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URLAUB BEI DEN WIKINGERN


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Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 11.08.2022

Im Reisemobil durch Dänemark

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Ein idyllisches Plätzchen im Hafen von Rødvig

HIER, WO SCHLESWIG-HOL-STEIN in Südjütland übergeht, war es nicht immer so friedlich. Statt zum Campen kamen die Deutschen früher zum Kämpfen. Deutsch-dänischer Krieg 1864, Sie kennen das. Zum Glück Geschichte. Heute weht überall der Danebrog, die dänische Flagge, stolz und selbstbewusst im salzigen Wind. Und friedliebend-freundliche Dänen sind mit dem Gast aus Deutschland sofort auf Du.

Jütland beginnt dort, wo Deutschland im Norden aufhört und das Tempolimit beginnt: 130 km/h, Wohnmobile über 3,5 Tonnen 80 km/h. Angeblich zählen die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt. Auch Gäste werden in diesen Club schnell aufgenommen: Die innere Entschleunigung beginnt gleich hinter der Grenze, denn der Verkehr auf der Autobahn fließt viel ruhiger als in Deutschland.

Jütland – das sind bunte Fachwerkhäuser mit alten Giebeln. Eine meist flache Landschaft, in der sich ...

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... Heide, Dünen, Wälder und Marschland abwechseln. Und an der Küste die schönsten Strände Nordeuropas – mit feinem Sand und wilder Natur auf der Westseite, während die liebliche Ostküste geradezu ein Badeparadies für Kinder ist. Von den Ferienhäusern in den Dünen aus hört man schon die Brandung rauschen, während Wind, Wetter und Flugsand immer neue Formen in dieser einzigartigen Landschaft modellieren.

Das alles wollen wir in den nächsten Wochen mit unserem Wohnmobil erkunden.

Erste Station ist für uns Ribe, älteste Stadt Dänemarks und gleichzeitig Touristenmagnet. Gegründet im achten Jahrhundert, aktuell rund 8200 Einwohnern. Auch wenn im Sommer Scharen von Urlaubern mit Kamera und Stadtplan durch die mittelalterlichen Straßen pilgern, bewahrt die Bischofsstadt ihr besonderes Flair. Als der Missionar Ansgar von Bremen im Jahr 860 nach einem schönen Plätzchen für die erste Kirche Skandinaviens suchte, entschied er sich für Ribe – damals der bedeutendste Handelsplatz im Norden.

Heute ist es in den Kopfsteinpflastergassen ungefähr so voll wie in Rothenburg ob der Tauber. Aber sei’s drum, die wohl schönste Stadt Jütlands sollte man nicht verpassen.

Unsere Augen werden verwöhnt von kleinen Details in geschnitzten Türen, geschmückten Fensterrahmen und gepflegten Gärten. Stockrosen ranken aus den holprigen Bürgersteigen. In vielen Fenstern der puppenstubenähnlichen Behausungen fallen die Porzellanhunde auf, die eine alte Tradition haben. Und die geht so: Wenn der Hausherr auf See war, schaute ein Porzellanhund aus dem Fenster und signalisierte auf diese Weise eine „sturmfreie Bude“. So jedenfalls behaupten es böse Zungen. Woher die Figuren stammen, darüber hüllt man sich in Schweigen. Doch man weiß, dass sie bei den Damen des horizontalen Gewerbes in Gebrauch waren …

Von Ribe ist es ein Katzensprung bis nach Henne Strand, in der Sommersaison eine Ferienhausmetropole, die fest in der Hand deutscher Urlauber ist. Dänisch ist dann hier Fremdsprache.

Hier spürt man das Jod förmlich in der Luft, das kristallklare Wasser lädt zum Baden ein, und die feinsandigen, weißen Strände sind sauber. Mit etwas Glück kann man sogar Bernstein im nassen Sand finden. Die Kleinsten bauen Sandburgen und spielen, während die etwas Größeren sich auf den zahlreichen Kinderspielplätzen austoben. Es weht ein starker Wind, und die Sonne lacht vom stahlblauen Himmel, als wir uns auf den Weg über die 35 Kilometer lange Holmsland Klit machen.

Diese maximal drei Kilometer breite Dünennehrung ist einer der Höhepunkte der dänischen Haffküste. Im Westen brandet die Nordsee an einen breiten Sandstrand mit bis zu 30 Meter hohen Dünen, während im Osten flache Marschwiesen am Ufer des Ringkøbing-Fjords enden. Dazwischen liegen Heideflächen, die mit unzähligen Ferienhäusern bebaut sind. Ein schönes Fleckchen, um einen ungestörten Urlaub zu verbringen. Allerdings ist Dänemarks größter Strandsee zum Baden viel zu flach und schlammig – aber ein Anglerparadies und ein Surferdorado par excellence.

Beim 3000-Seelen-Ort Hvide Sande gibt es eine Schleuse, welche die Nordsee mit dem Ringkøbing-Fjord verbindet. Mehr als 200 Fischerboote – vom Fjordkutter für den Schollenfang bis zum Hochseetrawler, der mit Schleppnetzen das Meer leer räumt – sind hier beheimatet, ihnen stehen sowohl ein Fjord- als auch ein Nordseehafen zur Verfügung.

Wir wollen weiter auf die Insel Fünen mit einer Küstenlänge von mehr als 1100 Kilometern. Fünen, die Insel des Märchenerzählers, bezeichnete Hans Christian Andersen als den „Garten Dänemarks“ . Vorbei geht es an idyllischen Dörfern mit strohgedeckten Bauernhäusern, Schlössern und Herrensitzen. Immer wieder lassen wir unser Wohnmobil stehen, um mit den Fahrrädern die sanft gewellte Landschaft mit ihren Schönheiten und Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Odense, die Geburtsstadt von Hans Christian Andersen, hat sich zu einem respektablen Industriestandort entwickelt und besticht durch großzügige Grünanlagen. Quirlig präsentiert sich die drittgrößte Stadt Dänemarks (200 000 Einwohner), und wir sind froh, als wir endlich einen Parkplatz für unser Wohnmobil finden. Zum Glück haben wir unsere Fahrräder dabei, auf denen wir die Universitätsstadt mit ihrer über tausendjährigen Geschichte erkunden.

Der erste Weg führt uns ins „Arme-Leute-Viertel“ und somit zum Geburtshaus von Hans Christian Andersen (1805 bis 1875). Das bescheidene Fachwerkhäuschen beherbergt ein Museum mit vielen Bildern, Fotos und Dokumenten. Spannend wird es in der Bibliothek, in der Märchenbücher in allen Sprachen der Welt zu bewundern sind. Die Stadtväter verstanden es, aus ihrem berühmten Sohn Kapital zu schlagen. Wir begegnen ihm auf unserem Stadtrundgang auf Schritt und Tritt: Der Platz vor der Kunsthalle trägt seinen Namen, im Museum sind seine Werke ausgestellt, und in Bronze gegossen steht er im H.-C.-Andersen-Park gleich hinter der Sankt Knuds Kirke.

Irgendwann haben wir genug von Kunst, Kultur und vielen Menschen. Wir machen uns auf den Weg Richtung Svendborg, und zwar zum Teil auf der Margeriten-Route, die durch landschaftlich schöne Gebiete verläuft. Der Weg ist nach der Lieblingsblume der Königin benannt und mit einer Margerite auf braunem Grund beschildert.

Es geht vorbei an Hellerup, einem alten Herrensitz mit mehr Geschichten als Geschichte. In einem naturschönen Gebiet weiter südlich stoßen wir auf Gut Lykkesholm, dessen Hauptgebäude um 1600 entstand. Es ist eines jener Schlösser, auf denen es sich Hans Christian Andersen in adliger Gesellschaft gut gehen ließ.

Das Hinterland von Svendborg wird nicht ohne Grund als die reizvollste Gegend Fünens bezeichnet. Herrenhöfe und Schlösser reihen sich wie Perlen an eine Schnur. Das berühmte Schloss Egeskov, einige Kilometer nördlich der Stadt, gilt als besterhaltene Renaissancewasserburg Europas. Das 1554 erbaute Palais steht inmitten eines Sees auf Eichenpfählen. Es ist von wunderschönen Gärten in verschiedenen Stilrichtungen umgeben.

Neben der größten Fuchsiensammlung Europas und einem der schönsten französischen Gärten Skandinavien, kann man den 200 Jahre alten Irrgarten bewundern. Das große Heckenlabyrinth liegt versteckt hinter 2200 Bambuspflanzen, die mittlerweile drei Meter hoch sind.

Nächste Station ist für uns die Insel Seeland, die größte in der Ostsee. Hier lebt die Hälfte der knapp sechs Millionen Dänen, den Hauptort der Insel kennen Sie vielleicht: Kopenhagen. Es riecht nach Salz und mehr. Und wieder erwarten uns Fachwerkhäuser in kleinen Dörfern. Das zwischen immer wieder einladende Strände, an denen wir am liebsten sofort unsere Decke ausbreiten würden. Wobei – wir machen das jetzt einfach mal, Sie müssen kurz warten …

So, wir haben alles wieder ins Reisemobil gepackt, weiter geht’s. Im Reiseführer haben wir gelesen, die Halbinsel Odsherred, die nordwestliche Ecke Seelands, sei einen Abstecher wert. Und tatsächlich: Die Landschaft ist für dänische Verhältnisse schon fast bergig, wir genießen die weiten Ausblicke. Wunderschön hebt sich die rote Odden Kirke vor dem azurblauen Himmel ab. Hier hat der dänische Marineoffizier und Seeheld Peter Willemoes (1783 bis1808) seine letzte Ruhestätte gefunden. Er befehligte in der Seeschlacht von Kopenhagen 1801 eine Floßbatterie mit 24 Kanonen und 129 Mann Besatzung – und heizte dem Feind (diesmal den Briten) ordentlich ein.

Echtes Fischermilieu finden wir in Havnebyen, wo am Kai Flundern und Sardinen aus Netzen gepult werden. Daneben hängen Netze zum Trocknen. In der Fischhandlung läuft uns das Wasser im Munde zusammen – das Abendessen ist gesichert.

Die Insel Møn schmiegt sich eng an die Nachbarinseln Falster und Seeland, und genau dieses 35 Kilometer lange Eiland wollen wir am nächsten Tag entdecken. Über mangelnde Anerkennung in Form von Besucherströmen kann sich die Insel nicht beklagen. Denn wegen ihrer 100 Meter hohen Kreideklippen ist sie eines der meistbesuchten Reiseziele Dänemarks. Und wieder mal führt uns unser Womo-Büchlein zu einem tollen Platz. Auf einer planierten Sandund Schotterpiste, die sich durch einen dichten Buchenwald schlängelt, umgehen wir nicht nur die Massen von anreisenden Autos, sondern bekommen sogar noch einen kostenlosen Parkplatz am Leuchtturm. Von hier aus starten wir unsere Erkundungstour zu den Klippen von Møn. Die sind noch faszinierender als erwartet. Kieselsteine und weiße Kreidebrocken knirschen unter den Schuhsohlen bei unserem Spaziergang entlang des türkisfarbenen Meeres.

Ansonsten hat Møn noch herrliche Strände, idyllische Häfen und einige schlichte Dorfkirchen mit fantastischen Kalkmalereien – richtig lebendigen Bilderbibeln fürs Volk – zu bieten. Etwa in der kleinen Keldby Kirke, deren Malereien auf den mittelalterlichen Meister Elmelunde zurückgehen. Kennzeichen seiner Malkunst ist die Vermischung biblischer Motive mit Szenen aus der Alltagswelt.

Wie überall im Lande entdeckt man auf Møn neben Kirchen eine ganze Reihe vorzeitlicher Funde wie Dolmen, Steinkammern oder Hünengräber.

Wie schrieb schon Henrik Pontoppidan, Dänemarks späterer Literaturnobelpreisträger, im Jahr 1890? „Draußen in diesem wogenden Blau, fern im Osten und Süden, schwimmen die dänischen Inseln, über hundert an der Zahl, einige groß, andere klein, aber alle üppig und grün, ein Archipelargus von schwimmenden Gärten, strotzend von Getreide und den prächtigsten Wäldern.“

Wir mit unserem Wohnmobil haben nur einen kleinen Teil davon gesehen, aber wir werden wiederkommen, dessen sind wir uns ganz sicher.

Roland Jung