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Untergang der Menschenaffen


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 17.01.2019

Die seltenenORANG-UTANS Indonesiens sind akut vom Aussterben bedroht. Nur schnelle Hilfe kann sie noch retten


PRO MINUTE wird weltweit eine Regenwaldfläche vernichtet, die der Größe von 36 entspricht


Artikelbild für den Artikel "Untergang der Menschenaffen" aus der Ausgabe 1/2019 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 1/2019

Die Zerstörung seines Lebensraums zwingt diesen Orang-Utan, der eigentlich auf Bäumen lebt, einen Fluss voller Krokodile zu durchwaten


Auf dem Stundenplan der Waldschule steht auch das Fach Geselligkeit


Zerstörtes Paradies: Der Regenwald fällt Brandrodungen und Abholzungen zum Opfer


Unaufhaltsam rückt die Flammenwand näher. Der Regenwald brennt. Das Schutzgebiet Mawas im indonesischen Teil der Insel Borneo ...

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... soll eigentlich Leben retten. Hier haben rund 2550 Orang-Utans eine vermeintlich sichere Heimat gefunden. Doch am 20. August 2018, einem Montag, bedroht Feuer das Leben der seltenen Menschenaffen – und das bereits zum fünften Mal innerhalb weniger Wochen!

Waldbrände, Rodungen, Industrialisierung, rasant wachsende Palmölplantagen, Wilderei: Die Schlinge zieht sich immer enger um den Hals unserernahen Verwandten in Südostasien. Nachdem das Feuer im Schutzgebiet Mawas gelöscht war, fanden sich deutliche Hinweise auf Brandstiftung. Und erst kurz zuvor hatten die Behörden im selben Gebiet Tausende illegal gefällter Bäume beschlagnahmt.

VERBREITUNGSGEBIET
Orang-Utans lebten einst in weiten Teilen Südostasiens. Heute findet man sie nur noch in wenigen Regionen der indonesischen Inseln Sumatra und Borneo


Auf den Auswilderungsinseln sind die Tiere ungestört. Hier proben sie die Freiheit


Helfer retten verwaiste Affenbabys aus dem zerstörten Regenwald


Der Lebensraum der Orang-Utans schrumpft. Dabei leben sie sowieso nur noch auf zwei indonesischen Inseln: Zählungen ergaben, dass es auf Sumatra noch etwa 14.000 Tiere gibt, auf Borneo hat sich der Bestand zwischen 1999 und 2015 auf etwa 54.000 fast halbiert. „Laut Forschern könnten in den nächsten 30 Jahren nochmals 50.000 verschwinden“, warnt Daniel Merdes, Geschäftsführer von „Borneo Orangutan Survival Deutschland e. V.“ (BOS). „Das bedeutet dann aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende dieser Art.“ Auch die Naturschutzorganisation WWF schlägt Alarm: Lediglich 19 der 52 bekannten Populationen werden als langfristig überlebensfähig eingeschätzt. Die erst kürzlich entdeckte Art der Tapanuli-Orang-Utans auf Sumatra gilt mit nur 800 Individuen sogar als seltenste Menschenaffenart der Welt.

Gibt es noch Hoffnung? Seit Jahrzehnten kämpfen Tierschützer um die Rettung der Menschenaffen, die wie der Eisbär der Arktis symbolisch für einen ganzen Lebensraum stehen. Geht es den baumbewohnenden Orang-Utans gut, sind auch die Wälder gesund. Die Helfer kämpfen gleich an mehreren Fronten: Zum einen muss der Regenwald geschützt und die Zerstörung und Zerstückelung vor allem durch Palm- ölplantagen gestoppt werden. Dafür forsten Organisationen wie BOS und WWF weite Flächen wieder auf und schaffen grüne Korridore zwischen Nationalparkteilen. Allein im Gebiet Mawas entstehen durch erfolgreiche Wiederaufforstung insgesamt 70.000 Hektar neuer Lebensraum.

Zwei Jahre lang klammern sich die Babys immer wieder an ihre (Ersatz-) Mütter


In den Babyhäusern finden die Kleinsten eine neue Heimat


Orang-Utans ernähren sich hauptsächlich von Früchten, Blättern und jungen Trieben


Zum anderen zählt jedes Einzelschicksal. Zum Beispiel das von Nody. Als der kleine Orang-Utan vor elf Jahren im Rettungszentrum der BOS-Foundation ankommt, wiegt er gerade mal 3,3 Kilo und ist unterkühlt. Offenbar hat er längere Zeit unter unwürdigen Bedingungen in Gefangenschaft gelebt. Dank liebevoller Pflege erholt sich Nody rasch. Im Waldkindergarten werden gerettete Orang-Utan-Waisen von einem Babysitterteam betreut und gepflegt. Hier lernen sie Schritt für Schritt die Grundlagen des Überlebens. Erst dann können sie in die Waldschule „versetzt“ werden. Nody absolviert diese Lehrzeit mit Bravour: Wie findet man Nahrung? Welche Beutegreifer sind gefährlich, und wie weicht man ihnen aus? Welche Pflanzen sind genießbar?

AUF DEM LANGEN WEG IN DIE FREIHEIT

Sieben Jahre nach seiner Ankunft wird Nody auf die Vorauswilderungsinsel Palas umgesiedelt. Dort wächst er zu einem eifrigen Entdecker heran, der keine menschliche Nähe braucht. Die Teams beobachten nur: wie die Affen vorsichtig die Umgebung erkunden, wie sie ihr erstes Nest im Wald bauen. Denn oberstes Ziel ist das Leben in Freiheit. Am 17. August 2018 ist es so weit. Im Nationalpark Bukit Baka-Bukit Raya öffnen sich die Käfigtüren für Nody, zwei weitere Männchen und sieben Weibchen.

Manchmal müssen die BOS-Teams sogar Kriminalfälle lösen. „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im Dschungel!

Mitarbeiter des BOS-Schutz- zentrums päppeln gerettete Jungtiere liebevoll wieder auf


Im Waldkindergarten wagen Orang-Utan-Babys unter Aufsicht die ersten Kletterversuche


Der Fall: Im Juli 2017 bringt das Orang-Utan-Weibchen Clara auf der Auswilderungsinsel ein Junges zur Welt. Doch schon kurz darauf ist die kleine Clarita spurlos verschwunden. Suchtrupps durchkämmen das weitläufige Gebiet. Vergeblich. Bis sie den Täter endlich stellen können: Das 14-jährige Orang-Utan-Männchen Rizki hat Clarita entführt. Die Kleine ist lange nicht gestillt worden, hat einen gefährlichen Hautausschlag und muss gepflegt und aufgepäppelt werden. Happy End? Noch nicht. Denn nun verschwindet Clara. Vermutlich versteckt sie sich aus Angst vor dem Kidnapper und seiner Gang. Erst im August 2017 können Mutter und Tochter wieder vereint werden. Nach langer Trennung nimmt Clara ihr Kind in den Arm, drückt es ganz fest an sich. Inzwischen ist das Happy End perfekt: Clara und Clarita genießen die Freiheit im Nationalpark Bukit Baka-Bukit Raya.

Höchstes Glück für die Tierschützer ist jedoch stets die Entdeckung von Nachwuchs, der in freier Wildbahn geboren wird. August 2018: Auf seiner Patrouillenfahrt stößt ein Team auf Teresa, die BOS-Helfer vor drei Jahren ausgewildert haben. Das Orang-Utan-Weibchen ist nicht allein: Ein winziges Fellbündel liegt an seiner Brust. Süß und zum Glück topfit. Teresa und ihr Baby werden trotzdem in den nördlicheren Teil des Waldes umgesiedelt. Dort ist Futter leichter verfügbar. Kaum dem sicheren Transportkäfig entstiegen, erklimmt Teresa mit ihrem Nachwuchs gleich den nächsten Baum. Von ganz oben hat sie den perfekten Blick auf das reichhaltige Angebot des dortigen Regenwalds: Ameisen, junge Blätter, leckere Syzygiumfrüchte und Triebe in Hülle und Fülle. Beste Voraussetzungen für das Baby, um gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln.

AUF DIE HILFE KOMMT ES AN

Trotz aller Bedrohungen tragen die Bemühungen langsam Früchte. „Über 2000 Tiere konnten durch BOS gerettet, 384 davon schon wieder ausgewildert werden“, berichtet Geschäftsführer Daniel Merdes. „14 Geburten in freier Wildbahn stimmen optimistisch und sind gleichzeitig Beleg dafür, wie wichtig und sinnvoll unsere Arbeit ist.“ Wir Menschen teilen uns mit dem Orang-Utan 96,5 Prozent des Erbguts. Darum sind wir uns so ähnlich. Vielleicht haben unsere vom Aussterben bedrohten engen Verwandten ja doch noch eine Chance.


FOTOS S. 64–65: JAYAPRAKASH BOJAN; S. 66–67: BJÖRN VAUGHN/BOS (4); S. 68–69: BJÖRN VAUGHN/BOS (5)