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UNTER DER OBERFLÄCHE


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.04.2019

Mit präzisem Blick für Bildaufbau, außergewöhnlichen Settings und Models mit dem gewissen Etwas hat sich Max vom Hofe seinen Platz im umkämpften Mode-Business erobert. Nicht zuletzt, weil er die Gewinne aus kommerziellen Jobs konsequent in freie Editorials reinvestiert.


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 3/2019

Friede, Freude, Eier: Das Thema Festmahl hat Max vom Hofe in seinem Editorial für Vogue Portugal von Grund auf gegen den Strich gebürstet.



„Ich arbeite eher aus dem Bauch heraus und breche dabei auch schon mal fotografische Regeln.“


Es ist Sonntag, als wir mit Maximilian vom Hofe, kurz Max, sprechen. Wochenendarbeit ist für ihn eher die ...

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... Regel als die Ausnahme, gerade bereitet er zwei redaktionelle Shootings vor: für die Vogue Portugal und das Wonderland Magazine, das „ein bisschen jünger und knalliger ist“, wie er sagt. Er bespricht sich mit seinem Team, packt sein Equipment zusammen, morgen wird er nach London fliegen. „Jetzt, wo die Fashion Weeks vorbei sind, geht es wieder los mit den Bilderstrecken“, sagt er.

Max stammt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, wo er eine Ausbildung als Werbefotograf mit dem Schwerpunkt auf Still-Life-Fotografie absolvierte. Mit 23 ging er nach Hamburg, weil er „lieber Menschen als Möbel“ fotografieren wollte und dort damals die größten Jobchancen in der deutschen Modefotografie vermutete. Als Assistent war es relativ leicht, Jobs zu bekommen. Er lernte Leute aus Werbung und Mode kennen – und irgendwann hatte er seinen ersten eigenen Job: ein Portraitshooting für Schwarzkopf. Ab da ging es bergauf. Inzwischen lebt der 33-Jährige in Berlin, zusätzlich hat er sich eine kleine Wohnung in London angemietet, eine Woche pro Monat ist er in der britischen Hauptstadt. „Deutschland ist kein großes Modeland, die Musik spielt in Mailand, Paris, New York und eben in London“, sagt er. „Wollte man sein Leben ausschließlich auf die Karriere ausrichten, wäre es viel schlauer, hierhin zu ziehen. Ich bin aber in Deutschland verwurzelt, und die Lebensumstände sind hier viel einfacher, vor allem wenn man vielleicht eine Familie gründen will.“

Kontakte, Kontakte … Kontakte

Natürlich, vieles lasse sich heutzutage über die digitale Kommunikation regeln, sagt er. Andererseits müsse man auch physisch präsent sein an den Orten, an denen die Marketingabteilungen oder Kreativagenturen der großen Labels sitzen. Kreativ, fotografisch und technisch top sein, das alleine reiche nicht. „Die Modefotografie ist ein Magnet, gefühlt kommen jeden Tag 100 neue Leute hinzu, auch weil die technischen und finanziellen Hemmschwellen viel niedriger sind als noch in den Neunzigern“, sagt er. „Es gibt also viele Leute, die das Genre beherrschen – und deshalb entscheiden vor allem die persönlichen Kontakte über die Jobvergabe. Entscheidend ist am Ende, wer wem auf welcher Party die Hände geschüttelt hat und wer wen zum Essen einlädt.“

Oben und rechts: „Je nach Stimmung habe ich einen Hang zu einer gewissen Darkness“, sagt Max zu dieser freien Serie, die im Berliner Nachtleben entstanden ist.


Das Casting sei für ihn eine der entscheidenden Stellschrauben, sagt Max, der gezielt außergewöhnliche Models aussucht – und für ein Editorial auch schon mal eins aus China einfliegen lässt.


„Deutschland ist kein großes Modeland, die Musik spielt in Mailand, Paris, New York und eben in London.“


Karriere vom Reißbrett

Der ideale Karrierepfad verläuft laut Max wie folgt: „Du gehst nach Paris, London oder New York, fängst jung an zu assistieren, und irgendwann bekommst du idealerweise eine Assistentenstelle bei einem der Großen, einem wie Steven Meisel. Mit Anfang 30 hast du dann die Kontakte, mit denen du gleich ganz oben einsteigen kannst – statt bei der Grazia direkt bei der Vogue zum Beispiel.“ Auch Max arbeitet inzwischen für diverse Vogue-Ausgaben, etwa für die Vogue Portugal oder die Vogue Niederlande, für die er bald eine zehnseitige Bildstrecke mit Option auf das Cover realisiert. Solche Jobs sind entscheidend für sein Vorankommen, allerdings eher indirekt. Man könnten sagen, Max spielt über Bande. „Kaum jemand kann alleine von Editorials leben“, sagt er, „die Budgets sind einfach zu klein. Mehr noch: Je angesagter das Magazin, desto niedriger sind die Honorare – im Extremfall besteht die Entlohnung darin, dass man überhaupt im Heft erscheint.“ Wozu dann also überhaupt Editorials machen? „Kein ambitionierter Modefotograf möchte ausschließlich kommerzielle Jobs machen, dazu sind die kreativen Freiräume einfach zu gering“, antwortet Max. „Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn du als Fotograf regelmäßig in einer der etablierten oder angesagten Zeitschriften präsent bist, die die Kreativen und Artbuyer regelmäßig durchschauen, kannst du bei den kommerziellen Jobs deutlich höhere Tagessätze erzielen.“

Keine Kompromisse bei freien Shootings

Konzeptuell geht Max deshalb stets in die Vollen bei seinen Editorial-Shootings, und auch ausgabeseitig spart er nicht. Wenn er überzeugt ist, dass ein bestimmtes Model für eine bestimmte Bilderstrecke genau das richtige ist, lässt er es auch schon mal aus China einfliegen. Das Casting ist für ihn eine der entscheidenden Stellschrauben. Deshalb arbeitet er bei der Model-Auswahl mit Casting-Direktoren zusammen, die ihm Boards mit Vorschlägen schicken. Das kostet zwar Geld, erspart ihm dafür aber zwei Nachmittage Recherche, zig Anrufe und Hunderte Mails. Zu den Model-Kosten gesellen sich die für das Mietstudio, den Postproduktionsaufwand und für das Filmmaterial – Max fotografiert überwiegend analog. Unterm Strich schießt er für ein Editorial-Shoot bis zu drei oder viertausend Euro aus eigener Tasche hinzu. Die Investition zahle sich durch den Eigenwerbe-Effekt und die höheren Honorare bei kommerziellen Jobs dennoch aus, versichert er.


„Die Modefotografie ist ein Magnet, gefühlt kommen jeden Tag 100 neue Leute hinzu.“


Max fotografiert vorzugsweise auf Film, weil das „einfach wärmer und nicht so hyperrealistisch scharf ist wie beim Shoot mit einem Digitalback“.


Endziel: die coolen Marken

Natürlich ließen sich durch den Umstieg auf eine Digitalkamera Kosten einsparen, doch das kommt für Max aus ästhetischen Gründen nicht infrage. Er fotografiert vorzugsweise mit einer Contax 6 x 45 auf Kodak-Film. Da seien die Ergebnisse „einfach wärmer und nicht so hyperrealistisch scharf wie beim Shoot mit einem Digitalback – auch und gerade bei Close-ups.“ Überhaupt geht der Berliner in Sachen Bildgestaltung und Look unkonventionelle Wege. „Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, wie man eine Szenerie perfekt ausleuchtet, aber auch, wie man aus Models das gewisse Etwas herauskitzelt. Ich fotografiere aber eher aus dem Bauch heraus, breche dabei fotografische Regeln und habe je nach aktueller Stimmung einen Hang zu einer gewissen Darkness.“ Entscheidend sei, dass am Ende eine Geschichte, eine Narration dabei herauskomme – und eine wiedererkennbare Bildsprache. Das ist bei klassischen Auftragsarbeiten nur in Ausnahmefällen möglich. „Alle möchten für die wirklich innovativen Marken arbeiten, die die sich wirklich etwas trauen, coole Castings machen und ungewöhnliche Bildwelten kreieren, aber diese Jobs sind rar gesät und nur für wenige Ausnahmefotografen greifbar. Auf lange Sicht hoffe ich, dass ich dazugehöre.“

MAX VOM HOFE wurde 1985 in Hagen, Westfalen, geboren und begann bereits in der Oberstufe, zu fotografieren. Nach Abitur und Zivildienst absolvierte er eine Ausbildung als Werbefotograf in einem großen Studio in Essen. 2011 zog er nach Hamburg und arbeitete als Assistent in der Mode- und Werbefotografie, ehe er sich als Mode- und Beautyfotograf selbstständig machte. Max lebt und arbeitet in Berlin und London.
maxvomhofe.com