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Uncodierte Sat-Verbreitung


Satellit Empfang + Technik - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 21.02.2020

Satellitenzuschauer können aufatmen: Bis ins Jahr 2023 ist die uncodierte Verbreitung der Privatsender über Satellit gesichert. Doch auch ARD und ZDF können sich noch nicht zu einem SD-Abschaltzeitpunkt durchringen.


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Bildquelle: Satellit Empfang + Technik, Ausgabe 2/2020

Eigentlich war klar, dass die Privatsender der Gruppen RTL und ProSiebenSat.1 bis ins Jahr 2023 uncodiert verbreitet werden müssen. Grund dafür ist die Ende 2012/Anfang 2013 verkündete Kartellamtsentscheidung, die besagte, dass die Sender der RTLGruppe und der ProSiebenSat.1-Gruppe für mindestens zehn Jahre in SD-Qualität uncodiert über Satellit, Kabel und IPTV verbreitet werden müssen. ...

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RTL verlängert mit Astra

Mit einem neuen Distributionsvertrag zwischen SES Astra und der RTL-Gruppe und der damit verbundenen Verlängerung der Partnerschaft bis 2024 sind die RTLSender auch künftig über die Astra Orbitalposition 19,2 Grad Ost frei in Standardaufl ösung zu empfangen. Bei den Kanälen handelt es sich um RTL, Vox, N-TV, Nitro, RTLplus, Super RTL, Toggo plus und RTL Zwei sowie die Regionalfensterprogramme in SD-Qualität. Auch der neue Sender VoxUp, der erst am 1. Dezember 2019 an den Start ging, ist Bestandteil der neuen Vereinbarung. Astra-Geschäftsführer Christoph Mühleib zu dem Deal: „Diese Vereinbarung unterstreicht erneut, dass SD auf absehbare Zeit ein wichtiger Verbreitungsstandard bleibt.” Andre Prahl, Leiter Programmverbreitung bei der Mediengruppe RTL Deutschland: „Dank der neuen Vereinbarung sichern wir uns die hohe Reichweite dieser Verbreitungsart.” Alle SD-Programme werden im MPEG-2 Standard übertragen.

Auch ProSiebenSat.1 verlängert

Wenige Tage nach der Bekanntgabe der Verlängerung des Distributionsvertrages der RTL-Gruppe hat mit ProSiebenSat.1 auch die zweite große Sendergruppe bekanntgegeben, weiter in SD-Qualität uncodiert über Astra 19,2 Grad Ost zu senden. Im Gegensatz zu RTL hat ProSiebenSat.1 allerdings kein konkretes Datum genannt, bis wann der „langfristige Vertrag”, wie er genannt wird, gilt. Neben der SD-Verbreitung hat die Sendergruppe allerdings auch die HD-Verbreitung der Sender ProSieben HD, SAT.1 HD, Kabel Eins HD, Sixx HD, SAT.1 Gold HD und ProSieben MAXX HD innerhalb der HD-Plus-Plattform verlängert und mit der Aufschaltung von Kabel Eins Doku HD sogar das Programmangebot im HD-Bereich ausgebaut.

Bewährtes setzt sich durch

Speziell Techniker dürfte es überrascht haben, dass zumindest die RTL-Gruppe an einer DVB-S, MPEG2- Verbreitung festhält (ProSiebenSat.1 hat sich bisher zur Themantik noch nicht geäußert). In Anbetracht der Tatsache, dass die SD-Verbreitung der öff entlich-rechtlichen Programme in den kommenden Jahren endet und somit für den Sat-Empfang ein DVB-S2- und MPEG4- taugliches Empfangsgerät unabdingbar ist, um ARD, ZDF und die dritten Programme weiterhin zu sehen, hatten viele Experten auch mit einer Änderung bei der technischen Verbreitung der Programme von RTL und Co. gerechnet. So hätten unter anderem Kosten für den Einsatz zusätzlicher Transponder gespart werden können. Doch RTL scheut diesen Schritt, wie Andre Prahl, Leiter der Programmverbreitung bei RTL, Mitte Januar verriet. „Ohne Not mache man keine Änderung. Die SD-Verbreitung via Satellit ist unsere Dampfmaschine, die uns Reichweiten generiert und enorm wichtig ist”, so Prahl auf einer Anga-Veranstaltung. „Die Umstellung auf H.264 und der spektrale Gewinn dadurch steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.” Bei einer Umstellung müssten die Haushalte einen Programmsuchlauf durchführen. Die Privatsender befürchten, dass sie dadurch an Reichweite einbüßen oder in der persönlichen Programmreihenfolge auf einem schlechteren Programmplatz einsortiert werden. Insbesondere dann, wenn der Nutzer oder automatische Suchlauf unverschlüsselte HD-Programme weiter nach vorne sortiert als die SD-Programme der Kommerzsender. Ein schlechterer Programmspeicherplatz auf der Fernbedienung hat unmittelbaren Einfl uss auf die Nutzung der Programme.

Vorausblick

Zugegeben, im Jahre 2013, nach der Kartellamtsentscheidung, hätten viele Beobachter – darunter auch unsere Redaktion – mit einer Verschlüsselung der Privatsender ab dem Jahr 2023 gerechnet. Eine SD-Abschaltung und ab diesem Zeitpunkt die ausschließliche Weiterverbreitung der Programme im HDTV-Modus wären denkbar gewesen. Doch die Zeiten haben sich drastisch geändert. In den letzten Jahren haben VoD-Angebote wie Netfl ix, Prime Video oder auch DAZN an Bedeutung gewonnen und sind zur direkten Konkurrenz des Privatfernsehens geworden. Die werberelevante Zielgruppe ist nicht mehr darauf angewiesen was RTL, Sat.1 und Co. zeigen, sondern schaut Serien und Filme vermehrt bei den neuen Anbietern. Somit sind die Sender in Zugzwang, denn Reichweitenverlust bedeutet für sie deutlich geringere Einnahmen. Betrachtet man dazu die Preise, sind diese kaum unterschiedlich. Für ein Netfl ix-Abo muss nicht viel mehr berappt werden als für ein Abo der Privatsender in HD. Es bleibt also abzuwarten, wie es nach 2023 weitergeht und ob RTL und Co. dann wirklich die SDAusstrahlung zu Gunsten der codierten HD-Verbreitung beenden oder ob diese nicht doch die Verbreitungsstrategie bei der HD-Ausstrahlung überdenken oder SD auch über 2023 hinaus am Leben erhalten.

Screenshots

Privatsender

Öff entlich-Rechtliche unbetroff en

ARD, ZDF und alle anderen öff entlich-rechtlichen Sender sind von der Kartellamtsentscheidung unbetroff en und könnten somit jederzeit die SD-Verbreitung über Satellit beenden. Eigentlich müssen sie es zum Ende des Jahres 2020 sogar, da die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, quasi die „Geldgeber” für die gebührenfi nanzierten Sender, hat die Mittel zur SD-Verbreitung ab 2021 gestrichen. Im Klartext bedeutet dies, dass ARD und ZDF ab 2021 Millionenbeträge für die Finanzierung der sechs Astra-Transponder fehlen. Doch bei den Anstalten kann man sich zur SD-Abschaltung bislang nicht auf einen Termin durchringen. Helwin Lesch, Hauptabteilungsleiter Verbreitung und Controlling beim Bayerischen Rundfunk und gleichzeitig Vorsitzender der Konferenz Programmverbreitung der Produktions- und Technik-Kommission der ARD, konnte auf dem Anga- Symposium Digital keinen konkreten Abschalttermin auch auf mehrfache Nachfrage bestätigen. Der aktuelle Verbreitungsvertrag mit dem Satellitenbetreiber SES läuft nach Informationen von DIGITAL FERNSEHEN Ende Januar 2021 aus. Die öff entlich-rechtlichen Anstalten sprachen bisher immer von einer notwendigen Übergangszeit von mindestens 15 Monaten ab Veröffentlichung des Abschalttermins. Dies bedeutet, dass ARD und ZDF nun in die Vertragsverlängerung gehen müssen, obwohl sie hierfür kein Geld mehr aus den Rundfunkgebühren erhalten werden. Lesch begründete die Verlängerung auf dem Symposium mit der „Verpfl ichtung, die man für die nicht-technik-affnen und fi nanziell nicht so gut gestellten Haushalte empfi ndet”. Stellt sich natürlich die Frage, woher die Gelder für die SD-Verbreitung der öff entlich-rechtlichen Sender ab 2021 genommen werden sollen. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass die KEF die Gebühren für die SD-Verbreitung 2021 doch noch zahlt, muss von Einsparungen an anderen Stellen ausgegangen werden, etwa im Programm der Sender.

ZDF-Sender

Was bedeutet die SD-Abschaltung

Die SD-Abschaltung von ARD und ZDF würde nur jene treff en, die besagte Sender immer noch in SD-Aufl ösung sehen. Wer also kein HD-Zeichen im Logo der Sender eingeblendet bekommt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit betroff en und muss seine Empfangstechnik wechseln. Allerdings wird die Anzahl dieser Haushalte immer geringer, denn schon seit rund zehn Jahren sind alle verkauften TV-Geräte mit integriertem Tuner aber auch die Mehrheit der Satellitenreceiver HDTV-tauglich. Ältere Receiver lassen sich relativ preisgünstig gegen ein HDTV-Modell tauschen. Je nach Ausstattung sind HDTV-Receiver schon für rund 40 Euro im Handel erhältlich, der Umstieg stellt also für die meisten Zuschauer auch fi nanziell kein Problem dar. Fakt ist aber, dass all jene, die noch in SD-Aufl ösung schauen, sensibilisiert werden müssen. Dies ist allerdings erst dann vollumfänglich möglich, wenn sich die Verantwortlichen der Sender auf einen Abschaltungszeitpunkt verständigt haben und im Programm auf die Thematik hinweisen. RICARDO PETZOLD

Lineare UHD-Verbreitung

Immer deutlicher klingt durch, dass es beim linearen Fernsehen der öff entlich-rechtlichen Anstalten wohl vorerst keinen Simulcastbetrieb von HD und UHD geben wird. Helwin Lesch, Hauptabteilungsleiter Verbreitung und Controlling beim Bayerischen Rundfunk und gleichzeitig Vorsitzender der Konferenz Programmverbreitung der Produktions- und Technik-Kommission der ARD, machte auf dem Anga-Symposium deutlich, dass es von den Landesrundfunkanstalten UHD-Inhalte gibt, diese aber weiterhin nur im Testbetrieb sind. Eine 24/7-Ausstrahlung ist nicht geplant und man legt bei UHD-Produktionen seitens der öff entlich-rechtlichen Kanäle den Fokus auf fi ktionale Inhalte und Sport, also da, wo es eben Sinn macht. Eine ähnliche Strategie ist auch bei den Privatsendern zu beobachten. Während RTL seinen eigenen UHD-Kanal ausschließlich mit UHD-Inhalten bespielt und die restliche Sendezeit nur Programmhinweise zeigt, haben sich die anderen deutschen Privatsender zusammen mit HD+ für die Ausstrahlung ihrer UHD-Inhalte auf UHD1 geeinigt. UHD 1 Ist Bestandteil der HD-Plus-Plattform und strahlt ausschließlich UHDInhalte diverser Sender aus.

History: RTL über Astra

8. Dezember 1989 – Start von RTL Plus auf Astra 1A 19,2 Grad Ost August 1996 – Start von RTL in DVB-S MPEG 2 auf Astra 19,2 Grad Ost 1. November 2009 – Strat von RTL HD auf der HD-Plus-Plattform 30. April 2012 Abschaltung der analogen Verbreitung von RTL auf 19,2 Grad Ost 28. April 2018 – Start von RTL UHD via HD-Plus


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