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URVÄTER & ERFINDER


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 03.09.2021

PORTRÄT »OCEAN REEF«

Artikelbild für den Artikel "URVÄTER & ERFINDER" aus der Ausgabe 100/2021 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Von wegen, das Rad kann man nicht neu erfinden. Kann man wohl, zumindest im Tauchsport. Genau das tat die Firma Ocean Reef vor nun bereits acht Jahren mit der Erfindung der Schnorchel-Vollgesichtsmaske. Es dauerte allerdings noch bis 2017/2018 bis diese neue Maske dank des Sportartikelgiganten Decathlon mit dem die Maske entwickelt wurde, die Welt eroberte. Seit dem tauchten unzählige Varianten anderer Hersteller auf. Dennoch: Wer hat‘s erfunden? Ocean Reef.

Die Firma selbst gibt es seit 1993. Bekannt im Bereich des Sporttauchens sind die Vollgesichtsmasken der Italiener. Aber die Ursprünge der Firma reichen viel weiter zurück und sind viel tiefer in der Geschichte des Tauchsports verwurzelt, als man meinen könnte.

Die Gründungsväter

Ligurien, und hier vor allem der Großraum um Genua, ist die Geburtsstätte des europäischen Tauchsports. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ...

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... hier die bahnbrechenden Erfindungen und Entwicklungen von Tauchausrüstung ins Rollen gebracht. Eine bisher nur bei eingefleischten Tauchhistorikern bekannte Erfindung war die der Gummiflossen und -masken. Der Tauchpionier Luigi Fer- raro, ein berühmter Offizier, dem die italienische Kriegsmarine für seine Dienste mit der Goldenen Militärmedaille dankte, war auf der Suche nach dem optimalen Gummimix für seine Masken und Flossen. Daher wandte er sich an die einzigen Personen in der Gegend, die sich wirklich gut damit auskannten: die Familie Gamberini. Die Brüder Giorgio, Gianni und Ruggero hatten eine kleine Reifenwerkstatt mitten in Genua und experimentierten seit Jahren an verbesserten Rezepturen für Kautschukreifen. Durch einen Zufall bei einem ihrer Experimente hatten sie eine Mixtur hergestellt, bei der wohl zu viel Luft ins Material gedrungen war, was dazu führte, dass der entstandene Gummi auftrieb und schwamm. Ferraro, der später die Firma Technisub gründete, erkannte das Potential dieses Materials und setzte es für seine Zwecke ein. Das fiel auch einem anderen später sehr berühmten Bruderpaar auf: Egidio und Nanni Cressi. Die beiden hatten schon einige Jahre zuvor mit der Produktion von Harpunen und Tauchmasken begonnen. Mit ihnen kam dann der Durchbruch im Tauchsektor. In erster Linie ging es beim damaligen Tauchen lediglich um das Harpunieren. Mit den leichten Flossen und Masken und dem Geschäftssinn der Cressi-Brüder wuchs der Markt und wurde massentauglich. Kurz darauf betrat ein weiterer berühmter Namensgeber die Tauchbühne: Ludovico Mares. Mit ihm zusammen gründete die Familie Gamberini dann 1949 die Firma Mares, deren Firmensitz noch heute in Rapallo östlich von Genua liegt. Eine beeindruckende Historie, da zu dieser Zeit nicht nur Firmen entstanden, sondern sogar eine ganze Branche, die es bis heute noch gibt - wenn auch größtenteils in Weltkonzerne integriert. Auch bei den Gamberinis strebte man bald nach Größerem.

Fortschritt und Übernahmen

Mit der Gummirezeptur, die die Gamberinis entwickelten, wurden neben dem Tauchsport mit ihrer Firma »Reef Marine« noch weitere Märkte erschlossen: Gasmasken und Filter waren in der Medizin und bei Einsatzkräften von Feuerwehr bis Militär gefragt. Die Firma wuchs, und die Diversität der Produkte nahm zu. So verhalf der Gummi der Gamberinis sogar einer Uhrenmarke zu weltweiter Berühmtheit: Swatch-Uhren waren Mitte der 1980er Jahre unter anderem auch wegen ihrer farbigen Armbänder sehr gefragt. Geliefert wurden diese von den Gamberinis. In späteren Jahren wurden noch weitere Uhren- Hersteller beliefert. Inzwischen war die nächste Generation der Gamberinis herangewachsen und übernahm die Geschäfte. Vor allem Sergio Gamberini sind die folgenden Expansionen und Umsetzungen zu verdanken, die die Marke »Ocean Reef« zu dem machten, was sie heute ist – die Nummer Eins im Bereich der kommerziellen Vollgesichts-Tauchmasken. Dazu trug 1993 unter anderem auch der Kauf der Firma »Ocean Edge« bei. Dieses US-amerikanische Unternehmen stellte ein breites Sortiment an Tauchausrüstung her und war für die Italiener gleich in zweifacher Hinsicht interessant. Zum einen hatte man so einen Fuß im amerikanischen Markt, und andererseits konnte Sergio Gamberinis Idee verwirklicht werden, aus einer Gasmaske eine Vollgesichtsmaske für Taucher zu entwickeln. Zwar gab es schon durch den als Urvater der Vollgesichtsmaske geltenden Yves le Prieur (1933) modifizierte Atemschutzmasken, die von Schiffs- und Bergungstauchern eingesetzt wurden, sowie auch Entwicklungen, die im Zusammenhang mit Kreislaufgeräten zum Einsatz kamen. Aber den breiten Markt der Sporttaucher erschloss erst die Firma Ocean Reef mit preisgünstigen Modellen.

Pioniere der Neuzeit

Angespornt vom Verkaufserfolg der Masken, machte sich »Ocean Reef« daran, ein weiteres Marktsegment zu erobern: die Unterwasser-Kommunikation. Da die Mundpartie in den Masken frei liegt, war das Sprechen unter Wasser kein Problem. So wurden Sende- und Empfänger-Einheiten entwickelt, mit denen sich die Taucher nicht nur via Kabel mit der Oberfläche in Verbindung setzen können, sondern auch untereinander kabellos und auf einer Maximalentfernung von über 200 Metern kommunizieren können. Neben ständigen Produktverbesserungen, die mittlerweile im Modell Neptune III samt bereits in der Maske verbauter zweiter Stufe ihren Höhepunkt gefunden haben, gab es Anfang der 2000er Jahre eine echte Innovation, die den gesamten Schnorchel-Markt revolutioniert hat. Die Vollgesichts-Schnorchelmaske war geboren. Die Idee, genial wie einfach, entwickelt und marktreif gemacht von Ocean Reef und Decathlon, war und ist ein weltweiter Erfolg. Die Vollgesichtsmaske mit einem Schnorchel auszustatten und damit das Schnorcheln noch einfacher und für jeden zugänglich zu machen – eine Idee, auf die man erst mal kommen muss! Wieder ist den Gamberinis ein Eintrag ins Geschichtsbuch des Tauchsports sicher. Logisch, dass im nächsten Schritt auch hier Kommunikationseinheiten entwickelt wurden: die Snorkie Talkie-Einheiten. Damit kann man sich beim Schnorcheln bis auf eine Distanz von 150 Metern unterhalten. Und passend dazu blieb man sich und seinen Ursprüngen treu: Es gibt auch kleine Reise-Schnorchel-Flossen. Chapeau! Heute gibt es die Masken ins zigfacher Ausführung von zig Anbietern. Aktuell sind die Ocean Reef-Masken noch ganz woanders im Einsatz: in Krankenhäusern, wo man es mit der Corona-Infektion zu tun hat. Hier kommen die Masken samt Filter beim Personal zum Einsatz und schützen vor Ansteckungen. So steht die Firma derzeit auf drei Standbeinen: dem Tauchsegment, dem Schnorchelbereich und der Entwicklung von Sicherheitsausrüstung und Kommunikationseinheiten. Und als wäre das nicht genug, ließ man sich aus einer Laune heraus im Rahmen der Mailänder EXPO- Weltausstellung 2015 einfallen, direkt vor der Küste eines kleinen Badeorts ein Unterwasser-Gartenprojekt ins Leben zu rufen: Nemo‘s Garden. Was es damit auf sich hat, verraten wir in einer der kommenden Ausgaben. Und woher der Unternehmerund Erfinderdrang der Familie Gamberini kommt, verrät das folgende Interview. t

Neben den Vollgesichtsmasken gehören Kommunikations-Einheiten zum Portfolio von Ocean Reef. Diese findet man als Profi-Version (unten) oder für die Schnorchel-Vollgesichtsmaske als »Snorkie Talkie«-Einheit.

Infos: oceanreefgroup.com