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Unerforschte Helferchen


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 2/2015 vom 13.02.2015

Die Pflanze braucht sie zum Überleben, der Mensch für seine Gesundheit: Sekundäre Pflanzenstoffe stecken in Obst und Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten. Etwa 30.000 dieser Miniheiler sind bisher bekannt. Warum sie wie wirken, darüber gibt es aber nur wenige Studien.


Sekundäre Pflanzenstoffe

Artikelbild für den Artikel "Unerforschte Helferchen" aus der Ausgabe 2/2015 von ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 2/2015

Wenn Pflanzen kräftig duften, farbenfroh aussehen und aromatisch schmecken, stecken besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe in ihnen. Als kleine Multitalente regulieren sie das Wachstum, locken durch Duftstoffe nützliche Insekten an oder wehren unerwünschte ab. Auch im menschlichen Körper ...

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... tun sie ein gutes Werk. Das ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Ernährungsforscher haben neun Gruppen nach ihren chemischen und funktionellen Eigenschaften benannt: Carotinoide, Flavonoide, Glucosinolate, Monoterpene, Phytosterine, Phytoöstrogene, Protease- Inhibitoren, Saponine und Sulfide. In einer Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist, schützen sie vor Infektionen durch Viren, Bakterien und Pilze, Herz-Kreislauf-Krankheiten und möglicherweise sogar vor Krebs. Sie stärken das Immunsystem und gleichen den Blutzuckerspiegel aus.

Wie sie das schaffen, muss größtenteils noch erforscht werden. Fest steht aber, dass isolierte Pflanzenstoffe – zum Beispiel in Kautabletten oder Kapseln – wenig bis gar keine Wirkung zeigen oder möglicherweise sogar negative Effekte haben. Nur die vielfältige Mischung, wie sie in den komplexen Pflanzen vorliegt, wirkt gesundheitsfördernd. Ebenso wenig ist bisher bekannt, wie hoch der exakte Bedarf an den einzelnen Substanzen ist, bei welcher Dosis eine schützende Wirkung zu erwarten ist und ob Überdosierungen möglicherweise schaden können.

Auf der sicheren Seite sind aber alle, die die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beachten, die täglich etwa 600 Gramm, aufgeteilt in drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst, empfiehlt. „Essen Sie einfach bunt”, lautet eine der wichtigsten Regeln der DGE.

Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Effekte

Carotinoide

Enthalten in : Karotte, Tomate, Paprika, grünem Gemüse (Spinat, Grünkohl), Grapefruit, Aprikose, Melonen, Kürbis.

Bedeutung für die Pflanze: Sie geben vielen Gemüse- und Obstarten eine intensive gelbe bis rote Farbe. Auch intensiv grünes Gemüse enthält Carotinoide, das hier aber durch den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll überdeckt wird.

Möglicher Gesundheitseffekt: Carotinoide wirken als Antioxidans, beeinflussen das Immunsystem, senken das Risiko für Augenerkrankungen; reduzieren das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen.

Flavonoide

Enthalten in : Äpfeln, Birnen, blaue Trauben, Pflaumen, Beerenobst, Zwiebeln, Grünkohl, Auberginen, schwarzem und grünem Tee und vielem mehr.

Bedeutung für die Pflanze: Ähnlich wie die Carotinoide sind auch Flavonoide Farbstoffe, sie färben Gemüse und Obst gelb oder blau.

Möglicher Gesundheitseffekt: Flavonoide senken vermutlich das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Sie wirken als Antioxidans und beeinflussen das Immunsystem. Außerdem können sie das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren unterdrücken, die Blutgerinnung hemmen sowie das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen reduzieren.

Glucosinolate

Enthalten in : allen Kohlarten, Rettich, Radieschen, Kresse, Senf.

Bedeutung für die Pflanze: Glucosinolate geben den Pflanzen einen scharfen Geruch und Geschmack, was als gute Abwehr gegen Fraßfeinde dient.

Möglicher Gesundheitseffekt: Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Glucosinolate bzw. ein regelmäßiger Verzehr von Pflanzen mit Glucosinolaten das Risiko für Krebserkrankungen verringern. Die Stoffe beeinflussen außerdem das Immunsystem und wirken antioxidativ.

Monoterpene

Enthalten in : Zitrusfrüchten, stark duftenden Kräutern und Gewürzen wie beispielsweise Thymian, Rosmarin und Pfefferminze.

Bedeutung für die Pflanze: Einige Terpene regulieren das Pflanzenwachstum und haben auch pilzhemmende Eigenschaften. Als Bestandteil der ätherischen Öle dienen sie auch dazu, nützliche Insekten anzulocken.

Möglicher Gesundheitseffekt: Monoterpene haben möglicherweise eine antikanzerogene Wirkung, sie schützen also vor bestimmten Krebserkrankungen.

Phytosterine

Enthalten in : Phytosterine kommen vor allem in fettreichen Pflanzen vor, daher enthalten Obst und fettarme Pflanzen vergleichsweise wenig Sterine. Viel davon steckt dagegen in Nüssen und Pflanzensamen (Sonnenblumenkerne, Sesam, Soja), Hülsenfrüchten.

Bedeutung für die Pflanze: Die Stoffe sind ein wichtiger Bestandteil von Zellmembranen.

Möglicher Gesundheitseffekt: Phytosterine senken nachgewiesenermaßen die Cholesterolkonzentration im Blut. Dadurch verringern sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wegen dieses Effekts werden inzwischen auch einige Lebensmittel mit Phytosterinen angereichert, in Deutschland ist vor allem die Margarine becel pro activ dafür bekannt. Experten raten aber dazu, dass das Streichfett nur von Leuten mit hohem Cholesterinspiegel verwendet werden sollte. Gesunden drohen möglicherweise erhöhte Herz-Kreislauf-Risiken.

Phytoöstrogene

Enthalten in : Ballaststoffhaltigen Lebensmitteln wie Getreide und Hülsenfrüchte (z. B. Sojabohnen) sowie in Leinsamen

Bedeutung für die Pflanze: Pflanzenhormone, die ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen aufgebaut sind

Möglicher Gesundheitseffekt: Phytoöstrogene senken vermutlich das Risiko für hormonabhängige Tumorerkrankungen wie Brust- oder Prostatakrebs. Sie wirken als Antioxidans und beeinflussen das Immunsystem. Außerdem festigen sie möglicherweise die Knochen und könnten vor Osteoporose schützen. Auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird durch sie reduziert.

Protease-Inhibitoren

Enthalten in : Soja- und Mungobohnen, einigen Getreidearten und Kartoffeln.

Bedeutung für die Pflanze: Die Substanzen hemmen die Aktivität proteinspaltender Enzyme und sorgen damit für Eiweißreichtum.

Möglicher Gesundheitseffekt: Für einige Protease-Inhibitoren wurden antikanzerogene Effekte nachgewiesen, die sich vor allem auf den Verdauungstrakt beziehen. Die Substanzen wirken auch als Antioxidans.

Saponine

Enthalten in : Kichererbsen, Sojabohnen, Linsen, grünen Bohnen, Spinat.

Bedeutung für die Pflanze: Saponine sorgen für einen bitteren Geschmack und schrecken damit gefräßige Insekten ab.

Möglicher Gesundheitseffekt: Die Stoffe wirken vermutlich krebshemmend und antibiotisch. Saponine binden Cholesterol und Gallensäure, stimulieren das Immunsystem und haben eine antimikrobielle Wirkung im Darm.

Sulfide

Enthalten in : Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Schnittlauch

Bedeutung für die Pflanze: Die schwefelartigen Duft- und Aromastoffe hemmen das Wachstum von Bakterien und machen außerdem das Gewächs für Fraßfeinde uninteressant.

Möglicher Gesundheitseffekt: Sulfide reduzieren das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Außerdem regen sie die Immunabwehr an, wirken antioxidativ, entzündungshemmend und antimikrobiell.


Foto: Buriy/iStock/Thinkstock