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Unter wegs in ZWISCHENWELTEN


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 11.08.2021

ARTHUR HNATEK

Artikelbild für den Artikel "Unter wegs in ZWISCHENWELTEN" aus der Ausgabe 5/2021 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Arthur Hnatek während einer SWIMS- Soloshow im Pariser Club »La Cigale«

Arthur, du stehst für eine Generation Drummer, die – obwohl vor allem im Jazzkontext beheimatet – viel mit Elektronik arbeitet. Wie ergab sich das bei dir?

Das ist schon seit langem ein Teil meines Lebens – aber, um es mal so auszudrücken, es war die meiste Zeit eher mein musikalisches Privatvergnügen. Ich habe schon immer viel für andere programmiert und Remixe gemacht. Aber aufgetreten war ich damit nie, vor allem nicht am Schlagzeug.

... was sich vor einiger Zeit mit deinem Soloprojekt SWIMS geändert hat. Wie kam’s?

SWIMS begann 2017 als Wunsch, ein Soloprojekt mit dem Schlagzeug zu haben, das sich zwischen Clubmusik und Improvisation bewegt, bei dem ich eine Art Hybridkit spiele – mit Triggern, aber auch modularen Synthesizern. Die Motivation ist, simpel ausgedrückt, elektronische Musik zu machen, zu der ich Schlagzeug spielen und frei aus dem Stegreif improvisieren kann. Das ...

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... Projekt hat sich im letzten Jahr weiterentwickelt, als ich mehr Zeit hatte, neue Tracks im Studio zu produzieren und den Performance-Aspekt ein wenig beiseite zu lassen.

Wie kombinierst du elektronisches und akustisches Equipment?

Ich benutze zum Beispiel durch Sensory-Percussion-Trigger, die sich von gewöhnlichen Triggern unterscheiden [vgl. Testbericht d&p 1/2020]. Der konventionelle Trigger ist ja denkbar simpel: Er nimmt die Vibration des Trommelfells auf und ordnet ihr einen Sound zu – nicht mehr. Und es gibt nur die zwei Einstellungen, »an« oder »aus«. Im Pop-, Rock- oder Metalkontext mag das gut funktionieren, im Jazz oder dynamikbetonten Stilen jedoch weniger. Sensory Percussion ermöglicht mir, dass etwa ein einzelner Snaredrum-Trigger zwölf Sounds produzieren kann – je nachdem, wo oder wie man die Snare anspielt. Also kannst du elektronische Sounds triggern wie gehabt, aber mit einer viel größeren Bandbreite an klanglichen Möglichkeiten. Durch die Kombination der Trigger

ICH BIN EHER EIN IMPROVI- SIERER ALS EIN JAZZ- DRUMMER

BIOGRAFIE

Arthur Hnatek wurde am 10. Juli 1990 in Genf geboren, wo seine Eltern einen Musikladen hatten – allerdings keinen für Trommeln, sondern für Blasinstrumente. Schon als Kind war er von Musik begeistert und begann mit acht Jahren, Schlagzeug zu spielen. Frühe Einflüsse waren Steve Gadd und Vinnie Colaiuta. Ersten Unterricht hatte Hnatek bei einem Genfer Jazzdrummer. Seine ersten Bands als Zwölfjähriger waren Jazzensembles. 2007 gewann er den »Altishofener Drummer- und Percussionisten-Wettbewerb« und damit ein Stipendium fürs »Drummers Collective« in New York. Dorthin zog er dann nach dem Abitur 2009, um an der »New School for Jazz« zu studieren. In New York lernte er Tigran Hamasyan kennen, der ihn in sein Quintett und Trio holte, mit denen er weltweit tourte und auf renommierten Festivals gastierte. 2017 hob er sein Soloprojekt SWIMS aus der Taufe. Sein neuestes Projekt ist das Arthur Hnatek Trio, dessen Debütalbum »Static« soeben beim britischen Label »Whirlwind Recordings« erschien. mit modularen Synthesizern kann ich ein Set-up kreieren, das in Echtzeit auf mein Spiel reagiert.

Deine ausgiebige Beschäftigung mit Sounds liegt an deinem Background als Jazzdrummer?

Jazz war die erste Musik, die ich bewusst gehört habe. Jazz habe ich studiert. Aber ich bin mehr ein Improvisierer als dass auf mich das Label »Jazzdrummer« passen würde, denke ich. Im und für den Moment spielen – das ist das, was ich meistens tue.

Wie passt das zu Tigran Hamasyan, mit dem du seit langem spielst? Er steht auch für äußerst ausgecheckte Musik, das Gegenteil von Improvisation [s. Notenbsp. »Entertain Me«].

Das stimmt. Tigran ist ein besonderer Fall, der musikalisch in seiner eigenen Kategorie spielt. Da springt es manchmal abrupt von extrem ausgearbeiteten Parts, wie man sie vielleicht aus dem Heavy Metal oder Artverwandtem kennt, zu komplett freier Improvisation, ohne dass sich der Sound verändert. Das kann man am besten in den Liveshows wahrnehmen.

»Extrem ausgearbeitet« heißt, auch die Schlagzeugstimme ist genau vorgegeben?

EQUIPMENT

Drums: Gretsch »Broadkaster« 20˝ x 14˝ Bassdrum, 12˝ x 7˝ Tom, 16˝ x 14˝ Floortom, 14˝ x 5˝ »Chrome over brass«-Snare Cymbals: Meinl 16˝ »Byzance R&D«- Hihats 20“ »Byzance R&D«-Ride (Nieten) Stack aus 10“ »Pure Alloy«/10“ »Byzance Extra Dry«-Splash Stack aus 2x 12“ »Classics Custom Trash«- Splash 20“ »Byzance Foundry Reserve«-Ride Stack aus 16“ »Byzance Extra Dry«-China/16“ »Byzance Vintage«-Crash 18“ »Pure Alloy«-Crash Stöcke: Meinl Elektronik: Clavia Nord P3 Drum Pad, Elektron Octatrack

Ja, komplett. Nicht in Notenform, Tigran schreibt keine Charts. Aber die Drumparts stammen zu 100 Prozent von ihm. Er sagt mir zum Beispiel, wie die Drums einsetzen, wann ich die Hihat öffnen soll, was die Bassdrum spielt, auf welches Becken ich an welcher Stelle wechseln soll und wo welcher Akzent ist. Ich bin dann ausführende Kraft von dem, was er komponiert hat, fast wie ein klassischer Musiker. Er ist zwar kein Drummer, aber er weiß alles übers Schlagzeug. Er kennt den Unterschied zwischen geöffneter und halbgeöffneter Hihat besser als manch Drummer [lacht]. Er weiß auch, ob ein Becken mit der Stockspitze oder anders angeschlagen werden soll. Die Herausforderung für mich besteht vor allem darin, nach seinen Vorgaben spielen zu können und Inputs für mögliche Ideen von Texturen statt Patterns zu liefern. Aber bei Tigran ist eben eine Hälfte auch Improvisation – gerade das macht den Job für einen Schlagzeuger so interessant: weil man zwei völlig gegensätzliche Welten zusammenbringen muss.

Wie ist das bei deiner Arbeit mit Jazztrompeter Erik Truffaz?

Ganz anders, hier habe ich hundertprozentige Freiheit. Der vorherige Drummer Marc Erbetta hatte die Band mit seiner Spielweise und Persönlichkeit in langen Jahren ziemlich geprägt, bevor er sich dann aus persönlichen Gründen zurückgezogen hat. Ich bin für die Aufnahmen eines Albums dazugekommen [»Doni Doni«, 2016], das war schon eine spezielle Situation: Wer ist denn dieser neue Typ da am Schlagzeug, bitte? [Lacht]. Aber ich konnte dann den größten Teil des folgenden Albums »Lune Rouge« komponieren und produzieren. Es hatte ja Gründe, dass gerade ich gefragt wurde, der ich viel jünger als der Rest der Band bin: Es sollten bewusst Impulse von jemand Jüngerem, Neuem kommen. Da ich Komponieren und Arrangieren mag, habe ich gleich einiges verändert – auch bei älteren Stücken und regelrechten Klassikern im Programm. Sie haben mich einfach machen lassen, was sicher keine Selbstverständlichkeit ist.

GROOVESTUDIE ARTHUR HNATEK

TIGRAN HAMASYAN - ENTERTAIN ME - INTRO

Als Komponist und Arrangeur betätigst du dich auch bei deinem neuen Trio. War das der Hauptanstoß, es zu gründen?

Das Trio ist eine Reaktion auf viele Dinge. Ich habe viel mit Pianisten gearbeitet und wollte eine Band gründen, die ohne Klavier auskommt. Für mich bedeutete das viel mehr Raum für experimentelles Schlagzeugspiel und fast kontrapunktische Kompositionen. Neben der Arbeit mit internationalen Musikern wollte ich auch zurück zu einem mehr ›lokalen‹ Aspekt des Musikmachens in der Schweiz. Sowohl Francesco [Geminiani, Saxofon] als auch Fabien [Iannone, Bass] sind langjährige Freunde, mit denen ich viele verschiedene Interessen in der Musik teile. Das Trio ist für mich eine Möglichkeit, akustische Musik zu spielen, die von der elektronischen Kultur inspiriert ist, und zwar mit nur mit Schlagzeug und vielen Improvisationen. Anstatt direkt zu komponieren, denke ich mir Kontexte und Rahmen aus, in denen wir kreativ sein können. Das kann zum Beispiel ein Cover eines Squarepusher-Stücks sein oder eine Hommage an Jaki Liebezeit – oder die Verwendung von Elementen der modularen Synthese im Kompositionsprozess oder auch einfach die Arbeit an einem ›präparierten‹ Schlagzeug-Set-up.

Und das alles ist auf eurem Albumdebüt »Static« zu hören, das soeben erschienen ist?

Ja, wir wollten eine neue, originelle Klangwelt konstruieren. Meine Kompositionen sind auf dem Papier recht simpel und dienen nur als Ausgangspunkte. Die Aufnahme war auch sehr wichtig. Wir haben viel Zeit damit verbracht, das Schlagzeug auf neue, interessante Weise abzunehmen. Es war als melodisches Instrument gedacht und ist sehr prominent im Albumsound. Wir wollten einen klaren Bezug zu programmierten, elektronischen Patterns – aber mit erdigen Drumsounds mit ›Tribal‹-Charakter. In vielen langen Improvisationen im Studio haben wir Sounds gesucht und kreiert, die wir in die Kompositionen einbauen konnten.

DISKOGRAFIE

(Auswahl) Arthur Hnatek: SWIMS (2020), Tigran Hamasyan:

Mockroot (2015), The Call Within (2020)

Erik Truffaz: Doni Doni (2016), Lune Rouge (2019) Arthur Hnatek Trio: Static (2021, Rezension S. 91)

NETZ

www.arthurhnatek.com

Was liegt als Nächstes bei dir an?

Nachdem ich im letzten Jahr ich eine Menge Musik produziert und veröffentlicht habe – auch eine neue SWIMS-EP und einige Singles sowie eine EP in Kollaboration mit Taut –, habe ich weitere Tracks fertig. Sie werden bald erscheinen. Im Moment toure ich mit Tigran und der Musik von unserem aktuellen Album »The Call Within«. In Deutschland treten wir unter anderem in der Elbphilharmonie oder beim »Enjoy Jazz«-Festival in Mannheim auf. Im Herbst bin ich dann wieder solo und mit meinem Trio unterwegs.

Text: Cord Radke