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Unprätentiös


Hifi Lautsprecher Testjahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.01.2019

Konsequent beschreitet Jörg Bohne seinen eigenen Weg: Seine Lautsprecher sind aktiv, sie werden immer auf den jeweiligen Hörraum perfekt eingemessen und, ja: Sie haben alle diesen einmaligen Bändchenhochtöner


Artikelbild für den Artikel "Unprätentiös" aus der Ausgabe 1/2019 von Hifi Lautsprecher Testjahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hifi Lautsprecher Testjahrbuch, Ausgabe 1/2019

Die Vierkanal-Endstufe ist ein traditioneller AB-Verstärker. Alternativ gibt es auch eine Class-D-Endstufe


Der miniDSP SHD ist eine sehr leistungsfähige DSP-Vorstufe mit Dirac-Filtern


Von der Seite kann man die nicht ganz alltägliche Form von Box und Ständer bewundern


Der 20 Zentimeter lange Bändchenhochtöner arbeitet als Dipol


Es ist schon eine Weile her, da hatte ich mit der damaligen Version der ...

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Es ist schon eine Weile her, da hatte ich mit der damaligen Version der Bohne Audio BB-15 eine ziemlich einmalige Begegnung. Im Wohnzimmer des Chefs saßen wir zusammen und hörten mit gefühlten 120 Dezibel Deep Purples Meilenstein von Livealbum „Made in Japan“, namentlich das Stück „Lazy“. Und mir sind die Tränen gekommen, nicht wegen der Lautstärke, nein, weil ich Musik noch nie so unmittelbar mit so viel Verve und Leichtigkeit gehört hatte.
Nun, dieses recht große System mit einem 15-Zoll-JBL-Bass und entsprechender Elektronik kann nicht jeder stellen oder es sich leisten, aber Jörg Bohne hat auch ein Herz für den Musikliebhaber mit dem kleineren Hörraum und Geldbeutel.
Wir testen hier mit dem BB-8 das kleinste momentan erhältliche Aktivsystem des Herstellers, der seine Experimente mit einer recht ähnlichen Passivbox aufgegeben hat: Obwohl diese recht gut funktionierte, waren die eingegangenen Kompromisse in Bezug auf Wirkungsgrad und Flexibilität zu groß, um sich mit dem absoluten Qualitätsanspruch Jörg Bohnes vereinbaren zu lassen.
Nun also die aktive BB-8. Wie es der Name schon verrät, basiert die Box auf einem 8-Zoll-Tieftöner, der in einem extrem kompakten Würfel untergebracht ist, fl ankiert von zwei gleich großen Passivmembranen, die statt eines Refl exrohrs als Resonatoren arbeiten. Natürlich kann ein Achtzöller, außer es handelt sich um einen reinrassigen Subwoofer, mit einem Volumen von gerade einmal 12 Litern nicht in einer passiven Abstimmung arbeiten.
An dieser Stelle wird also aktiv entzerrt. Ab etwa 1200 Hertz übernimmt das aufgesetzte Bändchen, das Jörg Bohne nach wie vor in Eigenregie herstellt. 20 Zentimeter lang und 14 Millimeter breit ist es, mehrfach gefaltet dazu, um die abstrahlende Oberfl äche zu erhöhen. Die Ansteuerung erfolgte bei unserem Testsystem mit dem neuen Vorverstärker-Prozessor von miniDSP mit dem Namen SHD. Die bei den großen Systemen verwendete Trinnov-Elektronik würde den Preisrahmen des kleinen Systems sprengen, das in dem von uns getesteten Setup inklusive Standfüße und Elektronik bei 6.400 Euro angesiedelt ist. Das beinhaltet neben dem miniDSP SHD auch noch eine vierkanalige Class-AB-Endstufe mit ordentlich Leistung.

Anlage

Plattenspieler:
• Transrotor Alto mit Sorane ZA-12 und Phasemation PP-500

Phonoverstärker:
• Accuphase C-37

Kenny Burrell – Midnight Blue

Musik

Kenny Burrell
Midnight Blue

Ry Cooder
Bop ’Til You Drop

Ludwig van Beethoven
Die späten Klaviersonaten, Christoph Eschenbach

Peter Tschaikowsky
Klavierkonzert Nr. 1 b-moll, Martha Argerich, Royal Philharmonic Orchestra, CharlesDutoit
Wolfgang Amadeus Mozart

Waisenhausmesse, Claudio Abbado
Oscar Peterson Trio

We Get Requests
Jazz at the Pawnshop

Den Bändchenhochtöner fertigt Jörg Bohne nach wie vor selber


Mit der einfachen Fernbedienung lassen sich alle Funktionen des Vorverstärkers ansteuern


Nach dem Aufstellen der Lautsprecher auf den gut passenden und optisch pfi ffi gen Ständern erfolgt das Einmessen auf den Hörraum. Dieser ist nach Empfehlung des Herstellers zwischen 10 und 20 Quadratmeter groß – das erscheint für den angegebenen Grenzschalldruck von 110 dB realistisch, während in unserem ungleich größeren Redaktionshörraum da etwas weniger drin ist – für ordentlich Spaß aber immer noch mehr als genug.
Das Einmessen der Dirac-Filtereinheiten erfolgt über ein einfaches Messmikrofon, das der Kunde auch für wenig Geld für eigene Messungen erwerben kann – sonst erfolgt das Einmessen durch den Hersteller oder per Remote über das Internet.
Nachdem alle Filter gesetzt sind – zwischen 50 und 200 an der Zahl sind die Regel – sieht der Frequenzgang im Raum aus, wie gemalt – siehe Messtechnik-Kommentar. Und dann, ja dann kann der Spaß beginnen: Und hier erinnert die BB-8 in bester Art und Weise an die BB-15.
Das ist alles so unglaublich fein, entspannt, seidig, geschmeidig – besser kann ich mir den Hochtonbereich eines Lautsprechers einfach nicht vorstellen, egal in welcher Preisklasse.
Kenny Burrells „The Mule“ lebt vom Dialog der Gitarre mit dem Tenorsaxofon – die Charakteristika beider Lead-Instrumente arbeitet die Bohne Audio so klar heraus, dass man förmlich die verschmitzten Blicke zu sehen vermag, die sich die Musiker bei ihrem brillanten Austausch gegenseitig zuwerfen. Die eher dunkel timbrierte Jazzgitarre singt dabei ihr Lied, während das Saxofon mit allen Anblasgeräuschen lebendig und offen seine Musik atmet.
Bei mehr elektronisch erzeugter Musik kann man die wirklich verblüffenden Tiefbassfähig-keiten des Ensembles genießen. Ich kann es nicht oft genug betonen: Die BB-8 hat ein Nettovolumen von gerade einmal 11 Litern! Daraus zaubert sie ein wirklich knackiges und gleichzeitig voluminöses Fundament bis hin zu mehr als respektablen Pegeln – in einem kleineren Raum sogar bis hin zu richtig böse laut!

Den Frequenzgang mussten wir bei einem auf den Hörplatz eingemessenen Lautsprecher natürlich auch im Einmesssystem festhalten – daher die andere Optik. So einen Frequenzgang sieht man sehr selten – das ist bis auf eine kleine Raummode im Bass absolut perfekt! In Sachen Resonanzen macht das Gesamtsystem einen ebenso perfekten Eindruck wie beim Klirr – nur im absoluten Tiefbassbereich merkt man irgendwann spät die Hubgrenzen des Tieftöners.

Gleich zwei dieser langhubigen Passivmembranen sorgen für ultimative Tiefbassausbeute


Der angetriebene Tieftöner ist ein Hochleistungschassis aus dem PA-Bereich


Die außergewöhnlichen Ständer passen gut zur außergewöhnlichen Box


Doch bei allem Respekt vor dem Kunststück, aus einem so kompakten Gehäuse so tiefen und gleichzeitig festen Bass zu zaubern: Das selbst gefertigte Bändchen ist der Star im Ensemble Jörg Bohnes.
Grob-wie feindynamisch hängt es am eingespeisten Musiksignal; auch, wenn es in der freien Wildbahn der Musikwiedergabe nicht vorkommt, kann man die Optimierung des Gesamtsystems auf Rechtecksignale sehr gut nachvollziehen. Das wirkt schnell und dynamisch vom tiefsten Bass bis in den höchsten Hochtonbereich – präzise in der Räumlichkeit und doch wahnsinnig offen durch das auch rückseitig abstrahlende Bändchen. Das Ganze ist durch die präzise Einmessung in den Raum auch irrsinnig neutral und genau bei jeder noch so kleinen Nuance der Klangfarben – wenn man die Raumakustik mal aus der Gleichung nimmt, dann merkt man erst, was in dieser Beziehung alles noch geht. Entspann ter kann man Musik auf hohem Niveau nicht hören.
Thomas Schmidt