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Urban Jäkle


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 30.09.2021

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 10/2021

Mehr über Urban Jäkle erfahren Sie unter https://www.urban-stocks.com

TRADERS´: Können Sie uns zu Beginn kurz erzählen, wie Sie als Physiker zum überzeugten Börsianer wurden?

Jäkle: Tatsächlich geschah das erst nach meinem Studium. Damals arbeitete ich für eine Nanotechnologiefirma. Nach einer Weile stellte sich die Frage, wie ich mein Erspartes am besten anlegen sollte. Von Natur aus bin ich eher konservativ und wollte vor allem vermeiden, zu hohe Risiken einzugehen beziehungsweise zu viel Geld zu verlieren. Also habe ich mich mit Ansätzen beschäftigt, die bereits validiert waren, also einer quantitativen, systematischen Logik folgten und nachweislich funktionierten. Dieses Denken basierte sicherlich auch auf der Art und Weise, wie Physiker in ihrem Fach vorgehen. Vor allem aber gab es mir das nötige Vertrauen, wirklich einen gewissen Vorteil am Markt zu haben. Und genau ...

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... so hat sich das für mich letztlich auch bestätigt. Auf diese Weise habe ich es geschafft, anders als manch anderer Trader, niemals eines meiner Handelskonten gegen die Wand zu fahren.

TRADERS´: Man muss natürlich nicht erst ein Konto plätten, um ein echter Trader zu sein, auch wenn das in manchen Legenden so dargestellt wird. Aber am Ende sagen sie dann doch alle, wie wichtig das Risikomanagement ist, um es wirklich zum Erfolg zu schaffen.

Jäkle: Es gibt einen ganz einfachen Filter, um die größten Risiken zu vermeiden, die in turbulenten Marktphasen auftreten. Ich meine damit die von vielen Händlern und Analysten verwendete klassische 200-Tage-Linie (siehe Bild 1). Wenn der Markt unterhalb davon liegt, besteht das Risiko eines Bärenmarktes, und das möchte ich unbedingt vermeiden. Denn in diesen Phasen sind Aktien stark korreliert und laufen überwiegend gemeinsam nach unten, sodass es kaum noch Gewinner gibt. Dann ist es das Beste, die Füße still zu halten.

TRADERS´: Dazu gehört allerdings auch, diese Regel tatsächlich durchzuhalten.

Jäkle: Ja, durchaus. Und das ist für viele Trader leichter gesagt als getan. Schon Jesse Livermore soll gesagt haben, dass das meiste Geld durchs „Sitzen auf seinen Händen“, also Nichtstun verdient wird. Ich denke, gilt sowohl für Haussephasen, in denen die Kurse lange und weit steigen können, aber auch in Baissen, in denen es darauf ankommt, geduldig bis zum klaren Ende der schlechten Zeiten abzuwarten. Nicht selten versuchen ungeduldige Trader aber, vorzeitig wieder aktiv zu werden, um die scheinbar günstigen Einstiegskurse zu nutzen, nur um dann beim nächsten Abverkauf in den Verlust zu rutschen. Momentan klingt das natürlich ziemlich weltfremd, da die Märkte zuletzt genau im umgekehrten Modus waren, nämlich in einer intakten, starken Hausse. Aber wie wir wissen, kann und wird sich das natürlich eines Tages wieder ändern. Deshalb ist die Frage, wann man überhaupt im Markt investiert sein sollte und wann nicht, für mich eine grundlegende.

TRADERS´: Welche Faktoren gehen noch in Ihre Strategie ein?

Jäkle: Immer zum Monatswechsel überprüfe ich meine langfristigen Positionierungen und passe sie gegebenenfalls an. Das Ganze erfolgt in zwei Stufen. Zuerst wähle ich aus den fünf großen Marktgruppen maximal drei aus, die über ihren Durchschnittslinien liegen und sich am stärksten entwickelt haben: US-Aktien, internationale Aktien, Rohstoffe, Immobilien (hier arbeite ich mit Immobilienaktien) und Anleihen. Dieser Prozess orientiert sich an den Erkenntnissen von Meb Faber, die er in seinem Buch „The Ivy Portfolio“ vorstellte. Es geht dabei vereinfacht gesagt darum, die einzelnen Anlageklassen im Zeitablauf so zu rotieren, dass es langfristig aus Rendite/Risiko-Sicht möglichst attraktiv ist.

„Tage mit Momentumcrashs sind klassische Rausschmeißer.“

Quellen der Hauptstrategie von Urban Jäkle

• Faber, M. (2011), The Ivy Portfolio: How to Invest Like the Top Endowments and Avoid Bear Markets

• Clenow, A. (2016), Stocks on the Move: So schlagen Sie den Markt mit den Momentum-Strategien der Hedgefonds

• Van Vliet, P. (2016), High Returns from Low Risk: A Remarkable Stock Market Paradox

• O‘Shaughnessy, J. (2011), What Works on Wall Street: The Classic Guide to the Best-Performing Investment Strategies of All Time

TRADERS´: Wie sieht dann die zweite Stufe aus?

Jäkle: Diese besteht in einer Relative-Stärke-Selektion innerhalb der zuvor ausgewählten Marktgruppen. Auch hier erfolgt die Umsetzung vollständig systematisch nach eindeutigen, leicht nachvollziehbaren Regeln. Dazu habe ich mich der Erkenntnisse von Andreas Clenow („Stocks on the Move“) und Pim van Vliet („High Returns from Low Risk“) bedient und sie in angepasster Form in meinen Handelsansatz eingebaut. Ziel ist es, auf Tagesbasis die richtigen Aktien zu finden, indem die bekannten Effekte von Momentum und Low Volatility kombiniert werden, um zwischen den aussichtsreichsten Aktien zu rotieren. Ein guter Ansatz ist es beispielsweise, die stärksten fünf oder zehn Titel des gerade momentumstärksten Marktes – zuletzt war das der Nasdaq-100 – zu kaufen. Dabei betrachte ich in der Regel ein Performanceranking über 230 Handelstage (siehe Bild 2). Zudem verwende ich auf Basis meiner Backtests gerne einen kurzfristigeren Marktfilter über 100 statt wie sonst über 200 Tage. Das Ganze lässt sich auch noch um fundamentale Kriterien erweitern, die ich vor allem aus dem Buch „What Works on Wall Street“ von James O‘Shaughnessy entnommen habe, doch das führt jetzt zu weit. Kurz zusammengefasst kann ich aber sagen, dass ich das Universum der liquiden US-Aktien anhand des Russell-1000-Index für mein eigenes Trading durch einen quantitativen Vorabfilter schicke, der Dinge wie positiven Cashflow oder quartalsweises Umsatzwachstum berücksichtigt.

TRADERS´: Allerdings hat auf Momentum basiertes Trading auch den Nachteil, dass die Bewegungen schnell kippen können.Wie gehen Sie damit um?

„Es ist ein guter Kompromiss, ausreichend weit entfernte Stopps zu setzen, aber sie nicht vorab als Order in den Markt zu legen.“

Jäkle: Problematisch wird es, wenn Crowding entsteht, also aufgrund des Herdentriebs zu viele Trader auf die gleiche Bewegung setzen. Dann kann es passieren, dass einzelne sehr schlechte Tage auftreten, an denen die selektierten Aktien stark abrutschen. Gleichzeitig können klassische Value-Werte an solchen Tagen eher steigen, sodass man am Markt insgesamt vielleicht gar keine große Bewegung sieht. Ich bezeichne solche Tage, die nicht allzu oft vorkommen, als Störung im System. Und solche Störungen gehören einfach dazu, man muss also mit ihnen leben und lernen, angemessen damit umzugehen. Letztlich ist das Ganze nichts als ein gesunder Bereinigungsprozess.

TRADERS´: Wie meinen Sie das? Jäkle: Letztlich ist es wie bei jeder Prämie, Anomalie oder profitablen Strategie – es muss einen guten Grund dafür geben, warum es dauerhaft funktioniert. Und hier ist der Grund, dass die gelegentlichen Momentumcrashs alle Trader rauswerfen, die zu gierig sind und auf hohen Hebeln sitzen. Wenn ich die Strategie aber konservativ handle, kann ich die schlechten Tage verkraften und langfristig profitieren. Und zwar erstaunlicherweise mit deutlich besserem Ergebnis, als wenn ich aggressiv mit hohem Renditeziel handle. Denn Letzteres führt dazu, dass ich vielleicht im ungünstigsten Moment die Nerven verliere oder wegen eines zu hohen Hebels von meinem Broker aus dem Markt genommen werde. Tage mit Momentumcrashs sind also klassische Rausschmeißer. Auch deshalb sollte man nicht allein nur auf diese Art des Tradings setzen.

TRADERS´: Sie nutzen also noch weitere Strategien. Welche sind das?

Jäkle: Ein Ansatz ist meine Timingstrategie auf Basis des Sentiments, das ich anhand des Put/Call-Ratios am Optionsmarkt messe. Dabei kaufe ich nur dann, wenn ausreichend starker Pessimismus im Markt ist und verkaufe bei entsprechend hohem Optimismus (siehe Bild 4). Mit dieser Strategie bin ich nur zu etwa 45 Prozent der Zeit im Markt, habe also ein wesentlich niedrigeres Risiko, aber kann damit langfristig trotzdem in etwa die gleiche Rendite erzielen. Entsprechend lässt sich aufgrund des guten Rendite/Risiko-Verhältnisses hier auch ein gewisser Hebel einsetzen. Außerdem bietet die Strategie aufgrund ihres antizyklischen Charakters eine gute Diversifikation zum zuvor beschriebenen Momentumhandel.Eine dritte Strategie, die ich vorstellen möchte, basiert auf der Saisonalität, allerdings nicht im klassischen Sinne auf Indexbasis. Stattdessen betrachte ich einzelne Aktien, die im jeweils nächsten Monat historisch betrachtet stark gestiegen sind, und wähle davon jeweils die besten fünf aus. Meine Backtests haben gezeigt, dass diese Methodik schon seit 1958 gut funktioniert. Für die Titel des S&P 500 wären es rund 20 Prozent pro Jahr gewesen, mit einem maximalen Drawdown von etwa 30 Prozent.

Indem ich diese drei Strategien mit jeweils fünf gleich gewichteten Aktien handle, bekomme ich einen guten Kompromiss: ein ausreichend diversifiziertes Gesamtportfolio, das sich gleichzeitig noch gut überblicken und managen lässt.

„Ein zentrales Prinzip, das in meinem Ansatz steckt, ist die Rotation.“

TRADERS´: Haben Sie auch noch einen kurzfristigeren Zeithorizont als den Tageschart?

Jäkle: Inzwischen führe ich auch eine Intradayoptimierung meiner Signale durch. Sie basiert zu großen Teilen auf der Arbeit von Mark Minervini. Konkret dazu hat er zwar kein Buch veröffentlicht, aber durch meine Recherchen kenne ich das Prinzip dennoch ganz gut: Die Grundidee ist es, auf eine kurzfristige Beruhigung von Volatilität und Handelsvolumen zu warten und dann einzusteigen, sobald die Kurse wieder dynamisch zu steigen beginnen. Dazu beobachte ich bis zu 20 Titel auf Stundenbasis. Ein gutes Signal ist beispielsweise, wenn eine Aktie ausbricht und dabei bereits um 16:30 Uhr, also nach nur einer Handelsstunde, schon mehr Volumen als am gesamten Vortag verzeichnet. Bei dieser Art des Tradings handle ich aber mit weitaus engeren Stopps als auf dem Tageschart, um schnell wieder draußen zu sein, wenn die Bewegung abbrechen sollte. Außerdem setze ich das Ganze nach wie vor diskretionär um und nicht systematisch wie meine anderen Ansätze.

TRADERS´: Es sind also eigentlich sogar drei Stufen, aus denen Ihre Strategie besteht.

Jäkle: Das stimmt. Für den einzelnen Trader kommt es aber natürlich immer darauf an, welchen

„Die meisten Stopps machen leider die Performance vieler Strategien kaputt, vor allem wenn sie zu eng gesetzt werden.“

Zeitaufwand er im Alltag betreiben möchte. Die erste Stufe ist auf Monatsbasis und stellt die einfachste Version dar. Wer jeden Tag auf die Märkte schaut, kann die zweite Stufe umsetzen. Dafür habe ich gerade einen neuen Signaldienst gestartet – mehr unter https://Feierabend-Depot.de. Und wer sich sogar intraday mit dem Trading befasst, der kann die kurzfristigste dritte Stufe nutzen.

TRADERS´: Wann und wie genau eröffnen und schließen Sie einzelne Positionen?

Jäkle: Meine aktive Handelszeit ist abseits der Intradayoptimierung während und nach der Eröffnung der US-Märkte zwischen 15:30 und 16 Uhr. In diesem Zeitraum öffne und schließe ich meine Positionen entsprechend der gegebenen Signale. Das ist in der Praxis weitaus weniger aufregend, als es klingt, da das Ganze durch meine systematischen Strategien vorgegeben ist.

TRADERS´: Wie sieht Ihre Philosophie in Sachen Stoppsetzung aus?

Jäkle: Leider machen die meisten Stopps die Performance vieler Strategien kaputt, vor allem wenn sie zu eng gesetzt werden. Andererseits sichern sie aber mitunter auch das eigene „Überleben“. Was also tun? Ich denke, dass es ein guter Kompromiss ist, ausreichend weit entfernte Stopps zu setzen, aber sie nicht vorab als Order in den Markt zu legen. Denn meist kommt man nach Erreichen der entsprechenden Niveaus kurzfristig zu besseren Kursen heraus als während der akuten Abwärtswelle, wenn die vordefinierten Orders ausgelöst werden.

TRADERS´: Sie haben vorhin angesprochen, wie wichtig es ist, die Risiken beziehungsweise Verluste zu begrenzen. Sicherlich geht aber auch bei Ihnen mal etwas schief, oder?

Jäkle: Ja, durchaus, auch wenn es sich im Rahmen hält. Abseits von normalen kleineren Verlusten durch ungünstige Marktbewegungen kann es zum Beispiel zu Unregelmäßigkeiten aufgrund von Programmierfehlern kommen. Hin und wieder gibt es auch Probleme mit den Schnittstellen, was meist durch scheinbare Details wie falsch eingepflegte Feiertage oder Abweichungen in den Uhrzeiten ausgelöst wird. In der Regel ist das nichts Dramatisches, aber ich hatte auch schon einmal den Worst Case.

TRADERS´: Möchten Sie uns mehr darüber erzählen?

Jäkle: Das Problem hing mit einer Abweichung der Uhrzeiten zusammen, und zwar bei einer Forex-Handelsstrategie im EUR/USD, die auf Autopilot lief – damals hatte ich noch einen anderen Handelsansatz als heute. Es wurde immer wieder die falsche Rückmeldung generiert, dass der vorherige Trade noch nicht ausgeführt wurde, obwohl das tatsächlich schon stattgefunden hatte. Die Folge war, dass das System ständig hin-und herhandelte und dabei immer wieder den Spread verlor. Da ich zu der Zeit nicht am Computer war, ging das so lange, bis meine Margin aufgebraucht war und der Algorithmus dadurch gestoppt wurde. Aus heutiger Sicht war das natürlich ein klarer Anfängerfehler, aber solche Sachen gehören eben auch zum Lernprozess dazu.

TRADERS´: Was würden Sie den Lesern gern mit auf den Weg geben?

Jäkle: Ein zentrales Prinzip, das in meinem Ansatz steckt, ist die Rotation. Statt sich also verbissen immer nur denselben Markt anzuschauen, der vielleicht gerade überhaupt nichts hergibt, halte ich es für aussichtsreicher, eine Ebene höher zu gehen und zu schauen, welcher Markt gerade attraktiv ist – und dann dort nach konkreten Gelegenheiten zu suchen, die mitunter deutlich mehr Potenzial versprechen.

TRADERS´: Welches Ziel streben Sie langfristig mit Ihrem Trading an?

Jäkle: Mein Renditeziel liegt bei zehn bis 20 Prozent im Jahr, damit bin ich langfristig gesehen zufrieden. Wenn es mal ein gutes Jahr gibt, in dem ich deutlich darüber liege, ist das natürlich auch gut, aber das ist nicht meine Basiserwartung. Das konservative Ziel schützt mich davor, zu gierig zu werden oder zu hohe Hebel einzusetzen, um auf Dauer ein stabil gutes Ergebnis zu erzielen.

Survivorship-Bias und Datenanbieter

Um aussagekräftige Rückrechnungen von Handelsstrategien mit den in Indizes enthaltenen Aktien erstellen zu können, ist es gerade über längere Zeiträume unbedingt notwendig, den Survivorship-Bias zu berücksichtigen. Denn wird rückwirkend einfach mit der heutigen Indexzusammensetzung gerechnet, schleichen sich mit jedem zurückliegenden Jahr größere Fehler ein. Der Grund dafür ist, dass sich die Indexzusammensetzung im Zeitablauf ändert. Heute enthaltene Aktien sind grundsätzlich vergleichsweise gut gelaufen, sonst wären sie nicht im Index enthalten, aber diese Entwicklung war vor fünf, zehn oder 20 Jahren natürlich nicht absehbar. Um den Survivorship-Bias sowie weitere verzerrende Effekte zu vermeiden, sind hochwertige Daten notwendig, in denen unter anderem die tatsächliche Indexzugehörigkeit in der Vergangenheit berücksichtigt ist. Dafür sorgen professionelle Datenanbieter. Urban Jäkle nutzt beispielsweise Norgate-Daten, die seiner Einschätzung nach einen Standard für Privatanleger darstellen.