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Urlaub wie im Märchenbuch


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 07.09.2022
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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 10/2022

O ft bekomme ich gesagt: „Dein Hund sieht aus wie Fuchur, der Glücksdrache aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende“, wenn ich mit meinem drahthaarigen Vizsla János unterwegs bin. Ich höre das gerne, denn ich liebe nicht nur meinen Hund, sondern auch „Die Unendliche Geschichte“, Fabelhaftes und Fantastisches und außerdem das Leben in Italien.

Wie passt Letzteres nun in die Reihe? Sie werden’s sehen: Anstatt zu Pizza und Pasta, anstatt nach Neapel und Rom, nehme ich Sie mit an Orte, die märchenhaft angehaucht sind und die auch Ihren Hunden „Dolce Vita“ bieten.

Den Drachen treffen

Im Norden Italiens, genauer in der Region Trentino-Südtirol nahe der Stadt Trento, führt eine serpentinenreiche, wunderschöne Strecke hinauf zur Lavarone-Hochebene. Im Dorf Gionghi-Cappella parken wir gratis auf dem großen Besucherparkplatz. Von dort aus geht es zunächst vorbei an der traditionellen Bäckerei ...

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... „Bertoldi“, in der man sich mit regionalen Leckereien für die Wanderpause eindecken kann. Und dann sieht man sie auch schon, die Schilder die den „Sentiero del Drago“, den Drachen-Wanderweg kennzeichnen. Wir sind auf der richtigen Fährte!

Knapp eine Stunde kraxeln wir mal mehr, mal weniger bergauf, bis sich eine weite Almwiese auftut. Nanu? Dies scheint der Italiener liebste Picknickwiese zu sein. Überall lagern kleine Grüppchen auf ausgebreiteten Decken. Bevor wir es denen gleichtun, wollen wir aber erst mal zum eigentlichen Ziel.

Hinter der nächsten Anhöhe erscheint er: Drago Vaia, der größte Holzdrache Europas. Gar nicht so einfach, ihn und meinen Glücksdrachen János zusammen auf einem Foto einzufangen! Die zahlreichen anderen Wanderhunde hier oben lassen János nicht stillsitzen. Der Drago Vaia imponiert gar nicht mal so sehr durch seine Größe, sondern viel-mehr durch seine Machart und die Kulisse, in der er thront. Erschaffen wurde er vom Bildhauer Marco Martalar, aus dem Holz der durch den verheerenden Vaia-Sturm entwurzelten Bäume. Dieser Orkan fegte 2018 durch die Dolomiten und fügte der Natur großen Schaden zu.

So soll der Drache, und auch weitere geplante Skulpturen in der Region, Mahnmal des Klimawandels und seiner Folgen wie dem Waldsterben sein.

Das Holz des Drachens ist unbehandelt und so wird diese fantastische Skulptur irgendwann wieder verfallen und eins mit der Natur werden.

Fliegen wie eine Fee

„Bärenloch“, „Runder Brunnen“ oder „Wasserfall der schwarzen Brüste“ – die Namen der Kaskaden von Molina klingen spannend. Der Ausdruck „Wasserfallpark“ hingegen täuscht, denn es handelt sich keinesfalls um einen künstlich angelegten Freizeitpark, sondern um einen Ort voller Attraktionen, die die Natur erschaffen hat. Das historische Mühlendorf Molina liegt idyllisch im Naturschutzgebiet der Lessinischen Berge östlich des Gardasees. Drei dicht bewaldete, sattgrüne Täler treffen hier aufeinander. Eines von ihnen ist das Valpolicella. Weinkennern müssten jetzt die Ohren klingeln. Vom Parkplatz oberhalb des Dorfes gelangen wir zu Fuß zum Parkeingang. An der Kasse bekommen wir eine Wanderkarte, die drei unterschiedlich lange Rundwege durch den über 80.000 Quadratmeter großen Park ausweist. Wir wollen alle elf Wasserfälle erkunden und wählen deswegen die 3,6 Kilometer lange, schwarze Route. Rund drei Stunden wandern wir nun, zumeist im Schatten von Bäumen, vorbei an Höhlen und immer in Begleitung plätschernden Wassers: Bäche, Wasserstufen und eine erstaunliche Vielfalt an Kaskaden. János hat hier viel zu schnüffeln und genießt die Wasserspritz- und Schlürfmöglichkeiten. Nur an einer Stelle wird es unangenehm für Hunde. Zumindest für die großen, die nicht getragen werden können: Eine Gittertreppe muss überwunden werden. Ein wenig irritiert ist János auch, als ich auf die Schaukel steige, die einen feenartig direkt an die Cascata Nera schweben lässt.

“Italien und Märchen – wer denkt da nicht an Pinocchio?”

Hunde sind im Wasserfallpark willkommen. Es wird darauf hingewiesen, dass sie nicht baden gehen sollen, weil dadurch die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt im Wasser gestört wird.

„Ciao Pinocchio“

Italien und Märchen – wer denkt da nicht an Pinocchio? Die berühmte Holzmarionette mit der langen Nase wurde in Collodi zum Leben erweckt. Collodi liegt im Norden der Toskana, zwischen Lucca und Florenz. Bekannt wurde der Ort vor allem durch den Schriftsteller Carlo Lorenzini, der seine Kindheit in Collodi verbrachte und den Ortsnamen später als sein Pseudonym wählte. Als Carlo Collodi schrieb er Ende des 19. Jahrhunderts den berühmten Roman „Die Abenteuer des Pinocchio“.

Die meisten, die nach Collodi kommen, möchten also auf den Spuren Pinocchios wandeln. Es gibt den Pinocchio-Park, eine Mischung aus Skulpturengarten, Museum und Freizeitpark, nebenan die Pizzeria da Geppetto und natürlich Souvenirstände mit langnasigen Marionetten. Mindestens genauso besuchenswert ist aber die Villa Garzoni mit ihrem zauberhaften Schlossgarten sowie das darüber steil am Hang liegende alte Dorf Collodi.

Am Eingang des Pinocchio-Parks prangt ein Sticker „Vacanze a 4 Zampe“ (Urlaub auf vier Pfoten) und ein Schild, das deutlich zeigt: Hunde dürfen mit hinein in den Park. Und so wandere ich, mit János an der Leine, in die Welt von Pinocchio. Toll ist das interaktive Museum. Auch hier dürfen Hunde dabei sein.

Den Schlossgarten der Villa Garzoni haben wir im Januar fast ganz für uns alleine und – psst, nicht weitersagen! – so durfte János hier und da auch von der Leine, um im Bambushain, den magischen Grotten oder zwischen den Orangensträuchern herumzustromern. Der historische Garten ist wahrlich ein märchenhafter Ort. Über Treppen und Terrassen arbeitet man sich, vorbei an Statuen, die Götter und Zauberwesen darstellen, in die Höhe gen Villa. Unterwegs treffen wir auch echte Wesen: Ziegen in einem Gehege und Pfauen, die ein Rad schlagen. Oben an der altehrwürdigen Villa angekommen, genießt man eine herrliche Aussicht unter anderem auf die größte Pinocchio-Statue der Welt.

Märchenhaft und hundefreundlich urlauben

▷ Das Refugium der Feen „Rifugio delle fate“

Als „magischer Ort, an dem die Zeit stehen bleibt und Sie wieder zu Kindern werden“ beschreiben Gioia und Pietro ihr kinder- und hundefreundliches Bed and Breakfast beim toskanischen Örtchen Ciliegi, knapp 30 Kilometer südlich von Florenz. Im Bauernhaus-Appartement für drei Personen sind Hunde jeder Größe willkommen, einzig ins Bett oder auf das Sofa dürfen sie nicht. Im zauberhaften und wilden Naturgarten können Vierbeiner zwischen Wichteln, Feenhäusern und den eingezäunten Ziegen und Minischweinen herumschnüffeln.

Via borro di Cetina 38, Loc. Ciliegi, Reggello (Firenze) 50066, www.rifugiodellefate.net

▷ Bewacht von Pinocchio in den Schlaf fallen

Für Wohnmobilreisende bietet sich in Collodi ein Stellplatz in der Via Pasquinelli an, direkt neben der weltweit größten Pinocchio-Statue. Dieser bietet Raum für fünf Mobile, Wasser, Strom und Entsorgungsmöglichkeit gratis – allerdings nur für Besucher des Pinocchio-Parks. Laut einem Schild an der Einfahrt finden Ticketkontrollen statt und man darf nicht länger als zwei Nächte bleiben.

In der „Off-Season“ ist der Platz angenehm leer. Wir können sogar in der Mittagssonne unsere Campingstühle aufstellen und Kaffee trinken, während János an der Sandsteinmauer seiner Lieblingsbeschäftigung im Süden nachgeht: Eidechsen fangen … oder besser gesagt: es versuchen.

Tipp: Dienstag ist Markttag in Collodi. Keine 100 Meter entfernt vom Stellplatz kann man sich noch vor dem Frühstück mit frischen Orangen und leckerem Käse eindecken.

Nützliche Infos zu Italiens Einreisebestimmungen, Klima, Tierärzten, Hund im Restaurant, am Strand, in öffentlichen Verkehrsmitteln usw. gibt das Internetportal www.travel4dogs.de

Magischer Tarot-Garten

Inmitten der Hügellandschaft der Maremma, im Süden der Toskana, beim Örtchen Capalbio, erschuf die Künstlerin Niki de Saint Phalle, hauptsächlich bekannt für ihre bunten, korpulenten „Nana“-Frauenfiguren, den „Giardino dei Tarocchi“. Der Tarotgarten besteht aus 22 Motiven des magischen Kartenspiels, dargestellt als Skulpturen, die bis zu 15 Meter hoch und teils begehbar sind. Wir lassen uns verzaubern von der Farbenfreude, den Tausenden Mosaiksteinchen und Spiegeln und den vielen Details, die es hier zu entdecken gibt. Hunde sind im Tarot-Garten willkommen und erleben völlig neue Eindrücke. „Nein, János, das sind keine anderen Hunde, das bist alles du!“ – scheinbar verdutzt schaut mein Vizsla in die kleinen Spiegel, die aus einem János gleich zehn Hunde machen. In diesem bunten Fantasie-Park reflektiert nicht nur das Physische, nein auch die Psyche, denn als Hundehalter setzt man sich automatisch mit Fragen auseinander: Wie nimmt mein Hund all das wahr? Welche Farben und Formen kann er erkennen? Lösen die Spiegelungen Neugierde oder Nervosität bei ihm aus?

János stakst mutig mit, durch die Gänge und Figuren aus bunt funkelnder Keramik. Im hinteren Teil des Tarotgartens wird es grüner und Hund hat wieder Erdboden und Gras unter den Pfoten. Wichtig, um zwischendurch zu entspannen, aber warum nicht auch mal den Hund ein wenig herausfordern? Der Strandoder Waldspaziergang kann dann zeitnah folgen, denn beides ist von Capalbio aus nur einen Katzensprung entfernt.

Im Reich der Märchenfiguren

Auch unser nächstes Ziel ist farbenfroh: Sant’Angelo die Roccalvecce in der Provinz Viterbo ist eines der vielen schönen „Murales-Dörfer“ Italiens. Das sind Dörfer, in denen beeindruckende Wandmalereien fast ausgestorbenen Orten wieder neues Leben einhauchen. In Sant’Angelo geschieht das auf besonders zauberhafte Art, denn an den Hauswänden sind Motive von Märchen und Legenden aus aller Welt zu bestaunen. 2016 begonnen mit „Alice im Wunderland“, sind es heute über 40 Kunstwerke, ausschließlich von Frauen gemalt, und jedes Jahr kommen neue Werke hinzu: Pinocchio, Die Schöne und das Biest, Der Rattenfänger von Hameln, Der kleine Prinz, Die Bremer Stadtmusikanten und und und.

“Es macht Spaß, sich hier einfach von der eigenen Fantasie treiben zu lassen”

Folgt man dem beschilderten Rundgang, der durch das Dorf führt, das passender Weise auch „Sant’Angelo il paese delle fiabe“ (Das Land der Märchen) genannt wird, ist es einem garantiert, alle Kunstwerke zu erblicken. Viel mehr Spaß macht es aber, sich hier einfach von der eigenen Fantasie treiben zu lassen. So trifft János die sieben Zwerge, den gemütlichen Bär Balu aus dem Dschungelbuch und viele andere Märchenfiguren, neben denen er auf den Fotos ein richtig gutes Bild abgibt. Hier hat man die Möglichkeit, mal so ganz andere Hundefotos zu knipsen.

Wem anschließend nach einem erfrischenden Eis oder im Herbst oder Winter eher nach einer regional-typischen Kastanien-Kichererbsen-Suppe ist, der findet in Sant’Angelo den Gnomen-Kiosk oder das Restaurant am Hauptplatz, beides entspannt mit Hund möglich.

Und da Hundehalter ja bekanntlich gerne wandern, oder zumindest deren Vierbeiner, soll hier noch erwähnt werden, dass vom Märchendorf aus zahlreiche Wanderrouten starten, zum Beispiel der „Weg der Burgen und des Geisterdorfs“. Das Geisterdorf heißt Celleno und ist ebenfalls einen Besuch wert. Aber das ist eine Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll.

CAROLIN HLAWATSCH