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Unternehmen des Monats: J.P. Morgan: J.P.MorganChase: „Blockchain, nicht Bitcoin“


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 05.01.2020
Artikelbild für den Artikel "Unternehmen des Monats: J.P. Morgan: J.P.MorganChase: „Blockchain, nicht Bitcoin“" aus der Ausgabe 1/2020 von Kryptokompass. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 1/2020

Spätestens, seit der erste Block das Licht der Chain der erblickte, ist klar: Bitcoin ist eine Kampfanasage an das etablierte Finanzsystem. Schließlich kam der „Genesis-Block“ nicht ohne eine vielsagende Notiz daher: „Chancelor on the Brink of Second Bailout for Banks“. Es handelte sich dabei um die Überschrift einer Meldung der britischen Zeitung The Times vom 3. Januar 2009. Die Rede war von einem zweiten Rettungspaket für Banken, um sie von den Folgen der Finanzkrise 2008 zu entlasten. Die Bankenrettung hat dabei nicht nur Steuergelder, sondern auch das Vertrauen in die Finanzinstitute rund um den ...

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... Globus verbrannt. Aus der Asche ist Bitcoin entstanden: Ein offenes Finanzsystem, das ohne Banken auskommen soll. Mittlerweile haben jedoch auch die „bösen Banken“ die Blockchain-Technologie für sich entdeckt – und sei es nur zu Marketing-Zwecken.

Quorum: Blockchain für die ganz Großen

Die US-amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase (JPMorgan) gehört zu jenen Banken, deren Blockchain-Engagement weit über die Unterschreibung von Absichtserklärungen hinausreicht. Anstatt auf Dienstleister aus dem Krypto-Sektor zu setzen, hat der Bankenriese mit „Quorum“ eine eigene Plattform ins Leben gerufen, die Unternehmen eine Blockchain-Infrastruktur zur Verfügung stellt. Quorum erlaubt es den Unternehmen Smart Contracts, Token und dApps zu entwickeln, ohne eigene eine eigene Blockchain-Lösung unterhalten zu müssen.

Unternehmen Obwohl Quorum auf der quelloffenen Ethereum Blockchain basiert, haben nur ausgewählte Partner Zugriff auf die Plattform – es handelt sich um eine private („permissioned“) Blockchain. Was manchem Krypto-Dogmatiker ein Dorn im Auge ist, ergibt aus Unternehmenssicht durchaus Sinn. Schließlich hat kein Privatunternehmen ein Inte resse daran, seine Bücher für „Hintz und Kunz“ offen zu legen und Einblick in alle Zahlungsein- und ausgänge zu geben. Stattdessen haben nur beteiligte Parteien Einsicht in die Transaktionen und Smart Contracts, die auf Quorum stattfinden. Darüber hinaus können Transaktionen auf Quorum deutlich schneller abgewickelt werden als auf der öffentlichen Ethereum Blockchain: Konsens im Netzwerk wird nicht über Proof of Work, sondern über den Raft-Algorithmus erzielt. Dieser eignet sich besonders für private Netzwerke, bei denen nur vertrauenswürdige Parteien teilnehmen, Byzantinische Fehlertoleranz also keine Voraussetzung ist. Raft erlaubt Blockzeiten in der Größenordnung von Millisekunden. Zum Vergleich: In Ethereum beträgt die Blockzeit in der Regel zwischen 10 und 19 Sekunden.

Dass Quorum ein geschlossenes Ökosystem bildet, bedeutet freilich nicht, dass die Regulierungsbehörden außen vor bleiben. Im Gegenteil: Sie sollen ein integraler Bestandteil des Netzwerks sein, sodass Compliance-Fragen gar nicht erst entstehen.

JPM Coin: Ein Stable Coin nach allen Regeln

Das Blockchain-Engagement der „Big Four“ Bank erschöpft sich unterdessen nicht in der Bereitstellung der Blockchain-Umgebung. Mit JPM Coin hat das Unternehmen auch eine „Kryptowährung“ für seine Unternehmenskunden geschaffen. Bei dieser handelt es sich um einen Stable Coin, dessen Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. Der JPM Coin ist komplett durch US-Dollar-Einlagen bei JPMorgan gedeckt und kann zu jedem Zeitpunkt gegen Fiatgeld eingetauscht werden. Im Gegensatz zu anderen Stable Coin Projekten – man denke etwa an Tether (USDT) – soll es beim JPM Coin kein Rätselraten um seine tatsächliche Deckung geben. Schließlich handelt es sich bei JPMorgan um die größte Bank der USA und ist damit zur Einhaltung strenger regulatorischer Auflagen wie etwa regelmäßigen Audits verpflichtet. Ferner gibt es bislang keine Pläne, dass der JPM Coin auch für Endverbraucher verfügbar werden wird. Vielmehr soll er institutionellen Kunden von JP Morgan die Möglichkeit geben, Werte auf Quorum nahezu instantan auszutauschen – bei minimalem Kontrahenten- und Abwicklungsrisiko sowie einem reduzierten Kapitalbedarf. Zurzeit erprobt JPMorgan den hauseigenen Stable Coin mit ausgewählten Partnern – die für Ende 2019 geplante Veröffentlichung hat zu Redaktionsschluss noch nicht stattgefunden. Perspektivisch soll der JPM Coin auch in andere Fiatwährungen eingetauscht werden können.

Die ultimative Blockchain-Lösung für Unternehmen?

Bereits seit 2015 tüftelt JPMorgan an Quorum – damit gehört die Bank zu den Blockchain-Pionieren der Branche. Die Smart-Contract-Plattform gehört zu den vielversprechendsten Blockchain-Lösungen für Unternehmen, die bislang noch damit zaudern, der Technologie eine Chance zu geben. Dass sich jene nicht auf den Finanzsektor beschränken müssen, zeigt unter anderem das Beispiel des Luxushändlers LVMH, dem unter anderem die Marke Louis Vuitton angehört. Dieser hat im März 2019 eine auf Quorum entwickelte Plattform für das Tracking von Luxus-Artikeln vorgestellt. Auch die Energieproduzenten Shell und BP verwenden Quorum: Sie wollen einen Marktplatz für den Ölhandel errichten. Auch Banken (namentlich ING, Société Générale und ABN Amro) sind an dem Projekt beteiligt. Darüber hinaus will auch JPMorgan selbst Quorum für die Tokenisierung von Vermögenswerten verwenden. Zu den ersten Assets, die auf Quorum eine digitale Repräsentation in Form von Security Token erhalten sollen, zählen Goldbarren. Aufgrund der Einfachheit, mit der unterschiedliche Token-Typen auf Quorum erstellt werden können, bietet JPMorgan für den Wachstumsmarkt Security Token eine komfortable, branchenübergreifende on-ramp für Unternehmen. Gerade der Fokus auf Compliance bedeutet eine niedrigere Eintrittsschwelle für Firmen mit Blockchain-Ambitionen.

JPMorgan als Investment Case

Dass ausgerechnet eine Großbank zu den treibenden Kräften der Blockchain-Adaption gehört, entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie. Eine steigende Blockchain-Adaption durch institutionelle Akteure wird jedoch auch öffentlichen Blockchain-Ökosystemen – nicht zuletzt dem vermeintlichen Bankenschreck Bitcoin – neue Impulse verleihen.

Ein Blick die Charts verrät: In den zurückliegenden zehn Jahren konnte die Aktie des Unternehmens enorm an Wert gewinnen. Während der Kurs im Frühjahr 2009 krisenbedingt am Boden lag (die JPM-Aktie handelte unter 22 US-Dollar) bewegt sich die Aktie zu Redaktionsschluss in Gefilden jenseits der 138 US-Dollar – und hat damit einen historischen Höchststand erreicht.

Allerdings sollte das Jahr 2009 auch als Menetekel für die Abhängikeit der Bank von makroökonomischen Entwicklungen betrachtet werden – nicht umsonst stammt das Bitcoin White Paper aus diesem Jahr. Als „systemrelevante“ Bank verkraftete Morgan Chase die Folgen der Finanzkrise 2008 auch dank staatlicher Unterstützung.

Too big to fail?

Mittlerweile scheint die Bank ihre Hausaufgaben gemacht zu haben: Den jüngste Belastungstest, durchgeführt von der US-amerikanischen Zentralbank Fed, konnte JPMorgan – anders als etwa die Bank of America, die Bank of New York Mellon oder die Citigroup einwandfrei bestehen. Ein gutes Zeichen für die Zukunft – auch wenn es nichts an der Interdependenz der großen Geldhäuser ändert. Sollte es wieder zu einem Domino-Effekt kommen, wie ihn seinerzeit die Lehmann-Pleite auslöste, wird auch die Aktie von JPMorgan Federn lassen müssen. Hodler wissen, wie man vorbeugen kann: „Too big too fail“ ist schließlich auch ein Argument, das regelmäßig für Bitcoin bemüht wird. Und bislang spricht wenig dafür, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändert