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Unter Wuschelköpfen


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 17.05.2019

Auf dem Alpakahof von Familie Schreiber führen die wolligen Paarhufer ein artgerechtes Leben. Unsere Autorin hat die Herde besucht


Artikelbild für den Artikel "Unter Wuschelköpfen" aus der Ausgabe 6/2019 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 6/2019

SÜSSE VEGETARIER Alpakas sind Pflanzenfresser und gehören zur Familie der Kamele


Alpakas!“, ruft Sonja Schreiber mit heller, lockender Stimme, und 17 Köpfe fliegen in die Höhe. Kurz mustern sie 17 sanfte braune Augenpaare, gesäumt von langen Wimpern unter lockigen Wuschelköpfen. Dann setzt sich die Herde in Bewegung und hoppelt fröhlich über die Koppel zu ihrer Besitzerin. Sonja Schreiber ist 40, ihr halbes Leben hat sie mit den charmanten Südamerikanern verbracht und dabei ...

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... echte Pionierarbeit geleistet: Vor 20 Jahren hielt sie in Niederbayern die allerersten Alpakas, heute sind die Paarhufer aus den Anden in aller Munde. Wer sie kennenlernen möchte, der ist auf dem Hof der Schreibers genau richtig: Sonja und ihr Mann Karl-Heinz veranstalten Kindergeburtstage, Erlebnistage, Teambuilding-Events, betreiben ein Café und einen Wollladen. Immer im Vordergrund: das Wohl der Alpaka-Herde, die von der vierköpfigen Familie heiß geliebt wird.

Das Wichtigste ist die Herde

Sonja Schreiber verzichtete nach dem Abitur auf ein Studium. Stattdessen absolvierte sie eine Banklehre, um ihrem kränkelnden Vater daheim in der Nähe von Deggendorf zur Hand zu gehen und nach seinem frühen Tod kurz darauf den Hof zu übernehmen. Sechs Hektar gehören zu der kleinen Landwirtschaft. Nicht genug, um eine Familie im Haupterwerb zu ernähren und doch zu liebgewonnen, um das Erbe zu verscherbeln und in die Stadt zu ziehen. Die junge Frau wollte aber nicht täglich dreimal in den Kuhstall, sie wünschte sich ein modernes Leben und fand es. Ein Nachbar berichtete von einer Fernsehsendung über Alpakas: „Mein Mann hat sich sofort in die Tiere verliebt. Ich war etwas vorsichtiger. Doch eines Tages fuhren wir nach Landsberg am Lech, wo es in Oberbayern die ersten Züchter gab, und kehrten mit zwei trächtigen Stuten wieder.“ Nikita-Lisa, eine pechschwarze Chilenin, und Firefly, eine schneeweiße Bolivianerin, zogen ein und brachten Monate später ihren Nachwuchs zur Welt. Damals war die Alpakahaltung nicht einfach: Es gab kein spezielles Futter, und ein Tierarzt war nicht leicht zu finden. Firefly lebt noch immer – sie ist 20, ein biblisches Alter für Alpakas in unseren Breiten, aber immer noch topfit. Sonja und Karl-Heinz machten Kurse, sie lernten die Haltung und das Scheren. Das Wichtigste ist: „Herde, Herde, Herde.“ Diese geselligen Mitglieder der Kamel-Familie fühlen sich nur in der Gruppe wohl und sicher. Hier herrschen hierarchische Strukturen, die Rangordnung wird immer wieder ausgefochten – Sonja Schreiber schaut, dass das bei ihren Tieren friedlich vonstattengeht.

SANFTES WESEN Die Alpakas gelten als ruhig und friedlich. Sie werden sogar in der tiergestützten Therapie eingesetzt


Streicheln ohne Zwang

Anfangs wollte sie vor allem optisch perfekte Alpakas züchten, doch schnell merkte sie, dass das Ausstellen kein Spaß für die Tiere ist: „Sie haben Stress und ich fahre mit ihnen nicht 400 Kilometer zu einer Schau, um einen Pokal zu erhalten.“ Das Wohl der Vierbeiner steht im Vordergrund, deshalb gibt es hier auch keine Alpaka-Wanderungen: „Die Tiere wollen nicht an einem Halfter durch die Gegend gezogen werden, schon gar nicht ohne ihre Herde.“ Auf dem heimischen Hof bietet sie zwar Erlebnispädagogik an – Begegnungen mit dem Tier für Groß und Klein. Doch immer nur so, dass sich auch die Alpakas wohlfühlen: „Bei mir gibt es kein Remmidemmi wie im Freizeitpark. Es gilt, den Tieren ruhig zu begegnen, kennenzulernen, welche Bedürfnisse sie haben.“ Nur wohldosiert kommen Gruppen auf den Hof, zwischendurch gibt es viele Pausen für die Alpakas: „Sie sind schließlich keine Zootiere.“ Die Wuschelköpfe werden krank, wenn sie Dauerstress ausgesetzt sind: „Sie bekommen Probleme mit Leber und Bauchspeicheldrüse. Oft kann man ihnen dann nicht mehr helfen.“ So dürfen Kinder die Alpakas zwar streicheln, aber nur unter Aufsicht und ohne die Tiere zu etwas zu zwingen. Die Alpaka-Bäuerin bietet auf ihrem Hof auch Kreativkurse an – zum Beispiel Filzen mit Alpakawolle. Der kostbare Rohstoff wird jedes Jahr zwischen Ende April und Anfang Mai geschoren. Die Schreibers sind nicht auf Schertrupps mit Zeitdruck angewiesen, sondern scheren jedes Tier mit viel Ruhe und Geduld selbst. Die Babywolle wird zu Kleidung verarbeitet, aus dem Fell der älteren Tiere werden Schuhsohlen und warme Bettdecken gemacht. Die Produkte gibt es im eigenen Hofladen zu kaufen. Als Erlebnispädagogin leistete Sonja Schreiber vor 20 Jahren ebenso Pionierarbeit wie als Alpakazüchterin. Noch heute ist der Familie das wichtig, was schon vor zwei Jahrzehnten galt: Sie lebt nicht nur von den Alpakas. Sie lebt mit ihnen.

IM GRÜNEN Sonja Schreiber lebt mit ihren Tieren im niederbayerischen Sicking


Wissenswertes rund um das Alpaka

Das Alpaka ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Da es in ihrer ursprünglichen Heimat nachts kalt und tagsüber warm ist, kommen die Fohlen immer tagsüber zur Welt, um bis zum Nachtfrost zu trocknen. Die Kleinen wachsen im Schutz der Herde auf. Hengste und Stuten werden grundsätzlich voneinander getrennt. In der Gruppe gibt es eine klare Rangordnung, die ausgefochten wird. Souveräne Tiere agieren dabei bestimmt, aber friedlich.


Fotos: Melanie Bäumel-Schachtner (2), Sonja Schreiber