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Unser Geld soll tun Gutes


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 02.09.2020

Fur Kinder in Armut, fur Menschenrechte oder Naturschutz … Es gibt immer mehr Menschen, die mit ihrem Geld etwas Sinnvolles machen wollen. Sie spenden, stiften oder vererben, denn sie sind uberzeugt: Zufrieden macht Geld uns vor allem, wenn wir es teilen


Artikelbild für den Artikel "Unser Geld soll tun Gutes" aus der Ausgabe 10/2020 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 10/2020

Unsere Expertinnen

Susanne Anger, Sprecherin der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“


Katrin Kowark, Pressesprecherin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen


Ulrike Specht, Fachanwältin für Erbrecht in Regensburg



„Ich will, dass mein Geld Gutes tut, auch wenn ich nicht mehr da bin“
Yvonne Kassowitz-Kretschmar hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International als Alleinerben eingesetzt

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Nein, Corona hat nicht den Ausschlag gegeben. Auch vorher schon hat Yvonne Kassowitz-Kretschmar regelmäßig gespendet. Aber das Virus hat der ehemaligen Flugbegleiterin einmal mehr vor Augen geführt, was ihr wichtig ist. „Weil ich nicht zum Friseur konnte, sind meine Haare rausgewachsen und inzwischen weiß statt schwarz. Aber macht das was? Muss ich die Haare wirklich einmal pro Monat nachfärben lassen? Und zur Kosmetikerin gehen? Jünger werde ich davon auch nicht.“

Geld für den guten Zweck

Natürlich ist der Starnbergerin wichtig, dass sie gut aussieht – „ungeschminkt gehe ich noch nicht mal zum Postkasten“ –, aber die rund 150 Euro pro Monat, die sie jetzt spart, werden aufgeteilt auf acht Organisationen, die sie seit Jahren fördert, von Amnesty International über Greenpeace bis UNICEF. „Weil die wichtige Arbeit zu den Themen Menschenrechte, Umwelt, Kinderhilfe machen und ich das unterstützen will. Weil es mir gut geht. Ich bin nicht reich, aber meine Rente reicht, um mir ein paar Extras zu gönnen – in die Oper zu gehen zum Beispiel.

Was übrig ist, bekommen gemeinnützige Organisationen.“ Yvonne Kassowitz-Kretschmar ist seit vielen Jahren geschieden, Kinder hat sie keine „und mein Bruder hat sein Leben lang gut verdient, der braucht mein Geld so wenig wie seine Kinder“.

Deshalb steht im Testament der 71-Jährigen: Alleinerbe ist die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. „Riesig viel wird das nicht sein“, erzählt die Rentnerin, „zehnoder zwanzigtausend Euro vielleicht.

Aber ich will, dass mein Geld Gutes tut, auch wenn ich nicht mehr da bin.“ Geld für einen guten Zweck spenden – auch über den Tod hinaus; es einer Stiftung oder einem gemeinnützigen Verein vererben, das halten immer mehr Menschen für eine richtig gute Idee, hat eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) dieses Jahr herausgefunden.

Fast jeder dritte Deutsche ab 50 Jahren kann sich vorstellen, eine gemeinnützige Organisation im Testament zu bedenken, bei den Kinderlosen sind es sogar mehr als die Hälfte. Das können ein paar Hundert oder Tausend Euro sein – oder ein richtig großes Vermögen. Die Bereitschaft zum gemeinnützigen Vererben hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen: Vor sieben Jahren, als die gleiche Befragung schon einmal durchgeführt wurde, konnten sich das erst 11 beziehungsweise 34 Prozent (der Kinderlosen) vorstellen.

„Dabei ist die Idee, Geld für einen guten Zweck zu vererben, kein bisschen neu“, so Susanne Anger, Sprecherin der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Das reicht von der gestifteten Bank im Park mit dem Schild „Weil ich hier so glücklich war mit meinem Mann Rudi“ bis zur jährlichen Verleihung der Nobelpreise, weil es Alfred Nobel wichtig war, mit seinem Vermögen den Weltfrieden und die Wissenschaften voranzutreiben.

„Es geht nicht nur darum, Geld weiterzugeben“, meint Susanne Anger, „sondern auch die Werte, die wir leben.“

Wir alle sind Stifter!

Von Burgern fur Burger – das ist der Grundgedanke von Burgerstiftungen. Dafur schliesen sich Menschen zusammen, die in ihrer Stadt, ihrem Stadtteil oder ihrer Region etwas bewegen wollen. In der Regel bringen sie nicht nur Geld ein, sondern auch Zeit und Ideen. Sie engagieren sich fur ein gutes Zusammenleben der Gesellschaft, fur Kinder und Jugendliche, fur die Integration von Gefluchteten, fur Kultur, Denkmal- oder Umweltschutz. Burgerstiftungen werden gemeinschaftlich von vielen Burgerinnen und Burgern gegrundet, aber auch Unternehmen oder Vereine konnen sich als Zustifter beteiligen. Wie bei anderen Stiftungen geht es darum, das Stiftungskapital zu vergrosern, um die wachsenden Ertrage fur gemeinnutzige Zwecke einsetzen zu konnen. Mindestens genauso wichtig ist, Menschen und ihre Ideen zusammenzubringen, um die Stadt fur alle lebenswerter zu machen.


„Ich will Menschen unterstützen, die sich für die Zukunft unseres Planeten einsetzen“
Anita Konath liegt der Klimaschutz am Herzen. Sie fördert die Deutsche Umwelthilfe


„Wenn ich alte Bäume sehe, geht mir das Herz auf. Fledermäuse, die ums Haus schwirren, der Mauersegler, der jedes Jahr zurückkommt und brütet – das macht mich glücklich.“ Fast ihr ganzes Leben lang haben sich Anita Konath und ihr Mann für Naturthemen begeistert, haben ein altes Haus im Schwarzwald renoviert, nach der Frühverrentung engagierte sich Christian Konath ehrenamtlich als Baumpfleger und Naturschutzbeauftragter. Irgendwann ist das Paar auf die Deutsche Umwelthilfe gestoßen, „zunächst, weil die den Luchs, unser Lieblingstier, zum Tier des Jahres ausgelobt hatten. Wir haben sporadisch gespendet, uns immer mehr mit den Zielen der Organisation befasst und eine große Übereinstimmung festgestellt“, erinnert sich die 70-Jährige aus Immenstaad am Bodensee. Seit dem Tod ihres Mannes ist es Anita Konath noch wichtiger geworden, dass ihr Engagement weiterlebt: „Natürlich werde ich im Testament auch mein Patenkind, die Nichten und Neffen bedenken, obwohl die finanziell längst auf eigenen Beinen stehen. Mindestens genauso wichtig aber finde ich, dass es Menschen gibt, die sich für den Klimaschutz und die Zukunft unseres Planeten einsetzen. Das will ich finanziell unterstützen. Jetzt und nach meinem Tod.“

Was passt zu mir?

Nicht immer ist so klar, welcher Verein, welche Stiftung oder Organisation am besten zu den eigenen Werten passt. Um hier Hilfestellung zu geben, haben sich vor sieben Jahren 22 Organisationen zusammengetan und die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ gegründet: „Nicht, um Menschen zu sagen, her mit eurem Geld, sondern um ihnen zu erklären, wie das mit dem gemeinnützigen Vererben geht und welche Möglichkeiten es gibt“, erklärt Susanne Anger.

Vera Berndt hat schon vor über zehn Jahren entschieden, wo sie ihr Geld und ihr Herzblut einbringen möchte – in einer eigenen Stiftung. „Ich hatte einfach sehr viel Glück im Leben, eine privilegierte Kindheit, eine solide Ausbildung. Ich bin finanziell unabhängig, und das vor allem, weil ich in diese meine Familie hineingeboren wurde, für die ich mit meiner Schwester in dritter Generation eine Immobilienfirma leite. Und weil es auch meinen eigenen, erwachsenen Kindern gut geht und weil ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, will ich einen Teil an die Gesellschaft zurückgeben.“ Es ist der gute Start ins Leben, die sichere Eltern-Kind-Bindung, die Kinder zu mitfühlenden und selbstbestimmten Menschen heranwachsen lässt, davon ist die 59-jährige Wahlhamburgerin überzeugt. Und genau diesen guten Start will sie Babys und ihren Familien im Elternkurs „Sicherer Hafen“ ermöglichen.

20 Monate lang werden junge Eltern mit entwicklungspsychologischer Beratung begleitet, lernen ihre Babys besser zu verstehen und feinfühlig zu versorgen, können Fragen stellen und sich mit anderen Eltern vernetzen.

Die Kurse sind für die Eltern kostenfrei („weil ich nicht will, dass die Teilnahme am Geld scheitert“). Bezahlt werden die kursleitenden Familienin Hebammen und Krankenschwestern von der BerndtSteinKinder Stiftung, für die Vera Berndt Spenden einsammelt.


„Ich hatte viel Glück im Leben und will etwas zurückgeben“
Vera Berndt hat eine Stiftung für junge Familien gegründet


Über 23 000 solche Stiftungen bürgerlichen Rechts gibt es Familienin Deutschland, rund 550 neue kommen jedes Jahr dazu, weiß Katrin Kowark vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Die meisten, 93 Prozent, verfolgen gemeinnützige Zwecke: Ihre Arbeit ist darauf ausgerichtet, die Allgemeinheit selbstlos zu fördern – Bedürftige, Familien, Kunst, Kultur, Umwelt, Bildung, Wissenschaft, Flüchtlinge …

Vermögen sicher anlegen

Es gibt riesengroße, uralte und millionenschwere Stiftungen und klitzekleine. Doch das Prinzip ist immer das gleiche: Ein Mensch möchte sich langfristig für einen bestimmten, gemein- nützigen Zweck engagieren und bringt dazu sein Vermögen oder einen Teil davon in eine Stiftung ein – und zwar für immer. Die Stiftung legt das ihr übertragene Vermögen sicher und gewinnbringend an. Die erwirtschafteten Überschüsse werden für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben, das Grundkapital bleibt unangetastet. Deshalb sind viele Stiftungen – nicht nur, aber vor allem in Zeiten niedriger Zinsen – auf Spenden und Zustiftungen angewiesen.

Geben – aber richtig

Viele Menschen wollen sich engagieren und Gutes tun – mit Zeit, aber auch mit Geld. So funktioniert’s

SPENDEN

Gezielte Hilfe nach einem Wirbelsturm, einer Hungersnot und anderen humanitaren Katastrophen oder Beitrag fur die Arbeit einer bestimmten Hilfsorganisation. Entweder einmalig oder durch regelmasige Zahlungen. Gemeinnutzige Vereine oder Organisationen stellen eine Spendenquittung aus, die man bei der Steuererklarung einreichen kann. Seriose Organisationen erkennt man an einem Spendensiegel – zum Beispiel vom Deutschen Spendenrat, vom Deutschen Zentralinstitut fur soziale Fragen (DZI) oder der Initiative Zentrale Zivilgesellschaft (ITZ). Bei kleineren Vereinen und Stiftungen hilft ein Blick in den Jahresbericht, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

@Auch kleine Summen moglich, keine langfristige Bindung

@Mit dem Tod endet das Engagement

@„Zweckgebundene Spenden“, z. B. nach einer Uberschwemmung, geben Ihnen Sicherheit, dass Ihr Geld genau dort eingesetzt wird, aber fur die Organisation engt das die Moglichkeit des Helfens ein. Und es kann passieren, dass zu viel Geld fur denselben Zweck gespendet wird, das woanders dringender gebraucht wurde.


„Wir wollten das Zusammenspiel von Kirche, Kunst, Kultur und Natur fördern“
Elfriede und Siegfried Denzel lassen Kapellen an Radwegen errichten


Auch Brigitte Bührlen von „Wir! Stiftung pflegender Angehöriger“ freut sich über Spenden, will aber trotzdem so weit wie möglich unabhängig und frei sein. Die 70-Jährige hat sich lange um ihre demente Mutter gekümmert, sie erst zu Hause und später im Pflegeheim betreut und dabei immer wieder festgestellt, wie schlecht es um die Rechte pflegender Angehöriger bestellt ist. „Als meine Mutter gestorben ist, wollte ich einen Teil ihres Erbes dafür verwenden, um auf diese Miss- stände aufmerksam zu machen. Ein Altenheim darf kein reines Wirtschaftsunternehmen sein.“ Für die Münchnerin ist ihre Stiftung vor allem Mittel zum Zweck: „Als Stifterin hören mir einfach viel mehr Menschen zu. Und diese Aufmerksamkeit nutze ich, um pflegende Angehörige zu vernetzen, damit sie vom Erfahrungswissen der anderen profitieren können.“

VERERBEN

Wer nach seinem Tod eine gemeinnutzige Organisation als Erbe einsetzen mochte, muss dies mit einem Testament regeln oder einen Erbvertrag aufsetzen lassen. Der Pflichtteil fur Ehe- oder eingetragene Lebenspartner, Kinder, Adoptivkinder und Eltern bleibt davon aber unberuhrt. Ehepaare konnen gemeinsam ein Testament aufsetzen und beide unterschreiben, im Idealfall schreibt einer, der andere fugt an: „Das ist auch mein letzter Wille.“ Wer nur einen bestimmten Teil seines Vermogens (z. B. einen Geldbetrag, ein Haus oder einen Wertgegenstand) einer gemeinnutzigen Organisa— tion zugutekommen lassen mochte, muss ein Vermachtnis in seinem Testament aufnehmen. Dann mussen die Erben dafur sorgen, dass die Organi- sation ihren Anteil erhalt.

Einfache Abwicklung, fur gemeinnutzige Organisationen fallt keine Erbschaftssteuer an

Ihr Geld tut erst nach Ihrem Tod Gutes

Am besten sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Familie, wenn Sie eine gemeinnutzige Organisation bedenken mochten, damit es keinen Streit um die Pflichtteile gibt.

STIFTEN

Stifter sind in der Regel Menschen, die mit ihrem Vermogen gesellschaftlich etwas bewegen mochten. Das Geld, das der Stifter einbringt, wird gewinnbringend angelegt und nur die erwirtschafteten Uberschusse werden fur den Stiftungszweck ausgegeben. Stiftungen, die gemeinnutzige, mildtatige oder kirchliche Zwecke verfolgen, sind von der Schenkungs- und Erbschaftssteuer befreit. Gemeinnutzige Stiftungen werden vom Finanzamt und der Stiftungsaufsicht kontrolliert. Galten Stiftungen fruher „fur ewig“, gibt es seit 2013 auch Verbrauchsstiftungen, die fur kleinere Vermogen interessant sind. Sie mussen eine Dauer von mindestens zehn Jahren haben, dabei kann das Vermogen verbraucht werden.

Sehr langfristig angelegt, das Vermogen bleibt uber den eigenen Tod hinaus bestehen

Der Aufwand zur Grundung einer eigenen Stiftung ist hoch und es ist relativ viel Kapital notwendig, um eine nennenswerte Rendite zu erzielen

Sie können einer bestehenden Stiftung zustiften. Ihr Geld kann dann nicht zeitnah verwendet werden, sondern es hilft, das Vermogen der Stiftung zu mehren und hohere Ertrage zu erwirtschaften.


„Als Stifterin hören mir einfach viel mehr Menschen zu“
Brigitte Buhrlen ist es ein Anliegen, pflegende Angehörige zu vernetzen


Ein Platz zum Verweilen

Richtig anfassen kann man den Stiftungszweck der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung: Sieben Kapellen sollen an den Radwegen im Schwäbischen Donautal entstehen (fünf gibt es schon), weil der 89-jährige ehemalige Unternehmer aus Wertingen bei Augsburg gemeinsam mit seiner Frau das Zusammenspiel von Kirche, Kunst, Kultur und Natur fördern will. Das Konzept hat er gemeinsam mit dem Heimatpfleger des Bezirks Schwaben, Dr. Peter Fassl, festgezurrt und dafür renommierte Architekten ausgewählt: „Wichtig war mir, dass die Kapellen aus Holz sind – ich war schließlich 60 Jahre Holzhändler – und im Innenraum ein Kreuz hängt. Von allem anderen habe ich mich überraschen lassen.“ Dass es auch andere Menschen überrascht, beim Radfahren auf moderne Architektur zu stoßen, dass sie sich von der Natur einladen lassen, die kleinen Gotteshäuser auf dem Weg zu besuchen, freut Siegfried Denzel: „Denn es gibt doch nichts Schöneres, als mitten in der Schöpfung einen stillen Platz zum Verweilen zu stiften.“

„Wer gibt, bekommt viel zurück

Davon ist die Buchautorin Ute Scheub* (65) uberzeugt. Sie hat der Frauenrechtsorganisation medica mondiale Geld geschenkt

Sie haben medica mondiale eine Schenkung auf Widerruf zukommen lassen. Was heißt das genau? Scheub Ich bin nicht besonders gut in Gelddingen, hatte nie viel, aber immer genug. Irgendwann hatte ich Geld übrig und wollte, dass diese Organisation, die sich großartig um vergewaltigte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten kümmert, damit arbeiten kann. Weil ich als Selbstständige aber nicht weiß, ob ich das Geld nicht vielleicht doch irgendwann brauche, ist die Schenkung auf Widerruf: Geht es mir finanziell schlecht, bekomme ich das Geld zurück. Wenn nicht, kann es weiter Gutes tun.

Warum haben Sie das gemacht? Scheub Ich teile gern, weil das glücklich macht. Beziehungen, Liebe, Freunde, gute Nachbarn sind das Wichtigste im Leben. Da teilen wir automatisch. Immaterielle Dinge – Gedanken, Gespräche – und materielle – ein Abendessen, Geschenke. Wer gibt, bekommt viel zurück.

Und wer nicht gibt … Scheub Kann nicht glücklich werden. Wer nur danach strebt, immer mehr zu besitzen, wird zwangsläufig scheitern, davon bin ich überzeugt. Weil immer irgendjemand ein noch größeres Auto fährt.

* Annette Jensen, Ute Scheub: „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben“, oekom; 19,95 Euro


Fotos: Susanne Anger/DFC, David Ausserhofer/Bundesverband Deutscher Stiftungen, Amnesty International, Deutsche Umwelthilfe e. V., Eckhart Matthaus c Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung, Esther Neumann, privat (3); Illustration: Getty Images/Jutta Kuss