Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 1 Min.

UNSER TITELBILD


Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 189/2021 vom 24.08.2021

Artikelbild für den Artikel "UNSER TITELBILD" aus der Ausgabe 189/2021 von Weltkunst. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 189/2021

Das »Brieflesende Mädchen am offenen Fenster«, um 1657/58, in der alten Dresdner Version (o.). Rechts der Restaurator bei der Arbeit mit Skalpell und Mikroskop
Artikelbild für den Artikel "UNSER TITELBILD" aus der Ausgabe 189/2021 von Weltkunst. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 189/2021

Sie ist ganz bei sich, versunken in ihre Gedanken und Gefühle, dabei für die Ewigkeit festgehalten in zarten, kühlen, fein aufeinander abgestimmten Farben: Das »Brieflesende Mädchen am offenen Fenster« von Johannes Vermeer, dem sich unsere Titelgeschichte widmet (ab S. 20), ist einer der größten Schätze der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Ab September steht das Bildnis der jungen Frau im Mittelpunkt einer Ausstellung, die neun weitere Bilder Vermeers sowie rund 50 Werke der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts in Dresden versammelt. Jedes Gemälde ist für sich eine Kostbarkeit, und doch ragt unter ihnen die Briefleserin hervor. Sie kam 1742 aus einer französischen Sammlung nach Dresden und wurde damals noch Rembrandt zugeschrieben. So, wie sie dann Mitte des 19. Jahrhunderts als frühes Haupt-werk von Vermeer praktisch neu entdeckt wurde, erscheint sie nun auf spektakuläre Weise ein zweites Mal in neuem Licht.

Grund dafür sind Erkenntnisse, die bei einer umfassenden Restaurierung des Gemäldes in den vergangenen Jahren zutage traten. Das Ziel war es, die originale Farbigkeit Vermeers wiederherzustellen, die im Laufe der Zeit unter dem verbräunten Firnis zunehmend verloren ging. Naturwissenschaftliche Untersuchungen der verschiedenen Malschichten ergaben dabei, dass ein nackter Cupido, ein Liebesgott mit kleinen Flügeln und einem Bogen in der Hand, mit Sicherheit auf dem ursprünglichen Gemälde zu sehen war. Von seiner Existenz im Bildhintergrund oberhalb des Mädchenkopfes wusste man seit Röntgenuntersuchungen des Bildes im Jahre 1979. Bisher nahm man jedoch an, dass er vom Künstler selbst übermalt worden sei. Für Vermeer wäre das nichts Ungewöhnliches gewesen, oft verwarf er anfängliche Bildideen während des Malprozesses. Den Cupido aber wollte er unbedingt auf dem Bild haben, er gehörte für ihn zur Intention des Werks. Übermalt worden ist der Liebesgott von fremder Hand, Jahrzehnte nach der Entstehung des Bildes und nach dem Tod des Künstlers. Akribische Forschung und die Freilegung der ersten Firnisschicht haben das nun zweifelsfrei ergeben, internationale Experten bestätigten den Befund. In Dresden entschied man sich daraufhin, keine Kosten und Mühen zu scheuen, um den Ursprungszustand des Bildes aus dem Jahr 1658 wiederherzustellen. Und hat auf diese wundersame Weise nun einen doppelt »frischen« Vermeer in der Sammlung.

MATTHIAS EHLERT

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 189/2021 von Liebe Leserinnen, liebe Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Titelbild der Ausgabe 189/2021 von Kapitalismus. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kapitalismus
Titelbild der Ausgabe 189/2021 von Für Künstler bieten NFTs viele Vorteile. Schade nur, dass sich Kunstbetrieb und Kryptoszene noch nicht recht verstehen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Für Künstler bieten NFTs viele Vorteile. Schade nur, dass sich Kunstbetrieb und Kryptoszene noch nicht recht verstehen
Titelbild der Ausgabe 189/2021 von Einem seltenen Edelstein widmen wir den Auftakt unserer neuen Kolumne PRÜFERS PREMIEREN. Der Münchner Goldschmied Thomas Jirgens kennt sich mit dem Larimar aus wie kein anderer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Einem seltenen Edelstein widmen wir den Auftakt unserer neuen Kolumne PRÜFERS PREMIEREN. Der Münchner Goldschmied Thomas Jirgens kennt sich mit dem Larimar aus wie kein anderer
Titelbild der Ausgabe 189/2021 von Hyäne im Städel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hyäne im Städel
Titelbild der Ausgabe 189/2021 von DIE KUNST DES LANGEN ATEMS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE KUNST DES LANGEN ATEMS
Nächster Artikel Liebe Leserinnen, liebe Leser,
aus dieser Ausgabe