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UNTERSTÜTZUNG FÜR PFERD UND REITER HILFSZUGEL IM UBERBLICK


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2022 vom 09.09.2022

EQUIPMENT

Ingrid Klimke, Tochter von Dr. Reiner Klimke, Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit sowie Ausbilderin von Rang und Namen und Trägerin des Titels „Reitmeister“, hat sich mit dem Thema ebenso beschäftigt wie unser Experte Daniel Weinrauch von der Landes-Reit- und Fahrschule Rheinland.

Zügel und Hilfszügel – warum gibt es sie überhaupt?

Die Ursprünge der Möglichkeit, das Pferd von seinem Rücken aus unter Kontrolle zu haben, liegen bereits in der Frühzeit der Menschheit. Nach seiner Domestikation wurde nach Möglichkeiten gesucht, es „beherrschen“ und lenken zu können. Erste Spuren von Zäumungen reichen bis 2.000 Jahre vor Christus zurück. Zunächst fanden Knochen Verwendung, bald aber nutzte man härtere Metalle. Die Nutzung entsprang aus der Beobachtung, dass die Kieferlade des Pferdes sehr druckempfindlich ist. So wurden Halfter aus Leder oder Hanf um das Gebissstück ergänzt.

Dieses bot die ...

Artikelbild für den Artikel "UNTERSTÜTZUNG FÜR PFERD UND REITER HILFSZUGEL IM UBERBLICK" aus der Ausgabe 100/2022 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2022

Hilfszügel findet man in allen Sparten des Reitsports, vor allem aber in Spring- und Geländeprüfungen
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... Möglichkeit, das Pferd innerhalb kürzester Zeit zu stoppen und zu manövrieren, was vor allem im Kriegsgetümmel wichtig war. Die Römer erfanden um die Zeitenwende die Kandare, welche durch die Kinnkette besser am Pferd saß und so die Signale des Menschen noch besser übermittelte. Hilfszügel wurden sicheren Quellen zufolge ab der frühen Neuzeit eingesetzt. So verwendete etwa Newcastle im 17. Jahrhundert Hilfszügel, die vom Sattelgurt zum Kappzaum und von dort zum Sattelknauf führten. Durch ihre Nutzung sollte verhindert werden, dass das Pferd sich der Hand des Reiters entziehen konnte. Doch gleichzeitig wurden sie auch zur Schonung des Pferdemauls eingesetzt. So sollten Schlaufzügel verhindern, dass die Einwirkung auf das Maul des Pferdes zu hart wurde.

Jedes Pferd ist anders

Ingrid Klimke rät zuallererst, dass der Reiter unbedingt für jedes Pferd individuell entscheiden sollte: „Es geht nur mit Ausprobieren. Jedes Pferd ist anders; was für das eine gut ist, wird dem anderen schaden. Es gibt keine Pauschalregeln. Bei jedem Pferd einen Hilfszügel zu nutzen ist ebenso falsch, wie ihn pauschal abzulehnen.“ Der Einsatzzweck und der Grund für den Einsatz von Hilfszügeln sollten genau durchdacht werden. „Natürlich sollte sich jeder Reiter auch eine zweite Meinung einholen, was das Thema anbelangt. Doch dies sollte im Grunde bei allen Ausrüstungs- und Ausbildungsfragen der Fall sein. Viele Dinge bemerkt man beim Ausprobieren nicht sofort, weshalb ein erfahrener Trainer oder Ausbilder immer eine gute und notwendige Unterstützung ist.“

Daniel Weinrauch betont, dass Hilfszügel vor allem für das Erreichen einer korrekten Anlehnung nach den Kriterien der Skala der Ausbildung unterstützend wirken können. „Die Gründe für Anlehnungsfehler können ja vielfältig sein“, erklärt er. „Dabei können Gebäudemängel hineinspielen, aber auch fehlerhafte reiterliche Einwirkung. Wenn ein Pferd gegen oder über dem Zügel geht, ist das für die Tiere langfristig gesundheitsschädlich. Wir haben als Reiter die Aufgabe unsere Pferde langfristig gesundzuerhalten. Und insbesondere in dieser Hinsicht können die geeigneten Hilfszügel ganz viel Positives bewirken und dem Pferd letztendlich ein besseres Gefühl geben.“

Er ergänzt, dass sich daher kein Reiter „zu fein“ sein sollte, Hilfszügel zu gebrauchen. „Wenn das Zusammenspiel der reiterlichen Hilfen nicht korrekt ist, dann hilft es enorm, wenn das Pferd praktisch durch die Hilfszügel eingerahmt wird und damit nicht in einer schädlichen Haltung geht. Auch fortgeschrittene Reiter sollten lieber einmal einen Hilfszügel in Anspruch nehmen, als das Pferd langfristig in einer fehlerhaften Haltung zu reiten.“

Ausbinder geben Sicherheit

Bekannt sind Ausbinder in der Regel aus den ersten Reitstunden sowie vom Voltigieren und durch den Einsatz in einigen Basisprüfungen. „Ich empfehle Ausbinder für den absoluten Anfängerbereich. Denn in den Stunden an der Longe und den ersten Stunden des freien Reitens bieten sie dem Anfänger große Sicherheit“, beschreibt Daniel Weinrauch. „Die Tatsache, dass das Pferd den Hals nicht einfach nach unten fallen lassen kann, macht für den Anfänger die erste Zeit ungleich einfacher. Denn eine Dehnungshaltung, bei welcher der Widerrist des Pferdes der höchste Punkt ist, würde einen Reitanfänger zu diesem frühen Zeitpunkt überfordern. Dann wäre ja praktisch nichts mehr vor dem Reiter. Wenn der Anfänger dann etwas Sicherheit gewonnen hat, sollte man jedoch auf Dreieckszügel umsteigen, da sie dem Pferd einfach mehr Möglichkeiten und vor allem die Option zur Dehnungshaltung bieten.“

Nicht mehr im Einsatz befinden sich heute die früher allerorten anzutreffenden Ausbinder mit Gummiring. Das Pferde kann sich bei dieser Variante nicht in der vorgegebenen Haltung und Anlehnung vom Gebiss abstoßen. Dadurch ist es möglich, dass es das Gleichgewicht verliert. Das Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen ist mit einem eingeschnallten Ausbinder nicht möglich. Insofern sollte er nur bei Anfängern und Pferden mit Anlehnungsproblemen eingesetzt werden. Ausbinder können Pferde dazu verleiten, sich auf den Hilfszügel zu legen und damit vermehrt auf die Vorhand zu kommen. Zu kurz dürfen die Ausbinder auf keinen Fall verschnallt werden. Die Hinterbeine werden in diesem Fall blockiert, und der Rücken wird fest.

Dreieckszügel für die Ausbildung und den Schulbetrieb

Dreieckszügel haben die Aufgabe, die Haltung des Pferdekopfes und -halses nach oben zu begrenzen und das Pferd gleichzeitig zu animieren, den Hals fallen zu lassen. Der Dreieckszügel besteht aus zwei verschnallbaren Riemen, die am Gurt befestigt werden. Sie führen zwischen den Vorderbeinen nach vorne und werden jeweils von der Innenseite durch die Trensenringe geführt. Beim Reiten werden sie unter dem Sattelblatt seitlich am Gurt befestigt. Außerdem sind Dreieckszügel häufig beim Longieren im Einsatz. Hier kann die seitliche Anbringung am Gurt im Falle eines Longiergurtes mit mehreren Ringen variiert werden. Mithilfe der Dreieckszügel kann die Halsdehnung des Pferdes in Anlehnung optimiert werden. Die Pferde können damit außerdem zu mehr Losgelassenheit animiert werden und die gewünschte Reaktion beim Zügel-aus-der-Hand-kaufen-Lassen leichter erlernen.

„Sie dienen sehr gut als seitliche Begrenzung, sowohl beim Reiten als auch beim Longieren“, erläutert Daniel Weinrauch. „Außerdem bieten sie eine Begrenzung nach oben, sodass das Pferd sich nicht in diese Richtung heraushebt. Andererseits ermöglichen Dreieckszügel den Pferden gleichermaßen eine optimale Möglichkeit zur Dehnungshaltung.“ Ingrid Klimke betont, dass Dreieckszügel bei ihr in der Ausbildung eine wichtige Rolle spielen. „Bei mir werden alle Pferde einmal die Woche über Cavaletti mit Dreieckszügeln longiert. Dreieckszügel ermöglichen meiner Meinung nach den Weg vorwärts-abwärts in die Tiefe am besten und verhindern, dass das Pferd sich ausheben kann. Mir ist wichtig, dass die Dreieckszügel aus Leder sind, nicht aus Gummi. Dadurch lernt das Pferd ganz klar, sich vom Gebiss abzustoßen. Sind die Hilfszügel aus Gummi, wird es häufig wackelig und unruhig in der Anlehnung, da dieser immer nachgibt.“

Jedes Pferd ist anders, was für das eine gut ist, wird dem anderen schaden

Sie erklärt, dass „Dreieckszügel nicht so starr sind wie Ausbinder“, was sie sehr zu schätzen weiß, und weshalb sie diese nutzt. Sie empfiehlt Dreieckszügel zudem für reiterliche Anfänger. „Sie sorgen dafür, dass das Pferd schön durch das Genick und den Rücken geht und der Anfänger sich deshalb voll auf seinen Sitz und die Einwirkung konzentrieren kann. Auch für Sitzübungen an der Longe sind Dreieckszügel empfehlenswert, allerdings dürfen sie natürlich nie zu eng verschnallt werden.“ Wichtig ist, dass der Dreieckszügel derart verschnallt wird, dass seine Wirkung erst zu Tage tritt, wenn das Pferd sich heraushebt. Er sollte nie zu eng verschnallt werden, sodass das Pferd auch im Schritt mit Nickbewegungen sicher und entspannt schreiten kann. Eine erzwungene, zu tiefe Kopfhaltung bringt das Pferd aus dem Gleichgewicht und schadet der Rückentätigkeit und Losgelassenheit. Ein weiterer Fehler, der beim Gebrauch von Dreieckszügeln und Ausbindern passieren kann, ist das ungleich lange Verschnallen. „Insbesondere bei Schulpferden, welche mit zahlreichen unterschiedlichen Reitern unterwegs sind, halte ich Dreieckszügel für sehr gut geeignet“, betont Daniel Weinrauch.

Laufferzügel als flexible Alternative

Der Laufferzügel ist dem Dreieckszügel eng verwandt. Daher wird er häufig als geteilter Dreieckszügel bezeichnet. Er besteht aus zwei einzelnen Lederriemen, die an beiden Enden eine Verschnallmöglich- keit haben. Das eine Ende wird jeweils am Sattelgurt eingeschnallt, läuft zwischen den Vorderbeinen des Pferdes durch die Trensenringe und bis zum Sattelgurt, wo er auf Buggelenkshöhe angebracht wird. Doch der Laufferzügel kann noch mehr, nämlich als seitliches Dreieck verschnallt werden.

In diesem Fall wird der Laufferzügel seitlich am Sattelgurt eingeschnallt, läuft durch die Trensenringe und wieder seitlich zurück zum Sattelgurt. Es ist diese Flexibilität, die den Vorteil des Laufferzügels gegenüber dem Dreieckszügel darstellt. „Ich empfehle ihn vor allem für Privatpferdehalter, da ihnen der Laufferzügel die vielfältigsten Möglichkeiten in einem Produkt bietet.“

Für alle bislang genannten Hilfszügel erwähnt Daniel Weinrauch, dass man stets sichergehen sollte, dass die Länge passt. Gar nicht mal selten werden nämlich Hilfszügel genutzt, die entweder von einem Großpferd aufs Pony geschnallt werden und dann zu lang sind oder umgekehrt und das Pferd dann viel zu sehr einengen. „Auf keinen Fall darf ein Provisorium wie ein Knoten im Hilfszügel passieren. Sicherheit geht immer vor! Solche Ideen sind vollkommen fehl am Platze, denn gleich lange Hilfszügel sind dann beispielsweise vollkommen unmöglich.“

Martingal beim Springen im Gelände – und bei jungen Pferden

„Mit dem Martingal kommen wir weg von der ausschließlichen Verwendung in der Halle oder auf dem Reitplatz und gehen hinaus ins Gelände. Auch beim Springen ist das Martingal häufig anzutreffen“, beschreibt Daniel Weinrauch. Das im Pferdesport meist verwendete durchlaufende Ringmartingal besteht aus einem Bruststück, einem Halsriemen und zwei damit ausgehenden Lederstücken, an deren Ende sich jeweils ein Ring befindet, durch den die Zügel hindurchgeführt werden. Der Halsteil sollte deutlich vor den Pferdeschultern anliegen und nicht zu locker verschnallt sein. Das Bruststück verläuft vom Sattelgurt mittig über den Pferdebauch und zwischen den Vorderbeinen zum Halsteil. Beim Brustteil sollte eine flache Hand zwischen den Pferdekörper und den Hilfszügel passen, sodass er korrekt angelegt wurde. Insbesondere wichtig ist der Martingalstopper, sodass das Ringmartingal nicht Richtung Gebiss rutschen kann. „Wenn das Martingal am Gebissring hängen bleibt, kann es richtig gefährlich werden“, betont Daniel Weinrauch.

Das Martingal darf niemals zu kurz verschnallt werden, sodass die Zügellinie von der Reiterhand zum Pferdemaul dadurch in normaler Kopfhaltung gebrochen wird. „Wichtig ist, dass man eine gerade Linie sieht. Wenn das Pferd in Anlehnung geht, sollte das Martingal durchhängen. Das Martingal ist dann von Nutzen, wenn das Pferd sich deutlich heraushebt und dadurch die Zügelhilfen nicht mehr annimmt. Dann ist dieses Pferd durch den Hilfszügel nach oben hin begrenzt. Auch dem Reiter gibt das Sicherheit, denn er kann so nicht den Pferdekopf beim Springen oder im Gelände ins Gesicht bekommen.“ So kann der Einsatz bei Korrekturpferden und noch unrittigen jungen Pferden empfohlen werden.

Insbesondere bei Letzteren ist es ein Vorteil, dass das Martingal nur dann seine unterstützende Wirkung entfaltet, wenn es wirklich notwendig ist und ansonsten dem Pferd alle Freiheiten gewährt. „Denn es begrenzt das Pferd lediglich nach oben. Junge Pferde sind einfach noch nicht so durchlässig oder gehen eben nicht in der Anlehnung“, so Weinrauch. „Dem Reiter gelingt es dadurch besser, Sicherheit auf dem jeweiligen Pferd zu bekommen. Die Pferde wiederum werden durch den Hilfszügel eingerahmt, was auch ihnen Sicherheit gewährt und sie beständiger in der Anlehnung gehen lässt.“

Das Martingal ist jedoch kaum von Nutzen, wenn Balanceprobleme oder unruhige Hände korrigiert werden sollten. Ingrid Klimke nutzt das Ringmartingal vornehmlich beim Springen. Im Gelände allerdings nicht. „Ich reite im Gelände nie mit Martingal. Begründung: Wenn das Pferd tief hinunterspringt oder aber ins Wasser, dann muss es den Hals als Balancierstange nutzen können. Das Martingal darf dies nie verhindern und den Hals nach unten drücken. Denn dann kann es zum Sturz kommen, da das Ausbalancieren verhindert wird. So kommt bei mir auch bei jungen Pferden im Gelände kein Hilfszügel zum Einsatz. Im Springen erachte ich es aber als sehr sinnvoll, wenn das Pferd sich vor dem Sprung den Hilfen entziehen möchte oder gegen die Hand geht oder ich einfach das Gefühl habe, mehr Kontrolle im Parcours zu benötigen.“

Chambon und Gogue: Selten im Einsatz

Das Chambon und seine Weiterentwicklung, das Gogue, sieht man eher selten. Das Chambon besteht aus drei Teilen: Ein verschnallbares Lederstück wird am Gurt zwischen den Vorderbeinen angebracht. Am vorderen Ende befindet sich ein Metallring, durch den eine Schnur durch zwei seitlich angebrachte Ringe, welche an einem Genickstück befestigt sind, geführt wird. Die beiden Schnurenden werden am Gebiss eingehakt. Beim Gogue werden die Enden nicht an den Gebissringen eingehakt, sondern durch diese geführt und am Metallring am Lederstück eingehakt.

Das Pferd muss immer mit dem Genick als höchstem Punkt verbleiben können!

„Das Pferd muss mit dem Genick als höchstem Punkt sowie mit der Nasen-Stirn-Linie deutlich vor der Senkrechten verbleiben können“, erklärt Weinrauch. „Im Unterschied zu den anderen Hilfszügeln arbeitet man beim Chambon mit dem Druck, der auf das Genick einwirkt. Wenn sich das Pferd heraushebt, entsteht ein Druck auf das Genick und gleichzeitig ein Zug auf das Pferdemaul. Das Gogue hat eine deutlich sanftere Wirkung auf das Pferdemaul, denn bei ihm geht die Wirkung nicht aufwärts Richtung der Lefze, sondern in Richtung Widerrist.“ Hauptsächlich werden die beiden Hilfszügel beim Longieren eingesetzt. „Hierbei müssen sie für die seitliche Begrenzung jedoch mit einem Dreieckszügel kombiniert werden“, erläutert Weinrauch.

Kontroverser Sonderfall Schlaufzügel

Schlaufzügel nutzt Ingrid Klimke grundsätzlich nie. Sie möchte allerdings kein abschließendes Urteil abgeben, da sie damit niemals Erfahrungen gesammelt hat. „Ich selbst lehne Schlaufzügel ab und bin noch nie damit geritten. Ich hatte mehrere Pferde, die vor ihrer Zeit bei mir damit geritten wurden, aber ich habe immer bemerkt, dass das nicht mein Ding ist. Das ist aber meine persönliche Meinung, die ich niemandem aufdrängen möchte.“ Zu Recht werden Schlaufzügel als Unterstützung überaus kritisch gesehen, betont auch Daniel Weinrauch. Sie sind keine eigentlichen Hilfszügel, sondern Korrekturzügel „Meiner Meinung nach können allenfalls Profis damit umgehen. Selbst fortgeschrittene Reiter sind damit in der Regel schlicht überfordert, womit sie viel mehr Schaden anrichten können, als dass sie nutzen.“

Fazit: Ausprobieren, was passt

Als Resümee betont Daniel Weinrauch, dass es nicht „den einen perfekten Hilfszügel für jeden Zweck“ gibt. „Oft empfehle ich den Reitern einfach, mit ihren Pferden auszuprobieren, wie sie sich am besten zeigen. Jedes Pferd ist individuell veranlagt, und was bei einem in Sachen Hilfszügel perfekt funktioniert, kann bei einem anderen überhaupt keine glückliche Lösung sein. Das kann am Gebäude liegen oder an Mängeln in der Bewegung und vielen anderen Faktoren. Außerdem verändern sich Pferde im Laufe ihres Lebens. Wenn sie besser ausgebildet sind, Muskeln aufbauen und so weiter, kann es sein, dass plötzlich ein ganz anderer Hilfszügel im Vordergrund steht.“

Ein Tipp seinerseits besteht darin, dass der Reiter die Hilfszügel, welche sowohl beim Longieren als auch unter dem Sattel im Einsatz sein können – Dreieckszügel, Ausbinder und Lauferzügel –, konsequent aus beiden Perspektiven betrachtet. „Ich kann das Pferd erst einmal damit ablongieren und dabei betrachten, ob ich hierbei Probleme entdecke. Aus der neuen Perspektive erkennt der Reiter oft viel deutlicher, ob das Pferd zu kurz oder zu lang ausgebunden ist. Dies kann er korrigieren und dann unter dem Sattel sogleich ausprobieren und herausfinden, ob die vorgenommene Anpassung in die richtige Richtung weist. Noch empfehlenswerter ist selbstverständlich, ab und zu einen erfahrenen Ausbilder auf das Pferd schauen zu lassen, der die etwaigen Probleme in der Regel schneller erkennt.“ Bei jeder Art von Hilfszügeln gilt das schlichte Gebot: Sie müssen unbedingt richtig verwendet werden!