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UNSER COSMOS


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Cosmopolitan - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022

MERRY GRINCHMAS

Na, auch nicht in Stimmung? Macht nichts. Denn wir habenlustige Alternativenfür all diejenigen, die mit Besinnlichkeit und Christmas-Kitsch nichts anfangen können

Artikelbild für den Artikel "UNSER COSMOS" aus der Ausgabe 12/2022 von Cosmopolitan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Cosmopolitan, Ausgabe 12/2022

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ZWEI GESICHTER

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DREI FRAGEN AN STAR-NASE THIERRY WASSER

WIE SUCHT MAN EIN PARFUM ZUM VERSCHENKEN AUS?

DÜFTE SIND EIN GESCHENKE- KLASSIKER – UND SUPERPERSÖN- LICH, WÄHLT MAN DIE RICHTIGEN AUS. WIE DAS GEHT, ERKLÄRT GUERLAIN-MEISTER-PARFÜMEUR THIERRY WASSERWarum sind Parfums ideale Geschenke?Weil sie eine emotionale Verbindung schaffen. Ein Duft begleitet durch den Alltag. Wie finden wir den richtigen Duft?Entscheiden Sie sich für eine Duftnote, indem Sie sich den*die Beschenkte*n vorstellen: Passt zum Charakter und Stil etwas Blumiges, Exotisches oder Fruchtiges? Dann bringt man sich selbst ein: Was will ich der Person mitgeben? Für Optimismus wählt man einen hellen Mix mit Zitrus-Komponenten. Sollte sie mal mehr aus sich herauskommen, bietet sich eine intensive Kombi mit dunklen Hölzern an. Oudh ist gerade angesagt. Was, wenn der Duft nicht gefällt?Dann hat man zumindest ein Gesprächsthema und lernt sich eben auf diese Art besser kennen.

IRAN, WIR BLEIBEN DRAN!

NACH DEM MORD AN JINA MAHSA AMINI PROTESTIERENFRAUEN UNDMÄNNER GEGEN DAS REGIME IM IRAN.JOURNALISTIN NATALIE AMIRI TEILT HIER IHRE GEDANKEN

SCHAUEN SIE HIN

„Es ist wichtig, dass wir weiterhin posten und die Frauen im Iran wissen, dass wir hinschauen!“, erklärt Natalie Amiri. Bleiben Sie deshalb informiert, etwa über die Instagram-Accounts von @natalie_amiri, Journalistin @duzentekkal oder @centerforhumanrights

Oktober, Innenhof einer Schule in Karaj, einer Stadt nahe der iranischen Hauptstadt Teheran. Dutzende Schülerinnen schreien den Schulleiter an: „Charakterschwein, Charakterschwein, Charakterschwein!“ Und schmeißen ihn aus dem Schulgebäude raus. Viele haben keine Kopftücher auf. Schülerinnen in der südiranischen Stadt Shiraz rufen: „Habt keine Angst, habt keine Angst, wir sind alle zusammen.“

Das sind sie, sie sind zum ersten Mal alle zusammen auf der Straße. Gegen das repressive Regime der Islamischen Republik Iran. Ein Regime, das im Namen des Islam seine Bevölkerung 43 Jahre lang erdrückte. Vor allem Frauen. Aber auch ethnische Minderheiten wie die Kurd*innen. Und dann gibt es da noch die extrem unerschrockene, mutige Generation X. 70 Prozent sind unter 30 Jahre alt. Sie haben nichts zu verlieren, denn sie haben noch nie etwas bekommen von der Islamischen Republik und werden es auch nicht.

HERR ÜBER SIE

Seit Gründung der Islamischen Republik Iran wurde das Heiratsalter für Mädchen auf 13 Jahre herabgesetzt. Männer können gemäß der Scharia, dem islamischen Recht, das im Gottesstaat über allem steht, bis zu vier Frauen heiraten und unzählige Ehen auf Zeit schließen. Sie dürfen ihre Ehefrauen willkürlich verstoßen, ohne deren Einverständnis einzuholen oder ein Gericht einzuschalten. Auch beim Sorgerecht benachteiligt das islamische Recht die Frauen: Töchter dürfen nur bis zu ihrem siebten, Söhne bis zum zweiten Lebensjahr bei der Mutter bleiben. Eine Scheidung ist ohne das Einverständnis des Ehemannes nicht möglich. Ob eine Frau arbeiten gehen darf, entscheidet laut der Scharia Ehemann oder Vater. Auch für Auslandsreisen müssen Frauen das Einverständnis ihres Ehemannes oder Vaters vorlegen, schon dann, wenn sie einen Pass dafür beantragen wollen. Frauen dürfen nicht ins Fußballstadion, dürfen nicht singen, tanzen schon gar nicht. Nasrin Sotudeh, Irans bekannteste Menschenrechtsanwältin, die selbst eine Haftstrafe von 38 Jahren absitzen muss, sagt: „Ein Urteil nach dem anderen mussten Frauen erfahren, ein Urteil nach dem anderen wird über unseren Körper verhängt, was unsere Kleidung betrifft. Und nicht nur das, sondern auch Vergewaltigungen und andere Übertretungen. Sie schlagen dich und tun dir weh und verletzen dich und hüllen dich wieder in den Schleier, der das Leid, das dir zugefügt wurde, verdeckt.“

SOLIDARITÄTS-GESTE

1Die iranisch-belgische Politikerin Darya Safai zeigt vor dem Brüsseler Parlament, was jetzt wichtig ist

2Bewegende Szene: Nasibe Samsaei, eine Iranerin, die in der Türkei lebt, schneidet sich vor dem iranischen Konsulat in Istanbul den Zopf ab

GEMEINSAMER KAMPF

Jetzt reicht es den Frauen, die die größten Proteste seit Gründung der Islamischen Republik 1979 bestimmen. Sie reißen sich ihre Kopftücher vom Kopf, verbrennen sie, tanzen auf der Straße, mit ihrem Kopftuch in den Händen. Das alles geschieht unter frenetischem Beifall von Zehntausenden Frauen – und Männern. Auch sie wollen dieses Regime nicht. Und deshalb stehen sie Seite an Seite auf der Straße. Es schließen sich immer mehr Städte an. Innerhalb von nur 24 Stunden sind Menschen in mehr als 60 iranischen Städten auf die Straße gegangen. Seit mehr als zwei Wochen finden Proteste in 30 von 31 iranischen Provinzen statt. Denn das Fass kam zum Überlaufen – durch den Tod von Mahsa Amini, einer 22-jährigen kurdischen Iranerin, die in Teheran zu Gast war, von der gefürchteten Sittenpolizei gewaltsam in einen Minibus gezerrt und dort laut Augenzeugenberichten mit dem Kopf mehrmals gegen die Fensterscheibe geschlagen wurde. Warum? Weil sie ihr Kopftuch nicht richtig trug, zumindest in den Augen der Sittenpolizei. Auf dem Grabstein von Mahsa Amini steht: Für uns bist du nicht gestorben, dein Name wird ein Code sein. Dass dies wirklich wahr werden würde, das hätte vor zwei Wochen noch niemand vermutet.

DIE JUGEND HAT NICHTS ZU VERLIEREN, DENN SIE HAT NOCH NIE WAS BEKOMMEN.

DIE GEFAHR DER MEINUNG

Es herrscht schon sehr lange große Unzufriedenheit und Wut auf das Regime der Islamischen Republik. Allein im ersten Halbjahr 2022 zählte man mehr als 2000 Proteste – oft gingen die Menschen aus sozioökonomischen Gründen auf die Straße: ausbleibende Gehälter, eine hohe Inflation von über 50 Prozent, enorme Steigerung von Lebensmittelpreisen, Korruption und Vetternwirtschaft. Doch diese Proteste waren einfacher niederzuschlagen, denn sie fanden partiell statt, nicht flächendeckend. Anders als jetzt. Shervin Hajizadeh war ein eher unbekannter Musiker im Iran. Bis er vor wenigen Tagen das Lied mit dem Titel „Für die Freiheit“

schrieb. Darin benennt er alle Missstände der Islamischen Republik. Er singt: „Wegen der korrupten Wirtschaft“, „Wegen der Scham, leere Taschen zu haben“, „Wegen der Sehnsucht nach einem normalen Leben“, „Wegen all der eingesperrten Talente“ oder „Wegen der Angst, sich auf der Straße zu küssen“ – und nicht zuletzt: „Für die Freiheit“. In nur wenigen Stunden wurde der Song mehr als 40 Millionen Mal geklickt. Shervin wurde daraufhin vom Geheimdienst abgeholt und verhaftet. Das passiert jedem im Iran, der sich kritisch zu Wort meldet. Mehr als 30 Journalistinnen und Journalisten wurden eingesperrt. Die Gefängnisse sind so voll, dass sie platzen. Das Regime ächzt. Denn es kommt nicht mehr nach. Bei diesen Protesten geht es nicht um das Kopftuch. Doch das Kopftuch ist in der Islamischen Republik zum Symbol für die Unterdrückung geworden. Wird das Kopftuch fallen, kann das der Beginn vom Ende sein.

Hinweis: Dies war der Stand der Ereignisse zum Druckdatum.

LEBEN MIT DEM RISIKO

Natalie Amiri gibt in ihrem Buch „Zwischen den Welten“ den Menschen im Iran eine Stimme (Aufbau, 22 €)