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USA DAS GELOBTE LAND DER CANNABIS- INDUSTRIE


marktEINBLICKE - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 23.07.2021

Artikelbild für den Artikel "USA DAS GELOBTE LAND DER CANNABIS- INDUSTRIE" aus der Ausgabe 3/2021 von marktEINBLICKE. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Die Bundesregierung will weiterhin nichts von einer Legalisie- rung von Cannabis als Genussmittel wissen. Zumal die Vorteile selbst bei der medizinischen Nutzung nicht immer eindeutig sind, gleichzeitig aber viele Risiken bleiben. So heißt es in der vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebenen Studie „Cannabis Potential und Risiko Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme“: „Die Risiken des Cannabiskonsums zu Rauschzwecken werden erneut bestätigt. Besonders schädlich ist der Cannabiskonsum in der frühen Jugend. Im Bereich der medizinischen Anwendung von Cannabisarzneimitteln wurde vor allem deutlich, dass der Forschungsstand noch sehr uneinheitlich ist. Aufgrund der begrenzten Datenlage kann zu vielen Krankheitsbildern noch keine Aussage zur Wirksamkeit von Cannabis gemacht werden.

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CANNABIS-UNTERNEHMEN SCHAUEN AUF DEN US-MARKT

Seit 1. Juli 2021 dürfen Bürger des US-Bundesstaates Virginia, die mindestens 21 Jahre alt sind, kleine Mengen Marihuana besitzen und anbauen. Das entsprechende Gesetz hatte der Demokratische Gouverneur Ralph Northam am 21. April dieses Jahres unterzeichnet. Obwohl Cannabis bundesweit in den USA verboten bleibt, gehört Virginia nun zu den mehr als ein Dutzend Bundesstaaten, die die Droge auch als Genussmittel legalisiert haben. Den Anfang hatte Colorado 2012 gemacht.

Als kleine Mengen wird in diesem Fall der Besitz von Cannabis von bis zu 1 Unze (ca. 28 Gramm) verstanden. Wer mehr als 1 Unze, jedoch weniger als 1 Pfund Marihuana besitzt, kann mit einer Geldstrafe rechnen. Ab einem Pfund wird der Besitz strafrechtlich verfolgt und kann zu einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar führen. Als Begründung für die Verabschiedung des Gesetzes wurden vonseiten von Northam unter anderem Bürgerrechtsaspekte angeführt.

So hatte eine Kommission zur Überprüfung von Gesetzen in einem im November 2020 veröffentlichten Bericht herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit für Afroamerikaner in Virginia, für den einfachen Besitz von Marihuana festgenommen zu werden, mehr als drei Mal so hoch ist als im Fall von Weißen. Auch aus einem anderen Grund ist die Legalisierung von Marihuana in Virginia bedeutend.

Virginia ist der erste Bundesstaat aus dem Süden der USA, der Cannabis als Genussmittel erlaubt. Weitere Staaten dürften folgen. Und auch die bundesweite Legalisierung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Viele Befürworter dürften angesichts des politischen Umfeldes sogar enttäuscht sein, dass diese nicht bereits verabschiedet wurde. Nachdem sich der Demokrat Joe Biden Anfang November 2020 die US-Präsidentschaft gesichert hatte und seine Partei sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit errungen hatte, schien der Weg frei zu sein.

EIN BESONDERER TAG

Einige Befürworter von einer Legalisierung von Marihuana dürften sogar den weltweiten Kiffer-Tag am 20. April 2021 als Stichtag auserkoren haben. Doch daraus wurde nichts. Chuck Schumer, der Demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, machte Befürwortern einer Cannabis-Legalisierung jedoch Hoffnungen, dass der Gebrauch von Marihuana als Freizeitdroge bis zum Kiffer- Tag 2022 bundesweit legalisiert werden könnte. Anlässlich des Kiffer-Tages sagte Schumer im US-Senat: „Heute ist ein, man könnte sagen, sehr inoffizieller amerikanischer Feiertag – 4 / 20.“

Außerdem sagte er, dass die Zeit gekommen sei, sich eingehend mit den Gesetzen zu befassen, die den Konsum von Marihuana überkriminalisiert und mit dem Konsum von Heroin, LSD und anderen Betäubungsmitteln, die wenige bis keine Gemeinsamkeiten bei den Auswirkungen auf den Einzelnen oder die Gesellschaft als Ganzes hätten, gleichgesetzt haben. Zudem ging auch Schumer auf die unterschiedlichen Auswirkungen der Gesetze auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen ein. Abschließend sagte er: „Hoffentlich hat unser Land, wenn dieser inoffizielle Feiertag am 20. April das nächste Mal begangen wird, sinnvolle und umfassende Schritte bei der Bekämpfung der Überkriminalisierung von Marihuana unternommen.“

WACHSENDE ZUSTIMMUNG

In der US-Bevölkerung ist die Zustimmung für eine Legalisierung von Marihuana so groß wie noch nie. Im Herbst 2020 waren laut einer Gallup-Umfrage 68 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner für eine Legalisierung. Ein Jahr zuvor lag der entsprechende Wert bei 66 Prozent. Als diese Studie erstmals im Jahr 1969 durchgeführt wurde befürworteten lediglich 12 Prozent der Amerikaner eine Legalisierung. 1977 lag der Wert bereits bei 28 Prozent, trotzdem wurde die 30-Prozent-Marke laut Gallup erst im Jahr 2000 geknackt.

Seitdem ist sie steil angestiegen. Zu den Bevölkerungsgruppen, die entsprechende Gesetzesänderungen am meisten befürworten, gehören Männer, junge Erwachsene, Hochschulabsolventen und diejenigen, die in Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mindestens 100.000 US-Dollar leben. Außerdem sind die Unterstützer auf dem linken Spektrum der Politik zu finden. 83 Prozent der Demokraten befürworten eine Legalisierung und 72 Prozent der Unabhängigen. Bei Republikanern liegt die Zustimmungsrate bei 48 Prozent.

KANADA ALS VORREITER

Während die Mehrheit der US-Amerikaner eine Legalisierung von Marihuana als Freizeitdroge befürwortet, hat Kanada im Oktober 2018 für eine Revolution gesorgt und als erstes G7-Land den Besitz von bis zu 30 Gramm Cannabis und den Konsum für Erwachsene erlaubt. Darüber hinaus darf jeder Haushalt bis zu vier Cannabis-Pflanzen züchten, um den Eigenbedarf zu decken. Die entsprechenden Samen oder Pflanzen müssen von lizensierten Händlern erworben sein.

Im Oktober 2019 wurden zudem Lebensmittel mit Cannabis-Zusätzen wie Backwaren oder Getränke legalisiert. Bereits 2001 hatte das Land den Gebrauch von Cannabis als Arznei­ mittel erlaubt. Neben den Steuereinnahmen, die ein legaler Handel mit Cannabis-Pro­ dukten mit sich bringt, hatte die kanadische Regierung vor allem die Beseitigung der Über­ kriminalisierung von Marihuana im Blick.

Kleine Vergehen in Zusammenhang mit dem Besitz von Cannabis können den Grundstein für weitere Verbrechen und sogar Gefängni­ saufenthalte legen. Indem Kanadier, die kleine Mengen an Marihuana besitzen und konsu­ mieren, vom Rechtssystem und den Gefäng­ nissen ferngehalten werden, werden die Ge­ richte des Landes entlastet. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass offenbar immer mehr Kanadier die Angebote auf dem legalen Can­ nabis-Markt nutzen.

Laut der kanadischen Statistikbehörde Stats­ Can wurden im vergangenen Jahr 2,6 Mrd. CAD (ca. 1,77 Mrd. Euro) mit Cannabis als Freizeitdroge umgesetzt. Ein Anstieg um 120 Prozent gegenüber 2019. Die Zahl der Geschäfte, in denen man legal Cannabis-Produkte erwerben kann, stieg von 760 auf knapp 1.400. Besonders interessant: Laut StatsCan habe der legale Cannabis-Markt im dritten Quartal des Jahres erstmals den illegalen Markt übertroffen.

„... Beschränkungen in Zusammenhang mit COVID-19 haben auf dem kanadischen und deutschen Markt für einzigartige Herausforderungen gesorgt. Wenn diese Märkte wieder öffnen, ist Tilray bereit, die Branche mit seinem hoch skalierbaren operativen Fußabdruck, einem starken Portfolio verschiedener Cannabis- Marken und -Produkte für den medizinischen und freizeitlichen Gebrauch, einem Vertriebsnetz auf mehreren Kontinenten und einer robusten Kapitalstruktur zur Finanzierung unserer globalen Expansionsstrategie zu erobern und zu transformieren sowie unseren Stakeholdern eine nachhaltige Rentabilität und langfristigen Wert zu liefern.“

Irwin D. Simon, Tilray-CEO

Für Anleger ist es nicht immer einfach, die Profiteure eines möglichen Megatrends zu identifizieren. Insbesondere in einem noch sehr jungen und unübersichtlichen Gebiet wie dem Cannabis-Markt. Warum diese Arbeit also nicht ETF-Managern überlassen. Zu den Branchen-ETFs gehört seit einiger Zeit der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF. Dieser konzentriert sich auf Unternehmen, die in den globalen medizinischen Cannabis- und Cannabis-bezogenen Biowissenschaftssektoren tätig sind. Der Schwerpunkt liegt auf Unternehmen in den Sektoren Biotechnologie /Pharma, Hanf und Cannabidiol (CBD). Der ETF- Anbieter Rize ETF selbst sieht sich als Europas erster themenbezogener ETF-Spezialist. Unternehmensziel ist es, herkömmliche Denkweisen herauszufordern und Anlegern einen unkomplizierten Zugang zu den bahnbrechendsten Megatrends zu bieten, die unseren Planeten prägen. Dazu wird auch der Cannabis-Markt gezählt.

GROSSES POTENZIAL?

Wenn sich Anleger dazu entschließen, ihr Geld in Cannabis-Investments zu stecken, muss ihnen klar sein, dass die Papiere starken Kursschwankungen unterworfen sind. Dies wurde im Zuge der jüngsten Aufschwungphasen rund um die Wahl Joe Bidens zum 46. US-Präsidenten und die von einigen Reddit-Usern in Diskussionsforen im Internet ausgelösten Übertreibungen deutlich. Auf starke Kursrallyes folgten bei Titeln wie Canopy Growth oder Tilray auch schnell wieder deutliche Kursrücksetzer.

Allerdings sehen Marktexperten auch viel mittelbis langfristiges Potenzial. Cowen-Geschäftsführerin Vivien Azer sagte gegenüber Yahoo Finance, dass Sie damit rechnet, dass die Branchengrößen im Cannabis-Bereich ihre Umsätze jährlich ab 16 Prozent bis in den hohen 20er- Prozentbereich steigern könnten. Diese Wachstumsraten seien deutlich höher als sämtliche Werte aus den Bereichen Getränkeindustrie oder Tabak, die bei Cowen analysiert werden.

Laut Cowen lag das Volumen des legalen Cannabis-Marktes in den USA 2020 bei rund 11 Mrd. US-Dollar. Bis 2030 wird dank eines durchschnittlichen jährlichen Zuwachses um 16 Prozent mit einem Anstieg auf rund 49 Mrd. US-Dollar gerechnet. Wenn man auch noch den Gesundheitsmarkt und die illegalen Geschäfte einbezieht, würde laut Schätzungen im Jahr 2030 sogar die Marke von 100 Mrd. US-Dollar geknackt werden. Das größte Problem bleibt jedoch die fehlende bundesweite Legalisierung.

Welches Potenzial diese hätte, zeigt ein von Kim Rivers, CEO beim US-Cannabisunternehmen Trulieve, gegenüber Yahoo Finance angeführtes Beispiel. Demnach hätte die Legalisierung von Cannabis die Abschaffung einiger Steuern auf Bundesebene, mit denen „legale“ Geschäfte nicht behaftet seien, zur Folge. Im Fall von Trulieve wäre die Steuerlast auf diese Weise im Jahr 2020 von 105,3 Mio. US-Dollar um mehr als 60 Mio. US-Dollar niedriger ausgefallen.

„Hoffentlich hat unser Land, wenn dieser inoffizielle Feiertag am 20. April das nächste Mal begangen wird, sinnvolle und umfassende Schritte bei der Bekämpfung der Überkriminalisierung von Marihuana unternommen.“

Chuck Schumer, Demokratischer Mehrheitsführer im US-Senat

FAZIT

Das Thema Cannabis ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Diskussion um Zukunftsmärkte und Megatrends. Allerdings sind wir weit von einer umfassenden weltweiten Legalisierung entfernt. So ist es auch zu erklären, dass die Aktien von Branchenvertretern teilweise deutlichen Schwankungen unterworfen sind und für die Aktiendepots von auf Sicherheit bedachten Anlegern kaum geeignet sind. Spekulanten dürften weiterhin viel Freude an den entsprechenden Titeln haben. Welche Dimensionen diese Spekulationen annehmen können, wurde im Zuge der Kursrallye zu Jahresbeginn deutlich, als Cannabis-Werte, ähnlich wie Gamestop und andere Titel, Teil der von Reddit-Usern ausgelösten Übertreibungen waren.