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Uschi Müller ehrt Lewandowski


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 52/2021 vom 22.12.2021

SPORT BILD-AWARD 2021 STAR DES JAHRES

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So wurde aus zwei Fotos eines

Wegen der strengen Corona- Auflagen beim FC Bayern konnte der SPORT BILD-Award nicht persönlich übergeben werden. So posierte zunächst Uschi Müller mit dem Pokal, dann Lewandowski – im Anschluss wurden beide Bilder zusammengefügt

Die Kugel ist etwas kleiner, das Lachen im Gesicht von Robert Lewandowski (33) dafür umso größer. „Jetzt habe ich doch meinen Goldenen Ball“, sagt der Bayern-Star und zeigt auf den SPORT BILD-Award als „Star des Jahres 2021“. Die Freude über die Auszeichnung ist in diesem Moment so groß, dass er sogar über die Ballon-d’Or- Wahl scherzen kann: Den größeren goldenen Ball in Form der Trophäe für den weltbesten Spieler hatte Lewandowski Ende November knapp verpasst, Lionel Messi (34) holte ihn zum siebten Mal in seiner Karriere. Eine äußerst fragwürdige Entscheidung! Das meinen nicht nur fast alle Experten, ...

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... sondern das meint auch die Frau, die Lewandowski den SPORT BILD-Award hat zukommen lassen.

★★★

Eigentlich war geplant, dass Uschi Müller, die Witwe des am 15. August verstorbenen Bombers der Nation, Gerd Müller († 75), Lewandowski den Preis persönlich überreicht. Aufgrund der strengen Corona-Vorschriften musste das persönliche Treffen abgesagt werden – über Lewandowski sprach Uschi Müller dennoch ausführlich beim Treffen mit SPORT BILD im Restaurant Käfer in München.

„Ich kann nicht verstehen, dass Robert nicht Weltfußballer wurde. Er hat so eine tolle Saison hinter sich. Der Gerd hätte zu ihm gesagt: ,Gut gemacht, Junge!‘ Er hätte Robert ganz sicher den Ballon d’Or gegönnt. So etwas wie Neid kannte er ohnehin nie.“

Lewandowski hat geschafft, was viele nicht für möglich gehalten hätten: den Müller-Rekord von 40 Toren aus der Saison 1971/72 in der vergangenen Spielzeit noch zu toppen. Jetzt gelten seine 41 Tore als neue Marke für die Ewigkeit.

„Ich habe Robert einmal auch persönlich gesagt: ,Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn Gerd den Rekord behalten hätte.‘ Aber ein Gleichstand, also beide mit 40 Toren, wäre ja auch nichts gewesen. Irgendwann wird jeder Rekord gebrochen. Robert macht einen total sympathischen, bodenständigen, fast schüchternen Eindruck auf mich. Er ist ein Superstar und dennoch sehr offen und interessiert.“

„Beim Ballon d’Or hat Mbappé zwischen Messi und mir übersetzt“

Bei der Verleihung des SPORT BILD-Awards 2013 hatte Gerd Müller seinen letzten öffentlichen Auftritt. In der Hamburger Fischauktionshalle wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Damals selbstverständlich an seiner Seite: Ehefrau Uschi. Nun hält sie den Award für Lewandowski in den Händen, der später an den Stürmer übergeben wird. Währenddessen spricht sie über die vielen Rekorde, die ihr Mann hielt und hält. Und welche davon wohl Lewandowski noch brechen kann.

„Ich bin mir sicher, dass der Torreigen von Robert weitergeht. Den 365-Tore-Rekord traue ich ihm auf jeden Fall zu“, glaubt Uschi. „Ich denke, dass er den Rekord in drei Jahren geknackt haben könnte. Ich halte das für sehr realistisch. Für Bayern wäre das enorm wichtig, dass Robert noch lange bleibt.“

„Gerd war der Artist, Robert ist der Athlet“

USCHI MÜL LER

„Jetzt habe ich doch meinen Goldenen Ball“

Aktuell hat Lewandowski 296 Tore in 367 Spielen erzielt. Eine Bilanz, die auch die Frau des Bombers beeindruckt. „Robert hat einen wahnsinnig starken Schuss und einen unglaublichen Körper. Wenn er Freiräume hat, knallt er richtig drauf “, sagt Uschi Müller und vergleicht: „Gerd war eher der Boden-Wusler. Er hatte oft sechs Füße um sich herum. Robert ist für mich der Athlet, Gerd war der Artist!“

★★★

Als Lewandowski die Worte von Uschi Müller ein paar Tage später in einer Videokonferenz mit den SPORT BILD-Reportern hört, strahlt er. Der riesige Respekt vor Gerd Müller und seiner Frau ist dem Polen anzumerken.

★★★

SPORT BILD: Herr Lewandowski, was halten Sie von der Einschätzung von Uschi Müller: Gerd war der Artist, Sie sind der Athlet. Stimmen Sie zu?

ROBERT LEWANDOWSKI: Zunächst einmal möchte ich mich bei Uschi Müller für die sehr netten Worte bedanken. Und genauso für den Preis, der eine sehr große Ehre für mich ist. Ohne meine Kollegen hätte ich ihn nicht gewinnen können. Ich sehe ihn als Auszeichnung für die ganze Mannschaft, für den ganzen FC Bayern an. Den Vergleich von Frau Müller finde ich interessant – er ist auch passend! Das liegt vor allem an unseren Körpern: Ich bin ein anderer Spielertyp als Gerd Müller. Ich bin größer, Gerd war an den Beinen viel muskulöser: Ein Oberschenkel hatte bei ihm den Umfang von zwei Oberschenkeln bei mir!

Wie haben sich diese unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Spielweise ausgewirkt?

Gerd hatte in der „Tiefgarage“, also weit unten, in den Bodenduellen, einen Vorteil. Wenn es um Schnelligkeit, um Reaktionen am Boden ging, war er immer einen Tick schneller als seine Gegner. Im Strafraum hatte er die Nase seinen Gegenspielern immer voraus: links, rechts, mit der Brust, mit dem Bauch. Meine Spielweise – die Bewegungen und Laufwege – sind anders. Aber wir beide wissen und wussten, dass der Ball über die Torlinie muss. Egal wie. Tor ist Tor.

Nachdem Sie den Rekord von Müller in Freiburg einstellten, lüfteten Sie ein T- Shirt mit dem Schriftzug „4ever Gerd“ unter Ihrem Trikot. Haben Sie das heute noch?

Ja, ich habe noch eines der beiden Shirts in unserem Haus. Das werde ich aufbewahren.

Uschi Müller kann nicht verstehen, wieso Sie den großen goldenen Ball, den Ballon d’Or, nicht gewonnen haben. Wie sehen Sie die Veranstaltung mit etwas Abstand?

Ich bin trotz Platz zwei bei dieser Wahl sehr stolz auf unsere Mannschaft und meine Leistungen. Im Nachhinein denke ich mir: Es war ein Duell zwischen Messi und mir, auf das die ganze Welt geschaut hat. Mit diesem fantastischen Spieler um den Titel des besten Fußballers der Welt zu konkurrieren ist eine große Ehre. Auf der anderen Seite war ich natürlich traurig, das kann ich offen sagen: Wenn man so nahe an dieser Auszeichnung ist und zudem die Verleihung 2020 – also in dem Jahr, in dem wir alle Titel gewonnen haben! – abgesagt wurde, tut das schon weh. Ich war so nah dran und trotzdem weit weg. Ich kann zu mir selbst sagen: Ich habe alles versucht, alles gegeben, was in meiner Macht steht – und mit diesem Gefühl lebe ich sehr gut.

Beim Ballon d’Or saßen Sie zwischen Messi und Mbappé: Was wurde da geplaudert?

Mit Leo konnte ich nur ein paar Worte direkt sprechen, da mein Spanisch nicht sehr gut ist. Aber Kylian saß ja daneben: Mit ihm konnte ich mich auf Englisch unterhalten, er hat dann für Leo übersetzt. Es war wirklich ein toller Abend. Die Worte von Leo Messi auf der Bühne in meine Richtung haben mich berührt. Das waren keine leeren Worte, das war ein schöner Moment in meiner Karriere.

Kylian Mbappé, einer der besten Fußballer der Welt, war Ihr Dolmetscher?

Ja, das kann man so sagen (lacht). Aber manche Dinge habe ich auch direkt verstanden: Die Fußballsprache ist universell.

Ihr Berater Pini Zahavi erklärte zuletzt: Er sei sich sicher, dass Sie den Ballon d’Or in den nächsten Jahren noch holen!

Es kommt auf so viele Kleinigkeiten, Details an. Es muss alles zusammenpassen. Was ich garantieren kann: Ich werde weiter meinen Job machen und meine beste Leistung zeigen.

Ist es realistisch, dass Sie den 365-Tore-Rekord von Gerd Müller knacken?

Ich war froh, dass Frau Müller nicht böse ist, wenn ich in ein paar Kategorien mit ihrem Mann gleichgezogen oder mir Rekorde von Gerd geholt habe. Für mich ist es eine große Ehre, mit so einer Persönlichkeit, so einem Spieler, in einem Atemzug genannt zu werden. Es gibt aber Bestmarken, die kann man nicht knacken. Wo Gerd Müllers Name immer über meinem stehen wird.

Müller hat zum Beispiel auch 68 Tore in 62 Länderspielen erzielt. Wie sehr treiben Sie Rekorde an?

Ich gehe nicht in Spiele oder Saisons und schaue vorher auf eine Liste: Was könnte ich nun schaffen? Am besten ist das Gefühl, nach Toren zufällig mitzubekommen, dass man eine Bestmarke aufgestellt hat. Nicht zu viel darüber nachdenken – das ist bei Rekorden und vor dem Tor das beste Rezept.

Sowohl bei Gerd Müller als auch bei Ihnen gab und gibt es Phasen, in denen Sie mal ein, zwei Spiele lang nicht treffen. Uschi Müller erzählte uns, dass bei Gerd schnell Zweifel aufkamen. Und dass sie als Ehefrau auf keinen Fall zu Hause Tipps geben sollte. Wie gehen Sie mit torlosen Spielen um – und versucht Ihre Frau Anna dann, Ihnen zu helfen?

„Das fünfte Tor innerhalb von neun Minuten gegen Wolfsburg war bisher das schönste meiner Karriere“

Wenn ich einen Treffer vorgelegt, aber kein Tor selbst erzielt habe – wie beispielsweise im letzten Gruppenspiel der Champions League gegen Barcelona (3:0; d. Red.) – bin ich nicht wirklich zu 100 Prozent zufrieden. Wenn ich keine Vorlage und kein Tor habe, bin ich noch weniger zufrieden. Auf meiner Position musst du diese Gier einfach haben – selbst wenn wir gewonnen haben! Ich muss hungrig bleiben. Nur so kann ich in meinen Augen der Mannschaft helfen. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Im Kopf zu haben, dass es nur mit einem Tor ein gutes Spiel ist, kann die letzten Prozent rauskitzeln. Das macht mich selbst stärker und hilft meiner Mannschaft.

Und wie sollte Ihre Frau Anna reagieren, wenn Sie kein Tor geschossen haben?

Die beste Lösung ist für mich dann: sprechen! Meine Frau Anna weiß genau, wann sie mit mir sprechen sollte oder wann sie besser noch einen Moment abwartet. Anna kann meine Gedanken lesen. Sie hat das per- fekte Timing und gibt mir immer ein besseres Gefühl.

Sie können also auch mal ein Spiel ohne eigenen Treffer verkraften …

Ich will nicht, dass jemand sagt: Wenn Lewandowski nicht unter den Torschützen steht, dann war er schlecht. Auch Vorlagen machen Spaß, ich setze meine Mitspieler gerne in Szene. Selbst kleine Bewegungen, Läufe in Räume können am Ende extrem wichtig sein. Ich wünsche mir, dass die Leute das ebenfalls akzeptieren, sagen: „Das war eine klasse Aktion!“

Sie haben in Ihrer Karriere fast alles gewonnen. Was treibt Sie an, was wollen Sie noch erreichen?

Es wird schwer, mit Polen Weltmeister zu werden, das muss man realistisch sehen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere. Aber satt bin ich noch lange nicht: Wenn ich einen Titel einmal geholt habe, will ich ihn noch mal! Zum Beispiel die Champions League. Ich lebe nach diesem Motto, ich trainiere dafür jeden Tag. Solange ich auf dem höchsten Niveau spiele, will ich meine Leistungen bestätigen. Eine Karriere ist endlich – ich arbeite jeden Tag dafür, solange wie möglich in der Weltklasse zu bleiben.

„Beim Fallrückzieher in Kiew habe ich mit einem offenen Schuh getroffen“

Wer sind für Sie die drei besten Stürmer aller Zeiten?

Eine sehr gute Frage. Hier gilt auch wieder: Nennt man Messi? Nennt man Ronaldo? Beide sind keine klassischen Mittelstürmer. Dort hat Karim Benzema seit vielen Jahren überzeugt. Oder Salah, Agüero, Harry Kane. Es gibt Thierry Henry, Ronaldo aus Brasilien, über Gerd Müller haben wir schon gesprochen. Und ich hoffe, dass ich in dieser Reihe auch genannt werde.

Ist Messi der beste Spieler aller Zeiten?

In dem Zeitraum, seit ich auf Profi-Niveau Fußball spiele, stehen Messi und Ronaldo ganz oben. Es war immer ein Duell zwischen beiden. Die Frage zwischen ihnen ist einfach: Wer mag welchen Spielertyp?

Wie fällt Ihre Antwort aus?

Das ist schwer. Ich respektiere die harte Arbeit von Cristiano Ronaldo. Für Messi scheint alles einfach zu sein. Ich glaube, Cristiano musste für seinen Erfolg härter arbeiten.

Welches war Ihr schönstes Tor im Jahr 2021?

Wahrscheinlich der Fallrückzieher in Kiew, das Tor ist frisch in meiner Erinnerung. Und: Ich habe es mit einem offenen Schuh erzielt (lacht).

Welches war das schönste Tor Ihrer Karriere?

Ich denke das fünfte Tor gegen Wolfsburg beim Spiel mit fünf Treffern in neun Minuten.

Sie haben damals per Seitfallzieher aus 15 Metern getroffen. In welchem Spiel der Zukunft wollen Sie unbedingt noch ein Tor schießen?

Im Champions-League-Finale – und dann noch ein entscheidendes Tor für Polen in einem WM-K.o.-Spiel. Davon träume ich.

Im Achtelfinale der Königsklasse trifft Bayern auf Salzburg. Ist Ihre Mannschaft nach der perfekten Vorrunde der Topfavorit auf den Titel in der Champions League?

Die Favoriten sind für mich Liverpool, Manchester City, PSG, Real Madrid, Chelsea und wir. Das erste Achtelfinale ist Ende Februar – bis dahin kann sich sehr viel ändern. Aktuell sehe ich diese sechs Mannschaften vorne.