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UNSER FACHKRÄFTEMANGEL IST HAUSGEMACHT!


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founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 37/2022 vom 31.05.2022
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Wir finden einfach keine guten Mitarbeiter, der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt!« Aussagen wie diese habe ich inzwischen von fast jedem Mitglied meiner Unternehmer-Mastermind gehört. Aus Arbeitnehmersicht ist das natürlich gut.

Vor allem junge und gut qualifizierte Menschen haben die Qual der Wahl, wo sie sich bewerben. Für uns Unternehmer ist die aktuelle Lage allerdings eine Katastrophe. Wie willst du wachsen, wenn du zwar die passenden Ideen hast – doch es jedoch schlicht und ergreifend an der Manpower mangelt?

Den Berufsstartern wird heute regelrecht der rote Teppich ausgerollt. Früher sah das komplett anders aus: Als Teil eines geburtenstarten Jahrgangs musstest du um deinen Job regelrecht kämpfen. Ich habe damals Hunderte Bewerbungen geschrieben, bis ich mir eine Stelle als Junior-Verkäufer sichern konnte. Heute musst du schon Recruiter einsetzen, um überhaupt halbwegs passende Kandidaten zu finden – und die haben dann zum Teil noch Ansprüche, dass dir die Ohren schlackern.

Keiner will sich mehr die Hände schmutzig machen

Doch ich will mich nicht beklagen. Im Vertrieb sieht es im Gegensatz zu anderen Branchen fast rosig aus. Das neue Ausbildungsjahr startet in wenigen Wochen – und knapp 40 Prozent aller Stellen sind unbesetzt. Besonders hoch ist der Anteil in Branchen wie dem Sanitärhandwerk, im Fleischfachhandel, im Gastronomieservice sowie bei den Beton- und Stahlbauern. Und ich bin überzeugt davon: Diesen Fachkräftemangel haben wir selbst zu verantworten! Zum einen durch die Art und Weise, wie wir unsere Kinder erzogen haben und welche Erwartungen wir an sie haben. So gut wie alle Eltern wünschen sich heute, dass ihre Sprösslinge aufs Gymnasium gehen und danach studieren.

Damit aus ihnen »was Ordentliches« wird. Ich frage mich, was da schiefgelaufen ist. Eine Ausbildung ist aus meiner Sicht nicht weniger wert – gerade nicht in der heutigen Zeit. Du kannst Meister werden, kannst dich mit deinem eigenen Betrieb selbstständig machen. Das ist doch super! Doch das wollen zu viele Menschen hierzulande immer noch nicht verstehen.

Auf der anderen Seite sind es jedoch oft auch genau jene, die jetzt am Jammern sind: »Unglaublich, ich warte jetzt schon seit zehn Wochen auf den Maler!« Oder: »Wir würden ja so gerne unsere Terrasse und den Garten neu gestalten, doch versuch mal, einen bezahlbaren Landschaftsbauer zu finden, der überhaupt noch Termine vergibt!« Tja, das ist das Ergebnis eurer Erziehung – und die Suppe müssen wir jetzt auslöffeln. Mit dem sich immer mehr zuspitzenden Fachkräftemangel gefährden wir nicht nur unseren Wohlstand, sondern langfristig auch unseren Fortbestand als Wirtschaftsnation. Denn wenn keiner mehr in den Fabriken arbeiten will, was passiert dann? Dann wird die Produktion ins Ausland verlagert.

DER HAKEN AN DER SACHE: DIE MEISTEN WOLLEN NICHT. SOBALD SIE MERKEN, DASS DER JOB KÖRPERLICH ANSTRENGEND IST, EINE GEWISSE DISZIPLIN ERFORDERT UND SIE SICH AUCH MAL DIE HÄNDE SCHMUTZIG MACHEN, TAUCHEN SIE NICHT MEHR AUF.

Wir haben zu viele Arbeitsunwillige im arbeitsfähigen Alter

Inzwischen haben sogar Ungelernte oder Schulabbrecher theoretisch gute Chancen auf eine Ausbildung in Deutschland.

Auch das ist etwas, was wir uns selbst zuzuschreiben haben. Der Sozialstaat ist eine gute Sache, keine Frage. Er hat jedoch dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen in bester Dodo-Manier faul und satt die Früchte genießen, die ihnen Vater Staat ohne Gegenleistung zur Verfügung stellt.

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Genauso wenig darf es sein, dass sich ehrliche Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes nicht lohnt! Eine aktuelle Berechnung des Instituts für Weltwirtschaft kam zu dem Ergebnis, dass jemand, der einen Minijob hat und Hartz IV bezieht, unterm Strich ein 19 Prozent höheres Einkommen hat, als es bei einer regulären Anstellung im Dienstleistungssektor der Fall wäre. Grund dafür sind Sozialzulagen wie Wohngeld und Co., die bei einer Vollzeitstelle dann wegfallen. Natürlich lässt sich argumentieren, dass es doch deutlich erstrebenswerter wäre, seinen Lebensunterhalt ohne Unterstützung selbst zu bestreiten. Doch die Menschen, die so denken, sind in unserer Gesellschaft die Ausnahme. Viele sind so bequem geworden, dass es ihnen herzlich egal ist, ob sie für das Geld, das monatlich auf ihrem Konto landet, etwas geleistet haben oder nicht. Solange wir daran nichts ändern und Arbeit wieder attraktiv machen, treten wir weiter auf der Stelle.

Lass die Fleißigen zu uns kommen!

Ich kenne einen Gartenbauunternehmer in Süddeutschland, der sucht händeringend nach deutschsprachigen Fachkräften – und findet niemanden. Im Team werden zig verschiedene Sprachen gesprochen, doch nur gebrochen Deutsch. Aus lauter Not hat der Chef jetzt einen ungelernten Studenten zum Baustellenleiter gemacht, der nebenher in den Ferien im Gartenbau jobbt. Warum? Weil er der Einzige war, der Lust auf den Job hatte und sich mit Architekten und Bauherren verständigen kann!

Eins möchte ich hier kurz klarstellen: Niemand ist etwas Besseres. Keiner ist wegen seiner Herkunft wertvoller oder weniger wert als andere. Mir geht es nur darum, ob jemand anpackt. Ich stelle ein, wer fleißig ist. Und wir sollten schlauerweise auch offen bleiben für Leute aus der ganzen Welt, die zu uns kommen wollen, um zu arbeiten. Wir haben damit auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Ohne die Gastarbeiter, die in den fünfzigerjahren nach Deutschland kamen, hätten wir kein Wirtschaftswunder erlebt.

Der Autor

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Martin Limbeck ist unter anderem Inhaber der Limbeck® Group, Wirtschaftssenator (EWS) und einer der führenden Experten für Sales und Sales Leadership in Europa.

Umgekehrt gilt bei mir aber auch: Faulpelze bekommen keinen Job. Völlig egal, woher sie kommen. Deswegen sollten wir als Gesellschaft die Rahmenbedingungen auch so gestalten, dass die Fleißigen kommen wollen. Nicht nur die, die mitbekommen haben, dass du in Deutschland ohne Arbeit ein besseres Leben als daheim führst.

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Vater Staat muss aufhören, zu stören

Der Haken an der Sache: Auch hier mischt sich wieder Vater Staat ein und macht es denjenigen schwer, die Werte schaffen wollen. Menschen aus außereuropäischen Staaten dürfen eine Beschäftigung in Deutschland nur ausüben, wenn ihr Aufenthaltstitel das erlaubt und benötigen zudem eine Zustimmung der Arbeitsverwaltung. Inzwischen gibt es zwar vereinfachte Regelungen für Akademiker, Wissenschaftler, Führungskräfte, Hochqualifizierte – doch was wir vor allem brauchen, sind keine Studierten, sondern Menschen, die anpacken! Und denen wird es außerordentlich schwer gemacht. Zeugnisse, Abschlüsse und Ausbildungen werden erst mal nicht anerkannt. Nicht jeder hat die Energie, die Zeit und das Geld, so lange zu warten und diese Prozesse zu durchlaufen.

Ich bin der Meinung, dass wir uns hier durchaus ein Beispiel an Ländern wie Kanada nehmen sollten. Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich für die Einwanderung und eine permanente Aufenthaltserlaubnis zu bewerben. So gibt es dort explizit die Kategorie »Skilled Worker«. Grundvoraussetzung dafür ist, dass der Kandidat über einen kanadischen Mangelberuf verfügt oder Qualifikationen in einem Beruf nachweisen kann, die dort dringend benötigt werden. Außerdem spielt es eine wesentliche Rolle, einen einheimischen Arbeitgeber zu finden. Die Folge: So kommen gezielt die Menschen ins Land, die über die gesuchte Expertise verfügen – und auch die nötige Motivation mitbringen.

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»Dodoland – Uns geht’s zu gut!« von Martin Limbeck

240 Seiten

Erscheint: Mai 2022

Ariston Verlag

ISBN: 978-3-424-20261-8

Wir haben es in der Hand

Laut einer Studie von Stepstone werden bis 2030 rund vier Millionen Erwerbstätige in Rente gehen. Und das passiert nicht nur hierzulande, sondern auch in unseren Nachbarländern, die eine ähnliche demografische Entwicklung vorzuweisen haben. Wenn wir nicht bald das Dodo-Verhalten hierzulande in den Griff kriegen und handeln, schaffen wir uns selbst ab. Dann brauchen wir uns gar nicht zu wundern, wenn wir auf dem Weltmarkt von China, Indien und Co. überholt werden.

ZEUGNISSE, ABSCHLÜSSE UND AUSBILDUNGEN WERDEN ERST MAL NICHT ANERKANNT. NICHT JEDER HAT DIE ENERGIE, DIE ZEIT UND DAS GELD, SO LANGE ZU WARTEN UND DIESE PROZESSE ZU DURCHLAUFEN.

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