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Und der Haifisch, der hat Zähne


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 15.09.2021

Artikelbild für den Artikel "Und der Haifisch, der hat Zähne" aus der Ausgabe 3/2021 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 3/2021

1. Die Hochzeitsfeier von Macheath (Claudius von Stolzmann, l.) und Polly Peachum (Swintha Gersthofer, vorne Mitte), Gäste (Ensemble)

Österreichs berühmte Musik- und Theaterszene kommt allmählich wieder zurück aus dem erzwungenen Pandemieschlaf – die Häuser haben eine Öffnungsperspektive. In Zeiten der Pandemie gibt es den Kulturgenuss nur über den Bildschirm. Das österreichische Fernsehen zeigt zusammen mit den Wiener Kammerspielen den Klassiker »Die Dreigroschenoper«.

Das Stück, eine Zusammenarbeit des Literaten Bertolt Brecht und des Komponisten Kurt Weill, hatte seine Uraufführung am 31. August 1928 im Berliner Theater am Schiff bauerdamm. Das Stück basiert auf John Gays »Beggar‘s Opera«. Bis zum Beginn der Naziherrschaft avancierte es zu der erfolgreichsten deutschen Theateraufführung. Der Song ›Die Moritat von Mackie Messer‹ ...

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... wurde – auch nach dem Zweiten Weltkrieg – durch Hildegard Knef zum Welthit.

Es ist der Song, mit dem die Inszenierung beginnt und der einen Einblick gibt in die Welt, die den Zuschauer in den nächsten Stunden erwartet. Kaum sind die letzten Noten verklungen, betritt Jonathan Peachum, Chef der ortsansässigen Bettlermafia, die Bühne und spricht über seine größte Sorge: Seine Tochter Polly hat ihr Herz an eben jenen Gangster Mackie Messer verloren, den sie auch prompt heiratet.

Brecht wollte in seinen Stücken die großen Vorgänge in der Gesellschaft darstellen und den Finger in die Wunde legen – das Geschehen auf der Bühne sollte vom Zuschauer kritisch gesehen werden und ihn animieren, die Missstände im Alltag zu beheben. Die Kammerspiele setzen diese Tradition fort, dabei mag auch das Fernsehen als Übertragungsmedium helfen. Das Theater in der Josefstadt inszeniert »Die Dreigroschenoper« an den Kammerspielen in einem unkonkreten, zeit- und ortsunabhängigen Raum. Auch wenn immer wieder der Londoner Stadtteil Soho Erwähnung findet, könnte das Stück ebenso an jedem anderen Ort funktionieren. Die Darsteller sind meist in Frack und Zylinder gekleidet, auch Spelunkenjenny (Susa Meyer) darf im Glitzer-Body und in Strapsen zumindest Outfit-technisch über ihre Verhältnisse leben. Die Kulisse besteht aus mehreren, schrägen, teilweise beleuchteten Rampen, die viele Auf- und Abgänge ermöglichen und den eher kleinen Bühnenraum der Kammerspiele optimal ausnutzen. Die Musiker unter der Leitung von Christian Frank haben zwischen dem Spielgeschehen Platz genommen.

Die fast dreistündige Inszenierung von Torsten Fischer wird getragen von den großartig besetzten Hauptfiguren. Auf der einen Seite Jonathan Jeremiah Peachum, der fast bürgerlich von Herbert Föttinger gespielte Bettler-Boss, und Maria Bill in der Rolle seiner resoluten Frau Celia. Bill überzeugt mit ihrer stimmlich kraftvollen Präsenz und ihrem glaubhaft resoluten Spiel. Sie schafft es, vor allem mit ihrer Stimme, die Zuschauer in eine frühere Zeit zu entführen – erinnert sie doch an alte Diven wie Zarah Leander oder Marlene Dietrich. Das Ehepaar will Macheath ans Messer liefern. Dieser Gegenspieler (auf der anderen Seite der Bühne) wird verkörpert von Claudius von Stolzmann, der, mal tanzend, mal kletternd auf der Traverse, als Frauenheld eine gute Figur macht. Er spielt intensiv und im Duett ›Kanonen Song‹ mit Dominic Oley zeigt er auch stimmlich sein Können. Optisch erinnert er mit weißem Gesicht und roten Lippen an den Joker aus »Batman« und steht mit seiner dreckig skrupellosen Art auch anderen Filmbösewichten in nichts nach. Dennoch gelingt es von Stolzmann, charmant auch die Person hinter dem Verbrecher zu zeigen. Zwar wird er von einer Hure verraten –, doch eine Geliebte verhilft ihm zur Flucht, eine andere Dame bietet ihm Unterschlupf. Aber scheinbar zu früh gefreut: Erneut wird er für ein wenig Geld verraten. Bevor er schließlich gehängt wird, lassen die Kammerspiele gleich Queen Elizabeth II. höchstpersönlich erscheinen. Ihr Bote verkündet anlässlich der Krönung, dass Mackie Messer begnadigt und geadelt wird.

Mit »Wir spielen für Österreich« hat der österreichische Rundfunk ORF eine Sendereihe ins Leben gerufen, die trotz Pandemie hochkarätige Produktionen ermöglicht. Aus den verschiedenen Sparten der vielen österreichischen Bühnen werden Vorstellungen im Fernsehen übertragen: Die Wiener Symphoniker spielten ein Osterkonzert, die Vereinigten Bühnen Wien und die Bühnen Baden stellten jeweils einen Musicalabend zusammen.

Mina Piston