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umweltschutz: MACH MIT! SCHNAPP DIE TÜTE


Divemaster - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 10.01.2020

Urlaubserlebnisse haben viele Taucher veranlasst, sich Gedanken über ihr Umweltengagement zu machen. Neben der heimischen Plastikreduzierung wollen wir auch dort helfen, wo auf Plastik nicht verzichtet werden kann - in den ärmeren Ländern.


Artikelbild für den Artikel "umweltschutz: MACH MIT! SCHNAPP DIE TÜTE" aus der Ausgabe 1/2020 von Divemaster. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 1/2020

Die Zahlen von Plastiktüten und sonstigem Plastikmüll sind inzwischen so hoch, dass man nicht mehr darüber hinwegsehen kann. divemaster hatte in den Ausgaben 98 und 100 das Thema Plastikmüll ausführlich thematisiert. Jedem Leser dürfte die Tragweite der aktuellen Situation vor allem in den ärmeren Reiseländern auch durch andere Quellen bewusst sein.
Bei einem der ...
Etwa acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer. Das meiste davon wird sehr schnell zerkleinert und zählt dann zum Bereich der Mikro- und Nanoplastik. Somit „entzieht“ es sich etwaigen Sammelversuchen, wie sie aktuell bei den großen Müllstrudeln in den Weltmeeren laufen. Nur 0,5 Prozent des Mülls treiben in Form von Tüten oder ähnlichem umher. Aber, wenn man ausrechnet (eine Plastiktüte wiegt etwa zehn Gramm), was dies für eine Menge ist. dann kommt man immer noch auf die beängstigende Zahl von etwa vier Milliarden Plastiktüten, die jährlich neu im Meer landen und herumtreiben. Pro Jahr sterben etwa 100.000 Meeressäuger und 1.000.000 Meeresvögel, weil sie so viel Plastik im Magen haben, dass kein Platz mehr für echte Nahrung ist. Diese Zahlen entstammen dem Meeresatlas 2017, der von der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Kieler Forschungsverbund Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und der Monatszeitung für internationale Politik, Le Monde Diplomatique herausgegeben wird. In diesem werden etliche Studien zu dem Thema zusammengefasst. Praktisch alle Zahlen, die man im Internet findet, gründen auf diesen Quellen – auch das Bundesumweltamt nimmt Bezug auf dieses Werk. ...

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Die Zahlen von Plastiktüten und sonstigem Plastikmüll sind inzwischen so hoch, dass man nicht mehr darüber hinwegsehen kann. divemaster hatte in den Ausgaben 98 und 100 das Thema Plastikmüll ausführlich thematisiert. Jedem Leser dürfte die Tragweite der aktuellen Situation vor allem in den ärmeren Reiseländern auch durch andere Quellen bewusst sein.
Bei einem der letzten Tauchurlaube ist mir unter Wasser sprichwörtlich der Kragen geplatzt. Nachdem ich wieder aufgetaucht war, habe ich mich ausführlicher mit den aktuell zu diesem Thema verfügbaren Daten beschäftigt – dabei erlebt man so manchen Schreck. Hier ein kleiner Ausschnitt: Aktuell werden pro Jahr weltweit zwischen 800 Milliarden und einer Billion Plastiktüten verbraucht (Anmerkung der Redaktion: kein Übersetzungsfehler aus dem amerikanischen Sprachgebrauch).
Etwa acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer. Das meiste davon wird sehr schnell zerkleinert und zählt dann zum Bereich der Mikro- und Nanoplastik. Somit „entzieht“ es sich etwaigen Sammelversuchen, wie sie aktuell bei den großen Müllstrudeln in den Weltmeeren laufen. Nur 0,5 Prozent des Mülls treiben in Form von Tüten oder ähnlichem umher. Aber, wenn man ausrechnet (eine Plastiktüte wiegt etwa zehn Gramm), was dies für eine Menge ist. dann kommt man immer noch auf die beängstigende Zahl von etwa vier Milliarden Plastiktüten, die jährlich neu im Meer landen und herumtreiben. Pro Jahr sterben etwa 100.000 Meeressäuger und 1.000.000 Meeresvögel, weil sie so viel Plastik im Magen haben, dass kein Platz mehr für echte Nahrung ist. Diese Zahlen entstammen dem Meeresatlas 2017, der von der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Kieler Forschungsverbund Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und der Monatszeitung für internationale Politik, Le Monde Diplomatique herausgegeben wird. In diesem werden etliche Studien zu dem Thema zusammengefasst. Praktisch alle Zahlen, die man im Internet findet, gründen auf diesen Quellen – auch das Bundesumweltamt nimmt Bezug auf dieses Werk.

HANDLUNGSBEDARF!

Es gibt sehr viele Organisationen, die sich dem Thema Meeresschutz verschrieben haben. Und überall auf der Welt gibt es Aktionen wie „Beach Clean Ups“. Das ist zwar öffentlichkeitswirksam, verpufft aber ein Stück weit, weil es Einmalaktionen sind. Außerdem müssen die Aktivisten sich bewusst an einem bestimmten Tag an einen Ort begeben. Das kann und will nicht jeder.
Ich schlage deshalb eine dauerhafte Mitmachaktion vor, insbesondere natürlich für uns Taucher, auch weil wir praktisch in allen Gewässern weltweit unterwegs sind.

Anmerkung der Redaktion:

Bei einer Umfrage während der boot 2019 zeigte sich eine große Aufgeschlossenheit für die Idee der alltäglichen Einbindung beim Tauchen oder bei einem Strandspaziergang. Allerdings war man auch der Meinung, dass der Weg zur Plastikmüllbeseitigung vor Ort, um auch Arbeitsplätze zu schaffen, vorrangig Aufgabe der Behörden und Anbieter sein sollte.

DIE IDEE:
Wie wäre es, wenn jeder Taucher versucht, bei jedem Tauchgang wenigstens ein bis zwei Plastiktüten (oder auch Flaschen oder ähnlichen Plastikmüll) einzusammeln und an die Oberfläche mitzubringen. So ein Müll passt problemlos ins Jacket. Man muss nichts machen, außer die Hand auszustrecken. Nach Zahlen des RSTC Europe (Recreational Scuba Training Council of Europe – das ist ein Zusammenschluss der führenden Tauchsportorganisationen Europas) gibt es weltweit etwa 15 Millionen aktive Taucher. Wenn man spekulativ rechnet, dass man ein Drittel davon zum Mitmachen animieren könnte – dann wären das fünf Millionen Taucher. Wenn diese pro Jahr zehn Tauchgänge machen und bei jedem dieser Tauchgänge ein bis zwei Plastiktüten aufsammeln würden, dann könnte man damit 50 bis 100 Millionen Tüten pro Jahr einsammeln, das wären immerhin gut zwei Prozent der jährlich in Meer gelangenden Menge.

Das klingt vielleicht im ersten Moment nicht viel, aber man darf nicht vergessen, dass ein Großteil des Plastikmülls auf dem offenen Ozean treibt. Der Müll in küstennahen Gebieten ist aber für die größten Verluste bei den Meeressäugern und Vögeln verantwortlich. Die Vermüllung der küstennahen Riffe insbesondere nach dem Zerfall des Plastikmülls führt zu vielen weiteren tödlichen Fallen für Meereslebewesen aller Art (siehe Klappseiten divemaster 98 u. 100). Wenn man überlegt, dass eine Plastiktüte beim Zersetzungsprozess bis zu 100 Billiarden Nanoteilchen ergeben kann, wird das Ausmaß der tätigen Hilfe erst richtig deutlich. Über die Zahlen kann man sicher im Detail trefflich streiten, die Größenordnung aber ist in jedem Fall den Gedanken zum Mitmachen wert.
Vielleicht denkt mancher nun „ja, toll, wenn ich den Müll aus dem Meer sammle, aber was passiert dann danach? In einigen Ländern gibt es schon Müll-Rückführaktionen einiger Fluglinien. und natürlich kann man die aufgesammelten Plastiktüten auch selbst im Fluggepäck mit nach Hause nehmen, wo die Wahrscheinlichkeit der fachgerechten Entsorgung größer ist
Ansonsten helfen viel Tauchbasen jetzt schon bei Sammelaktionen ihrer Gäste, und noch mehr wenn wir darauf drängen - der Kunde ist bekanntlich König.

MEIN AUFRUF: SCHNAPP DIE TÜTE
Egal wo – in Seen, Flüssen und im Ozean – jedes Stück Plastik zählt. Es geht um unsere Lebensgrundlage! Denn wenn das Meer stirbt, dann haben wir keine Zukunft mehr. Und ganz nebenbei geht es auch um die Zukunft unseres Hobbies und den Tauchbasen ums Geschäft. Reisen in ferne Länder sind jetzt schon verpönt. Vielleicht können wir so das Bild des Tauchers in exotischen Ländern wieder ein bisschen aufbessern?
Was ist Ihre Meinung oder Anregung zu diesem Thema oder haben Sie weitere Ideen und Tipps? Schreiben Sie uns: naglschmid@divemaster.de

TESSEN VON GLASOW Neben seinem technischen Interesse ist dem Diplomingenieur für Elektrotechnik der Erhalt einer intakten Umwelt und ein nachhaltiger Umgang mit ihr besonders wichtig.