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UNTERSCHÄT ZEN VERBOTEN!


Motorsport-Magazin.com - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.06.2019

ALEX RINS HAT SEIN SCHATTENDASEIN ALS UNDERDOG SPÄTESTENS MIT SEINEM SIEG IN AUSTIN BEENDET. RÜCKBLICK AUF EINE LIEBESBEZIEHUNG, DIE RECHT HOLPRIG BEGANN.


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Bildquelle: Motorsport-Magazin.com, Ausgabe 3/2019

Die Suzuki GSX-RR ist wieder ein Siegermotorrad. Exakt zwei Jahre und 222 Tage nach Maverick Vinales in Silverstone siegte am 14. April 2019 Alex Rins auf dem Circuit of The Americas in Austin. Ein Erfolg, der zu den emotionalsten der laufenden Saison gehörte, war es doch ein historischer. Der 23-jährige Rins feierte seinen ersten Sieg in der MotoGP-Klasse, während es für seinen Arbeitgeber Suzuki das Comeback auf dem obersten Treppchen nach ...

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... zweieinhalb harten Jahren war. Rins und Suzuki-ist das eine Kombination, die in den kommenden Jahren für Furore sorgen könnte? Für eine derartige Aussage ist es noch zu früh, doch zumindest eine Trendwende konnte Rins bei Suzuki in die Wege leiten. Und wer sowohl den Ehrgeiz von Rins als auch die Ansprüche japanischer Konzernchefs kennt, dem ist klar: Dieser Sieg soll nicht der letzte gewesen sein. Der Anteil des jungen Spaniers am Wiederaufstieg von Suzuki ist immens. Das attestiert ihm nicht nur die Teamführung, sondern das gibt er auch selbstbewusst im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zu Protokoll: »Mein Einfluss auf die Arbeit mit der Suzuki in den letzten Jahren war sehr groß. Ich fahre meine dritte Saison und wir haben mit diesem Motorrad eine unglaubliche Entwicklung hinter uns. Wir konnten dieses Bike massiv verbessern, vor allem wenn man es mit jener GSX-RR aus der Saison 2017 vergleicht, auf der ich meine ersten MotoGPRennen bestritten habe.«


»WIR KONNTEN DIESES BIKE MASSIV VERBESSERN, VOR ALLEM WENN MAN ES MIT JENER GSX-RR AUS DER SAISON 2017 VERGLEICHT, AUF DER ICH MEINE ERSTEN MOTOGPRENNEN BESTRITTEN HABE.«


In den USA gelang Rins sein erster Grand-Prix-Sieg


Denn die jetzige Erfolgsgeschichte hatte einen holprigen Start: Suzuki war 2016 im zweiten Jahr des MotoGP-Comebacks im Aufwind. Maverick Vinales landete in den 18 Saisonrennen insgesamt viermal auf dem Podest, wurde WM-Vierter und holte in Silverstone den ersten Sieg der Japaner nach dem Wiedereinstieg und für Suzukis Allzeitstatistik den ersten Erfolg seit neun Jahren. Die Formkurve aller Beteiligten sah vielversprechend aus, doch im Winter sollte Suzuki alles verlieren: Vinales nahm das vielversprechende Angebot von Yamaha an. Aleix Espargaro wechselte zu Aprilia. Und die japanischen Motor-Ingenieure verzockten sich am Reißbrett und produzierten -ein brustschwaches Triebwerk. Binnen weniger Monate sackte Suzuki vom Podestkandidaten aus eigener Kraft ins biedere Mittelmaß der hinteren Top-10-Positionen ab. Es war genau jener Zeitpunkt, an dem Alex Rins seine ersten Gehversuche auf der GSX-RR machte. Gehversuche, die sofort im Krankenhaus endeten, denn schon beim Debüt-Test in Valencia im November 2016 flog er heftig ab und zog sich eine Rückenverletzung zu, die ihn wochenlang in seiner Vorbereitung auf den MotoGP-Einstieg hinderte. Im darauffolgenden Frühjahr ging es für Rins in der gleichen Tonart weiter : Knöchelfraktur beim Motocross-Training nach dem ersten Rennen in Katar, Crash im 3. Training in Austin samt gebrochenem Handgelenk und anschließender Operation. Nach nur zwei Renneinsätzen lag der Rookie für viele Wochen flach und verpasste dadurch fünf der ersten sieben Grands Prix als frischgebackener Suzuki-Werkspilot.

Suzuki befindet sich auf dem Vormarsch


Rins fährt seit 2017 für Suzuki in der MotoGP


Die Teamführung rund um Davide Brivio geriet damals in das Kreuzfeuer der Kritik, hatte man für die Verpflichtung von Rins doch die Verhandlungen mit Johann Zarco abgebrochen. »Die Entscheidung wurde aus Gründen getroffen, die immer noch zählen. In der Hinsicht nämlich, dass Rins über ein unglaubliches Talent verfügt«, musste sich Brivio damals verteidigen. Denn Zarco sorgte zu diesem Zeitpunkt im Schwarz-Grün von Tech3-Yamaha für Furore, während Rins von einer Verletzung in die nächste schlitterte: Führungsrunden beim Debüt in Katar, Podestplatz im fünften Rennen in Le Mans und bereits 75 WM-Punkte nach Barcelona, wo Rins nach wie vor zum Zusehen verdammt war. Erst beim achten Lauf in Assen konnte der Spanier wieder eingesetzt werden. Andrea Iannone, der von Suzuki um kolportierte drei Millionen Jahresgage als neuer Teamleader verpflichtet worden war, war zu diesem Zeitpunkt längst der Geduldsfaden mit der strauchelnden GSX-RR gerissen. Auch der Italiener hatte in der ersten Saisonhälfte lediglich vier Top-10-Plätze mit Rang 7 in Austin als bestem Einzelresultat. Die Ner ven bei Suzuki lagen blank, nur einer blieb cool: Alex Rins. Assen sollte der Ort werden, wo dessen MotoGP-Karriere erst richtig begann, auch wenn es für den Dauerverletzten zunächst holprig losging: Letzter in Assen, Letzter am Sachsenring. Die damals noch vierwöchige Sommerpause war bitter nötig. »Um ehrlich zu sein, denke ich nicht gerne an 2017 zurück«, gesteht der Spanier in unserem Interview. »Aber das erste Rennen, in dem ich mich wieder ausreichend stark gefühlt habe, war der tschechische Grand Prix in Brünn.« Dort wurde er Anfang August Elfter und ein beachtlicher Aufstieg begann.

Den Doktor im Rücken: Rins macht sich einen Namen in der MotoGP


Wann dürfen Alex Rins und Suzuki erneut jubeln?


In Silverstone und Misano schlug er seinen Teamkollegen Iannone am Sonntag, in den letzten vier Saisonrennen konnte Rins sogar zweimal in die Top-5 vorstoßen-mit Rang 4 beim Finale in Valencia als bestem Resultat der Rookie-Saison, die er letztlich nur als drittbester der vier Neulinge beendete. 2017 war für Suzuki ein verlorenes Jahr. Auch deshalb, weil man aufgrund der Erfolge aus dem Vorjahr (man hatte durch zu viele Podestplätze die Zugeständnisse für erfolglose Hersteller verloren) die Motorentwicklung per Saisonstart einfrieren musste. Da dieses Bauteil aber die große Achillesferse der GSX-RR des Jahrgangs 2017 war, musste man im laufenden Saisonbetrieb retten, was noch zu retten war und das Motorkonzept für die Folgesaison radikal überarbeiten. Der Vorteil: Aufgrund der Erfolglosigkeit von 2017 bekam man 2018 erneut jene Zugeständnisse, die man bereits bis 2016 genossen hatte. Freie Motor-Entwicklung, größeres Motor-Kontingent und mehr Freiheiten bei Testfahrten. Schon zu Saisonbeginn holten Rins und Iannone Podestplätze, mit dem wichtigen Motor-Update in Assen stieg Suzuki endgültig wieder in den Kreis der aus eigener Kraft podestfähigen Hersteller auf. Rins holte in Assen, dem Ort seines Comebacks ein Jahr zuvor, Platz zwei und schwang sich teamintern zur Nummer eins auf. Während der millionenschwere Iannone sich reihenweise mit Ingenieuren über warf, blieb der konzentrierte Arbeiter Rins fokussiert und ruhig. Schließlich wurde er mit dem Verbleib belohnt, während Iannnone zu Aprilia abwandern musste. In den letzten vier Rennen des vergangenen Jahres landete Rins dreimal auf dem Podest. »Es ist unglaublich, was wir damals alles verbessern konnten. Angefangen vom Motor bis hin zur Elektronik«, gesteht er heute.


»ES WAR UNGLAUBLICH, MIT ALL DEN SPANISCHEN FANS FEIERN ZU DÜRFEN UND DIE ‚RINS, RINS, RINS‘-SPRECHCHÖRE ZU HÖREN. DAS WAR EIN TOLLES GEFÜHL.«


Zurecht schickten viele Experten die Kombination aus Rins und Suzuki mit Vorschusslorbeeren als Geheimfavoriten in das WM-Rennen 2019. Auch die eigenen Aussagen im Winter strotzten vor Selbstvertrauen. So gab es in dem Online-Videoclip, der in der Winterpause den Teamlaunch darstellte, die klare Ansage, dass man 2019 wieder Rennen gewinnen will. Woher dieses Selbstvertrauen kam? »Das kam vom Teamwork und der Arbeit, die wir in der Box erledigen. Wir pflegen untereinander alle eine gute Beziehung und das fühlt man im täglichen Miteinander. Wir haben das Motorrad Schritt für Schritt verbessert und sind dadurch auch immer näher an die Spitze gekommen. Der Sieg in Austin war lediglich das Resultat all dieser Arbeit«, erklärt Rins trocken. Denn schon im dritten Saisonrennen war das Saisonziel erfüllt, als der Lockenkopf mit der Startnummer #42 in Austin nach 41:45,499 Minuten die Z ielflagge sah und damit den Ausfall von Dominator Marc Marquez ideal ausnutzen konnte. Drei Wochen später gab es mit Rang zwei in Jerez die finale Bestätigung, dass man Alex Rins für 2019 auf der Rechnung haben muss. Vorerst gibt sich der Spanier aber noch bescheiden. »Der Sieg hat mir mehr Erfahrung und etwas mehr Selbstvertrauen gegeben, aber ich bin noch immer der gleiche Alex«, so Rins im Interview. Er räumt aber ein: »Das Podest in Jerez war schon etwas Besonderes, da ich dort in der MotoGP-Klasse noch nie so weit oben stand. Es war unglaublich, mit all den spanischen Fans feiern zu dürfen und die ‚Rins, Rins, Rins‘-Sprechchöre zu hören. Das war ein tolles Gefühl.«

In einer Statistik-Kategorie der laufenden Saison liegt der 23-jährige Spanier sogar schon an der Spitze der MotoGP: Bei den gewonnenen Plätzen am Renn-Sonntag. In den ersten sechs Rennen machte er nicht weniger als 48 Plätze gut-exakt acht Positionen pro Grand Prix. Damit lässt er sogar »Sonntagsfahrer« Valentino Rossi klar hinter sich. Platz eins in dieser Statistik ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, denn andere Piloten können gar nicht so viele Plätze gutmachen, da sie viel zu weit vorne starten. Das weiß auch Rins, der seine Schwäche kennt: »Ganz klar: Ich muss meine Startpositionen verbessern. In Jerez hat Marquez sich früh in Führung gesetzt und konnte sich rasch absetzen. Schade, denn wir hatten eine ähnliche Pace. Ich versuche immer, den besten Start zu erwischen und sofort zu überholen. Denn wenn ich immer von so weit hinten starten muss, geben die Führenden vor mir ja von Beginn an Gas, ohne sich mit Überholmanövern abmühen zu müssen. Daher muss ich vom Start weg 110 Prozent geben, so lange ich nur aus der dritten oder vierten Reihe ins Rennen gehen kann.« Tatsächlich hat Alex Rins nach den ersten 37 Rennen seiner MotoGPKarriere eine durchschnittliche Startposition von 11,7 zu Buche stehen. Für die Saison 2019 kommt er gar nur auf einen Schnitt von Position 12,3 (Stand: nach sechs Rennen), weil er in 50 Prozent der Rennen nicht einmal in Q2 stand. Seit seinem MotoGP-Aufstieg 2016 schaffte er es nur ein einziges Mal in die erste Reihe (Saisonfinale 2018 in Valencia) und stand nur fünf weitere Male in der zweiten Reihe. Plätze in der dritten, vierten oder gar fünften Reihe sind für Rins daher eher Standard denn Ausnahme. Gegen den Spanier erscheint sogar Rossi wie ein Qualifying-Gott und so lange diese Schwäche nicht behoben ist, kann Alex Rins auch nicht vom ganz großen Wurf träumen.

Wie er seine Qualifying-Schwäche ausbessern will, weiß Rins aber noch nicht so ganz: »Um ehrlich zu sein, habe ich keine klare Strategie. Wir müssen einfach verschiedene Dinge ausprobieren, härter bremsen und früher ans Gas gehen«, scherzt der Austin-Sieger. In der ausgeglichenen Weltmeisterschaft vorne dabei zu sein, hat Alex Rins bereits geschafft. Den Überflieger Marc Marquez aus eigener Kraft zu bezwingen, das bedarf allerdings noch einer Steigerung. Die Rolle des Teamleaders will der ruhige, aber umso ehrgeizigere Spanier vorerst nicht haben: »Ich kann mit dem Begriff Teamleader nicht viel anfangen. Ich würde mich eher als den erfahrenen Piloten im Team bezeichnen. In dieser Position kann ich meinen Weg durchziehen und das Motorrad meinen Vorstellungen entsprechend anpassen lassen. Ich mache mit Joan neben mir an der Box aber nichts anders, als in den vergangenen beiden Jahren neben Andrea. Das Wichtigste ist immer, die Konzentration hoch zu halten und eine Kämpfermentalität zu bewahren. « Diese Mentalität stellte Rins an den Renn-Sonntagen bereits regelmäßig unter Beweis. Ein Vorteil ging ihm aber durch die Erfolge der vergangenen Monate verloren: als Underdog wird den Suzuki-Piloten so schnell niemand mehr unterschätzen. Das ist spätestens seit dem Sieg von Austin und dem zweiten Platz beim darauffolgenden Rennen in Jerez vorbei.


FOTOS: LAT IMAGES

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