Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

“VAD F-N HAN GETT SIG IN PÅ”


Tattoo Kulture Magazine - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 01.06.2021

OVE SKOG "DOC FOREST"

SCHWEDENS TATTOO-PIONIER - 1944–2018

Artikelbild für den Artikel "“VAD F-N HAN GETT SIG IN PÅ”" aus der Ausgabe 4/2021 von Tattoo Kulture Magazine. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tattoo Kulture Magazine, Ausgabe 4/2021

Jan Ove Gunnar Skog, geboren am 7. Juli 1944, war, wie seine Familie in seinem Nachruf schrieb, ein Tausendsassa. Er ist in Schweden bekannt als Konstrukteur von Hot Rods über Gitarren bis hin zu Tattoo-Maschinen, Designer von Bekleidung, vor allem aber als Schwedens größter Tattoo-Pionier.

Im Gedenken an ihn habe ich Einiges zusammengetragen, um euch einen kleinen Einblick in sein bewegtes und farbiges Leben zu geben.

Text: Manfred Kohrs Bilder: Manfred Kohrs, Nachlass Streckenbach, Institut für deutsche Tattoo Geschichte.

Als Ove Skog im Laufe seiner Schulzeit etwas über Tätowierungen hörte, war er sofort Feuer und Flamme und begann, sich selbst und einige Klassenkameraden mit zusammengebundenen Nähnadeln und Tusche zu tätowieren.

Im Frühjahr 1961 heuerte Skog als Seemann an und das Tätowieren begleitete seine Reisen. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Tattoo Kulture Magazine. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2021 von NOT FOR SALE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NOT FOR SALE
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von SCHMETTERLING - MARIPOSA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHMETTERLING - MARIPOSA
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von VLAD KONDRATIEV. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VLAD KONDRATIEV
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von MIKE BOYD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MIKE BOYD
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von KISSCAL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KISSCAL
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von product pages. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
product pages
Vorheriger Artikel
SCHMETTERLING - MARIPOSA
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel VLAD KONDRATIEV
aus dieser Ausgabe

... Einige Jahre lang hat Skog mit drei Nadeln an einem Bleistiftgriff handtätowiert. Er stieß zufällig auf einen Tätowierer in Sri Lanka, der sowohl eine Tätowiermaschine als auch mehrere Farben besaß und bereit war, die Adresse eines US-amerikanischen Lieferanten weiterzugeben, woraufhin Skog sein eigenes professionelles Equipment bestellen konnte.

1968 heuerte Skog als Seemann ab und traf bald darauf einen schwedischen Tattoo-Fan namens Alvar Blomqvist, der Skog in der Folgezeit unterstützte. Skog hatte jedoch Schwierigkeiten, sich als Tätowierer frei zu entwickeln. Das lag zum einen daran, dass der Ruf der Tätowierung zu der Zeit auch in Schweden noch sehr stark negativ behaftet war und zum anderen, weil die Tätowierer jener Zeit ihre Berufsgeheimnisse sehr streng hüteten.

Im Jahr 1971 reisten sie gemeinsam durch Europa und besuchten mehrere aktive Tätowierer, die Bekannte von Blomqvist waren. Sie prüften auch, ob es in Schweden ein ausdrückliches Verbot des Tätowierens gab - was nicht der Fall war. Allerdings musste ein solches Vorhaben von der staatlichen Gesundheitsbehörde geprüft werden. Nach erfolgreicher Prüfung durch die Behörden eröffnete Skog am 5. Mai 1972 in Aspudden bei Stockholm das Tattoo-Studio "Doc Forest".

Seinen Künstlernamen übernahm er von einem amerikanischen Tätowierer, der sich Doc nannte und Forest ist eine Übersetzung seines Nachnamens Skog.

1973 wurde Skog zusammen mit neunzig anderen internationalen Tätowierern zu einer Tattoo-Ausstellung nach Tokio eingeladen. Skog war jedoch der Einzige, der die Einladung annahm, was ihm bei den Japanern erheblichen Respekt einbrachte. Das sollte für den jungen Schweden in der Folge sehr bedeutsam werden, da Skog eine größere Menge an japanischen Motiven mit nach Schweden nehmen konnte. Die er bereits in den 1970er Jahren auch großflächig einsetzte und gelegentlich mit anderen Stilrichtungen kombinierte.

1975 nahm Skog auch am Tattoo-Treff in Hamburg teil, zu dem Theodor Vetter (Tattoo-Theo) eingeladen hatte. In den Folgejahren sah man ihn auf beinahe jeder Convention in Europa und den USA. Er fiel durch seine markante Kleidung auf, die er selbst entworfen hatte.

In den 1980er Jahren wuchs das Interesse und die Akzeptanz in der Gesellschaft an Tattoos. Zur gleichen Zeit hielt das HIV-Virus auch in Schweden Einzug. Skog, der sich daraufhin Sorgen um den Ruf und die Hygiene der Branche und nicht zuletzt um die Gesundheit seiner Kunden machte, nahm Kontakt mit dem Nationalen Amt für Gesundheit und Wohlfahrt auf, um professionelle Vorschriften und Kontrollen für Tätowierer zu entwickeln. Um 1986 entstanden -inspiriert vom kalifornischen Modell- in Schweden neue Regelungen, die Skog erheblich mitgestaltet hatte.

Im Jahr 1991 wurde Skog von der Karolinska-Klinik (königliche medizinische Universität) kontaktiert, die eine neue Methode zur Tätowierung von Brustwarzen bei Brustkrebspatientinnen ausprobieren wollten. Skog übernahm die Methode von Horst Streckenbach und war damit in Schweden sehr erfolgreich. In diesem Zusammenhang hielt Ove Skog in den späten 1990er Jahren für die Hautabteilung des Karolinska-Instituts Seminare ab, um Studenten der Dermatologie in diesem Tätowier-Verfahren zu schulen.

Ove Skog war einer der Gründer der SPT (Swedish Professional Tattooists) in Västerås im Jahr 1991. Diese Vereinigung wurde später neu organisiert und 2007 als Berufsorganisation SRT (Sveriges Registererade Tatuerare) eingetragen.

2014 beschloss Skog, damals siebzig Jahre alt, sein weiteres Leben entschleunigt zu gestalten. Statt hauptberuflich zu tätowieren, wollte er sich mehr auf seine Hobbys wie den Bau von Hot Rods, Gitarren und Tätowiermaschinen konzentrieren und es ruhiger angehen lassen. Leider erlebte er diese Phase nur kurz. Ove Skog verstarb am 25. Juni 2018 in seinem Heimatort. Der Tattoo-Pionier Ove "Doc Forest" Skog ist nach einem langen Kampf gegen den Krebs gestorben, bestätigte seine Tochter Jessica gegenüber dem Aftonbladet Stockholm. Das Tattoo-Studio Doc Forest lebt jedoch in seinem Sinne von Tradition und Qualität durch seinen Schwiegersohn und ehemaligen Lehrling Valter weiter.

TRIVIA

Skog begann bereits 1998 mit dem Versuch, den schwedischen Handwerksrat für ein Berufsbild des Tätowierers zu interessieren. Im Jahr 2018 wurde von der SRT mit Ove Skog an der Spitze ein Berufsbild mit abschließender Gesellenprüfung für Tätowierer ausgearbeitet. Im November 2018 konnten im Rathaus von Stockholm -als erste in der Welt- zwölf Meister und drei Gesellen im Tattoo-Beruf ihren Meister- bzw. Gesellenbrief in Empfang nehmen.

Ove Skog wurde der Meisterbrief posthum verliehen, da er einige Monate zuvor verstarb.

TATTOO COLLECTION KOHRS & INSTITUT FÜR DEUTSCHE TATTOO GESCHICHTE

tattoo_collection_kohrs

idtg.ev

RIP DOC FOREST