner und Gründer des Studios für Konzeption und Gestaltung 22quadrat in Osnabrück. Er hat täglich mit Talenten zu tun, wenn er internationale Unter nehmen zur Entwicklung und Visuali sierung von kultureller Identität berät.


Im Grunde ist es ganz einfach: Talente lassen sich nicht managen, sondern fördern. Unternehmen sollten diesen Menschen helfen, über sich selbst hinauszuwachsen. Dafür müssen sie ihnen Vertrauen, Aufmerksamkeit, Ruhe, Geduld und Raum schenken und ihre eigenen Erwartungen reduzieren. Talente sind keine Maschinen; sie agieren selbstbestimmt und selbst -bewusst, folgen ihrem ...

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... Gespür. Das erfordert einen anderen Umgang mit Mitarbeitern als gewohnt. Doch dieses Engagement lohnt sich. Entwickeln Unternehmen ein Verständnis und schaffen Rahmenbedingungen, kommt ihnen die Schöpferkraft ihrer Talente zugute.

So arbeiten wir in unserem Studio mit unserem Team jeden Tag. Schon in den Vorstellungsgesprächen interessiert uns besonders, womit sich die Menschen persönlich befassen und wie sie es tun. Wenn jemand seit 15 Jahren leidenschaftlich fotografiert, sich für Filme interessiert und sich mit unserer Bildsprache identifiziert, ist das für uns relevanter als irgendwelche Abschlussnoten. Sofern eine potenzielle Verbindung zwischen der Passion des Mitarbeiters und unserem Studio besteht, schaffen wir ihm einen Raum, den er mit Leben füllt, für den er Verantwortung übernimmt und den er aufbaut. Auf diese Weise sind bei uns nach und nach Tätigkeitsfelder entstanden, die auf den individuellen Fähigkeiten und Talenten der Mitarbeiter aufbauen und die das Portfolio unseres Studios sinnvoll ergänzen. Manchmal verbindet uns das Wie, manchmal das Warum, manchmal das Was.

Es heißt ja, dass sich Talente durch eine besondere Fähigkeit auszeichnen. Doch nicht jedem Talent ist automatisch seine Besonderheit bewusst und es kann sie entfalten. Diejenigen, die ihr Potenzial erkannt haben, finden Freude daran, es zu vertiefen, zu entwickeln und mit anderen zu teilen, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Ihnen steht ein ungetrübter, intuitiver Zugang zu tieferer Realität und Wahrheit offen. Oft verspüren sie dadurch jedoch eine gewisse Einsamkeit, denn ihr Austausch mit der Umwelt kann mitunter schwierig werden. Das liegt zum einen an ihrem Expertenwissen, zum anderen auch an ihrem Bedürfnis nach Wachstum und Entwicklung, was im Alltag selten auf Akzeptanz stößt.

Talente brauchen daher ein inspirierendes Umfeld – und damit ist kein bunt designtes, hippes Büroumfeld gemeint. Sie benötigen eher den Kontakt zu Menschen aus anderen Wissensbereichen, die Überschneidungen mit den ihren aufweisen und die geistig mit ihnen auf einer Wellenlänge liegen. Denn wie jeder gesunde Geist brauchen sie Herausforderungen für ihr inneres Wachstum. Sie brauchen Freiheit und Raum für ihre Gedanken und schärfen durch den interdisziplinären Austausch ihren Blick auf die Welt und die dort verborgenen Potenziale.

Arbeitgeber können im Umgang mit Talenten viel falsch machen. Sie sollten Talente nicht nur auf eine Funktion begrenzen, denn ihre kreativen Ansätze oder Ideen für Innovationen entstehen in Augenblicken jenseits von Verstand, Vernunft und etabliertem Wissen. Treffen ihre Ideen zu früh auf sogenannte vernünftige Personen, werden sie in der Regel niemals das Licht der Welt erblicken; sie werden zer -redet und im Keim erstickt. Denn der Verstand arbeitet wie ein Wächter, er ist konditioniert – der Geist hingegen ist frei. Der Verstand verarbeitet unsere Erfahrungen und daraus resultierenden individuellen Prägungen linear, der kreative, schöpferische Mensch arbeitet mehrdimensional und spontan, er zieht seine Inspirationen aus dem Geist.

Somit ist es wichtig, Reizüberflutung zu vermeiden durch geistige Hygiene: Erst in der Ruhe entsteht Inspiration. Erst dann kann man Dinge als Ganzes wahrnehmen, woraus sich ein umfassenderes Verständnis für existierende Prinzipien und potenzielle Querverbindungen entwickeln kann.

Jede Form von auferlegter Struktur und Erwartungs -haltung erzeugt Druck und engt ein, hält den Geist klein. In einer solchen Atmosphäre wird sich kein Talent wohlfühlen und bleiben. Dann besteht die Gefahr, dass sich ein Mensch mit der vorherrschenden Verstandesebene in seiner Um -gebung identifiziert – mit dem Ergebnis, dass sein Talent verkümmert, sein Feuer erlischt und er beginnt, linear abzuarbeiten.

Unternehmen, die an Talenten interessiert sind, sollten ihren eigenen Raum und ihre Haltung im Umgang mit Mensch und Natur selbstkritisch reflektieren. Gibt es Überschneidungen zwischen den Interessen und Werten des jeweiligen Talents? Existieren Spielbälle, um diesen Talenten auf Augenhöhe zu begegnen? Können wir überhaupt das entsprechende Klima und den Raum für Entwicklungen dieser „Exoten“ schaffen? Was müssen wir in uns und um uns herum verändern, um diese kreativen Impulsgeber Teil unserer Gemeinschaft werden zu lassen? Kritische Selbst -reflexion scheint hier der Schlüssel zur eigenen und gemeinsamen Potenzialentfaltung.