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UNBEKANNTER BALKAN


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Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 08.11.2022

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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 12/2022

Durch das Dinarische Gebirge nach Montenegro. Eine nicht alltägliche 4x4-Tour abseits der Touristenpfade.

UNSER AUTOR:HelmutAchatz

...istDHV-Fluglehrer,PrüfungsratundFlugunfallsachverständiger.Seit1993leiteterFlugreiseneuropaweit.

SeinHobbysindGreifvögel,dieinseinemneuemProjekt,derEaglewingsfoundation,einetragendeRollespielen.

DerGattungder4x4seitüber30Jahrenengverbunden,benutzterdieseFahrzeugeeuropaweitüberwiegendberuflich,aberauchprivataufReisen.

Gut 13 Stunden Fahrzeit sind es aus dem Süden der Republik bis nach Kotor. Kein Grund für uns, dies nonstop hinter uns zu bringen, schließlich gibt es viel Interessantes unterwegs.Ein herrliches Frühstück in Slowenien mit Blick auf das Triglav-Gebirge oder ein Besuch bei der Bärenauffangstation in Kuterevo. Gewaltig beeindruckend, wie ein 600-kg-Bär keine fünf Meter vor dir lautlos aus dem Gebüsch auftaucht. Wer den Asphalt verlassen will und etwas Schotter unter die Reifen nehmen möchte, hier ein Tipp: Das „Grab Winnetous“ liegt nicht weit südlich davon, ...

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... Nähe Zadar im Velebit-Gebirge. Nicht weniger als fünf Filme des weltweiten Kassenschlagers seiner Zeit wurden hier am Mali-Alan-Pass gedreht.

Ab Zadar ist es nun nicht mehr weit zur Grenze. Ein Luxushotel aus Titos Zeiten erregt noch unsere Aufmerksamkeit. Leider hat ihm der Balkankrieg übel mitgespielt. Heute dient die Ruine vorwiegend als surreales Fotomotiv mit etwas morbidem Charme, dem auch wir eine kleine Fotostrecke widmen. Der Übertritt von Kroatien nach Montenegro bald darauf gestaltet sich nicht schwieriger als die Einreise nach Österreich. Dazu können wir hier wieder in Euro zahlen. Das südeuropäische Land hat diesen als Zahlungsmittel bereits zeitgleich mit uns 2002 eingeführt, ohne dass die EZB widersprach.

ANGEKOMMEN IN KOTOR

Kotor liegt in Montenegro, einem kleinen, wunderbar abwechslungs-reichen Land, das im Süden an die kroatische Mittelmeerküste angrenzt. Montenegro ist im europäischen Vergleich ein relativ dünn besiedeltes, waldreiches Gebirgsland im südöstlichen Teil des Dinarischen Gebirges. Etwas kleiner als Oberbayern, jedoch mit weniger als halb so vielen Einwohnern wie München. Die unzugänglichen Hochgebirge werden durch steile und abweisende Canyons zerteilt. Darunter gilt die Tara-Schlucht als tiefste Schlucht Europas. Kotor selbst ist eine seit der Antike bedeutende Stadt als Kultur- und Handelszentrum. Dünn besiedelt gilt jedoch nicht für die Bucht von Kotor. Hier ist nicht nur alles zugebaut, es geben sich meist täglich zwei Kreuzfahrtschiffe die zweifelhafte Ehre ihres Besuches. Dann watscheln bis zu 10 000 „Kreuzfahrer“ brav in Grüppchen hinter ihren Guides durch die eigentlich wunderschöne kleine, befestigte Altstadt. Das Shoppingangebot von original montenegrinischen Souvenirs (made in China) ist perfekt darauf abgestimmt.

AB IN DIE PRÄRIE

Wir flüchten umgehend und steigen auf einer engen und kehrenreiche Straße gut 1 200 m höher. Hier ist es jetzt, Ende Mai, auch noch nicht so heiß wie am Meer. Schnell finden wir eine einsame Stellmöglichkeit für eine Nacht, die Zufahrt ist 4x4 only! Mit Blick auf den 1 657 Meter hohen Jezerski Vrh, den höchsten Gipfel des Lovcen-Küstengebirges und des gleichnamigen Nationalparks. Dazu herrliche Sicht über die Bucht bis raus in die Adria. Und nachts statt lediglich 4 oder 5 Sternen am Eingang viele Tausende davon über uns. Zum Greifen nah!

AUF IN DIE LUFT

Kotor ist von einer starken Stadtmauer umgeben, eine beherrschende Festung zieht sich fast 300 steile Höhenmeter nach oben am Hang über der Stadt. Für montenegrinische Verhältnisse stolze 9 Euro kostet der Eintritt, geboten wird außer der Aussicht nichts. Ganz anders vom lautlos fliegenden Logenplatz aus – ich fliege mit dem Gleitschirm in die Bucht hinein. Spannend zu sehen, wie sich das Mauerwerk der Festung in vielen vermutlich strategisch wichtigen Verästelungen den Hang nach oben windet. Am oberen Aussichtspunkt von Sveti Ivan, so deren Name, lasse ich es mir nicht nehmen auf wenige Meter heranzufliegen. Die Menschen winken, ich bin heute vermutlich ihr Fotomodell und winke zurück. Bald darauf lande ich vor den Toren der Stadt – ein einmaliges Erlebnis!

REIN INS 4X4-VERGNÜGEN

Im Anschluss geht es stundenlang durch wildestes Karstgelände, oft auf Schotter. Quer hindurch zu Fuß wäre man chancenlos. Unsere Planung besteht aus wenigen Fixpunkten, die wir über kleine, kleinste und meist geschotterte Wege ansteuern. Der Wasserkanister wird unterwegs an Brunnen mit glasklarem Wasser aufgefüllt. Da Campingplätze oder gar Hotels nicht unser Ding sind, finden wir für die Nacht regelmäßig herrliche Plätze in großer Einsamkeit. Probleme haben wir damit keine, achten jedoch immer penibel darauf, außer geknickten Grashalmen keine Spuren zu hinterlassen. Hin und wieder bekommen wir abends noch vorsichtigen Besuch, ein Jäger oder Hirte oder Bauer schaut vorbei, was hier wohl los ist. Mit ein paar freundlichen Worten und der Einladung zu einer Dose Bier werden Kontaktschwierigkeiten schnell aus dem Weg geräumt. Beide Seiten sind anschließend froh, dass sie sich von der Ungefährlichkeit des Gegenübers überzeugen konnten. Was immer eine ruhige Nachtruhe garantiert!

RUND UM ŽABLJAK

Žabljak ist so etwas wie das St. Moritz von Montenegro und liegt am Fuße des Durmitor. Das etwas über 2 500m hohe Bergmassiv ist eines der beliebtesten Touristenziele der Republik. Drei Lifte erschließen das Gebirge für Wintersportler. Rundherum führt der sehenswerte Durmitor-Ring. Er erstreckt sich über das Tara- und Piva-Plateau. Die 85 Kilometer lange Rundstrecke um diesen Berg führt entlang der Gipfel, streift derzeit noch traditionelle, authentische Dörfer und führt über zwei fast alpin anmutende Pässe. Die oft einspurige Straße ist schlicht sehenswert, was allerdings auch Mengen von Taxibussen voller Touristen beweisen. Da ein Teil der Straße erst zwei Tage vor unserem

Besuch geräumt wurde, überqueren wir einige Abschnitte zwischen beeindruckend hohen Schneemauern. Uns steht der Sinn mehr nach Einsamkeit, es geht zum „Žbaljak Int. Airport“. Ex-Airport wäre treffender. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde unter Leitung des Zentralkomitees der UdSSR beschlossen, eine direkte Flugverbindung von Belgrad nach Žabljak zu installieren. Eine einfache, etwa zwei Kilometer lange Graspiste war dafür ausreichend – es flogen damals nur Propellermaschinen. Später wurde es ein ziviler Flughafen, eine alte DC 3 zeugte noch bis in die 90er Jahre davon. Mit Aufkommen der Düsenflugzeuge waren Starts und Landungen jedoch ab Ende der 1960er Jahre nicht mehr möglich, der Flugplatz wurde nicht mehr benutzt. Heute zeugt nur noch ein kleiner Mauerrest eines Gebäudes davon – umgeben von fast endlos weiter Graslandschaft, unserem Ziel! In einer Senke nicht weit entfernt finden wir einen herrlich türkisen See, umgeben von nichts als Grasland so weit das Auge reicht. Wir verbringen Tage hier mit Schauen und Wandern und genießen diese schier unendliche Weite.

FLUCHT IN DIE SCHLUCHT

Die Tara-Schlucht ist eines der Wahrzeichen von Montenegro, bezeichnet auch als „die tiefste Schlucht Europas, die kaum einer kennt“. Links und rechts des Ufers ragen steile Felswände empor, bis zu 1300 Meter geht es nahezu

senkrecht in die Höhe. Damit ist die Tara-Schlucht nach dem Grand Canyon in Arizona angeblich die zweittiefste Schlucht der Welt. Die meisten Besucher kennen wohl die Brücke über die Tara, ein sehenswertes Bauwerk. Allerdings umgeben von zahllosen Schleppern, die dich ab dem Einparken abfangen und dich zu einem Souveniershop mit tollen Angeboten, einer der zahlreichen Zip-Lines oder wahlweise einer von 5 Raftingagenturen „einladen“ wollen. Uns reicht ein kurzer Blick von der Brücke! Etwas Kartenstudium, und wir stehen tags darauf ganz alleine mit unseren Füßen im eiskalten Wasser der Tara. Ein Stück flussabwärts finden wir eine traumhafte Schotterpiste, die uns in 13 km und endlosen Kehren fast 1 000 m tief vom Rand bis zum Fluss führt.

AB AUFS WASSER

Nach fast 2 Wochen in Bergen, Schluchten und im Hochland, immer mit möglichst wenig Teer unter den Reifen, erreichen wir den Skutarisee, den größten See der Balkanhalbinsel. Zugegeben, ein Instagram Spot lockte hierher. Von einer Straßenkehre in 300 Metern Höhe sieht man darauf eine Flussschleife in einer Landschaft, von der wir dachten, das gibt’s nur auf chinesischen Postkarten. Beeindruckend! Und für uns natürlich ein Grund, das Ganze näher zu erkunden. Wir finden einen wilden Stellplatz direkt am sumpfigen Ufer des Zuflusses, natürlich wieder 4x4 only. Eigentlich ist so etwas immer gefährlich. Nicht wegen Krokodilen, Seeungeheuern oder Hochwasser, sondern wegen der winzig kleinen Fieslinge, den

Mücken. Jedoch aus einem uns unbekannten Grund haben die Biester glücklicherweise momentan Pause. Wir bleiben daher gleich zwei Nächte und können fast von der Hängematte ins Wasser springen. Am Abend noch leihen wir zwei Kajaks, sehen uns die ersten Meter des Flusses im letzten Abendlicht an und genießen die Stille der Landschaft rundherum. Der nächste Morgen sieht uns bereits vor Sonnenaufgang im Kajak lautlos die Flußschleifen erkunden. Die Natur erwacht, unzählige Vogelstimmen, Reiher, eine Wasserschlange, weite Seerosenfelder, Sumpflandschaft, ein Feeling wie am Amazonas. Tags darauf nehmen wir auf Einladung von Freunden an einer privaten Vogelbeobachtungs-Tour auf einem kleinen Dampfer quer durch das riesige Sumpfgebiet teil. Spannend zu erfahren, wie sie sich um den Bestand der Vogelwelt hier am See kümmern, welche Arten alle heimisch sind und welch riesiges Erholungsgebiet für Zugvögel der See darstellt. Von hier ist es nur ein Sprung bis zum Meer, wo wir an unserem letzten Abend am Ende einer endlos langen und teils steilen Schotterpiste einen traumhaften Spot unter einer von drei schattenspendenden Pinien direkt am Wasser finden. Die mit stacheligem Gewächs eng zugewachsene Zufahrt hat am Wagen deutliche Kampfspuren hinterlassen, für größere Gefährte wäre kein Durchkommen möglich. Trotzdem: Hier könnten wir es nochmal eine Woche lang aushalten. ■

T| |Helmut Achatz F | |Sanja Warthmann, Helmut Achatz