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USB TYP-C: USB-C: Ein Kabel für alles


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 03.05.2019

Der smarte USB-C-Standard überträgtBildsignale, Strom und Daten mit bis zu zehn GBit/s. Zudem lädt er Smartphones und ersetzt künftig viele andere Stecker. So klappt der Umstieg


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Bildquelle: Chip, Ausgabe 6/2019

Die moderne USB-C-Buchse soll mit dem derzeitigen USB-Standard alles besser und einfacher machen: Datenraten von bis zu zehn GBit/s (brutto), die Übertragung von 4KVideosignalen per DisplayPort-Protokoll und das schnelle Aufladen von mobilen Geräten. Dazu kommt der verdrehsichere Stecker, der immer richtig liegt. Wer sich hier jedoch in einem Hort der Seligkeit wähnt, stellt schnell fest: In der Praxis ist USB momentan so ...

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... kompliziert wie nie zuvor. Diese Verwirrung wird durch die eigenwilligen Vorgaben des offiziellen USB IF (Universal Serial Bus Implementers Forum) angezettelt und durch fehlende oder falsche Produktbezeichnungen bei USBKabeln noch verschlimmert.

Seit Anfang des Jahres ist klar, dass die bisherigen Standards umbenannt werden: „USB 3.1 Gen 1“ mit fünf GBit/s (das seinerseits den noch älteren Namen USB 3.0 ersetzt hatte) heißt nun USB 3.2 Gen 1. Der mit zehn GBit/s derzeit schnellste Standard USB 3.1 Gen 2 wird umgetauft in USB 3.2 Gen 2. Ganz neu hinzu kommt ein Standard mit 20 GBit/s namens – Achtung! – USB 3.2 Gen 2x2. Dabei steht „2x2“ für die Zahl der Datenleitungen, „Gen“ ist die Abkürzung für „Generation“. Sein volles Tempo erreicht er nur mit einem kompatiblen USB-C-zu-USB-C-Kabel. Ende des Jahres soll es die ersten Produkte damit geben.

USB bekommt neue Bezeichnungen

Da die neue Nomenklatur wenig anwenderfreundlich ist, sind griffigere Marketing-Bezeichnungen vorgesehen: „SuperSpeed USB“ für USB 3.2 Gen 1 mit maximal fünf GBit/s, „SuperSpeed USB 10 Gbps“ für USB 3.2 Gen 2 und „SuperSpeed USB 20 Gbps“ für USB 3.2 Gen 2x2. Das größte Problem dabei: Diese Vorgaben sind nur Empfehlungen, die das USB IF den Herstellern macht. Eventuell werden sich die Bezeichnungen als Standard auf Peripherie und Kabeln durchsetzen, bis dahin ist aber Chaos angesagt. Sucht man auf Amazon nach „SuperSpeed USB 10 Gbps“, dann liefert der erste Treffer ein Kabel mit der exotischen Bezeichnung „USB Typ C Kabel, Super Speed Gen 2 (10Gbps) USB 3.1“.

Das richtige USB-C-Kabel finden

Es wäre natürlich schön, wenn jedes USB-Kabel alle neuen Funktionen automatisch unterstützte. Aber nur weil ein Kabel für USB 3.2 Gen 2 ausgelegt ist, heißt das nicht, dass es auch das gewünschte Feature besitzt. Wer ein einfaches USB-C-Kabel zum Aufladen seines Smartphones sucht, benötigt einen anderen Standard als jemand, der einen USB-Monitor anschließen möchte. Hinzu kommt, dass USB-C-Kabel auch für den alten USB-2.0-Standard erhältlich sind. So werden die meisten Typ-CSmartphones mit günstigen USB-2.0-Kabeln ausgeliefert.

Auch „Power Delivery“ (PD), der Standard, auf den iPhones und Googles Pixel-Handys zur Schnellladung setzen, muss vom Kabel unterstützt werden. Wer sein Smartphone mit einem USBC- auf-USB-C-Kabel am Computer auflädt, könnte theoretisch das Gerät oder das Mainboard im PC zerstören. Das verhindert der Pull-up-Widerstand im USB-C-Stecker, der aber nur dann funktioniert, wenn sich der Hersteller an die Spezifikation hält. Auch bei der Transferrate und den alternativen Modi wie HD-Audio für Kopfhörer, DisplayPort und HDMI für Computer oder MHL für mobile Geräte sollte man genau aufpassen, dass das Kabel die jeweiligen Standards unterstützt.

Zusammengefasst bedeutet dies: Das Kabel muss entweder das richtige Tempo unterstützen, ausreichend Ladestrom übertragen oder den richtigen Modus (z. B. Video) besitzen – oder mehrere dieser Features gleichzeitig bieten. Wie findet man also das richtige Kabel? Fachhändler (stationär oder online) sollten im Idealfall die Kabel entsprechend kennzeichnen. Bei Amazon sind die Kunden in der Regel mit den „Amazon Basic“-Kabeln recht zufrieden, deren Produktbezeichnung relativ aussagekräftig ist. Dabei empfiehlt es sich, die Kabel so kurz wie möglich zu wählen. Längen über drei Meter sollten immer vermieden werden. In diesen Fällen liegt man preislich auch immer über den günstigsten China-Offerten auf eBay.

Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man auf Nummer sicher gehen und ein zertifiziertes Thunderbolt-3-Kabel kaufen (ca. 30 Euro). Das unterstützt standardmäßig Datenraten bis 40 GBit/s, hat DisplayPort-Support, bietet genügend Ladestrom und wird auch voll kompatibel mit USB 3.2 Gen 2x2 sein.

Typ-C-Buchsen nachrüsten

USB-Buchsen mit Typ-C-Stecker zählen in der Technik immer noch nicht zum Standard. Nur Premium-Notebooks wie Dells XPS oder das MacBook Pro bringen ausschließlich USB-C-Buchsen mit, davon aber vergleichsweise wenige. Ähnlich sieht es bei Desktop-PCs aus, wo die USB-Buchsen in der Regel farblich markiert sind: Türkis steht etwa für schnelle USB-3.2-Gen-2- Buchsen mit zehn GBit/s, während USB 3.2 Gen 1 meist blau unterlegt ist. Bei Notebooks dagegen werden USB-Typ-C-Buchsen, die DisplayPort und damit das Anschließen von externen Monitoren unterstützen, oft mit einem kleinen „D“-Symbol markiert. Die einfachste Möglichkeit zum Erweitern der USB-Ports ist ein externer USB-Hub. Allerdings sind derzeit noch Modelle üblich, die per USB-C-Stecker am Computer angeschlossen werden. Sie bieten mehrere Typ-A-Buchsen zum Anschließen älterer Peripheriegeräte und nur einen (z. B. TP-Link UC430, ca. 20 Euro) oder maximal zwei Typ-C-Ports (z. B. Kensington CH1000, ca. 30 Euro). Falls man an seinem Computer mit Typ-ABuchse eine oder mehrere Typ-C-Buchsen nachrüsten möchte, sind fertige Hubs dafür praktisch nicht verfügbar. Stattdessen müssten Sie beispielsweise den oben genannten Kensington-Hub mittels eines Adapters (z. B. Delock 65689) an eine USB-ABuchse Ihres Rechners anschließen, die dabei natürlich Datentransfertempo und Stromversorgung limitiert.

Die meisten Hubs liefern momentan fünf GBit/s und ausreichend Strom, um externe Speicher zu betreiben. Funktionierende Hubs mit zehn GBit/s und Schnellladefunktion sind aber noch extrem selten (z. B. Lindy 43093, ca. 40 Euro). Denn alle angeschlossenen Geräte müssen die Bandbreite und Stromversorgung teilen – vor allem Letzteres kann passive Hubs ohne eigenes Netzteil schnell in die Knie zwingen.

Etwas aufwendiger ist die Nachrüstung von USB-C-Buchsen per PCIe-Karten und Mainboards. Allerdings gibt es hier schon einige Modelle mit USB-3.2-Gen-2-Support (zehn GBit/s). Einige verfügbare Beispiele finden Sie links unten. Bei aktuellen Computern mit einer NVMe-SSD in der M.2-Schnittstelle sollten Sie darauf achten, die USB-Steckkarte in einen PCIe-Slot zu stecken, der seine Bandbreite nicht mit dem M.2-Slot teilt. Infos dazu finden Sie im Mainboard-Handbuch.

Höherwertige Notebooks, etwa das Dell Latitude 7280, kommen schon mit Typ-C-Buchse Mit einfachen Adaptern passen Typ-C-Kabel auch an herkömmliche USB-A-Buchsen


Garantiert hochwertige USB-C-Kabel für schnelle Datenübertragung bekommen Sie mit „Thunderbolt 3“-zertifizierten Modellen


Viele Geräte an einem Port

Ein USB-Hub ist die einfachste Variante, mehrere Geräte an eine USB-C-Buchse anzuschließen. Die dafür benötigten Typ-A-auf-Typ-C-Hubs sind noch selten und ab Preisen von rund 20 Euro erhältlich. Häufiger finden sich Typ-C-auf-Typ-C-Hubs wie der Kensington CH1000, die neben ein oder zwei Typ-C-Buchsen noch mehrere Typ-A-Buchsen für ältere Peripherie-Geräte bieten.

PC-Karten und Mainboards

Typ-C-Buchsen und schneller USB-3.2-Gen-2-Standard mit einer Transferrate von 10 GBit/s lassen sich auch per PCIe-Karten oder mit neuen Mainboards nachrüsten – allerdings hat das noch seinen Preis. > PCIe-Karten Die Auswahl an schnellen USB-Controllern für den PC ist noch relativ klein. So bietet DeLock mit Artikelnummer 89442 (ca. 40 Euro) eine einfache Nachrüstkarte mit zwei Typ-CBuchsen, die intern mit 2 PCIe- 3.0-Lanes angebunden ist. Die Asus USB 3.1 Type-C Card 1 (ca. 40 Euro) für ältere Asus-Boards hat nur eine Typ-C-Buchse und ist mit 4 PCIe-2.0-Lanes angebunden. > Mainboards Etwas größer ist die Auswahl an Motherboards mit einer Typ-C-Buchse. Mit am günstigsten erhält man das beim Asrock Z390 Pro4 2 ab rund 130 Euro. Eines der preiswertesten Mainboards mit zwei Typ-C-Buchsen ist momentan das MSI MEG Z930 ACE ab rund 280 Euro.

Diese Geräte lassen sich mit Typ-C schon nutzen

Die naheliegendste Aufgabe einer schnellen Typ-C-Buchse ist die Anbindung eines externen Speichers mit 10-GBit/s-Datenrate. Das ist allerdings nur über Umwege möglich: Es gibt zwar USB-Sticks und externe SSDs mit Typ-C-Buchse und USB 3.2 Gen 2 – allerdings reizen die aktuellen Modelle dieses Tempo bei Weitem nicht aus. Wer die zehn GBit/s wirklich voll ausnutzen möchte, benötigt eine externe NVMe-SSD. Diese sind derzeit noch sehr kostspielig und nur mit Thunderbolt-3-Anschluss erhältlich. Eine deutlich günstigere Möglichkeit ist der Selbstbau mit dem USB-SSD-Gehäuse Icy Box IB-1816M-C31 mit M.2-Schnittstelle und 10-GBit/s-USB-Support (ca. 40 Euro). Dazu passt etwa die relativ günstige, aber schnelle Crucial P1 NVMe-SSD mit 500 GByte (ca. 75 Euro).

Weitere Peripherie mit Typ-C-Buchse ist momentan noch eher selten anzutreffen. So gibt es etwa mit der Logitech Brio (ca. 160 Euro) eine 4K/30-fps-Webcam, die mit nur einem Typ-CKabel auskommt. Außerdem sind einige No-Name-Mäuse und -Kopfhörer mit Typ-C-Stecker verfügbar.

Dagegen finden sich bei Smartphones mittlerweile schon viele Typ-C-Buchsen. Diese unterstützen aber, wie schon erwähnt, oft nur USB-2.0-Standard mit Schnellladefunktion. Die aktuellen Premium-Modelle wie das Samsung Galaxy Note 9 oder das Huawei Mate20 Pro, bieten aber allesamt schon USB 3.2 Gen 1. Apple setzt bei seinen iPhones nach wie vor auf den Lightning-Anschluss, der zwar ähnliche Features wie Typ-C liefert, aber nicht kompatibel mit USB ist.

USB-Monitore im Test

Ein weiterer sinnvoller Einsatzzweck von Typ-C ist der Anschluss von Monitoren, die dann gleichzeitig als Dockingstation fungieren. Daran bleiben Maus und Tastatur sowie externe Laufwerke angesteckt und alles zusammen wird mit einem einzigen USB-C-Kabel mit dem Notebook verbunden, das darüber auch geladen wird. Solche Monitore sind mit Diagonalen bis 34 Zoll erhältlich und bieten hochwertige IPS- oder VA-Panels sowie Auflösungen bis 4K. Wir haben zehn aktuelle Monitore mit USB-Videoübertragung per DisplayPort getestet. Alle Monitore dienen auch als USB-Hub und können Geräte aufladen, weshalb sie leistungsstarke Netzteile mitbringen. Anders wäre ein Display wie das des Testsiegers LG 34WK95U (ca. 1.300 Euro) kaum zu betreiben. Der 34-Zöller bietet ein 21:9-Breitbildverhältnis mit einer Auflösung von 5.120 x 2.160 Bildpunkten. Damit bietet er in einem Gerät mehr Bildfläche als zwei WQHD-Monitore (2.460 x 1.440 Pixel) nebeneinander.

Etwas weniger raumgreifend und günstiger gibt sich dagegen der Philips P-Line 328P6VUBREB (ca. 600 Euro): Mit 32-Zoll-Diagonale und 4K-Auflösung ist das Gerät ein toller Allround-Monitor mit guter Bildqualität und der einzige Testkandidat mit einem LAN-Kabelanschluss. Wegen des VA-Panels besitzt er zwar etwas weniger weite Blickwinkel, kann dafür aber aufgrund der kurzen Reaktionszeiten auch als ernst zu nehmender Gaming-Monitor eingesetzt werden. Der Preistipp im Testfeld kommt von Dell: Für ca. 470 Euro bekommt man einen 27-Zöller mit WQHD-Auflösung und solider Bildqualität. Die Ausstattung ist einfach, aber rund: Neben USB gibt es je einmal HDMI und DisplayPort, eine Pivotfunktion sowie eine tolle Ergonomie mit dreh- und höhenverstellbarem Standfuß.

Eine Alternative zu den stationären Business-Geräten sind kompakte Monitore, die ihren Strom über das Typ-C-Kabel vom Rechner beziehen. Diese Modelle wie beispielsweise der Asus MB 169B+ mit 16 Zoll, Full-HD-Auflösung und Schutzhülle-Standfuß-Kombination (ca. 215 Euro) eignen sich deshalb als leicht zu transportierender Zusatzmonitor fürs Notebook.

Ausblick: Das bringt USB 4

Obwohl noch keine Geräte mit USB 3.2 Gen 2x2 auf dem Markt sind, soll bereits dieses Jahr der USB-4-Standard verabschiedet werden. Dieser wird auch den Thunderbolt-3-Standard beinhalten, was das Chaos bei Standards und Bezeichnungen theoretisch mindern sollte. USB 4 wird Datenraten bis 40 GBit/s und einen Ladestrom von bis zu 100 Watt unterstützen. Zudem entfallen die hohen Lizenzgebühren von Thunderbolt. Dies lässt darauf hoffen, dass dann auch günstige Kabel, Adapter und Hubs alle Tempo- und Stromanforderungen erfüllen werden.redaktion@chip.de


Fotos: Philips (Aufm.); Hersteller